Stockwaagen im Vergleich: Wir testen Bienenwaagen von BroodMinder bis DIY-Lösungen und zeigen, welches System zu welchem Imker passt.
Eine Stockwaage ist das Auge, das du am Bienenstand hast, wenn du nicht da bist. Sie misst rund um die Uhr das Gewicht deines Bienenstocks und sendet die Daten auf dein Smartphone. Trachtbeginn, Schwarmabgang, Futterverbrauch im Winter — die Waage sieht alles. Aber welche Waage passt zu dir? Wir vergleichen die gängigen Systeme nach Preis, Funktion und Praxistauglichkeit.
Warum eine Stockwaage?
Bevor wir in den Vergleich einsteigen: Was bringt eine Stockwaage konkret?
- Trachtbeginn und -ende: Du erkennst auf den Tag genau, wann die Bienen eintragen — und wann es aufhört
- Schwarmabgang: Ein plötzlicher Gewichtsverlust von 1–3 kg tagsüber = Schwarm
- Räuberei: Ungewöhnlicher Gewichtsverlust bei anderen Völkern am gleichen Stand
- Winterüberwachung: Der Futterverbrauch zeigt, ob das Volk lebt und wie lange die Vorräte reichen
- Ernteoptimierung: Du erkennst den perfekten Zeitpunkt für die Ernte — wenn der Eintrag nachlässt
Die Stockwaage ersetzt keine Durchsicht. Aber sie sagt dir, wann du unbedingt nachschauen solltest — und wann du dir den Weg sparen kannst.

Arten von Stockwaagen
Einpunkt-Waagen (Single-Point)
Eine einzelne Wägezelle unter einer Seite der Beute. Das gemessene Gewicht wird verdoppelt, um das Gesamtgewicht zu schätzen. Günstig (ab 80 Euro), einfach zu installieren, aber weniger präzise. Für Trendanalysen (Zu- oder Abnahme) völlig ausreichend.
4-Sensor-Plattformen
Vier Wägezellen, eine unter jeder Ecke. Deutlich präziser, unabhängig davon, wo das Gewicht in der Beute verteilt ist. Teurer (150–350 Euro), aber für Leistungsvergleiche zwischen Völkern und exakte Erntegewichte empfehlenswert.
Kombinierte Systeme
Waage plus Temperatur-, Feuchte- und manchmal Akustik-Sensoren in einem Gerät. Diese Systeme liefern das umfassendste Bild, kosten aber auch am meisten (250–450 Euro).
Der große Vergleich
| System | Typ | Konnektivität | Preis (ca.) | Stärke |
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BroodMinder-W3: Der Einsteigerfreund
BroodMinder aus den USA hat sich einen Namen als günstige, zuverlässige Einpunkt-Waage gemacht. Die W3-Version wiegt unter einer Seite der Beute und überträgt per Bluetooth. Für Echtzeit-Monitoring brauchst du den BroodMinder-Hub (ca. 180 Euro extra), der die Daten per WiFi oder Mobilfunk in die Cloud sendet. Ohne Hub: Daten werden beim nächsten Besuch mit der App synchronisiert.
Vorteile: Günstig, gut dokumentiert, große Community, API verfügbar Nachteile: Einpunkt = weniger präzise, Hub extra, US-Server (Datenschutz bedenken)
Arnia Remote: Das Profi-System
Arnia aus Großbritannien liefert das umfassendste System: 4-Sensor-Waage plus Temperatur, Feuchte und Akustik-Sensor. Die Daten werden per 4G-Mobilfunk direkt in die Cloud gesendet. Die Software bietet ausgefeilte Analysen inklusive Schwarm-Erkennung und Bienenstock-Akustik.
Vorteile: Höchste Datenqualität, Akustik-Analyse, Profi-Software Nachteile: Teuer, laufende Kosten für SIM + Cloud, britischer Anbieter
Beep Base: Open Source für Bastler
Das Beep-Projekt aus den Niederlanden ist vollständig quelloffen — Hardware und Software. Die Beep Base ist eine LoRa-basierte Plattform mit 4 Wägezellen und Temperatur/Feuchte. Die Daten gehen über ein LoRa-Gateway (The Things Network oder eigenes) an die Beep-Cloud. Ideal für technikaffine Imker und Vereine.
Vorteile: Open Source, Community-getrieben, LoRa = geringe Energiekosten Nachteile: LoRa-Gateway erforderlich, Setup nicht trivial
DIY: ESP32 + HX711
Für Bastler die günstigste Variante: Ein ESP32-Mikrocontroller, ein HX711-Wägezellenmodul und eine oder vier Wägezellen. Mit einem Solarpanel und einem LoRa-Modul baust du eine vollständige Stockwaage für unter 80 Euro. Open-Source-Projekte wie BeeLogger oder HiveHive bieten fertige Firmware.
Vorteile: Extrem günstig, volle Kontrolle, lehrreich Nachteile: Lötarbeiten, Software-Setup, keine Garantie, Wetterfestigkeit selbst sicherstellen
Konnektivität im Detail
Die Datenübertragung ist oft der entscheidende Faktor bei der Wahl des Systems:
Bluetooth
Reichweite: 10–100 Meter Stromverbrauch: Sehr gering Echtzeitfähig: Nein — Daten werden beim Besuch synchronisiert Kosten: Keine laufenden Kosten Geeignet für: Bienenstände im eigenen Garten, wo du täglich vorbeikommst
WiFi
Reichweite: 30–100 Meter (mit Repeater mehr) Stromverbrauch: Hoch — meist Netzbetrieb nötig Echtzeitfähig: Ja, Daten alle 5–15 Minuten Kosten: Keine (eigenes WLAN) Geeignet für: Hausgarten mit WLAN-Abdeckung
LoRaWAN
Reichweite: 2–15 Kilometer (je nach Gelände) Stromverbrauch: Sehr gering — Solarbetrieb möglich Echtzeitfähig: Ja, Daten alle 15–60 Minuten Kosten: Gateway (100–200 Euro) oder The Things Network (kostenlos, wenn Gateway in Reichweite) Geeignet für: Entfernte Standorte, Vereine mit mehreren Ständen
Mobilfunk (4G / NB-IoT)
Reichweite: Überall mit Mobilfunkabdeckung Stromverbrauch: Mittel — Solarbetrieb mit größerem Panel möglich Echtzeitfähig: Ja, Daten alle 5–60 Minuten Kosten: 1–5 Euro/Monat (SIM) Geeignet für: Wanderimker, abgelegene Standorte, Profibetriebe

Energieversorgung: Solar vs. Batterie
| Energiequelle | Laufzeit | Aufwand | Eignung |
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Unser Tipp: Ein 2-Watt-Solarpanel mit einem 3000-mAh-Akku reicht in Deutschland auch im Winter für LoRa- und NB-IoT-Systeme. WiFi-Systeme brauchen ein größeres Panel (5 Watt) oder Netzbetrieb.
Integration mit Imkerei-Software
Die besten Waagendaten nützen wenig, wenn sie isoliert in einer eigenen App liegen. Der eigentliche Mehrwert entsteht durch die Kombination mit deinen Durchsichtsdaten, Behandlungen und Ernten.
Was eine gute Integration bietet
Integration Stockwaage + Imkerei-Software
Hivekraft unterstützt die Anbindung von IoT-Stockwaagen über eine offene API. Die Daten werden direkt dem Volk zugeordnet und mit Durchsichten, Wetterdaten und Behandlungen in einer Ansicht dargestellt. Unterstützte Importformate umfassen gängige CSV-Exporte sowie direkte API-Anbindung.
Praxistipps für die Installation
Unterlage
Die Waage braucht eine ebene, feste Unterlage. Gras oder weicher Boden verfälscht die Messung. Eine Betonplatte, Holzpalette oder ein eingeebnetes Brett sind ideal.
Wetterschutz
Regen, Schnee und direkte Sonneneinstrahlung können die Elektronik beschädigen. Achte auf:
- IP65-Schutzklasse oder besser (bei kommerziellen Systemen Standard)
- Solarpanel nicht nach Norden ausrichten
- Kabel gegen Nagerbiss schützen (Kabelkanal oder Wellrohr)
Kalibrierung
Nach der Installation mit einem bekannten Gewicht (z. B. 10 kg Wassereimer) kalibrieren. Die meisten Systeme haben eine automatische Nullpunkt-Korrektur, die thermische Drift ausgleicht.
Sicherheit
Stockwaagen sind leider auch für Diebe interessant. Empfehlungen:
- Schrauben statt Clips verwenden
- Waage unter der Beute verstecken (nicht sichtbar)
- GPS-Tracker separat verbauen, wenn die Waage das nicht bietet
Welche Waage für welchen Imker?
Hobbyimker mit 3–10 Völkern im Garten
Empfehlung: BroodMinder-W3 (Bluetooth) oder DIY-Lösung mit WiFi. Kein Mobilfunk nötig, da der Stand in Reichweite ist. Budget: 80–160 Euro. Eine Waage an einem Referenzvolk reicht für den Anfang.
Engagierter Hobbyimker mit 10–30 Völkern, mehrere Standorte
Empfehlung: HiveWatch Pro oder Beep Base mit LoRa/Mobilfunk. Echtzeit-Monitoring von zu Hause, besonders wertvoll für entfernte Standorte. Budget: 200–300 Euro pro Waage, 2–3 Waagen an Referenzvölkern.
Wanderimker / Profi mit 50+ Völkern
Empfehlung: Arnia Remote oder Apistyle GSM mit Mobilfunk. Zuverlässig auch an abgelegenen Standorten, professionelle Analyse-Software. Budget: 300–400 Euro pro Waage, Investition in 3–5 Waagen an Schlüsselstandorten.
Technik-Enthusiast / Verein
Empfehlung: DIY mit ESP32 + LoRa oder Beep Base (Open Source). Gemeinsames Bastelprojekt, Wissen aufbauen, Kosten teilen. Ein Gateway für mehrere Stände im Vereinsgebiet. Budget: 30–80 Euro pro Waage + 100–200 Euro Gateway.
Die Zukunft: KI-gestützte Waagen-Analyse
Aktuelle Entwicklungen gehen über die reine Gewichtsmessung hinaus:
- Musterlernung: KI erkennt typische Tagesverläufe und warnt nur bei echten Anomalien
- Schwarmvorhersage: Kombination von Gewichtskurve, Temperatur und Akustik prognostiziert Schwärme 1–3 Tage im Voraus
- Trachtprognose: Historische Daten + Wetter + Blütenkalender = Vorhersage der Trachtlage
- Automatische Fütterungsempfehlung: Gewichtsverlust im Herbst wird überwacht und bei kritischen Schwellen gewarnt
Hivekraft arbeitet mit dem Intelligence-Modul an genau solchen Analysen — die Kombination von Waagendaten mit KI-Auswertung und Wetterdaten vom Deutschen Wetterdienst (DWD) liefert Empfehlungen, die manuell nie möglich wären.
Fazit: Eine Stockwaage lohnt sich
Starte mit einer Waage an deinem produktivsten Volk. Beobachte eine Saison lang die Gewichtskurve. Du wirst erstaunt sein, wie viel du über deine Bienen lernst — und wie schnell du eine zweite Waage kaufen möchtest. Für den Einstieg reicht ein BroodMinder oder eine DIY-Lösung für unter 150 Euro.
Die Stockwaage ist die Investition mit dem höchsten Erkenntnisgewinn pro Euro in der modernen Imkerei. Sie zeigt dir, was zwischen den Durchsichten passiert — und macht dich zu einem besseren Imker. Kombiniert mit einer guten Software, die Gewicht, Wetter und deine Beobachtungen zusammenbringt, entsteht ein Bild, das mit bloßem Auge nie sichtbar wäre.
Mehr zum Thema IoT-Monitoring in der Imkerei findest du in unserem ausführlichen Artikel zur digitalen Imkerei und in der Hivekraft IoT-Funktionsübersicht.
- Digitale Imkerei mit Hivekraft -- Lektion 9: IoT-Sensoren einrichten
- Fortgeschrittene Imkerpraxis -- Lektion 9: Datenbasierte Entscheidungen



