Automatische Alerts: Nie wieder Probleme am Bienenstock übersehen
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Automatische Alerts: Nie wieder Probleme am Bienenstock übersehen

8 minVon Hivekraft Redaktion
AlertsMonitoringIoTSchwarmwarnungTemperatur

Automatische Warnungen bei Schwarm, Gewichtsverlust oder Temperaturproblemen: So funktioniert Alert-Monitoring in der modernen Imkerei.

Es ist Dienstagnachmittag, du bist bei der Arbeit — und an deinem Bienenstand, 30 Kilometer entfernt, zieht gerade ein Schwarm aus. Oder ein Volk wird beraubt. Oder die Temperatur im Brutnest fällt, weil die Königin fehlt. Ohne Monitoring erfährst du davon erst am Wochenende. Mit automatischen Alerts bekommst du eine Nachricht auf dein Smartphone — in dem Moment, in dem es passiert.

Was sind automatische Alerts?

Automatische Alerts sind Benachrichtigungen, die ausgelöst werden, wenn bestimmte Grenzwerte über- oder unterschritten werden. Die Daten kommen entweder von IoT-Sensoren (Stockwaage, Temperatursensor) oder werden aus deinen Durchsichtsdaten berechnet.

Alerts vs. Erinnerungen

Alerts reagieren auf unerwartete Ereignisse — etwas stimmt nicht, du musst handeln. Erinnerungen sind geplante Benachrichtigungen — die nächste Durchsicht steht an, die Behandlungssperrfrist endet. Beides ist wichtig, aber Alerts sind zeitkritisch.

Datenquellen für Alerts

Alerts lassen sich aus verschiedenen Quellen speisen:

DatenquelleAlert-BeispieleReaktionszeit

Die wichtigsten Alert-Typen

1. Schwarm-Alert

Der klassische Anwendungsfall: Ein Schwarm verlässt den Stock. Auf der Waage zeigt sich das als plötzlicher Gewichtsverlust von 1–3 kg innerhalb weniger Stunden, typischerweise zwischen 10 und 14 Uhr bei warmem Wetter.

Ein guter Schwarm-Alert unterscheidet:

  • Schwarmabgang (1–3 kg Verlust, tagsüber, einmalig)
  • Nachschwarm (0,5–1,5 kg Verlust, Tage nach dem Primärschwarm)
  • Ernte durch den Imker (großer Gewichtsverlust, kann markiert werden)
  • Regen auf der Beute (vorübergehende Gewichtszunahme, die wieder verschwindet)
1–3 kg
typischer Gewichtsverlust beim Schwarmabgang — messbar in Echtzeit mit einer Stockwaage

2. Gewichtsverlust-Alert (Winter)

Im Winter verliert ein gesundes Volk gleichmäßig 250–400 g pro Woche durch Futterverbrauch. Wenn der Verbrauch plötzlich ansteigt oder das Gesamtgewicht eine kritische Schwelle unterschreitet, wird es gefährlich.

Alert-Regel: Wenn der geschätzte Futtervorrat unter 5 kg fällt oder der wöchentliche Verbrauch über 600 g liegt, sofort warnen. Bei unter 3 kg: Notfütterung nötig.

3. Temperatur-Alerts

Die Brutnesttemperatur liegt normalerweise bei 34–36 °C. Abweichungen deuten auf Probleme hin:

TemperaturbereichBedeutungDringlichkeit

4. Varroa-Alert (datengestützt)

Auch ohne IoT-Sensoren können Alerts aus deinen Durchsichtsdaten berechnet werden. Wenn du regelmäßig Milben zählst (Puderzucker- oder Alkoholwaschmethode), kann die Software den Milbenbefall hochrechnen und warnen:

  • Über 3 Milben / 100 Bienen im Sommer: Behandlung empfohlen
  • Über 5 Milben / 100 Bienen: Behandlung dringend
  • Über 1 Milbe pro Tag (natürlicher Fall) im Juli: Schadschwelle erreicht

5. Schwarmrisiko-Alert (berechnet)

Auch ohne Stockwaage kann eine intelligente Software das Schwarmrisiko aus deinen Durchsichtsdaten abschätzen:

Faktoren für den Schwarmrisiko-Alert

Fortschritt0/0

Wenn mehrere dieser Faktoren zusammentreffen, steigt das Risiko drastisch — und ein Alert ist berechtigt.

IoT-Station mit Solar am Bienenstand
Eine IoT-Station am Bienenstand überwacht Gewicht und Temperatur — und warnt dich per Smartphone bei Auffälligkeiten.

Wie Alerts technisch funktionieren

IoT-basierte Alerts (Echtzeit)

Der Sensor misst. Die Daten werden an einen Server gesendet (Cloud oder eigener). Der Server prüft die Regeln. Bei Überschreitung wird eine Benachrichtigung ausgelöst — per E-Mail, Push-Notification oder SMS.

Zeitablauf:

  1. Waage misst Gewicht (alle 15 Minuten)
  2. Daten an Cloud (über Mobilfunk/LoRa/WiFi)
  3. Server vergleicht mit vorherigem Messwert
  4. Gewichtsverlust > 1 kg in 2 Stunden? → Alert
  5. Benachrichtigung an Smartphone (Latenz: 1–5 Minuten)

Datenbasierte Alerts (bei Eingabe)

Kein IoT? Auch aus manuell erfassten Durchsichtsdaten lassen sich Alerts generieren:

  1. Du trägst eine Durchsicht ein: "Weiselzellen bestiftet, Volk sehr stark"
  2. Die Software berechnet: Schwarmrisiko = Hoch
  3. Alert wird ausgelöst: "Volk 7: Schwarmrisiko HOCH — Schwarmkontrolle in 5 Tagen empfohlen"

Wetter-basierte Alerts (prognostisch)

Wetterdaten vom Deutschen Wetterdienst (DWD) ermöglichen Alerts im Voraus:

  • Sturm: "Warnung: Sturmböen (80 km/h) morgen an Standort Waldrand — Deckel sichern!"
  • Hitze: "Hitzewelle erwartet (35+ °C) — Wassertränke prüfen, Schatten sicherstellen"
  • Frost: "Nachtfrost (−3 °C) an Standort Bergwiese — kritisch für Ableger"

Alert-Müdigkeit vermeiden

Das größte Problem bei Alerts: zu viele Benachrichtigungen. Wenn das Handy alle 15 Minuten piept, ignorierst du irgendwann alles — auch die wirklich wichtigen Warnungen.

Weniger ist mehr

Ein gutes Alert-System sendet wenige, relevante Benachrichtigungen. Lieber 3 Alerts pro Monat, auf die du reagierst, als 30 Alerts pro Woche, die du wegwischst. Konfiguriere deine Schwellenwerte sorgfältig und passe sie nach der ersten Saison an.

Strategien gegen Alert-Müdigkeit

Priorisierung: Unterscheide zwischen kritisch (sofort handeln), hoch (heute noch prüfen), mittel (bei der nächsten Durchsicht beachten) und niedrig (zur Information).

Zeitfenster: Schwarm-Alerts nur zwischen 10 und 16 Uhr (nachts schwärmt kein Volk). Frost-Alerts nur von Oktober bis April.

Aggregation: Statt 5 Einzelmeldungen "Gewicht gesunken um 200 g", "Gewicht gesunken um 300 g" etc. eine Zusammenfassung: "Gewicht an Volk 7 in 4 Stunden um 1,2 kg gesunken."

Kontext: Ein guter Alert sagt nicht nur "Gewicht gefallen", sondern ordnet ein: "Gewichtsverlust 1,8 kg zwischen 11:00 und 13:30 bei 24 °C und Sonne — möglicher Schwarmabgang. Letzte Durchsicht: 6 Tage her, Schwarmrisiko war MITTEL."

Hivekraft Alert-System

Hivekraft bietet ein mehrstufiges Alert-System, das IoT-Daten, Durchsichtsdaten und Wetterdaten kombiniert:

  1. Schwarm-Alerts

    Kombination aus Gewichtskurve (IoT) und Durchsichtsdaten (Weiselzellen, Volksstärke). Der Alert enthält eine Einschätzung, ob es sich um einen Schwarm, Ernte oder Wettereffekt handelt.

  2. Varroa-Alerts

    Basierend auf deinen Milbenzählungen wird der Befallsverlauf hochgerechnet. Bei Erreichen der Schadschwelle wirst du benachrichtigt — inklusive Behandlungsempfehlung mit passendem Mittel für die Jahreszeit.

  3. Gewichts-Alerts

    Überwachung des Winterfuttervorrats, Erkennung von Räuberei und Trachtende. Die Alerts berücksichtigen Wetterdaten — ein Gewichtsanstieg bei Regen ist kein Trachtbeginn.

  4. Temperatur-Alerts

    Brutnesttemperatur und Außentemperatur mit sinnvollen Schwellenwerten. Der Alert unterscheidet zwischen normaler Tagesvariation und echten Anomalien.

  5. Wetter-Alerts

    DWD-Wetterwarnungen für deine Standorte — Sturm, Frost, Hitze. Proaktiv, bevor das Wetter kommt.

Die Alerts werden per E-Mail versendet und sind im Dashboard als Benachrichtigungen sichtbar. Jeder Alert enthält:

  • Was: "Schwarm-Alarm an Volk 7"
  • Warum: "Gewichtsverlust 2,1 kg zwischen 11:15 und 13:00"
  • Kontext: "Außentemperatur 23 °C, sonnig, Schwarmrisiko war HOCH"
  • Empfehlung: "Standort prüfen, Schwarmfangkasten aufstellen"
Bienenstand mit Sensoren umgeben von Wildblumen
Automatisches Monitoring gibt dir die Sicherheit, dass deine Bienen auch dann überwacht werden, wenn du nicht vor Ort bist.

Alerts ohne IoT: Was trotzdem möglich ist

Du brauchst keine teure Hardware, um von Alerts zu profitieren. Auch rein datenbasierte Alerts aus deinen Durchsichten sind wertvoll:

  • Erinnerung: "Volk 3: Letzte Durchsicht vor 14 Tagen — Kontrolle empfohlen"
  • Behandlung: "Varroabehandlung an Volk 5 fällig — Sperrfrist der letzten Behandlung endet morgen"
  • Schwarmrisiko: "Volk 12: Schwarmrisiko HOCH — basierend auf letzter Durchsicht (9 Gassen, Spielnäpfchen bestiftet, Königin 3 Jahre alt)"
  • Fütterung: "Ableger 2026-A1: Gewicht bei letzter Durchsicht geschätzt 15 kg — Auffütterung prüfen"
  • Königin: "Königin in Volk 8 nicht gesehen seit 3 Durchsichten — Weiselrichtigkeit prüfen"

Diese Alerts erfordern nur regelmäßige Dateneingabe — kein Sensor, kein Abo, keine Installation.

Praxisbeispiel: Ein Alert rettet ein Volk

Dezember, 16:30 Uhr. Du bekommst eine E-Mail: "Gewichts-Alert: Volk 4 hat in 7 Tagen 1,2 kg verloren (normal: 0,35 kg/Woche). Geschätzter Futtervorrat: 4,1 kg. Empfehlung: Notfütterung mit Futterteig."

Du fährst am nächsten Morgen zum Stand und legst Futterteig auf. Ohne den Alert hättest du erst in zwei Wochen nachgeschaut — und ein totes Volk vorgefunden. Die Stockwaage hat sich in diesem Moment bezahlt gemacht.

72 Stunden
Zeitvorsprung, den ein Alert-System im Winter gegenüber wöchentlicher Kontrolle bieten kann

Fazit: Alerts machen dich zum aufmerksameren Imker

Automatische Alerts sind kein Ersatz für regelmäßige Durchsichten. Aber sie schließen die Lücke zwischen den Besuchen — und fangen genau die Situationen auf, die du sonst verpasst hättest. Ob IoT-basiert in Echtzeit oder datenbasiert aus deinen Durchsichten: Alerts machen dich aufmerksamer, reaktionsschneller und letztlich zu einem besseren Imker.

Starte klein

Du brauchst nicht sofort ein Vollausstattung mit Waagen und Sensoren an jedem Volk. Starte mit einer Stockwaage am Referenzvolk und den datenbasierten Alerts aus deinen Durchsichten. Allein das wird dein Bewusstsein für deine Bienen schärfen — und dir die eine oder andere Überraschung ersparen.

Mehr über IoT-Monitoring erfährst du in unserem Bienenwaagen-Vergleich, und die Alert-Funktionen von Hivekraft kannst du in der Demo live erleben.

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