Bienen füttern: Wann, wie und womit – der komplette Ratgeber
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Bienen füttern: Wann, wie und womit – der komplette Ratgeber

9 minVon Hivekraft Redaktion
FütterungZuckerwasserFutterteigÜberwinterung

Bienen füttern ist weit mehr als Zuckerwasser hinzustellen. Dieser Ratgeber erklärt wann, wie viel und womit du fütterst – von der Frühjahrsstimulation bis zur Notfütterung.

Bienen füttern gehört zu den Routineaufgaben jedes Imkers – und zu den am häufigsten falsch gemachten. Zu früh, zu spät, zu viel oder die falsche Mischung: Fehler beim Füttern kosten Völker oder führen zu Honig, der nicht verkauft werden darf. Dieser Ratgeber erklärt dir alles, was du wissen musst.

Warum Bienen füttern?

Bienen sind eigentlich Meister der Selbstversorgung. Sie sammeln Nektar, verarbeiten ihn zu Honig und legen Vorräte an, die durch den Winter reichen. Doch es gibt Situationen, in denen das natürliche Angebot nicht ausreicht:

  • Im Frühjahr sind die Wintervorräte oft aufgebraucht, bevor die Frühtracht beginnt
  • Nach der Honigernte haben Völker plötzlich Mangel, wo vorher Überschuss war
  • Im Spätsommer und Herbst müssen Vorräte für den Winter aufgebaut werden
  • Bei Trachtlücken im Sommer (z.B. nach Rapsblüte bis Lindenblüte) können schwache Völker verhungern
  • In Notfällen muss eine Fütterung das Volk retten

Wann füttern? Die vier Jahreszeiten

Frühjahrsstimulation (Februar bis April)

Wenn die Königin mit der Eiablage beginnt, braucht das Volk Proteine für die Brut und Energie für die Heizarbeit. Bei knappen Wintervorräten ist eine Stimulationsfütterung sinnvoll: kleine Mengen dünnflüssiges Zuckerwasser (1:1) regen die Bruttätigkeit an.

Aber Vorsicht: Fütterst du zu früh, züchtest du ein Volk hoch, das danach keine Tracht vorfindet. Warte bis die ersten Weiden und Haseln blühen und Pollenflug erkennbar ist.

Nach der Ernte (Juli bis August)

Direkt nach dem Schleudern solltest du den Restbestand an Honig in den Völkern prüfen. Wurden die Völker "leer" geschleudert, fängst du sofort mit der Herbstfütterung an. Warte nicht!

Wichtig: Fütterung nach der Ernte muss vollständig abgeschlossen sein, bevor die Winterbienen (die ab Anfang August schlüpfen) in ihren Winterruhezustand gehen. Diese Bienen sollten keine Fütterung mehr verarbeiten müssen – das verkürzt ihre Lebensspanne.

Herbstfütterung (August bis September)

Herbsteinfütterung mit Zuckersirup im Futtergeschirr
Die Herbstfütterung ist die wichtigste Fütterung des Jahres – sie sichert das Überleben im Winter.

Die Hauptfütterung des Jahres. Ziel ist es, jedes Bienenvolk mit 15 bis 20 kg Winterfutter zu versorgen. Das entspricht je nach Beute und Zargentyp 2 bis 3 gut gefüllten Honigwaben plus Futtervorräten.

Verwende für die Herbstfütterung dickflüssiges Zuckerwasser (3:2 oder 2:1) oder fertig invertierten Sirup. Die Bienen müssen das Zuckerwasser eindicken und umbauen – je dicker, desto weniger Arbeit.

Fütterungsmenge pro Volk:

  • Einzel-DNM-Zarge: ca. 10–12 kg Zucker
  • Zwei Zargen (Volk + Honigraum als Winterraum): ca. 12–15 kg Zucker

Notfütterung (ganzjährig möglich)

Notfütterung mit Futterteig direkt auf den Rähmchen
Bei akutem Futtermangel rettet Futterteig direkt auf den Rähmchen das Volk.

Wenn ein Volk kurz vor dem Verhungern steht, zählt jede Minute. Erkennungszeichen:

  • Bienen sind apathisch, hängen am Flugloch
  • Bei der Durchsicht: weniger als 1 bis 2 Waben Futter
  • Bienen nehmen Futterangebot sofort gierig an

Bei echter Notfütterung gibst du sofort Futterteig oder dünnflüssiges Zuckerwasser direkt auf die Waben. Futterteig lässt sich schnell und ohne Wärme verfüttern.

Womit füttern? Die wichtigsten Futtermittel

Zuckerwasser (Zuckersirup)

Das klassische Bienenfutter. Hergestellt aus Weißzucker (Saccharose) und Wasser. Niemals Rohzucker oder Vollrohrzucker verwenden – diese enthalten einen hohen Mineralstoffgehalt, der bei Bienen zu Durchfall führen kann. Kandiszucker ist dagegen reine Saccharose und prinzipiell verwendbar, löst sich aber schlecht auf.

Mischungsverhältnisse:

VerhältnisZucker : WasserVerwendung
1:1 (dünn)1 kg Zucker auf 1 L WasserFrühjahrsstimulation, Trachtlücke
3:2 (mittel)3 kg Zucker auf 2 L WasserAllgemeine Fütterung
2:1 (dick)2 kg Zucker auf 1 L WasserHerbstfütterung

Zubereitung: Heißes Wasser (nicht kochen!) über den Zucker gießen und rühren, bis alles aufgelöst ist. Abkühlen lassen, bevor du fütterst.

Invertzucker / API-Invert

Handelsfertiger, fertig invertierter Zuckersirup. Der Vorteil: Die Bienen müssen den Zucker weniger aufwändig verarbeiten, weil die Saccharose bereits in Glucose und Fructose gespalten ist. Das entlastet die Ammenbienen.

API-Invert und ähnliche Produkte sind fütterungsfertig und enthalten meist 75 % Zucker. Dosierung laut Herstellerangabe.

Nachteile: Teurer als selbst angerührtes Zuckerwasser, schwererer Transport.

Futterteig (Fondant)

Futterteig ist ein halbfester Zuckerteig mit ca. 18 % Wassergehalt. Er eignet sich besonders für:

  • Notfütterung (kann direkt auf die Rähmchen gelegt werden)
  • Winterfütterung als Ergänzung (Bienen essen ihn langsam, auch bei Kälte)
  • Frühjahrsergänzung

Futterteig wird als Block oder in einer Plastikschale direkt auf die Rähmchen des Wintervolkes gelegt. Die Bienen fressen ihn von unten herauf. Vorteil: kein Flüssigkeitseintrag, keine Gefahr für Brutunterkühlung.

Kaufe fertigen Futterteig (z.B. von Apifonda oder Kandy). Selbst herstellen ist möglich, aber anspruchsvoll.

Eiweißfutter / Pollenersatz

Zucker liefert nur Kohlenhydrate. Für die Brutaufzucht brauchen Bienen Protein aus Pollen. Wenn im Frühjahr kein Pollenflug möglich ist (Frost, Regen), kann Pollenersatz oder Pollen in Teigform gefüttert werden.

Produkte: ApiPollen, Apikand BF oder selbst gemischte Pollenteige. Anwendung: Kleines Teigstück (ca. 200 g) direkt auf die Rähmchen legen.

Pollenersatz kritisch betrachtet

Das LAVES Niedersachsen (Bieneninstitut Celle) warnt: Pollenersatz hat keinen nachgewiesenen Nutzen und kann Honig verfälschen. Die bruttreibende Wirkung ist wissenschaftlich widerlegt. Natürliche Pollenquellen sind immer vorzuziehen.

Honig als Futter – wann ja, wann nein?

Honig klingt naheliegend als Bienenfutter, ist aber mit Vorsicht einzusetzen:

  • Eigener Honig aus gesunden Völkern: grundsätzlich möglich, aber nicht zu empfehlen
  • Fremder Honig oder Honig unbekannter Herkunft: niemals füttern! Gefahr der Einschleppung von Faulbrut und anderen Infektionskrankheiten
  • Honig aus dem Supermarkt: absolut verboten – enthält oft Honige aus Ländern mit Krankheitserregern

Verwende immer Zucker als Winterfutter. Die Bienen überwintern damit genauso gut.

Wie füttern? Die wichtigsten Methoden

Futtertasche

Eine Futtertasche ist ein flexibler Plastikbeutel, der in der Beute hängt. Er fasst meist 1 bis 2 Liter und ist besonders für kleine Fütterungsmengen geeignet. Vorteil: günstig, platzsparend. Nachteil: begrenzte Menge, muss öfter aufgefüllt werden.

Futterzarge (Großraumfütterer)

Eine ganze Zarge, die nur als Futterraum dient. Fasst 10 bis 15 Liter. Ideal für die Herbstfütterung großer Mengen. Das Volk kann in wenigen Tagen die gesamte Menge aufnehmen.

Nachteil: Bienen können ertrinken, wenn kein Schwimmer oder Drahtgitter im Fütterer vorhanden ist.

Deckelfütterer

Ein flacher Behälter, der direkt unter dem Deckel auf die Rähmchen gelegt wird. Fasst je nach Modell 1 bis 5 Liter. Praktisch, weil der Fütterer ohne Öffnen der Beute nachgefüllt werden kann.

Schale / Tellerfütterer

Für Notfütterungen: Eine einfache Schale, die direkt auf die Rähmchen gestellt wird. Einfach und schnell, aber Bienen können ertrinken – immer einen Schwimmer (Kork, Styropor) einlegen.

Vergleich der Fütterungsmethoden

MethodeFassungsvermögenIdeal fürNachteil
Futtertasche1–2 LStimulation, TrachtlückeKleine Menge
Futterzarge10–15 LHerbstfütterungErtrinken möglich
Deckelfütterer1–5 LVielseitigAufwendigere Reinigung
Schale/TellerbeliebigNotfallErtrinken, offen
Futterteig0,5–2 kgWinter, NotfallNur Feststoff

Anzeichen von Futtermangel

Diese Zeichen deuten darauf hin, dass ein Volk zu wenig Futter hat:

  • Bienen hängen apathisch am Flugloch oder fallen vom Trittbrett
  • Kaum Flugaktivität trotz gutem Wetter
  • Bei der Durchsicht: Brutabbruch, leere Honigzellen, unruhige Bienen
  • Bienen beißen Brut aus (Hungersignal)
  • Adulte Bienen sterben im Volk (Futtersturz)

Im Notfall sofort Futterteig auflegen – das geht auch im Winter ohne Öffnung der Beute, indem du den Deckel kurz lüftest und den Teig auf die Rähmchen legst.

Häufige Fehler beim Bienen füttern

  1. Zu spät im Herbst: Wer erst im Oktober füttert, gibt den Winterbienen unnötige Arbeit – das verkürzt ihr Leben.

  2. Falsches Verhältnis: Dünnes Zuckerwasser im Herbst zwingt die Bienen, viel Wasser zu verarbeiten und zu verdunsten.

  3. Zu kleinen Mengen auf einmal: Viele kleine Portionen stressen das Volk mehr als eine große Gabe.

  4. Bienen locken keine Räuber an: Immer auf geschlossene Futtertasche oder Fütterer achten. Ausgelaufenes Zuckerwasser am Bienenstand zieht fremde Bienen und Wespen an.

  5. Futterqualität ignorieren: Nur weißen Haushaltszucker oder zertifizierten Invertzucker verwenden.

  6. Fütterung nicht dokumentieren: Wer nicht aufschreibt, wann und wie viel er gefüttert hat, verliert den Überblick beim Honigertrag und der Behandlungsplanung.

Fütterung und Varroabehandlung

Die Herbstfütterung und die Wintervorbereitung gehen Hand in Hand. Die korrekte Reihenfolge im Jahresverlauf ist entscheidend:

  1. Honigernte (Juli)
  2. Erste Ameisensäure-Behandlung (Ende Juli/August) -- VOR der Einfütterung
  3. Einfütterung (August bis September)
  4. Zweite Ameisensäure-Behandlung (September) -- NACH der Einfütterung
  5. Oxalsäure im brutfreien Winter (November bis Dezember)
Nicht gleichzeitig füttern und behandeln

Während der Ameisensäure-Behandlung NICHT füttern -- die Fütterung beeinflusst die Verdunstungsrate der Ameisensäure und damit die Wirksamkeit der Behandlung. Zwischen Behandlung und Fütterung immer eine Pause einlegen.

Übersicht: Fütterung nach Jahreszeit

JahreszeitFuttermittelMengeZiel
Februar – MärzFutterteig oder 1:1 Sirup200–500 g Teig oder 1–2 LStimulation, Frühjahrshilfe
April – Juni1:1 Sirup (bei Bedarf)1–2 LTrachtlücke überbrücken
Juli – August3:2 oder 2:1 Sirup8–15 kg ZuckerWintervorrat aufbauen
September – OktoberFutterteig0,5–1 kgErgänzung, Kontrolle
November – JanuarFutterteig (Notfall)nach BedarfNotfütterung

Fazit

Bienen füttern ist keine Kunst für sich – aber es braucht das richtige Timing und das passende Futtermittel. Halte dich an die bewährten Grundregeln: Im Herbst dick und viel, im Frühjahr dünn und wenig, und immer nur sauberen Weißzucker oder zertifizierten Invertzucker verwenden.

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