Ernte & Vermarktung

Propolis gewinnen und verarbeiten: Vom Stock ins Glas

9 minVon Hivekraft Redaktion
PropolisBienenprodukteTinkturVerarbeitung

Propolis ist eines der wertvollsten Bienenprodukte und lässt sich einfach gewinnen. Dieser Leitfaden erklärt Ernte, Verarbeitung und rechtliche Grundlagen für den Verkauf.

Propolis gewinnen ist für viele Imker ein Nebengedanke – dabei ist Propolis eines der vielseitigsten und wertvollsten Produkte aus dem Bienenstock. Mit dem richtigen Equipment und ein wenig Geduld kannst du sauberes Propolis ernten, daraus eine Tinktur herstellen und es vermarkten. Dieser Artikel zeigt dir, wie es geht.

Was ist Propolis?

Propolis – vom griechischen "pro" (vor) und "polis" (Stadt) – ist das Kittharz der Bienen. Sie sammeln Harze von Knospen, Baumrinden und Wunden an Pflanzen und verarbeiten diese mit eigenen Enzymen zu einer klebrigen, dunkelbraunen Masse.

Im Bienenstock hat Propolis vielfältige Aufgaben:

  • Abdichten: Risse, Löcher und Spalten werden versiegelt
  • Befestigen: Waben und Rähmchen werden fest mit Propolis verklebt
  • Hygiene: Propolis hemmt Bakterien, Pilze und Viren (stark antimikrobielle Wirkung)
  • Mumifizieren: Eindringlinge, die Bienen nicht hinausschaffen können (z.B. tote Mäuse), werden mit Propolis einbalsamiert

Zusammensetzung von Propolis

Die genaue Zusammensetzung variiert stark nach Region und Pflanzenwelt, aber typische Werte sind:

BestandteilAnteil (ca.)
Harze und Balsame45–55 %
Wachse20–35 %
Ätherische Öle5–10 %
Pollen5–10 %
Mineralien, Vitamine, Zucker, Aminosäuren2–5 %

Besonders die Flavonoide und Polyphenole in den Harzen machen Propolis zu einem Forschungsobjekt der Naturheilkunde. Über 150 Inhaltsstoffe wurden bisher identifiziert, darunter Kaffeesäurephenethylester (CAPE), Quercetin und Apigenin. Zahlreiche Studien belegen antibakterielle, antivirale und antioxidative Eigenschaften in vitro -- die klinische Evidenz beim Menschen ist allerdings noch begrenzt.

Welche Bienen liefern viel Propolis?

Nicht alle Bienenstämme produzieren gleich viel Propolis. Kaukasische Bienen (Apis mellifera caucasica) und die heimische Dunkle Biene (Apis mellifera mellifera) sind bekannt als besonders starke Propolis-Sammler. Die weit verbreitete Carnica (Apis mellifera carnica) propolisiert dagegen deutlich weniger und konzentriert sich stärker auf Wachsbau.

Wenn du regelmäßig Propolis ernten möchtest, lohnt es sich zu beobachten, welche deiner Völker die Rähmchen besonders stark verkleben. Diese Völker eignen sich am besten für die Ernte.

Propolis ernten: Die zwei Methoden

Methode 1: Abkratzen

Die traditionelle und einfachste Methode. Bei jeder Durchsicht kratzst du das Propolis von Rähmchen-Schultern, Beute-Innenwänden und dem Gitter mit dem Stockmeissel ab.

Vorgehen:

  1. Wähle einen kühlen Tag (unter 15 Grad) oder kühle die Waben kurz ab – Propolis wird bei Kälte spröde und brüchig und lässt sich besser lösen
  2. Mit dem Stockmeissel vorsichtig abkratzen
  3. Propolis in einem sauberen Behälter (Glas oder Metallschale) sammeln
  4. Rohpropolis sorgfältig beschriften: Volk, Datum, Standort

Nachteil: Die Ausbeute ist gering (wenige Gramm pro Durchsicht) und das Material ist mit viel Wachs und Schmutz vermischt.

Methode 2: Propolisgitter (Propolismatte)

Die professionellere Methode mit deutlich höherer Ausbeute und besserem Reinheitsgrad.

Was ist ein Propolisgitter? Ein Propolisgitter (auch Propolismatte oder Propolisnetz) ist eine dünne Kunststoffplatte oder ein Edelstahlgitter mit vielen engen Schlitzen (ca. 1 bis 2 mm Breite). Es wird direkt unter dem Deckel auf die Rähmchen gelegt. Die Bienen empfinden die Spalten als unerwünschte Zugluftöffnungen und versiegeln sie instinktiv mit Propolis -- innerhalb weniger Wochen ist das Gitter vollständig gefüllt.

Vorgehen:

  1. Propolisgitter auf die oberste Zarge legen, direkt unter den Deckel
  2. Nach 3 bis 6 Wochen entnehmen (am besten kurz vor der Ernte im Sommer oder Herbst)
  3. Gitter in einem Plastikbeutel einfrieren (mindestens 2 Stunden bei -18 Grad)
  4. Gefrorenes Gitter über einer sauberen Schale biegen und ausschlagen – das Propolis bricht heraus

Vorteil: Deutlich höhere Ausbeute (5 bis 20 g pro Gitter und Volk), relativ reines Material.

Der beste Erntezeitpunkt

Die Propolis-Produktion im Volk ist nicht gleichmäßig übers Jahr verteilt. Die stärkste Propolis-Tätigkeit beobachtest du:

  • Frühherbst (August bis Oktober): Bienen bereiten sich auf den Winter vor und versiegeln intensiv
  • Kühle Tage: Je kühler, desto mehr Propolis wird gesammelt (Ziel: Wärmedämmung)
  • Starke Völker: Ein Volk mit 50.000+ Bienen produziert deutlich mehr als ein kleiner Ableger

Zeitlich empfiehlt sich die Haupternte nach der Honigernte im August/September – so störst du die Trachtphase nicht und erhältst Propolis, das die Bienen direkt für die Wintervorbereitung gesammelt haben.

Propolis reinigen: Rohpropolis aufbereiten

Frisch geerntetes Rohpropolis enthält immer Verunreinigungen: Wachs, Bienenkot, tote Bienenteile, Holzsplitter. Vor der Weiterverarbeitung muss es gereinigt werden.

Wasserreinigung

  1. Rohpropolis in kleinen Stücken in kaltes Wasser geben
  2. Kräftig rühren – Schmutz und Wachs schwimmen oben, reines Propolis sinkt
  3. Wasser vorsichtig abgießen, Propolis entnehmen
  4. Vorgang 2 bis 3 Mal wiederholen
  5. Propolis auf einem sauberen Tuch trocknen lassen (nicht erwärmen!)

Einfrieren und Sieben

  1. Rohpropolis einfrieren (-18 Grad, 1 Stunde)
  2. Gefrorenes Material durch ein feines Metallsieb (500 bis 800 Mikron) reiben
  3. Gröbere Verunreinigungen bleiben zurück
  4. Wachsanteile können durch kurzes Erwärmen (max. 35 Grad) in Wasser ausgeschwemmt werden

Propolis-Tinktur selbst herstellen

Die Propolis-Tinktur ist das gebräuchlichste Propolis-Produkt. Sie entsteht durch Lösung von gereinigtem Propolis in hochprozentigem Alkohol. Wichtig: Die Herstellung ist für den Eigengebrauch erlaubt, der Verkauf von Propolis-Tinkturen durch Imker ist jedoch nach dem Arzneimittelgesetz nicht zulässig (siehe Abschnitt "Rechtliche Grundlagen").

Rezept für Propolis-Tinktur (10 %)

Zutaten:

  • 10 g gereinigtes Propolis
  • 100 ml Ethanol 70 % (Apotheke oder Fachhandel)

Herstellung:

  1. Propolis grob zerkleinern (Messer oder Mörser – vorher einfrieren, dann bricht es leichter)
  2. Propolis in ein dunkles Schraubglas (100 ml) geben
  3. Alkohol dazufügen
  4. Gut schütteln, dann dunkel und kühl stellen
  5. Täglich schütteln, 14 bis 21 Tage ziehen lassen
  6. Durch einen Kaffeefilter oder Vliesfilter filtrieren – geduldig sein, das dauert
  7. In dunkle Tropffläschchen (10 ml, 30 ml) abfüllen und beschriften

Haltbarkeit: 2 bis 3 Jahre bei dunkler, kühler Lagerung.

Konzentration: 10 % ist ein bewährter Standard. Für stärkere Tinkturen bis 30 % entsprechend mehr Propolis verwenden.

Achtung bei der Alkoholfrage: Verwende nur für den menschlichen Genuss zugelassenen Ethanol (Trinkalkohol oder Apothekenalkohol), nie Isopropanol oder Spiritus mit Vergällungsmitteln!

Qualitätsmerkmale einer guten Tinktur

  • Tiefbraune bis grünlichbraune Farbe (je nach Herkunft des Propolis)
  • Charakteristischer, harzig-würziger Geruch
  • Klare, nicht trübe Lösung nach dem Filtrieren
  • Beim Verdünnen mit Wasser entsteht eine milchige Emulsion (das ist normal!)

Weitere Verwendungsformen

Rohpropolis

Gereinigtes Rohpropolis kann direkt verwendet werden: Als Kaugummi-Ersatz (kauen, nicht schlucken), zur Herstellung von Cremes oder als Zutat in anderen Produkten.

Propolis-Salbe

Propolis-Salbe entsteht durch Einarbeitung von Propolis in eine Fett-Basis (Bienenwachs und Lanolin oder pflanzliche Öle). Sie wird äußerlich angewendet.

Einfaches Rezept:

  • 50 g Vaseline oder Lanolin
  • 5 g gereinigtes Propolis (fein gemahlen)
  • Beide Zutaten im Wasserbad auf ca. 50 Grad erwärmen, rühren bis gemischt, abkühlen lassen

Propolis-Pulver

Durch Gefriertrocknung oder Sprühtrocknung kann Propolis zu einem Pulver verarbeitet werden. Dieses eignet sich als Kapselzutat oder Zutat in Tabletten. Die Verarbeitung erfordert jedoch technisches Equipment und ist eher industriellen Betrieben vorbehalten.

Rechtliche Grundlagen in Deutschland

Hier ist Vorsicht geboten -- die Rechtslage rund um Propolis ist komplex und wird von vielen Imkern unterschätzt.

Propolis und das Arzneimittelgesetz (AMG)

Das größte rechtliche Hindernis ist das Arzneimittelgesetz: Propoliszubereitungen wie Tinkturen, Tropfen oder Lösungen werden von den Überwachungsbehörden als Fertigarzneimittel eingestuft. Die Herstellung solcher Zubereitungen zum Verkauf erfordert eine Herstellungserlaubnis nach §13 AMG, der Vertrieb eine Zulassung nach §21 AMG. Mehrere Gerichtsurteile bestätigen diese Einstufung.

Das bedeutet: Von Imkern selbst hergestellte Propolis-Tinkturen dürfen nicht verkauft werden -- auch nicht auf dem Wochenmarkt oder im Hofladen. Verstöße können zu Ordnungsgeldern und Abmahnungen führen.

Nahrungsergänzungsmittel (NEM)

Propolis ist kein Novel Food -- es wurde vor 1997 in der EU als Lebensmittelzutat und in Nahrungsergänzungsmitteln konsumiert. Propolis-Kapseln oder -Pulver können grundsätzlich als NEM verkauft werden, müssen aber beim BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) angemeldet werden. Allerdings hat die EFSA sämtliche beantragten Health Claims für Propolis abgelehnt -- gesundheitsbezogene Werbung (z.B. "stärkt das Immunsystem") ist daher verboten (EU Health-Claims-Verordnung 1924/2006).

Was ist für Imker erlaubt?

  • Eigengebrauch: Für den persönlichen Bedarf darfst du Propolis-Tinktur herstellen und verwenden
  • Rohpropolis verkaufen: Gereinigtes Rohpropolis (Stücke, Pulver) darf als Imkereiprodukt verkauft werden -- ohne gesundheitsbezogene Angaben
  • Kosmetische Produkte: Propolis-Salben und -Cremes als Kosmetikum sind möglich, müssen aber als Kosmetikum deklariert und bei der CPNP (Cosmetic Products Notification Portal) notifiziert sein
  • Tinkturen und Tropfen: Verkauf als Fertigprodukt ist für Imker nicht erlaubt (AMG-pflichtig)

Praktischer Hinweis

Wenn du Propolis vermarkten möchtest, lass dich von deinem Imkerverein oder einem spezialisierten Anwalt beraten. Die Rechtslage ist EU-weit nicht einheitlich -- in der Schweiz und Österreich gelten teilweise andere Regelungen.

Tipp: Verkaufe Propolis als "Rohpropolis vom eigenen Bienenstand" ohne gesundheitsbezogene Angaben -- das ist juristisch am sichersten.

Qualitätsmerkmale und Wertbestimmung

Die Qualität von Propolis wird u.a. bestimmt durch:

MerkmalQualitätsindikator
Flavonoidgehalt> 5 % gilt als hochwertig
Wachsgehalt< 25 % angestrebt
Feuchte< 5 %
Verunreinigungen< 5 %
HerkunftsregionEuropäisches Propolis gilt als qualitativ hochwertig

Für den Verkauf empfiehlt sich eine Laboranalyse (Flavonoid- und Polyphenolgehalt), die du über Imker-Labore oder Universitätsinstitute beauftragen kannst. Das rechtfertigt höhere Preise und schafft Vertrauen beim Kunden.

Fazit

Propolis gewinnen ist einfach, wenn du das richtige Werkzeug und die richtige Technik nutzt. Das Propolisgitter ist die effizienteste Methode. Für die Verarbeitung brauchst du nur Alkohol, ein Glas und Geduld. Rechtlich musst du aufpassen: Propolis-Tinkturen zum Verkauf herzustellen ist als Imker nicht erlaubt (Arzneimittelgesetz). Rohpropolis oder Kosmetikprodukte kannst du aber verkaufen -- ohne gesundheitsbezogene Werbeaussagen.

Mit Hivekraft Propolis-Ernten dokumentieren

Mit Hivekraft kannst du jede Propolis-Ernte einem Volk und Standort zuordnen – mit Datum, Menge und Qualitätsnotizen. So weißt du, welche Völker besonders ergiebig sind und kannst deine Ernte über die Jahre vergleichen. Für die Vermarktung liefert Hivekraft die vollständige Rückverfolgbarkeit, die anspruchsvolle Kunden schätzen.

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