Ernte & Vermarktung

Honigsorten in Deutschland: Von Rapshonig bis Waldhonig

10 minVon Hivekraft Redaktion
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Deutschland bietet eine beeindruckende Vielfalt an Honigsorten. Von cremigem Rapshonig bis zu würzigem Tannen- und Waldhonig: Hier erfährst du, was die Sorten ausmacht, wann sie geerntet werden und was das DIB-Glas bedeutet.

Honigsorten in Deutschland gibt es viele – und jede hat ihre eigene Geschichte, ihren eigenen Geschmack und ihre eigenen Eigenschaften. Wer Honig nicht nur erntet, sondern auch vermarktet oder einfach besser verstehen möchte, sollte die wichtigsten Sorten kennen. Dieser Artikel gibt dir einen umfassenden Überblick.

Blütenhonig vs. Honigtauhonig: Die große Unterscheidung

Bevor wir zu den einzelnen Sorten kommen, eine grundlegende Unterscheidung:

Blütenhonig

Blütenhonig entsteht aus Nektar, den Bienen in den Blüten von Pflanzen sammeln. Nektar ist eine zuckerreiche Flüssigkeit, die Pflanzen gezielt produzieren, um Bestäuber anzulocken. Bienen sammeln ihn mit ihrem Rüssel, transportieren ihn im Honigmagen und verarbeiten ihn im Stock zu Honig.

Typisch für Blütenhonig:

  • Süß, oft blumig bis fruchtig im Aroma
  • Kristallisiert meist schneller als Honigtauhonig
  • Hellere Farbe (je nach Trachtquelle)
  • Elektrische Leitfähigkeit unter 0,8 mS/cm (laut HonigVO)

Honigtauhonig

Honigtauhonig entsteht aus Honigtau – einem Ausscheidungsprodukt von Blattläusen, Schildläusen und anderen saugrüsseltragenden Insekten. Diese Tiere saugen Pflanzensaft aus Nadeln oder Blättern und scheiden einen zuckerhaltigen Saft aus, den die Bienen aufnehmen.

Typisch für Honigtauhonig:

  • Würzig, malzig, manchmal leicht bitter
  • Kristallisiert deutlich langsamer als Blütenhonig
  • Dunklere Farbe (bernstein- bis schwärzlichbraun)
  • Höhere elektrische Leitfähigkeit (> 0,8 mS/cm)
  • Wichtigste Sorten: Waldhonig, Tannenhonig, Fichtenhonig

Die wichtigsten deutschen Honigsorten im Detail

Rapshonig

Rapshonig ist mit Abstand die meistproduzierte Honigsorte in Deutschland. Der gelb blühende Raps (Brassica napus) bedeckt im Frühjahr große Teile der deutschen Agrarlandschaft – besonders in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.

Eigenschaften:

  • Farbe: im flüssigen Zustand hellgelb bis cremeweiß
  • Kristallisation: extrem schnell (innerhalb weniger Tage bis 2 Wochen)
  • Konsistenz: fest, cremig bis körnig (schmilzt kaum auf der Zunge)
  • Geschmack: mild, leicht süßlich, manchmal leicht ranzige Note bei schlechter Verarbeitung
  • Glukosegehalt: sehr hoch (Hauptgrund für schnelle Kristallisation)

Erntezeitraum: April bis Mai (je nach Witterung und Region)

Imkerliche Besonderheit: Rapshonig muss sofort nach der Ernte geerntet und gerührt werden, sonst kristallisiert er in den Waben aus und kann nicht mehr geschleudert werden. Versäumst du den richtigen Zeitpunkt, hast du im schlimmsten Fall festgeklebte Waben.

Verarbeitung: Gerührter (cremig gerührter) Rapshonig ist ein beliebtes Produkt. Durch kontrolliertes Rühren bei kühlen 14–16 Grad entsteht ein feinkörniger, streichfähiger Honig.

Lindenhonig

Lindenblüten sind für Bienen und Imker besonders wertvoll: Die Linde (Tilia spec.) bietet eine sehr ergiebige Tracht, die kurz, aber intensiv ist.

Eigenschaften:

  • Farbe: hellgelb bis goldgelb
  • Kristallisation: mittel bis langsam (2–4 Monate)
  • Konsistenz: zuerst flüssig, kristallisiert dann mittelkörnig
  • Geschmack: charakteristischer, leicht mentholartiger, frischer Lindenblütenduft
  • Besonderheit: Eines der aromatischsten deutschen Sortenhonige

Erntezeitraum: Ende Juni bis Mitte Juli (Sommerlinde blüht zuerst ab Mitte Juni, Winterlinde folgt ca. 2 Wochen später)

Regionale Verbreitung: Überall in Deutschland, besonders in Städten (Alleebäume) und Parks ertragreich.

Akazienhonig

Botanisch korrekt handelt es sich um die Robinie (Robinia pseudoacacia), nicht um die echte Akazie. Der Name "Akazienhonig" ist aber in Deutschland so etabliert, dass er auch im Handel verwendet wird.

Eigenschaften:

  • Farbe: wasserhell bis hellgelb
  • Kristallisation: extrem langsam (bleibt oft 1–2 Jahre flüssig)
  • Konsistenz: sehr flüssig, dünnfließend
  • Geschmack: sehr mild, süß, kaum Eigengeschmack
  • Fruktosegehalt: sehr hoch (daher langsame Kristallisation)

Erntezeitraum: Mai bis Juni (Robinie blüht sehr kurz, oft nur 10–14 Tage)

Imkerliche Besonderheit: Die Robinie ist eine der ertragreichsten Trachtpflanzen. Gute Robi-Standorte können 20–40 kg Honig pro Volk liefern. Witterungsabhängige Tracht: Bei Regen oder Kälte während der Blüte kann die Ernte nahezu ausfallen.

Beliebtheit: Akazienhonig ist bei Verbrauchern sehr beliebt wegen des milden Geschmacks und der langen Flüssigkeitsphase – ideal fürs Frühstück und Kochen.

Kastanienhonig

Kastanienhonig kommt aus den Blüten der Edelkastanie (Castanea sativa), die in wärmeren Regionen Deutschlands (Rheinland, Pfalz, Franken) vorkommt.

Eigenschaften:

  • Farbe: dunkelbraun bis rötlichbraun
  • Kristallisation: sehr langsam (bleibt lange flüssig)
  • Konsistenz: zähflüssig, dickfließend
  • Geschmack: kräftig, leicht bitter, gerbstoffreich, tanninhaltig
  • Besonderheit: Hoher Pollengehalt (Kastanienpollen sind charakteristisch)

Erntezeitraum: Juli (Kastanie blüht spät im Jahr)

Typische Region: Mittelrhein, Mosel, Pfalz, Baden, Südtirol (für Import). Echter Kastanienhonig aus Deutschland ist selten und entsprechend wertvoll.

Phacelia-Honig (Bienenfreund)

Phacelia tanacetifolia – der Bienenfreund – ist nicht nur als Bienenweidepflanze bei Imkern beliebt, sondern liefert auch einen charakteristischen Honig.

Eigenschaften:

  • Farbe: hellgelb bis weißlich nach Kristallisation
  • Kristallisation: schnell bis mittel
  • Geschmack: mild, angenehm, leicht blumig

Erntezeitraum: Je nach Ansaat Mai bis September (mehrere Ernten möglich)

Waldhonig

Waldhonig ist kein Blütenhonig, sondern ein Honigtauhonig. Bienen sammeln Honigtau von verschiedenen Laub- und Nadelbäumen – hauptsächlich Eiche, Buche, Ahorn, Fichte und Tanne.

Eigenschaften:

  • Farbe: dunkelbraun bis schwärzlichbraun
  • Kristallisation: sehr langsam (bleibt oft über 1 Jahr flüssig)
  • Konsistenz: dickflüssig bis zähfließend
  • Geschmack: würzig, malzig, leicht harzig, komplex
  • Elektrische Leitfähigkeit: > 0,8 mS/cm (Pflicht für die Bezeichnung Waldhonig)

Erntezeitraum: Juli bis August (je nach Honigtauangebot, sehr witterungsabhängig)

Besonderheit: Waldhonig ist sehr nährstoffreich (mehr Mineralstoffe als Blütenhonig) und gilt in der Bevölkerung als besonders wertvoll. Die Verfügbarkeit schwankt stark – in manchen Jahren gibt es kaum Honigtau.

Tannenhonig / Fichtenhonig

Eine besondere Form des Waldhonigs, gewonnen aus Honigtau von Fichten und Tannen in Mittelgebirgen und Alpenregionen.

Eigenschaften:

  • Farbe: dunkelgrün bis schwarzbraun (charakteristisch!)
  • Kristallisation: extrem langsam (kann jahrelang flüssig bleiben)
  • Konsistenz: sehr dickflüssig, zähfließend
  • Geschmack: intensiv würzig, leicht harzig, leicht bitter
  • Elektrische Leitfähigkeit: oft > 1,2 mS/cm

Typische Regionen: Schwarzwald, Bayerischer Wald, Allgäu, Harz

Erntezeitraum: Juli bis August (Tannenhonigtau tritt vor allem in warmen, trockenen Sommern auf)

Heidehonig

Heide- oder Heidehonig aus der Besenheide (Calluna vulgaris) ist einer der begehrtesten deutschen Sortenhonige.

Eigenschaften:

  • Farbe: rötlichbraun bis dunkelbraun
  • Kristallisation: bleibt nach Granulation thixotrop (wird durch Schütteln wieder flüssig)
  • Konsistenz: gelatineartig im Glas, zähflüssig nach Rühren
  • Geschmack: kräftig, aromatisch, leicht bitter, sehr eigenständig

Erntezeitraum: August bis September (Heidekraut blüht sehr spät)

Besonderheit: Heidehonig lässt sich aufgrund seiner thixotropen Eigenschaften nicht normal schleudern. Er muss vor dem Schleudern mit einem speziellen Heidehonig-Stippgerät (Lösgerät) in den Waben gelockert werden, oder er wird als Wabenhonig verkauft bzw. gepresst.

Regionen: Lüneburger Heide, Rheinheide, Sauerland, Pfälzerwald

Vergleichstabelle: Deutsche Honigsorten auf einen Blick

HonigsorteTypFarbeKristallisationGeschmackErntemonatElektrische Leitfähigkeit
RapshonigBlüteCremeweißSehr schnell (< 2 Wo.)Mild, süßlichApr–Mai< 0,8 mS/cm
AkazienhonigBlüteWasserhellSehr langsam (> 1 Jahr)Sehr mild, süßMai–Jun< 0,8 mS/cm
LindenhonigBlüteHellgelbMittel (2–4 Mon.)Frisch, mentholigJun–Julvariabel*
PhaceliahonigBlüteHellgelbMittelMild, blumigMai–Sep< 0,8 mS/cm
KastanienhonigBlüteDunkelbraunSehr langsamKräftig, bitterJul> 0,8 mS/cm*
WaldhonigHonigtauDunkelbraunSehr langsamWürzig, malzigJul–Aug> 0,8 mS/cm
TannenhonigHonigtauDunkelgrünExtrem langsamIntensiv, harzigJul–Aug> 0,8 mS/cm
HeidehonigBlüteRötlichbraunThixotropKräftig, aromatischAug–Sep0,4–0,8 mS/cm*

*Kastanienhonig muss laut HonigV wie Honigtauhonige mindestens 0,8 mS/cm aufweisen. Heidehonig (Calluna) und Lindenhonig sind von der 0,8-mS/cm-Regelung ausgenommen und können sowohl darüber als auch darunter liegen.

Das DIB-Glas: Qualitätsstandard für deutschen Honig

Das DIB-Glas (Glas des Deutschen Imkerbundes) ist das Markenzeichen für qualitativ hochwertigen deutschen Honig. Die Nutzung ist an strenge Voraussetzungen geknüpft:

Voraussetzungen für das DIB-Glas

  • Mitgliedschaft im Deutschen Imkerbund über einen Landesverband
  • Honigschulung: Nachweis eines DIB-Honigkurses (Schulung zu Honiggewinnung, Verarbeitung, Lagerung und Lebensmittelrecht)
  • Herkunft: Honig muss aus Deutschland stammen (Standorte in Deutschland)
  • Qualitätskontrolle: Stichprobenartige Überprüfung nach bundeseinheitlichem Standard
  • Wassergehalt: Maximal 18 Prozent (DIB-Norm, strenger als die gesetzlich erlaubten 20 %)
  • Invertase-Aktivität: Mindestens 64 U/kg (Enzymaktivität als Frischemarker)
  • HMF-Wert: Maximal 15 mg/kg (strenger als der gesetzliche Grenzwert von 40 mg/kg)
  • Keine Wärmebehandlung über 40 Grad
  • Keine Fremdbeimischungen

Was das DIB-Glas für dich bedeutet

Als Imker mit DIB-Mitgliedschaft darfst du das genormte Glas mit dem Imkerbund-Etikett verwenden. Das schafft Vertrauen beim Käufer: Wer ein DIB-Glas kauft, weiß, was er bekommt.

Für Direktvermarktung empfiehlt sich das DIB-Glas besonders, weil:

  • Kunden das Emblem kennen und vertrauen
  • Die Qualitätskontrolle einen Rückhalt bietet
  • Das einheitliche Glas-Design professionell wirkt

Sortenhonig und Pollenanalyse

Wer seinen Honig als Sortenhonig vermarkten möchte (z.B. "Lindenhonig" statt nur "Blütenhonig"), muss bestimmte Anforderungen erfüllen:

Anforderungen für Sortenhonig-Bezeichnung

Nach der deutschen Honigverordnung (HonigV, basierend auf der EU-Honigrichtlinie) gilt:

  • Der Honig muss mindestens 60 % aus der namensgebenden Trachtquelle stammen (sensorisch, physikochemisch und mikroskopisch belegt)
  • Der sogenannte Leitpollen (> 45 % im Pollenspektrum) ist ein wichtiger Indikator, aber allein nicht ausreichend – Geschmack, Farbe und Leitfähigkeit müssen ebenfalls zur Sorte passen
  • Bei Rapshonig: Raps-Pollen können 90 %+ ausmachen, die Zuordnung ist meist eindeutig
  • Ausnahme Akazie/Robinie: Trotz geringem Pollengehalt (Robinie ist ein schwacher Pollenspender) ist die Sortenbezeichnung über sensorische und physikochemische Merkmale abgesichert

Pollenanalyse (Melissopalynologie)

Die Pollenanalyse ist die wissenschaftliche Methode, um Sortenhonig zu identifizieren. Sie wird von spezialisierten Laboren durchgeführt:

  1. Honigprobe in Wasser lösen
  2. Zentrifugation
  3. Mikroskopische Auswertung der Pollenkörner
  4. Prozentuale Auswertung je Pollentyp

Kosten: 40 bis 100 Euro je Analyse. Für die Vermarktung als zertifizierter Sortenhonig empfehlenswert.

Elektrische Leitfähigkeit

Ein schnell messbarer Parameter zur Unterscheidung von Blüten- und Honigtauhonig:

  • Blütenhonig: unter 0,8 mS/cm
  • Honigtauhonig (Waldhonig): über 0,8 mS/cm

Gemessen wird nach DIN 10753 mit einem Leitfähigkeitsmessgerät (Konduktometer) in einer 20-prozentigen Honig-Lösung (Trockenmasse). Ausnahmen von der 0,8-mS/cm-Regel gelten für Kastanienhonig (wird wie Honigtauhonig behandelt) sowie Lindenhonig und Heidehonig (Calluna), die von der Regelung ausgenommen sind.

Honigsorten und regionale Besonderheiten

Deutschland bietet je nach Region sehr unterschiedliche Trachtangebote:

RegionHaupttrachtenTypische Honigsorten
NorddeutschlandRaps, Linde, HeideRaps-, Linden-, Heidehonig
MitteldeutschlandRaps, Linde, ObstblüteRaps-, Lindenhonig
Rheinland / MoselRobinie, Kastanie, ObstblüteAkazien-, Kastanienhonig
Bayern / AllgäuRaps, Fichte/Tanne, BergwiesenTannenhonig, Bergblütenhonig
SchwarzwaldTanne, Fichte, WaldhonigtauTannenhonig, Waldhonig
Sachsen / ThüringenRaps, Linde, RobinieRaps-, Akazienhonig

Diese regionalen Schwerpunkte sind nur Anhaltspunkte – die tatsächliche Trachtlage hängt von lokaler Flora, Witterung und Landwirtschaft ab.

Honig schleudern und vermarkten: So hängst du alles zusammen

Vom Bienenstand bis ins Glas ist es ein weiter Weg. Lies dazu unsere Artikel Honig richtig schleudern und Honig Etikettierung – beide gehen im Detail auf die handwerkliche und rechtliche Seite der Honigernte ein.

Fazit

Die Vielfalt der deutschen Honigsorten spiegelt die Vielfalt unserer Landschaft wider. Ob cremiger Rapshonig aus Norddeutschland, aromatischer Lindenhonig vom Stadtrand oder würziger Tannenhonig aus dem Schwarzwald – jede Sorte hat ihren Platz und ihre Liebhaber. Als Imker lohnt es sich, die eigene Tracht genau zu kennen und den Honig entsprechend zu vermarkten. Ein gut beschrifteter Sortenhonig mit DIB-Glas und Pollenanalyse erzielt deutlich höhere Preise als "Blütenhonig" ohne Herkunftsangabe.

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In Hivekraft kannst du jede Ernte einer spezifischen Tracht und Honigsorte zuordnen. Das System hilft dir, Erntemengen nach Sorten auszuwerten, Chargen für die Abfüllung zu erstellen und per QR-Code die volle Rückverfolgbarkeit vom Glas bis zum Volk und Standort zu gewährleisten. So weißt du immer, welche Sorte du im Lager hast – und deine Kunden auch.

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