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Einfütterung: Menge, Timing und die richtige Methode

9 minVon Hivekraft Redaktion
EinfütterungZuckerlösungWinterfutterHerbstFuttervorrat

Alles zur Einfütterung deiner Bienenvölker: Zuckerlösung 3:2, 15-20 kg pro Volk, die besten Fütterungsmethoden und der optimale Zeitplan.

Die Einfütterung ist eine der wichtigsten Aufgaben im Imkerjahr. Nachdem du den Honig geerntet hast, müssen deine Bienen einen Ersatz für den entnommenen Wintervorrat bekommen. Wie viel Futter braucht ein Volk? Wann ist der richtige Zeitpunkt? Und welche Fütterungsmethode funktioniert am besten? Dieser Artikel beantwortet alle Fragen rund um die Einfütterung – mit konkreten Zahlen, einem klaren Zeitplan und praktischen Tipps.

Warum müssen Bienen gefüttert werden?

In der Natur legen Bienen Honigvorräte an, die sie durch den Winter bringen. Als Imker entnimmst du einen Teil dieser Vorräte – den Honig. Das ist der Deal: Du pflegst die Bienen, sie produzieren mehr Honig als sie selbst brauchen, und du erntest den Überschuss.

Doch nach der Ernte fehlt dem Volk ein erheblicher Teil seines Winterfutters. Ohne Einfütterung würde das Volk im Winter verhungern. Du ersetzt den entnommenen Honig durch Zuckerlösung oder Invertzuckersirup. Die Bienen verarbeiten diesen Zucker genauso wie Nektar und lagern ihn als Wintervorrat ein.

15-20 kg
Winterfutterbedarf pro Volk – je nach Region und Beutengröße

Wie viel Futter braucht ein Volk?

Die benötigte Futtermenge hängt von mehreren Faktoren ab: Beutengröße, Volksstärke, Region und Winterlänge. Hier sind die Richtwerte:

BeutentypGesamtbedarf WinterRestfutter nach ErnteZuzufüttern
DNM (10 Waben)15-18 kg2-5 kg10-16 kg
Zander (10 Waben)18-20 kg3-5 kg13-17 kg
Dadant (12 Waben)20-22 kg3-6 kg14-19 kg
Segeberger16-18 kg2-4 kg12-16 kg

Umrechnung Zucker zu Winterfutter: 1 Kilogramm Zucker in 3:2-Lösung ergibt nach der Verarbeitung durch die Bienen etwa 1 Kilogramm eingelagertes Winterfutter. Das heißt: Wenn du 15 kg zufüttern musst, brauchst du 15 kg Zucker, aufgelöst in 10 Liter Wasser.

Wie erkenne ich den aktuellen Futterstand?

  1. 1

    Wiegen (genaueste Methode)

    Wiege die Beute nach der Ernte. Ziehe das Leergewicht der Beute ab (Holz, Waben, Bienen ~ 15-20 kg bei DNM). Der Rest ist Futtervorrat. Eine Stockwaage macht dies besonders einfach – du siehst die Gewichtsveränderung in Echtzeit.

  2. 2

    Anheben (Praxismethode)

    Hebe die Beute an der Rückseite an. Mit etwas Erfahrung spürst du, ob das Volk schwer (gut versorgt) oder leicht (Futterknappheit) ist. Diese Methode ist ungenau, aber schnell und erfordert kein Werkzeug.

  3. 3

    Wabenkontrolle (direkte Methode)

    Ziehe einzelne Randwaben und prüfe den Futterstand. Eine voll verdeckelte Futterwabe wiegt etwa 2 bis 2,5 kg (DNM) bzw. 3 bis 3,5 kg (Zander/Dadant). Zähle die Futterwaben und multipliziere.

Zuckerlösung richtig anmischen

Die Standardlösung für die Herbsteinfütterung ist Zuckerlösung 3:2 (3 Teile Zucker, 2 Teile Wasser nach Gewicht):

Rezept: 10 Liter Zuckerlösung 3:2

ZutatMenge
Weißer Haushaltszucker15 kg
Wasser (handwarm)10 Liter
Ergebnisca. 18 Liter Lösung

Zubereitung:

  1. Wasser auf ca. 40-50°C erwärmen (nicht kochen – Kochen erzeugt HMF, das für Bienen schädlich ist)
  2. Zucker portionsweise einrühren
  3. Rühren, bis alles vollständig aufgelöst ist
  4. Auf Raumtemperatur abkühlen lassen
  5. Verfüttern innerhalb von 2 bis 3 Tagen (gärt sonst)
Nur weißen Haushaltszucker verwenden

Verwende ausschließlich normalen weißen Kristallzucker (Saccharose). Brauner Zucker, Rohrzucker, Vollrohrzucker und Melasse enthalten Stoffe, die Bienen nicht verdauen können und die Ruhr verursachen. Auch Honig anderer Imker ist als Winterfutter ungeeignet (Krankheitsübertragung!).

Alternative Mischungen

MischungVerhältnisVerwendungBesonderheit
3:2 (Standard)3 kg Zucker : 2 L WasserHerbsteinfütterungGut verarbeitbar, Standard
2:1 (dick)2 kg Zucker : 1 L WasserSpäte EinfütterungWeniger Wassergehalt, weniger Arbeit für Bienen
1:1 (dünn)1 kg Zucker : 1 L WasserFrühjahrsstimulationRegt Bruttätigkeit an
API-InvertFertigprodukt (75%)GanzjährigBienen sparen Arbeit, teurer

Der optimale Zeitplan

Das Timing der Einfütterung ist entscheidend. Zu früh kann Probleme verursachen (Räuberei), zu spät bedeutet, dass die Winterbienen das Futter noch verarbeiten müssen – was ihre Lebensdauer verkürzt.

Die goldene Fütterungsregel

Beginne mit der Einfütterung sofort nach der letzten Ernte und der Varroabehandlung. Schließe die Fütterung bis Mitte September ab. So haben die Sommerbienen noch Zeit, das Futter einzudicken und einzulagern, und die Winterbienen werden nicht belastet.

Wochenplan für die Einfütterung

WocheAktionMenge pro Volk
Woche 1 (nach Ernte)Erste Fütterung starten3-5 Liter
Woche 2Nachfüllen3-5 Liter
Woche 3Nachfüllen3-5 Liter
Woche 4Letzte Gabe, Gewicht kontrollieren2-3 Liter
Woche 5 (Mitte September)Kontrolle: Futtervorrat ausreichend?Bei Bedarf nachfüttern

Große Portionen statt kleiner Gaben: Es ist besser, 3 bis 5 Liter auf einmal zu geben als täglich 1 Liter. Große Portionen werden schneller abgenommen und verarbeitet. Kleine Mengen verleiten die Bienen zum Sammeln statt zum Einlagern.

Fütterungsmethoden im Vergleich

MethodeFassungsvermögenVorteileNachteile
Futtertasche1,5-3 LiterSchnelle Abnahme, kein ErtrinkenHäufiges Nachfüllen
Futtergeschirr (Eimer)3-10 LiterGroße Mengen, günstigRäubereigefahr beim Befüllen
Futterzarge5-15 LiterSehr große Mengen, abgeschlossenInvestition nötig
Beutel-Methode2-5 LiterEinfach, günstigSchwer zu kontrollieren
Futterteig (Fondant)0,5-2 kgNotfutter, kein VerschüttenLangsame Abnahme

Die Futterzarge: Empfehlung für Standardbetrieb

Für die meisten Imker ist die Futterzarge die beste Lösung. Sie bietet ausreichend Volumen (5 bis 15 Liter), ist gut gegen Räuberei geschützt und ermöglicht eine schnelle Abnahme durch die Bienen.

Aufbau einer Futterzarge:

  • Flache Zarge mit integriertem Futtertrog
  • Aufstiegshilfe (Leiter oder strukturierte Oberfläche), damit die Bienen ans Futter gelangen
  • Schwimmhilfe (Styroporstücke oder Gaze), damit keine Bienen ertrinken
  • Wird direkt auf die Brutzarge aufgesetzt
Imker hält einen rauchenden Smoker an die Beute
Bei der Einfütterung arbeite zügig und öffne die Beute nur so kurz wie nötig – gerade im Spätsommer ist die Räubereigefahr hoch.

Räuberei verhindern

Während der Einfütterung besteht erhöhte Räubereigefahr. Starke Völker riechen das Futter in schwächeren Völkern und versuchen, es zu stehlen. Räuberei kann ein Volk innerhalb von Stunden ausplündern.

Räuberei-Prävention

Fortschritt0/0

Räuberei erkennen

  • Hektischer Flugbetrieb mit kämpfenden Bienen am Flugloch
  • Bienen versuchen durch Spalten und Ritzen einzudringen
  • Tote Bienen am Flugloch (Ergebnis der Verteidigung)
  • Abends immer noch starker Flugbetrieb (normal fliegen Bienen abends nicht mehr)

Besondere Situationen

Notfütterung im Spätsommer

Wenn du bei einer Kontrolle feststellst, dass ein Volk fast kein Futter mehr hat, ist eine Notfütterung nötig:

  • Sofort 2 bis 3 Liter Zuckerlösung 2:1 oder 3:2 geben
  • Futterteig als Ergänzung direkt auf die Rähmchen legen
  • Flugloch verengen gegen Räuberei
  • Am nächsten Tag nachsehen, ob das Futter abgenommen wurde

Ableger und Jungvölker

Ableger und Jungvölker brauchen besondere Aufmerksamkeit bei der Einfütterung:

  • Kleinere Mengen füttern (Ableger haben weniger Bienen zum Verarbeiten)
  • Früher beginnen als bei Wirtschaftsvölkern
  • Gesamtbedarf: 8 bis 12 kg, je nach Volksstärke
  • In der Futterzarge oder Futtertasche – kein offenes Futtergeschirr (zu schwach zur Verteidigung)

Späte Einfütterung (September)

Wenn du erst im September mit der Einfütterung beginnst, nutze dickere Lösungen:

  • 2:1 Zuckerlösung oder Invertzuckersirup verwenden
  • Die Bienen haben weniger Zeit zum Eindicken
  • Große Portionen geben (5 Liter und mehr)
  • Bis spätestens Ende September abschließen

Häufige Fragen zur Einfütterung

Wie viel Winterfutter braucht ein durchschnittliches Volk auf DNM-Maß?

Fazit

Die Einfütterung ist keine Raketenwissenschaft – aber sie erfordert Planung und Konsequenz. Mit der digitalen Stockkarte behältst du den Futterstand aller Völker im Blick. Beginne früh, füttere großzügig und schließe die Fütterung bis Mitte September ab. Kontrolliere den Futtervorrat durch Wiegen oder Anheben und reagiere sofort bei Engpässen. Deine Bienen verarbeiten das Futter und lagern es sauber ein – du musst nur sicherstellen, dass genug davon da ist.

Lieber ein Kilo zu viel als ein Kilo zu wenig. Überschüssiges Winterfutter ist im Frühjahr ein willkommener Energieschub für die Völkerentwicklung.

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