Jahresplanung: Das Bienenjahr richtig planen
Saison

Jahresplanung: Das Bienenjahr richtig planen

9 minVon Hivekraft Redaktion
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Plane dein Bienenjahr strategisch: Monat-für-Monat-Kalender, Materiallisten, Ziele setzen und nie wieder den richtigen Zeitpunkt verpassen.

Das Bienenjahr folgt einem festen Rhythmus – und doch ist es jedes Jahr anders. Wetterbedingungen, Trachtangebot und die Entwicklung deiner Völker bestimmen, wann welche Aufgabe ansteht. Wer vorausplant, behält den Überblick und verpasst keine kritischen Zeitfenster. In diesem Artikel bekommst du einen vollständigen Monatskalender, praktische Materiallisten und Tipps zur strategischen Planung deines Bienenjahres.

Bienenstand unter blühenden Kirschbäumen im Frühling
Das Bienenjahr beginnt mit der Kirschblüte richtig durchzustarten – wer gut geplant hat, ist vorbereitet.

Warum Jahresplanung?

Imkern ist kein Hobby, das man spontan betreibt. Viele Aufgaben haben enge Zeitfenster, und wer eine verpasst, bezahlt mit Ernteausfall, Völkerverlusten oder doppelter Arbeit. Eine gute Jahresplanung hilft dir:

  • Kritische Termine nicht zu vergessen (Schwarmkontrolle, Varroa-Behandlung)
  • Material rechtzeitig zu bestellen und vorzubereiten
  • Arbeitszeit realistisch einzuschätzen
  • Ziele für die Saison zu setzen und zu verfolgen
  • Aus Fehlern der Vorjahre zu lernen
12 Monate
Das Bienenjahr hat keinen Leerlauf – auch im Winter gibt es Aufgaben

Der Monatskalender: Monat für Monat durchs Bienenjahr

Januar: Ruhe und Vorbereitung

Das neue Bienenjahr beginnt am Schreibtisch. Die Bienen sitzen in der Wintertraube und brauchen dich nicht – aber du kannst die Zeit gut nutzen.

Aufgaben am Bienenstand:

  • Fluglocher kontrollieren (frei von Schnee und Eis?)
  • Sturmsicherung prüfen (Deckel fest?)
  • Mäuseschutz kontrollieren

Aufgaben in der Werkstatt:

  • Rähmchen bauen und drahten
  • Mittelwände einlöten
  • Beuten reparieren und streichen
  • Material bestellen

Aufgaben am Schreibtisch:

  • Saison Revue passieren lassen
  • Ziele für das neue Jahr definieren
  • Bestandsbuch aus dem Vorjahr abschließen
  • Fortbildung (Kurse, Bücher, Webinare)

Februar: Die Spannung steigt

Die Tage werden länger, und die ersten milden Tage bringen Aktivität am Bienenstand. Die Königinnen beginnen mit der Eilage.

Aufgaben:

  • Reinigungsflug beobachten (ab 8-10°C)
  • Fluglochbeobachtung: Polleneintrag?
  • Futtervorrat kontrollieren (Anheben)
  • Notfütterung bei Bedarf (Futterteig)
  • Werkstattarbeiten abschließen
Futterknappheit im Februar/März

Der höchste Futterverbrauch liegt im Vorfrühling, wenn die Bruttätigkeit stark ansteigt. Kontrolliere den Futtervorrat regelmäßig durch Anheben der Beute. Im Zweifel lieber Futterteig auflegen als riskieren, dass ein Volk verhungert.

März: Saisonstart

Der echte Saisonstart. Die Weidenblüte liefert massiv Pollen, die Völker wachsen schnell.

Aufgaben:

  • Erste Frühjahrsdurchsicht (ab 15°C stabil)
  • Volksstärke und Weiselrichtigkeit prüfen
  • Futtervorräte einschätzen
  • Alte Waben markieren (zum späteren Austausch)
  • Schwache Völker vereinigen
  • Bodenschieber reinigen

April: Aufbauphase

Die Völker wachsen explosionsartig. Die Obstblüte bringt die erste große Tracht.

Aufgaben:

  • Honigraum aufsetzen (bei 7/10 besetzten Waben)
  • Absperrgitter einlegen
  • Drohnenrahmen einhängen
  • Schwarmkontrolle beginnen (Ende April)
  • Wabenerneuerung starten (alte gegen neue Mittelwände)
  1. Honigraum rechtzeitig aufsetzen

    Wenn 7 von 10 Brutraumwaben besetzt sind und die Obstblüte beginnt, ist es Zeit. Ein Tag zu früh ist besser als eine Woche zu spät. Lege ein Absperrgitter zwischen Brut- und Honigraum, damit die Königin oben nicht brütet.

  2. Drohnenrahmen als Varroa-Falle

    Hänge einen leeren Baurahmen an Position 2 oder 9 in den Brutraum. Die Bienen bauen Drohnenbrut, in der sich Varroa bevorzugt vermehrt. Schneide die verdeckelte Drohnenbrut alle 3 Wochen aus – so entfernst du Varroa-Milben auf natürliche Weise.

  3. Schwarmkontrolle starten

    Ab Ende April kontrollierst du wöchentlich auf Schwarmzellen. Kippe jede Brutwabe und prüfe die Unterkante auf Weiselzellen. Der 7-Tage-Rhythmus ist jetzt Pflicht.

Mai: Schwarmzeit und Frühtracht

Der intensivste Monat im Bienenjahr. Schwarmkontrolle, Ableger bilden und die Frühtracht nutzen – alles gleichzeitig.

Aufgaben:

  • Schwarmkontrolle alle 7 Tage (Pflicht!)
  • Drohnenrahmen ausschneiden
  • Ableger bilden (Schwarmvorwegnahme)
  • Honigraum kontrollieren und ggf. erweitern
  • Raps-Honigernte (Ende Mai, wenn Raps verblüht)

Juni: Sommertracht

Die Schwarmzeit klingt ab, die Sommertracht (Linde, Robinie, Edelkastanie) beginnt.

Aufgaben:

  • Schwarmkontrolle bis Sonnenwende fortführen
  • Sommertracht nutzen (Honigräume erweitern)
  • Ableger pflegen und kontrollieren
  • Wasserversorgung sicherstellen

Juli: Ernte

Der Erntemonat. Die Sommertracht wird abgeerntet, und die Weichen für den Herbst werden gestellt.

Aufgaben:

  • Sommerhonig schleudern (verdeckelte Waben, < 18% Wasser)
  • Trachtende beobachten
  • Honigräume abnehmen
  • Varroabehandlung vorbereiten
  • Mit Einfütterung beginnen (bei frühem Trachtende)

August: Der Wendemonat

August ist der wichtigste Monat für die Wintervorbereitung. Varroa-Behandlung und Einfütterung starten gleichzeitig.

Aufgaben:

  • Varroabehandlung mit Ameisensäure starten
  • Einfütterung beginnen (3:2 Zuckerlösung)
  • Volksstärke bewerten
  • Schwache Völker markieren (zum Vereinigen im September)
August
Der wichtigste Monat im Bienenjahr – Varroabehandlung und Einfütterung entscheiden über den Winter

September: Einfütterung abschließen

Die Einfütterung wird beendet, der Behandlungserfolg kontrolliert.

Aufgaben:

  • Einfütterung bis Mitte September abschließen
  • Varroabehandlung kontrollieren (Milbenfall < 1/Tag)
  • Bei Bedarf nachbehandeln
  • Schwache Völker vereinigen (Zeitungsmethode)
  • Weiselkontrolle: alle Völker weiselrichtig?
  • Futtervorrat prüfen (15-20 kg)

Oktober: Wintervorbereitungen

Die Völker gehen in die Winterruhe. Letzte Kontrollen und mechanische Vorbereitungen.

Aufgaben:

  • Mäuseschutzgitter anbringen
  • Flugloch verengen (5-8 cm)
  • Deckel beschweren (Sturmsicherung)
  • Leerwaben einlagern (kühl, wachsmottensicher)
  • Beuten auf Neigung prüfen (leicht nach vorne)
  • Bodenschieber einschieben

November: Übergang

Die Bienen sitzen in der Wintertraube. Am Bienenstand ist Ruhe.

Aufgaben:

  • Gelegentliche Kontrolle (Sturmsicherung, Mäuseschutz)
  • Werkstattzeit beginnen
  • Material für nächste Saison bestellen
  • Altwaben einschmelzen
  • Honig abfüllen und etikettieren

Dezember: Restentmilbung

Die letzte große Aufgabe des Jahres: die Oxalsäure-Behandlung in der brutfreien Phase.

Aufgaben:

  • Oxalsäure-Restentmilbung (brutfreie Phase, 3-4 Wochen nach erstem Frost)
  • Winterkontrollen (Flugloch, Sturmsicherung)
  • Jahresabschluss: Bestände, Verluste, Erntemengen dokumentieren
  • Werkstattarbeiten
Bienenstand im goldenen Oktober mit Herbstlaub
Im Oktober werden die Beuten winterfest gemacht – dann beginnt die ruhigste Phase im Bienenjahr.

Strategische Ziele setzen

Neben den operativen Aufgaben solltest du dir strategische Ziele für die Saison setzen. Was willst du erreichen?

Mögliche Jahresziele

ZielMessgrößeRealistisch bei 10 Völkern

Materialliste für die Saison

Damit du nichts vergisst, hier die komplette Materialliste. Drucke sie aus oder speichere sie digital:

Saisonmaterial (bei 10 Völkern)

Fortschritt0/0

Arbeitszeit realistisch planen

Viele Anfänger unterschätzen den Zeitaufwand. Hier eine realistische Kalkulation:

MonatStunden (bei 10 Völkern)Hauptaufgabe
Jan-Feb10-15Werkstatt, Planung
März5-8Frühjahrsdurchsicht
April8-12Erweitern, Schwarmkontrolle beginnt
Mai15-20Schwarmkontrolle, Ableger, Ernte vorbereiten
Juni10-15Schwarmkontrolle, Honigräume
Juli15-20Ernte, Schleudern
August12-15Behandlung, Einfütterung
September8-10Einfütterung, Kontrollen
Oktober5-8Wintervorbereitung
Nov-Dez8-12Oxalsäure, Werkstatt
GESAMT~100-140 Stunden
Pro Volk und Jahr

Als Faustregel rechnest du mit 10 bis 15 Stunden pro Volk und Jahr für die laufende Betreuung. Dazu kommen Werkstattarbeit, Schleudern und Vermarktung. Bei 10 Völkern sind das 2 bis 3 Stunden pro Woche im Jahresdurchschnitt – aber sehr ungleich verteilt.

Digitale Planung

Eine digitale Stockkarte erleichtert die Planung erheblich. Statt Zettelwirtschaft hast du alle Daten an einem Ort:

  • Durchsichten-Historie: Was wurde wann bei welchem Volk gemacht?
  • Behandlungs-Tracking: Wann wurde behandelt? Was steht noch aus?
  • Erinnerungen: Automatische Hinweise für Schwarmkontrolle, Behandlung, Fütterung
  • Gewichtsdaten: Stockwaage zeigt Trachtbeginn und -ende in Echtzeit
  • Saisonvergleich: Wie hat sich das Volk im Vergleich zum Vorjahr entwickelt?

Wann sollte die Einfütterung abgeschlossen sein?

Saison-Rückblick: Die wichtigste Planung

Die beste Grundlage für die Planung des nächsten Jahres ist ein ehrlicher Rückblick auf die vergangene Saison:

Erfolgreiche Imker haben eines gemeinsam: Sie planen voraus und lernen aus jedem Jahr. Die beste Investition in deine Imkerei ist eine halbe Stunde Reflexion am Jahresende.

Dr. Pia Aumeier
Bienenforscherin, Ruhr-Universität Bochum

Fazit: Planung ist der halbe Erfolg

Das Bienenjahr ist ein Marathon, kein Sprint. Wer vorausplant, Material rechtzeitig vorbereitet und kritische Termine im Kalender hat, imkert entspannter und erfolgreicher. Setze dir realistische Ziele, dokumentiere deine Arbeit und nimm dir am Jahresende Zeit für einen ehrlichen Rückblick. So wirst du von Saison zu Saison besser – und deine Bienen profitieren davon.

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