Wintervorbereitungen: So bringst du deine Bienen sicher durch den Winter
Saison

Wintervorbereitungen: So bringst du deine Bienen sicher durch den Winter

8 minVon Hivekraft Redaktion
WinterWintervorbereitungEinfütterungÜberwinterungMäuseschutz

Wintervorbereitungen für Bienen: Einfütterung, Varroabehandlung, Mäuseschutz und Fluglochverengung – dein kompletter Leitfaden für gesunde Überwinterung.

Die Wintervorbereitung entscheidet über den Erfolg der nächsten Saison. Ein Volk, das gut vorbereitet in den Winter geht, startet im Frühjahr mit Kraft und Energie. Schlecht vorbereitete Völker hingegen schwächeln, hungern oder sterben. Der Herbst ist die letzte Chance, alles richtig zu machen. In diesem Leitfaden erfährst du Schritt für Schritt, was du von August bis November tun musst, damit deine Bienen den Winter sicher überstehen.

Bienenstock mit Winterisolierung
Gut vorbereitete Beuten mit Mäuseschutz und Fluglochverengung – bereit für den Winter.

Der Wintervorbereitungs-Kalender

Die Wintervorbereitung erstreckt sich über mehrere Monate. Hier ist dein Zeitplan:

MonatAufgabePriorität
Ende Juli/AugustLetzte Ernte, Varroabehandlung startenSehr hoch
AugustEinfütterung beginnen (parallel zur Behandlung)Sehr hoch
SeptemberEinfütterung abschließen, Volksstärke bewertenHoch
OktoberWeiselkontrolle, schwache Völker vereinigenHoch
NovemberMäuseschutz, Fluglochverengung, SturmsicherungMittel
Dezember/JanuarOxalsäure-RestentmilbungHoch

Schritt 1: Varroabehandlung

Die Varroabehandlung ist der erste und wichtigste Schritt der Wintervorbereitung. Ohne konsequente Behandlung schlüpfen geschädigte Winterbienen, die den Winter nicht überleben.

Keine Kompromisse bei der Varroa

Die Varroa-Milbe ist die Todesursache Nr. 1 bei Winterverlusten. Rund 70 bis 80 Prozent aller Völkerverluste im Winter gehen direkt oder indirekt auf Varroa zurück. Behandle rechtzeitig und kontrolliere den Erfolg.

Zeitplan der Behandlung

  1. Ende Juli/August: Hauptbehandlung mit Ameisensäure 60% (nach der letzten Ernte)
  2. September: Behandlungserfolg kontrollieren (natürlicher Milbenfall unter 1/Tag)
  3. Bei Bedarf: Nachbehandlung mit Ameisensäure
  4. Dezember/Januar: Restentmilbung mit Oxalsäure in der brutfreien Phase
70-80%
Anteil der Winterverluste, die auf Varroa zurückgehen

Schritt 2: Einfütterung

Nach der Honigernte haben die Völker kein Futter mehr. Du musst den entnommenen Honig durch Zuckerlösung ersetzen. Die Einfütterung ist die zweitwichtigste Maßnahme der Wintervorbereitung.

Wie viel füttern?

Die richtige Menge hängt von der Beutengröße und dem vorhandenen Restfutter ab:

BeutentypWinterfutterbedarfDavon durch Einfütterung

Faustregel: Pro Kilogramm benötigtes Winterfutter brauchst du 1 Liter Zuckerlösung (3:2) oder 1,2 Liter fertig invertierten Sirup.

Zuckerlösung oder Invertzuckersirup?

FuttermittelMischungVorteileNachteile
Zuckerlösung 3:23 kg Zucker : 2 L WasserGünstig, bewährtBienen müssen invertieren
Zuckerlösung 2:12 kg Zucker : 1 L WasserDickflüssig, schnelle AufnahmeSchwieriger zu mischen
API-Invert/ApiinvertFertiglösungKeine Arbeit für BienenTeurer

Timing der Einfütterung

Goldene Regel der Einfütterung

Die Einfütterung sollte bis Mitte September abgeschlossen sein. Später gefüttertes Zuckerwasser wird von den Bienen nicht mehr vollständig umgearbeitet – es bleibt zu feucht in den Waben und kann gären.

Früh und schnell füttern: Gib lieber große Portionen (3 bis 5 Liter) auf einmal statt viele kleine Gaben. So bauen die Sommerbienen den Futtervorrat zügig auf, und die späteren Winterbienen müssen das Futter nicht mehr verarbeiten.

Fütterungssysteme

  1. Futtertasche (in der Beute)

    Eine Futtertasche (z.B. aus Kunststoff) wird statt einer Randwabe in die Beute gehängt. Die Bienen steigen hinein und nehmen das Futter direkt ab. Fassungsvermögen: 1,5 bis 3 Liter. Vorteil: Schnelle Abnahme, kein Ertrinken. Nachteil: Häufiges Nachfüllen.

  2. Futtergeschirr (auf der Beute)

    Eine flache Wanne oder ein Eimer mit Schwimmhilfe wird auf den Brutraum gestellt (statt des Honigraums). Fassungsvermögen: 3 bis 10 Liter. Vorteil: Große Mengen auf einmal. Nachteil: Beute steht offen, Räubereigefahr.

  3. Futterzarge

    Eine spezielle Zarge mit integriertem Futtertrog, die auf den Brutraum gesetzt wird. Fassungsvermögen: 5 bis 15 Liter. Vorteil: Große Menge, abgeschlossen, keine Räuberei. Nachteil: Zusätzliche Investition.

Schritt 3: Volksstärke bewerten

Nicht jedes Volk verdient es, einzeln überwintert zu werden. Schwache Völker kosten Futter, Arbeit und Platz – und überleben den Winter oft trotzdem nicht.

Bewertung im September

VolksstärkeBesetzte WabengassenEmpfehlung

Vereinigen mit der Zeitungsmethode

Zwei schwache Völker zu einem starken zu vereinigen ist einfach und effektiv:

  1. Das stärkere Volk bleibt an seinem Platz
  2. Lege eine Lage Zeitungspapier auf die obere Zarge (mit einigen Nadelstichen)
  3. Setze die Zarge des schwächeren Volkes oben drauf
  4. Die Bienen nagen sich über 1 bis 2 Tage durch die Zeitung – in dieser Zeit gewöhnen sie sich aneinander
  5. Die Königin des stärkeren Volkes setzt sich durch (oder du wählst vorher die bessere Königin aus)
Zwei Schwache machen ein Starkes

Zwei schwache Völker (je 3 Gassen) machen zusammen ein mittelstarkes Volk (6 Gassen), das gute Überwinterungschancen hat. Zwei einzelne schwache Völker würden den Winter mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht schaffen.

Schritt 4: Weiselkontrolle

Ein weiselloses Volk im Winter ist verloren. Prüfe im September noch einmal, ob alle Völker weiselrichtig sind:

  • Stifte oder junge Larven vorhanden? Dann ist die Königin da.
  • Nur verdeckelte Brut und keine Stifte? Beobachte genau – möglicherweise hat die Königin eine Legepause eingelegt, oder sie fehlt.
  • Buckelbrut (gewölbte Zelldeckel auf Arbeiterinnenzellen)? Das Volk ist weisellos und hat Drohnenbrütige Arbeiterinnen. Auflösen oder mit weiselrichtigem Volk vereinigen.

Schritt 5: Beute winterfest machen

Ab Oktober bereitest du die Beuten auf den Winter vor:

Winterfest-Checkliste

Fortschritt0/0

Mäuseschutz

Mäuse suchen im Herbst warme Quartiere – und ein Bienenstock bietet alles, was sie brauchen: Wärme, Schutz und Futter. Eine Maus im Bienenstock frisst Waben, stört die Wintertraube und verunreinigt den Stock mit Kot und Urin.

Mäuseschutzgitter: Ein Metallgitter (Maschenweite 8 mm) vor dem Flugloch. Wichtig: Die Maschenweite muss groß genug sein, dass Bienen hindurchpassen (eine Biene braucht 8 mm), aber klein genug, um Mäuse fernzuhalten. Handelsübliche Mäusegitter kosten weniger als 2 Euro pro Volk.

Isolation: Ja oder nein?

Die Frage der Isolation ist unter Imkern umstritten:

MethodeVorteilNachteil
Keine Isolation (Holzbeute)Gute Belüftung, kein SchimmelHöherer Futterverbrauch
Styroporbeute (Segeberger)Natürliche IsolationKann Feuchtigkeit stauen
Zusätzliche Isolation (Noppenfolie)Weniger FutterverbrauchGefahr von Kondenswasser
Bienenkiste/StrohkorbHervorragende IsolationUnwirtschaftlich bei vielen Völkern

Empfehlung: Die meisten Imker in Deutschland kommen mit ungedämmten Holzbeuten gut durch den Winter, solange der Futtervorrat stimmt. Styroporbeuten bieten einen leichten Vorteil beim Futterverbrauch. Zusätzliche Dämmung ist in normalen Wintern nicht nötig und kann bei falscher Anwendung mehr schaden als nutzen (Kondenswasser!).

Bienenstöcke im Winter bei Frost
Gut vorbereitete Völker überstehen auch strengen Frost problemlos – vorausgesetzt, der Futtervorrat stimmt.

Schritt 6: Restentmilbung im Winter

Die letzte Maßnahme der Wintervorbereitung erfolgt paradoxerweise mitten im Winter: die Oxalsäure-Behandlung in der brutfreien Phase.

Der richtige Zeitpunkt

  • Wann: 3 bis 4 Wochen nach dem ersten starken Frost (typisch: Mitte Dezember bis Anfang Januar)
  • Bedingung: Das Volk muss brutfrei sein (keine verdeckelte Brut)
  • Temperatur: Unter 5°C, Bienen sitzen in der Wintertraube

Durchführung (Träufelmethode)

  1. Oxalsäure-Dihydrat-Lösung 3,5% in Zuckerlösung vorbereiten (oder fertiges Präparat verwenden)
  2. Beute kurz öffnen, Innendeckel abnehmen
  3. 5 ml pro besetzter Wabengasse direkt auf die Bienen träufeln
  4. Maximum: 50 ml pro Volk
  5. Beute sofort wieder verschließen
  6. Nur einmal pro Winter anwenden (Mehrfachbehandlung schädigt die Bienen)
Nur einmal träufeln!

Die Oxalsäure-Träufelmethode darf nur einmal pro Winter angewendet werden. Eine wiederholte Behandlung schädigt die Bienen. Wenn du den optimalen Zeitpunkt verpasst hast und das Volk bereits wieder brütet, ist die Wirksamkeit eingeschränkt – behandle trotzdem, aber plane für nächstes Jahr besser.

Die häufigsten Winterverlust-Ursachen vermeiden

UrsacheAnteil an WinterverlustenVorbeugung

Fazit: Die Wintervorbereitung als Investition

Die Wintervorbereitung ist keine lästige Pflicht, sondern eine Investition in die nächste Saison. Wer im Herbst sorgfältig arbeitet, hat im Frühjahr starke, gesunde Völker, die schnell in die Saison starten. Die wichtigsten Punkte noch einmal zusammengefasst:

  1. Varroa konsequent behandeln – der wichtigste Einzelfaktor
  2. Ausreichend füttern – lieber zu viel als zu wenig (15-20 kg)
  3. Volksstärke bewerten – schwache Völker vereinigen
  4. Weiselkontrolle – kein weiselloses Volk überwintern
  5. Beute winterfest machen – Mäuseschutz, Fluglochverengung, Sturmsicherung
  6. Oxalsäure im Winter – die letzte Maßnahme im Varroa-Konzept

Die Kunst der Überwinterung ist keine Kunst – es ist konsequentes Handwerk. Wer die Basics beherrscht, verliert weniger als 5 Prozent seiner Völker.

Dr. Gerhard Liebig
Bienenkundler, Landesanstalt für Bienenkunde

Starte jetzt mit der Planung deiner Wintervorbereitung. Deine Bienen werden es dir im nächsten Frühjahr danken – mit einem kraftvollen Saisonstart und einer guten Ernte.

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