Winter ist Werkstattzeit: Rähmchen drahten, Mittelwände einlöten, Beuten reparieren und Material für die neue Saison vorbereiten – Schritt für Schritt.
Wenn die Bienen in der Wintertraube sitzen und der Bienenstand ruht, beginnt die Werkstattzeit. Die Wintermonate sind ideal, um Rähmchen zu bauen, Mittelwände einzulöten, Beuten zu reparieren und Material für die nächste Saison vorzubereiten. Wer im Winter gut vorbereitet, spart im Frühjahr kostbare Zeit – dann, wenn es am Bienenstand hektisch wird und jeder Tag zählt.

Warum die Werkstattzeit so wichtig ist
Im Frühjahr überschlagen sich die Ereignisse: Frühjahrsdurchsicht, Erweitern, Schwarmkontrolle, Ablegerbildung – alles gleichzeitig. Wer dann noch Rähmchen bauen oder Beuten reparieren muss, verliert wertvolle Zeit. Die Wintermonate bieten die Ruhe, um in der Werkstatt alles vorzubereiten.
Der Plan: Bis Ende Februar sollte dein gesamtes Material für die Saison fertig sein:
- Rähmchen mit Mittelwänden für die Erweiterung
- Reservebeuten für Ableger und Schwärme
- Werkzeug gereinigt und gewartet
- Futtergeschirre und Behandlungszubehör kontrolliert
Rähmchen vorbereiten: Schritt für Schritt
Das Vorbereiten von Rähmchen ist die Hauptaufgabe der Werkstattzeit. Pro Volk brauchst du typischerweise 10 bis 20 Ersatzrähmchen pro Saison – für Erweiterung, Wabenerneuerung und Ableger.
Materialbedarf kalkulieren
| Aufgabe | Rähmchen pro Volk | Rähmchen bei 10 Völkern |
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Baue lieber 20 Prozent mehr Rähmchen als du berechnest. Unerwartete Ereignisse (Schwärme, zusätzliche Ableger, beschädigte Waben) erfordern immer Nachschub. Nichts ist ärgerlicher, als im Mai festzustellen, dass die Mittelwände ausgegangen sind.
Rähmchen zusammenbauen
Je nach Beutenmaß unterscheiden sich die Rähmchen in Größe und Aufbau. Die häufigsten Maße in Deutschland sind DNM (Deutsch Normal), Zander und Dadant.
Oberträger und Seitenteile verbinden
Lege die Seitenteile (Ohren) in die Nuten des Oberträgers ein. Bei Holzrähmchen aus dem Handel passen die Teile meist stramm ineinander. Verwende wasserfesten Holzleim an den Verbindungsstellen für zusätzliche Stabilität. Fixiere die Verbindung mit einem dünnen Nagel oder einer Klammer.
Unterträger einsetzen
Setze den Unterträger (Unterlatte) zwischen die Seitenteile ein. Bei Rähmchen mit Nuten: Einschieben und ggf. leimen. Bei geraden Unterträgern: Aufnageln mit 2 dünnen Nägeln pro Seite.
Drahten
Spanne 4 bis 5 horizontale Drähte durch die vorgebohrten Löcher in den Seitenteilen. Verwende Edelstahldraht (0,4 mm). Beginne unten und arbeite dich nach oben vor. Der Draht muss straff sein – klopfe mit einem Nagel auf die Seitenteile, dann hörst du am Klang, ob der Draht gut gespannt ist (hoher Ton = straff, dumpfer Ton = nachspannen).
Ösen setzen
Verwende an beiden Enden des Drahtes Ösen oder Nägel, um den Draht zu fixieren. Der Draht darf nicht rutschen – er trägt später das gesamte Gewicht der Wabe (bis zu 3 kg bei einer vollen Honigwabe).
Mittelwand einlöten
Lege die Mittelwand auf die Drähte. Mit einem Trafo (12V Einlötgerät) oder einem beheizbaren Einlötstift schmelzt du die Drähte in die Mittelwand ein. Der Draht soll mittig in der Mittelwand sitzen. Arbeite zügig – zu langes Erhitzen schmilzt Löcher in die Mittelwand.
Tipps zum Drahten und Einlöten
- Drahtspannung: Der Draht muss beim Zupfen einen klaren, hohen Ton ergeben. Zu lockerer Draht führt dazu, dass die Mittelwand durchhängt und die Wabe krumm wird.
- Einlötrichtung: Löte immer von oben nach unten ein. So fließt geschmolzenes Wachs nicht auf bereits eingelötete Bereiche.
- Lagerung: Fertige Rähmchen mit Mittelwand kühl und dunkel lagern. Wärme verformt die Mittelwände.
- Mittelwandqualität: Kaufe nur Mittelwände aus rückstandsfreiem Bienenwachs. Billige Mittelwände können Paraffin oder Pestizid-Rückstände enthalten.
Beuten reinigen und reparieren
Der Winter ist die ideale Zeit, um Beuten gründlich zu reinigen und zu reparieren. Über die Saison sammeln sich Propolis, Wachsreste und Schmutz an.
Reinigung
Beuten-Reinigungscheckliste
Reparaturen
Häufige Schäden und ihre Reparatur:
| Schaden | Ursache | Reparatur |
|---|---|---|
| Risse im Holz | Witterung, Alter | Holzleim + Schraubzwinge, ggf. Leiste aufschrauben |
| Lockere Handgriffe | Verschleiß | Schrauben nachziehen oder ersetzen |
| Undichter Deckel | Blechdach beschädigt | Blech richten oder ersetzen |
| Verfaulter Boden | Feuchtigkeit | Austauschen, ggf. mit Leinöl behandeln |
| Verzogene Zargen | Feuchtigkeit/Wärme | Abschleifen, notfalls ersetzen |
Anstrich erneuern
Holzbeuten brauchen Wetterschutz. Der Winter ist die perfekte Zeit, um den Anstrich zu erneuern:
- Außen: Leinöl, Leinöl-Standöl oder Acryl-Lasur (keine giftigen Lacke!)
- Innen: Nicht streichen – die Bienen propolisieren die Innenseiten selbst
- Farbe: Helle Farben reflektieren Sonnenlicht und schützen vor Überhitzung im Sommer
- Trocknungszeit: Mindestens 2 bis 3 Wochen vor dem Einsatz trocknen lassen (Lösungsmittel ausgasen lassen)
Verwende ausschließlich bienenverträgliche Anstriche: Leinöl, Leinöl-Firnis, spezielle Bienenlasuren oder ökologische Holzlasuren. Herkömmliche Lacke und Lasuren enthalten Lösungsmittel und Biozide, die die Bienen schädigen können. Im Innenraum der Beute wird generell nicht gestrichen.
Wabenhygiene: Alte Waben aussortieren
Der Winter ist der richtige Zeitpunkt, um die eingelagerten Waben zu sortieren. Alte, dunkle Waben sind Brutstätten für Krankheitserreger und sollten regelmäßig ausgetauscht werden.
Waben beurteilen
| Wabenalter/Zustand | Farbe | Empfehlung |
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Faustregel: Jedes Jahr ein Drittel der Brutraumwaben durch neue Mittelwände ersetzen. So hast du nach 3 Jahren komplett frisches Wabenwerk – das reduziert Krankheitsrisiken und Rückstandsbelastung.
Wachs einschmelzen
Alte Waben werden nicht weggeworfen, sondern eingeschmolzen. Das gewonnene Wachs kann zu neuen Mittelwänden verarbeitet werden:
- Dampfwachsschmelzer oder Sonnenwachsschmelzer verwenden
- Wachs filtern (Strumpf oder Gaze)
- In Blöcke gießen und aufbewahren
- Zum Mittelwand-Umarbeiter geben oder eigene Mittelwände walzen

Werkzeug warten
Auch Werkzeug braucht Pflege. Eine kurze Wartung im Winter spart Ärger in der Saison:
Werkzeug-Wartung
Saison-Material bestellen
Im Winter sind die Imkerei-Händler gut bestückt und liefern schnell. Im Frühjahr sind beliebte Artikel oft ausverkauft. Bestelle frühzeitig:
Bestellliste für die Saison
| Material | Menge (bei 10 Völkern) | Wann bestellen |
|---|---|---|
| Mittelwände | 200 Stück | November-Dezember |
| Rähmchenteile (falls Selbstbau) | 200 Stück | November-Dezember |
| Ameisensäure 60% | 2-3 Liter | Januar |
| Oxalsäure-Präparat | 1 Flasche | November |
| Zucker (25 kg Säcke) | 150-200 kg | Juli (vor der Ernte) |
| Honiggläser (500g DIB) | 200-400 Stück | März |
| Rähmchennägel, Draht | Nach Bedarf | November |
| Futterzargen/Futtertaschen | Nach Bedarf | November |
Viele Imkervereine organisieren Sammelbestellungen mit deutlichen Rabatten. Mittelwände, Gläser und Zucker sind in großen Mengen erheblich günstiger. Erkundige dich im Verein nach Bestellterminen – oft ist der Bestellschluss im Januar.
Fortbildung nutzen
Die Wintermonate eignen sich auch für Weiterbildung. Die Zeit am Schreibtisch lässt sich gut nutzen:
- Imkerkurse der Vereine und Bieneninstitute (viele finden im Januar/Februar statt)
- Fachliteratur lesen (Liebig, Aumeier, Ritter – Standardwerke der deutschen Imkerei)
- Fachzeitschriften durcharbeiten (ADIZ, Die Biene, Bienenzucht)
- Online-Kurse und Webinare (Bieneninstitute, Imkerverbände)
- Saison Revue passieren lassen: Was lief gut? Was soll nächstes Jahr besser werden?
Materialliste: Was du in der Werkstatt brauchst
Für eine gut ausgestattete Imker-Werkstatt brauchst du:
| Werkzeug/Material | Zweck |
|---|---|
| Hammer und Nägel (20mm) | Rähmchenbau |
| Holzleim (wasserfest) | Rähmchen verleimen |
| Edelstahldraht 0,4mm | Rähmchen drahten |
| 12V Einlöttrafo oder Lötkolben | Mittelwände einlöten |
| Zange und Seitenschneider | Draht schneiden und spannen |
| Lötlampe oder Gasbrenner | Beuten abflammen |
| Stockmeißel und Schleifstein | Werkzeug schärfen |
| Wachsschmelzer (Dampf oder Solar) | Altwaben einschmelzen |
| Schraubzwingen | Beuten reparieren |
| Leinöl / Beutenlasur | Anstrich erneuern |
Die Werkstattzeit ist die ruhigste, aber eine der produktivsten Phasen im Imkerjahr. Wer hier gut vorbereitet, arbeitet im Frühjahr entspannter und effizienter.
Guido EichBienenexperte, Landwirtschaftskammer Niedersachsen
Fazit: Dein Werkstatt-Fahrplan
Nutze die ruhigen Wintermonate optimal. Hier ist dein Fahrplan:
| Monat | Aufgabe |
|---|---|
| November | Material bestellen, Waben sortieren, Beuten reinigen |
| Dezember | Rähmchen bauen und drahten, Beuten reparieren |
| Januar | Mittelwände einlöten, Werkzeug warten, Fortbildung |
| Februar | Letzte Vorbereitungen, Reservematerial prüfen, alles startklar machen |
Der Frühling kommt schneller als du denkst – und dann zählt jede Minute am Bienenstand. Investiere die Wintermonate in gute Vorbereitung, und du startest entspannt in die neue Saison.
- Imkern fuer Anfaenger -- Lektion 3: Deine Grundausstattung
- Fortgeschrittene Imkerpraxis -- Lektion 5: Eigener Wachskreislauf



