Werkstattzeit: Rähmchen und Material vorbereiten
Saison

Werkstattzeit: Rähmchen und Material vorbereiten

9 minVon Hivekraft Redaktion
WerkstattRähmchenMittelwandMaterialWinterarbeit

Winter ist Werkstattzeit: Rähmchen drahten, Mittelwände einlöten, Beuten reparieren und Material für die neue Saison vorbereiten – Schritt für Schritt.

Wenn die Bienen in der Wintertraube sitzen und der Bienenstand ruht, beginnt die Werkstattzeit. Die Wintermonate sind ideal, um Rähmchen zu bauen, Mittelwände einzulöten, Beuten zu reparieren und Material für die nächste Saison vorzubereiten. Wer im Winter gut vorbereitet, spart im Frühjahr kostbare Zeit – dann, wenn es am Bienenstand hektisch wird und jeder Tag zählt.

Reihe von gepflegten Bienenstöcken
Gut gepflegte Beuten und vorbereitetes Material sind die Grundlage für eine erfolgreiche Saison.

Warum die Werkstattzeit so wichtig ist

Im Frühjahr überschlagen sich die Ereignisse: Frühjahrsdurchsicht, Erweitern, Schwarmkontrolle, Ablegerbildung – alles gleichzeitig. Wer dann noch Rähmchen bauen oder Beuten reparieren muss, verliert wertvolle Zeit. Die Wintermonate bieten die Ruhe, um in der Werkstatt alles vorzubereiten.

Der Plan: Bis Ende Februar sollte dein gesamtes Material für die Saison fertig sein:

  • Rähmchen mit Mittelwänden für die Erweiterung
  • Reservebeuten für Ableger und Schwärme
  • Werkzeug gereinigt und gewartet
  • Futtergeschirre und Behandlungszubehör kontrolliert
Ende Februar
Deadline: Bis dahin sollte alles Material für die neue Saison vorbereitet sein

Rähmchen vorbereiten: Schritt für Schritt

Das Vorbereiten von Rähmchen ist die Hauptaufgabe der Werkstattzeit. Pro Volk brauchst du typischerweise 10 bis 20 Ersatzrähmchen pro Saison – für Erweiterung, Wabenerneuerung und Ableger.

Materialbedarf kalkulieren

AufgabeRähmchen pro VolkRähmchen bei 10 Völkern
Vorrat anlegen

Baue lieber 20 Prozent mehr Rähmchen als du berechnest. Unerwartete Ereignisse (Schwärme, zusätzliche Ableger, beschädigte Waben) erfordern immer Nachschub. Nichts ist ärgerlicher, als im Mai festzustellen, dass die Mittelwände ausgegangen sind.

Rähmchen zusammenbauen

Je nach Beutenmaß unterscheiden sich die Rähmchen in Größe und Aufbau. Die häufigsten Maße in Deutschland sind DNM (Deutsch Normal), Zander und Dadant.

  1. Oberträger und Seitenteile verbinden

    Lege die Seitenteile (Ohren) in die Nuten des Oberträgers ein. Bei Holzrähmchen aus dem Handel passen die Teile meist stramm ineinander. Verwende wasserfesten Holzleim an den Verbindungsstellen für zusätzliche Stabilität. Fixiere die Verbindung mit einem dünnen Nagel oder einer Klammer.

  2. Unterträger einsetzen

    Setze den Unterträger (Unterlatte) zwischen die Seitenteile ein. Bei Rähmchen mit Nuten: Einschieben und ggf. leimen. Bei geraden Unterträgern: Aufnageln mit 2 dünnen Nägeln pro Seite.

  3. Drahten

    Spanne 4 bis 5 horizontale Drähte durch die vorgebohrten Löcher in den Seitenteilen. Verwende Edelstahldraht (0,4 mm). Beginne unten und arbeite dich nach oben vor. Der Draht muss straff sein – klopfe mit einem Nagel auf die Seitenteile, dann hörst du am Klang, ob der Draht gut gespannt ist (hoher Ton = straff, dumpfer Ton = nachspannen).

  4. Ösen setzen

    Verwende an beiden Enden des Drahtes Ösen oder Nägel, um den Draht zu fixieren. Der Draht darf nicht rutschen – er trägt später das gesamte Gewicht der Wabe (bis zu 3 kg bei einer vollen Honigwabe).

  5. Mittelwand einlöten

    Lege die Mittelwand auf die Drähte. Mit einem Trafo (12V Einlötgerät) oder einem beheizbaren Einlötstift schmelzt du die Drähte in die Mittelwand ein. Der Draht soll mittig in der Mittelwand sitzen. Arbeite zügig – zu langes Erhitzen schmilzt Löcher in die Mittelwand.

Tipps zum Drahten und Einlöten

  • Drahtspannung: Der Draht muss beim Zupfen einen klaren, hohen Ton ergeben. Zu lockerer Draht führt dazu, dass die Mittelwand durchhängt und die Wabe krumm wird.
  • Einlötrichtung: Löte immer von oben nach unten ein. So fließt geschmolzenes Wachs nicht auf bereits eingelötete Bereiche.
  • Lagerung: Fertige Rähmchen mit Mittelwand kühl und dunkel lagern. Wärme verformt die Mittelwände.
  • Mittelwandqualität: Kaufe nur Mittelwände aus rückstandsfreiem Bienenwachs. Billige Mittelwände können Paraffin oder Pestizid-Rückstände enthalten.

Beuten reinigen und reparieren

Der Winter ist die ideale Zeit, um Beuten gründlich zu reinigen und zu reparieren. Über die Saison sammeln sich Propolis, Wachsreste und Schmutz an.

Reinigung

Beuten-Reinigungscheckliste

Fortschritt0/0

Reparaturen

Häufige Schäden und ihre Reparatur:

SchadenUrsacheReparatur
Risse im HolzWitterung, AlterHolzleim + Schraubzwinge, ggf. Leiste aufschrauben
Lockere HandgriffeVerschleißSchrauben nachziehen oder ersetzen
Undichter DeckelBlechdach beschädigtBlech richten oder ersetzen
Verfaulter BodenFeuchtigkeitAustauschen, ggf. mit Leinöl behandeln
Verzogene ZargenFeuchtigkeit/WärmeAbschleifen, notfalls ersetzen

Anstrich erneuern

Holzbeuten brauchen Wetterschutz. Der Winter ist die perfekte Zeit, um den Anstrich zu erneuern:

  • Außen: Leinöl, Leinöl-Standöl oder Acryl-Lasur (keine giftigen Lacke!)
  • Innen: Nicht streichen – die Bienen propolisieren die Innenseiten selbst
  • Farbe: Helle Farben reflektieren Sonnenlicht und schützen vor Überhitzung im Sommer
  • Trocknungszeit: Mindestens 2 bis 3 Wochen vor dem Einsatz trocknen lassen (Lösungsmittel ausgasen lassen)
Keine giftigen Farben!

Verwende ausschließlich bienenverträgliche Anstriche: Leinöl, Leinöl-Firnis, spezielle Bienenlasuren oder ökologische Holzlasuren. Herkömmliche Lacke und Lasuren enthalten Lösungsmittel und Biozide, die die Bienen schädigen können. Im Innenraum der Beute wird generell nicht gestrichen.

Wabenhygiene: Alte Waben aussortieren

Der Winter ist der richtige Zeitpunkt, um die eingelagerten Waben zu sortieren. Alte, dunkle Waben sind Brutstätten für Krankheitserreger und sollten regelmäßig ausgetauscht werden.

Waben beurteilen

Wabenalter/ZustandFarbeEmpfehlung

Faustregel: Jedes Jahr ein Drittel der Brutraumwaben durch neue Mittelwände ersetzen. So hast du nach 3 Jahren komplett frisches Wabenwerk – das reduziert Krankheitsrisiken und Rückstandsbelastung.

Wachs einschmelzen

Alte Waben werden nicht weggeworfen, sondern eingeschmolzen. Das gewonnene Wachs kann zu neuen Mittelwänden verarbeitet werden:

  1. Dampfwachsschmelzer oder Sonnenwachsschmelzer verwenden
  2. Wachs filtern (Strumpf oder Gaze)
  3. In Blöcke gießen und aufbewahren
  4. Zum Mittelwand-Umarbeiter geben oder eigene Mittelwände walzen
Imker öffnet einen Bienenstock
Saubere, gut vorbereitete Ausrüstung erleichtert die Arbeit am Bienenstand – besonders im hektischen Frühjahr.

Werkzeug warten

Auch Werkzeug braucht Pflege. Eine kurze Wartung im Winter spart Ärger in der Saison:

Werkzeug-Wartung

Fortschritt0/0

Saison-Material bestellen

Im Winter sind die Imkerei-Händler gut bestückt und liefern schnell. Im Frühjahr sind beliebte Artikel oft ausverkauft. Bestelle frühzeitig:

Bestellliste für die Saison

MaterialMenge (bei 10 Völkern)Wann bestellen
Mittelwände200 StückNovember-Dezember
Rähmchenteile (falls Selbstbau)200 StückNovember-Dezember
Ameisensäure 60%2-3 LiterJanuar
Oxalsäure-Präparat1 FlascheNovember
Zucker (25 kg Säcke)150-200 kgJuli (vor der Ernte)
Honiggläser (500g DIB)200-400 StückMärz
Rähmchennägel, DrahtNach BedarfNovember
Futterzargen/FuttertaschenNach BedarfNovember
Sammelbestellungen

Viele Imkervereine organisieren Sammelbestellungen mit deutlichen Rabatten. Mittelwände, Gläser und Zucker sind in großen Mengen erheblich günstiger. Erkundige dich im Verein nach Bestellterminen – oft ist der Bestellschluss im Januar.

Fortbildung nutzen

Die Wintermonate eignen sich auch für Weiterbildung. Die Zeit am Schreibtisch lässt sich gut nutzen:

  • Imkerkurse der Vereine und Bieneninstitute (viele finden im Januar/Februar statt)
  • Fachliteratur lesen (Liebig, Aumeier, Ritter – Standardwerke der deutschen Imkerei)
  • Fachzeitschriften durcharbeiten (ADIZ, Die Biene, Bienenzucht)
  • Online-Kurse und Webinare (Bieneninstitute, Imkerverbände)
  • Saison Revue passieren lassen: Was lief gut? Was soll nächstes Jahr besser werden?

Materialliste: Was du in der Werkstatt brauchst

Für eine gut ausgestattete Imker-Werkstatt brauchst du:

Werkzeug/MaterialZweck
Hammer und Nägel (20mm)Rähmchenbau
Holzleim (wasserfest)Rähmchen verleimen
Edelstahldraht 0,4mmRähmchen drahten
12V Einlöttrafo oder LötkolbenMittelwände einlöten
Zange und SeitenschneiderDraht schneiden und spannen
Lötlampe oder GasbrennerBeuten abflammen
Stockmeißel und SchleifsteinWerkzeug schärfen
Wachsschmelzer (Dampf oder Solar)Altwaben einschmelzen
SchraubzwingenBeuten reparieren
Leinöl / BeutenlasurAnstrich erneuern

Die Werkstattzeit ist die ruhigste, aber eine der produktivsten Phasen im Imkerjahr. Wer hier gut vorbereitet, arbeitet im Frühjahr entspannter und effizienter.

Guido Eich
Bienenexperte, Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Fazit: Dein Werkstatt-Fahrplan

Nutze die ruhigen Wintermonate optimal. Hier ist dein Fahrplan:

MonatAufgabe
NovemberMaterial bestellen, Waben sortieren, Beuten reinigen
DezemberRähmchen bauen und drahten, Beuten reparieren
JanuarMittelwände einlöten, Werkzeug warten, Fortbildung
FebruarLetzte Vorbereitungen, Reservematerial prüfen, alles startklar machen

Der Frühling kommt schneller als du denkst – und dann zählt jede Minute am Bienenstand. Investiere die Wintermonate in gute Vorbereitung, und du startest entspannt in die neue Saison.

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