Hitzeschutz: Bienen im Hochsommer schützen
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Hitzeschutz: Bienen im Hochsommer schützen

8 minVon Hivekraft Redaktion
SommerHitzeschutzWasserversorgungBienenstockKlimawandel

Extreme Hitze bedroht Bienenvölker – erfahre, wie du mit Beschattung, Wasserversorgung und Belüftung deine Bienen bei über 35°C schützt.

Der Sommer 2025 hat es wieder gezeigt: Hitzewellen mit Temperaturen über 35 Grad Celsius sind in Deutschland keine Seltenheit mehr. Für Bienenvölker bedeutet extreme Hitze Stress, Energieverbrauch und im schlimmsten Fall den Zusammenbruch der Waben. Als Imker kannst du viel tun, um deine Völker durch die heißesten Wochen des Jahres zu bringen. Dieser Artikel zeigt dir, was im Bienenstock bei Hitze passiert und welche Maßnahmen wirklich helfen.

Bienen am Flugloch eines Bienenstocks im Sommer
Im Hochsommer herrscht am Flugloch Hochbetrieb – Bienen fächeln, tragen Wasser ein und kühlen den Stock aktiv.

Was passiert im Bienenstock bei Hitze?

Bienen sind meisterhafte Klimatechniker. Sie halten die Temperatur im Brutnest konstant bei 34 bis 36 Grad Celsius – unabhängig davon, ob es draußen minus 20 oder plus 40 Grad hat. Doch während das Heizen im Winter relativ energieeffizient funktioniert, ist das Kühlen im Sommer extrem aufwändig.

Die Kühlmechanismen der Bienen

  1. Wassereintrag

    Sammlerinnen werden zu Wasserträgerinnen. Sie fliegen zu Wasserquellen, füllen ihre Honigblase mit Wasser und bringen es in den Stock. Dort verteilen sie das Wasser in dünnen Filmen auf den Waben und auf den Zellrändern.

  2. Verdunstungskühlung

    Fächelbienen erzeugen einen gezielten Luftstrom über die feuchten Oberflächen. Das Wasser verdunstet und entzieht dabei der Umgebung Wärme – dasselbe Prinzip wie beim Schwitzen. Ein starkes Volk kann die Innentemperatur so um bis zu 10 Grad senken.

  3. Fächelketten

    Am Flugloch bilden sich regelrechte Fächelketten: Reihen von Bienen, die synchron mit ihren Flügeln fächeln und so einen Luftstrom durch den gesamten Stock erzeugen. Die warme, feuchte Luft wird nach draußen geblasen, kühle Luft strömt nach.

  4. Bienenbart

    Wird es im Stock zu warm und zu voll, verlagern sich Bienen nach außen. Sie hängen als dichte Traube – dem sogenannten Bienenbart – unter dem Flugloch oder an der Beutenvorderseite. Das reduziert die Körperwärme im Inneren und entlastet die Kühlung.

Enormer Wasserverbrauch

An heißen Tagen kann ein einzelnes Volk bis zu 3 Liter Wasser pro Tag verbrauchen – allein für die Kühlung. Bei 10 Völkern sind das 30 Liter täglich. Eine zuverlässige Wasserquelle in der Nähe des Bienenstands ist daher unverzichtbar.

Kritische Temperaturschwellen

Nicht jeder warme Sommertag ist ein Problem. Aber ab bestimmten Schwellenwerten wird es kritisch:

TemperaturSituation im StockHandlungsbedarf

Wabenzusammenbruch: Die größte Gefahr

Bienenwachs wird ab etwa 63 Grad Celsius flüssig. Das klingt weit entfernt von sommerlichen Temperaturen – aber in einem ungeschützten, dunkel gestrichenen Bienenstock in der prallen Sonne können die Waben deutlich wärmer werden als die Außenluft. Besonders frisch gebaute Waben ohne stützende Drahtrahmung und schwere, honigbeladene Waben sind gefährdet.

Ein Wabenzusammenbruch bedeutet:

  • Verlust der Brut und des Honigs
  • Quetschen und Ertrinken von Bienen im auslaufenden Honig
  • Massive Störung des Volkes, die wochenlang nachwirkt
  • Im schlimmsten Fall Verlust des ganzen Volkes
63°C
Schmelzpunkt von Bienenwachs – bei direkter Sonneneinstrahlung auf dunklen Beuten kann es dazu kommen

Effektive Hitzeschutzmaßnahmen

1. Beschattung

Die wirksamste Einzelmaßnahme gegen Hitze ist die Beschattung der Beuten. Direkte Sonneneinstrahlung, besonders in den Nachmittagsstunden, heizt die Beuten enorm auf.

Natürliche Beschattung:

  • Bienenstände unter Laubbäumen aufstellen (nicht unter Nadelbäumen – die tropfen Harz)
  • Obstbäume bieten ideale Bedingung: im Sommer Schatten, im Winter nach dem Laubfall Sonne
  • Hecken als Windschutz und Teilbeschattung

Künstliche Beschattung:

  • Sonnensegel oder Markisen über den Beuten
  • Holzpaletten schräg auf die Beuten legen (mit Abstand für Luftzirkulation)
  • Reflektierende Folien auf dem Blechdeckel (silberne Seite nach oben)
  • Strohmatten auf den Deckeln – isolieren und reflektieren
Morgen- vs. Nachmittagssonne

Die Morgensonne (Osten) ist für Bienen willkommen – sie weckt das Volk und trocknet die Taufeuchte. Die Nachmittagssonne (Westen) hingegen ist im Hochsommer die größte Hitzebelastung. Ideal ist ein Standort mit Morgensonne und Nachmittagsschatten.

2. Wasserversorgung

Ohne ausreichend Wasser können Bienen nicht kühlen. Eine Bienentränke in der Nähe des Bienenstands ist im Sommer unverzichtbar.

Checkliste: Bienentränke einrichten

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Achtung Nachbarschaftsfrieden: Wenn du keine eigene Tränke anbietest, suchen sich die Bienen ihre eigenen Quellen – Nachbars Pool, die Regentonne, tropfende Wasserhähne. Das führt fast immer zu Konflikten. Eine gut platzierte Bienentränke verhindert das.

3. Belüftung verbessern

Die Bienen brauchen bei Hitze optimale Luftzirkulation. Hier kannst du nachhelfen:

Flugloch vergrößern:

  • Im Sommer das Flugloch komplett öffnen (keine Fluglochverengung)
  • Bei Magazinbeuten: Bodenschieber entfernen für Durchlüftung von unten

Gitterboden nutzen:

  • Ein offener Gitterboden verbessert die Ventilation erheblich
  • Die aufsteigende warme Luft kann nach oben entweichen
  • Bodenschieber bei Hitze herausziehen

Deckelbelüftung:

  • Zwischen Innendeckel und Blechdeckel für einen Luftspalt sorgen
  • Kleine Abstandshalter (Holzleisten oder Korken) zwischen Deckel und Zarge
Reihe von Bienenstöcken mit Beschattung
Ein gut aufgestellter Bienenstand mit ausreichend Abstand zwischen den Beuten und natürlicher Beschattung.

4. Beutenfarbe und Material

Die Farbe und das Material der Beute beeinflussen die Temperatur im Inneren erheblich:

Beutenfarbe/MaterialTemperatur im VergleichEmpfehlung
Weiß oder HellgrauReferenz (niedrigste Erwärmung)Optimal für sonnige Standorte
Naturholz (unbehandelt)+2-3°CGut, natürliche Isolierung
Grün oder Braun+4-6°CAkzeptabel mit Beschattung
Dunkelbraun oder Schwarz+8-12°CVermeiden an sonnigen Standorten
Styropor (Segeberger)Bessere Isolierung als HolzSehr gut, hält Hitze UND Kälte ab
Dunkle Blechdeckel in der Sonne

Ein ungeschützter, dunkler Blechdeckel kann sich in der prallen Sonne auf über 70°C aufheizen und diese Hitze direkt an den Innendeckel und die oberen Waben weitergeben. Lege immer eine isolierende Schicht (Styroporplatte, Strohdeckel, Jutesack) zwischen Blechdeckel und Bienenvolk.

5. Standortoptimierung

Manchmal hilft nur ein Standortwechsel:

  • Waldrandstandorte bieten natürlichen Halbschatten und kühlere Temperaturen
  • Höhenlagen sind 1 bis 2 Grad kühler pro 100 Meter Höhenunterschied
  • Nordhanglagen erhalten weniger direkte Sonnenstrahlung
  • Freistehende Standorte ohne Windschutz profitieren von kühlender Luftbewegung

Notfallmaßnahmen bei extremer Hitze

Bei Hitzewellen mit Temperaturen über 38 Grad an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen solltest du zusätzliche Maßnahmen ergreifen:

  1. Wasser direkt an die Beuten bringen

    Stelle flache Schalen mit Wasser direkt vor jede Beute. Lege nasse Tücher auf die Blechdeckel – die Verdunstungskühlung senkt die Deckeltemperatur deutlich.

  2. Zusätzliche Beschattung

    Spanne notfalls ein helles Bettlaken oder Bauplanen über die Beuten. Achte auf ausreichend Abstand (mindestens 20 cm) für die Luftzirkulation.

  3. Honigräume kontrollieren

    Schwere, volle Honigräume sind bei Hitze besonders gefährdet für Wabenzusammenbrüche. Ernte lieber einen Tag früher als riskant. Prüfe, ob die Waben stabil sitzen.

  4. Auf Bienenbart achten

    Ein Bienenbart am Flugloch ist bei Hitze normal und kein Grund zur Panik. Er zeigt, dass die Bienen aktiv kühlen. Greife nur ein, wenn du zusätzliche Stresszeichen siehst (Waben hängen durch, Bienen sind apathisch, Honig läuft aus).

Der Einfluss des Klimawandels

Die zunehmende Häufigkeit und Intensität von Hitzewellen ist eine direkte Folge des Klimawandels. Für die Imkerei bedeutet das:

  • Mehr Hitzetage: Die Zahl der Tage über 35 Grad hat sich in Deutschland seit 1990 verdoppelt
  • Längere Trockenperioden: Weniger Nektar, weniger Wasser, mehr Stress
  • Neue Schädlinge: Wärmere Winter begünstigen die Ausbreitung von Varroa und potenziell neuen Parasiten wie der Asiatischen Hornisse
  • Veränderte Trachtzeiten: Raps blüht früher, Lindentracht verschiebt sich, Trachtlücken werden länger

Langfristig müssen Imker ihre Betriebsweise anpassen: hitzeresistente Standorte wählen, die Wasserversorgung ausbauen und möglicherweise auf besser angepasste Bienenlinien setzen.

Hitzeschutz-Maßnahmen im Überblick

MaßnahmeWirksamkeitAufwandKosten

Die Fähigkeit der Honigbiene zur Thermoregulation ist eine der beeindruckendsten Leistungen im Tierreich. Aber auch sie hat Grenzen – und diese Grenzen werden durch den Klimawandel zunehmend ausgetestet.

Prof. Dr. Jürgen Tautz
Bienenkundler, Universität Würzburg

Fazit

Hitzeschutz ist im modernen Imkern kein Nebenschauplatz mehr, sondern eine Kernaufgabe. Mit den richtigen Maßnahmen – Beschattung, Wasserversorgung und guter Belüftung – bringst du deine Völker sicher durch den Hochsommer. Plane den Hitzeschutz schon bei der Standortwahl ein und reagiere bei Hitzewellen schnell. Deine Bienen werden es dir mit gesunden Völkern und guter Ernte danken.

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