Bienengesundheit im Frühling: 7 wichtige Kontrollen
Gesundheit

Bienengesundheit im Frühling: 7 wichtige Kontrollen

6 minVon Hivekraft Team
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So kontrollierst du die Bienengesundheit im Frühling. 7 Checks von Varroa bis Futterkranz für einen gesunden Saisonstart.

Die Bienengesundheit im Frühling entscheidet über den gesamten Verlauf der Saison. Nach den langen Wintermonaten ist die erste gründliche Kontrolle der wichtigste Termin für jeden Imker. Wer jetzt sorgfältig arbeitet, legt den Grundstein für starke Völker, eine erfolgreiche Honigernte und gesunde Bienen bis in den Herbst.

In diesem Artikel zeigen wir dir die sieben wichtigsten Kontrollen für die Bienengesundheit im Frühling und erklären, worauf du bei jeder einzelnen achten musst.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Frühjahrskontrolle?

Bevor du den Deckel öffnest, müssen die Bedingungen stimmen. Eine zu frühe Durchsicht bei kaltem Wetter schadet mehr als sie nützt.

BedingungMindestwertIdeal
Aussentemperatur12 Grad Celsius15-18 Grad Celsius
Wetterkein Regen, windstillsonnig, warm
Tageszeitab 10 Uhr11-14 Uhr
Pollenflugerste Pollenhöschen sichtbarreger Pollenflug

Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, kannst du mit den sieben Kontrollen starten. In den meisten Regionen Deutschlands ist das zwischen Ende Februar und Mitte März der Fall. In Höhenlagen oder Norddeutschland kann es bis Anfang April dauern.

Kontrolle 1: Volkstärke beurteilen

Die Volkstärke zeigt dir, wie gut das Volk durch den Winter gekommen ist. Öffne die Beute und prüfe, wie viele Wabengassen mit Bienen besetzt sind.

Bewertung der Volkstärke im Frühjahr:

Besetzte WabengassenBewertungMaßnahme
6 oder mehrStarkNormal weiterentwickeln
4-5MittelBeobachten, eventuell einengen
2-3SchwachEinengen, Futtervorrat prüfen
Weniger als 2KritischVereinigen oder Auflösen erwägen

Schwache Völker sind anfälliger für Krankheiten und Räuberei. Überlege gut, ob du sie einzeln weiterentwickelst oder mit einem anderen Volk vereinigst. Zwei schwache Völker ergeben zusammen oft ein starkes.

Kontrolle 2: Weiselrichtigkeit prüfen

Ohne Königin hat das Volk keine Zukunft. Du musst die Königin nicht unbedingt sehen - frische Stifte (Eier) sind der sicherste Beweis für ihre Anwesenheit.

Worauf du achtest:

  • Stifte am Zellengrund: Die Königin ist da und legt. Alles in Ordnung.
  • Junge Larven, aber keine Stifte: Die Königin war vor Kurzem noch da. Genauer hinsehen.
  • Nur verdeckelte Brut: Königin seit mindestens 9 Tagen nicht mehr in Eilage. Alarmsignal.
  • Buckelbrut: Drohnenbrütige Arbeiterinnen. Das Volk ist weisellos und muss aufgelöst werden.

Falls du keine Königin und keine Stifte findest, hänge eine Wabe mit jüngster Brut aus einem anderen Volk ein. Bauen die Bienen Weiselzellen, ist das Volk tatsächlich weisellos.

Kontrolle 3: Futtervorräte einschätzen

Der Frühling ist die gefährlichste Zeit für Futtermangel. Das Brutnest wächst rasant, der Futterverbrauch steigt, aber die Natur liefert noch nicht genug Nektar. Viele Völker verhungern im März - nicht im Winter.

Faustregel: Mindestens 5 kg Futtervorrat sollten im Frühjahr noch vorhanden sein. Eine vollständig verdeckelte Futterwabe im Deutsch-Normal-Maß enthält etwa 2 kg Futter. Sind weniger als drei verdeckelte Futterwaben vorhanden, musst du notfüttern.

Notfütterung im Frühjahr:

  • Futterteig (Fondant) direkt auf die Rähmchenoberträger legen
  • Kein flüssiges Futter geben - das regt zum Sammeln an und lockt Räuber
  • Alle 7 Tage kontrollieren, ob nachgefüttert werden muss

Kontrolle 4: Brutnest begutachten

Das Brutnest ist das Herz des Volkes. Im Frühjahr sollte es geschlossen und kompakt sein.

Anzeichen für ein gesundes Brutnest:

  • Geschlossene Brutfläche mit wenigen Lücken
  • Konzentrische Anordnung: Stifte innen, Larven darum, verdeckelte Brut aussen
  • Verdeckelungen sind gleichmäßig gewölbt und hellbraun
  • Kein unangenehmer Geruch

Warnsignale:

  • Lückige Brut: Kann auf Inzucht, Krankheiten oder Varroa-Schäden hindeuten
  • Eingesunkene Zelldeckel: Verdacht auf Faulbrut - sofort Probe nehmen
  • Mosaikartiges Brutbild: Mögliche Kalkbrut oder andere Infektionen
  • Löchrige Zelldeckel: Die Bienen versuchen, kranke Larven auszuräumen

Bei Verdacht auf Faulbrut (fadenziehende Masse in der Zelle) sofort den zuständigen Bienensachverständigen kontaktieren. Faulbrut ist anzeigepflichtig.

Kontrolle 5: Varroa-Situation einschätzen

Auch im Frühling spielt die Varroa eine Rolle. Wenn die Varroabehandlung im Herbst erfolgreich war, sollte der Milbenbefall jetzt niedrig sein. Trotzdem lohnt sich eine frühe Einschätzung.

Natürlichen Milbenfall messen:

Lege eine Windel (Bodeneinlage mit Gitterboden) ein und zähle nach 3 Tagen die gefallenen Milben. Teile durch 3 für den Tageswert.

Milbenfall pro Tag (Frühjahr)BewertungMaßnahme
Weniger als 0,5UnauffälligRegulär weiterführen
0,5 bis 2Erhöhte AufmerksamkeitIn 4 Wochen erneut kontrollieren
Mehr als 2ProblematischDrohnenrahmen einsetzen, enge Kontrolle

Im Frühling ist eine medikamentöse Behandlung in der Regel nicht möglich, da Brut vorhanden ist und die Trachtsaison bevorsteht. Setze stattdessen auf biotechnische Maßnahmen wie den Drohnenrahmen, der ab April eingehängt und nach Verdeckelung ausgeschnitten wird.

Mehr zur Varroa-Dokumentation findest du in unserem separaten Artikel.

Kontrolle 6: Totenfall und Gemüll analysieren

Der Blick auf die Bodeneinlage gibt Aufschluss über den Winterverlauf und mögliche Probleme.

Normaler Totenfall:

  • Bienenreste und Wachskrümel sind normal
  • Helle Wachsplättchen deuten auf Bautätigkeit hin (positiv)
  • Pollenkrümel zeigen frühe Sammeltätigkeit

Auffälliger Totenfall:

  • Viele tote Bienen mit herausgestrecktem Rüssel: Verdacht auf Vergiftung
  • Weiße, mumifizierte Larven: Kalkbrut (Ascosphaera apis)
  • Ungewöhnlich viele Varroamilben: Behandlung war nicht ausreichend
  • Feuchter, übelriechender Gemüll: Feuchtigkeit im Stock oder Faulbrutverdacht

Räume den Totenfall vom Boden der Beute. Ein sauberer Boden erleichtert spätere Kontrollen und verbessert die Hygiene.

Kontrolle 7: Wasserversorgung und Standort prüfen

Oft übersehen, aber wichtig: Die Wasserversorgung. Bienen brauchen im Frühjahr große Mengen Wasser für die Brutpflege. Prüfe, ob eine zuverlässige Wasserquelle in der Nähe ist.

Gute Wasserquellen:

  • Bienentränke mit Moos oder Steinen als Landehilfe
  • Flache Schalen mit Schwimmkork
  • Natürliche Quellen wie Bachlauf oder Teichrand

Kontrolliere auch den Standort: Steht die Beute trocken? Ist genügend Sonne vorhanden, besonders am Morgen? Feuchtigkeit begünstigt Krankheiten und verlangsamt die Frühjahrsentwicklung.

Checkliste: Bienengesundheit im Frühling

Nutze diese Checkliste bei deiner nächsten Frühjahrsdurchsicht für jedes Volk:

KontrollpunktErgebnis OKHandlungsbedarf
Volkstärke (mindestens 4 Gassen)Ja / NeinEinengen oder vereinigen
Königin vorhanden (Stifte sichtbar)Ja / NeinBrutwabe einhängen
Futtervorrat (mindestens 5 kg)Ja / NeinFutterteig auflegen
Brutnest geschlossenJa / NeinUrsache abklären
Varroa-Milbenfall unter SchwelleJa / NeinDrohnenrahmen, enge Kontrolle
Totenfall unauffälligJa / NeinGemüll analysieren
Wasserversorgung gesichertJa / NeinBienentränke aufstellen

Ergebnisse digital dokumentieren

Jede Frühjahrskontrolle sollte lückenlos dokumentiert werden. So erkennst du Trends über die Jahre und kannst später nachvollziehen, welche Völker Probleme hatten.

Mit Hivekraft erfasst du alle sieben Kontrollpunkte direkt am Bienenstand - per Quick-Check oder Spracherfassung. Das Bestandsbuch wird automatisch geführt, und die Varroa-Dokumentation läuft nebenbei mit.

Starte jetzt gut vorbereitet in die Saison. Kostenlos registrieren und alle Frühjahrskontrollen digital festhalten - oder sieh dir erst die Funktionen im Detail an.

Lies auch: Frühlingserwachen am Bienenstock - Was jetzt zu tun ist Varroa im Sommer: August - Die wichtigste Varroabehandlung des Jahres Hintergrund: Bienensterben - Fakten, Ursachen und was du tun kannst
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Bienengesundheit ist komplex. Unser Kurs deckt alle Aspekte ab:


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