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Volksvermehrung: 5 Methoden im Detail

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Brutableger, Kunstschwarm, Flugling, Säugling und Sammelbrutableger -- jede Methode Schritt für Schritt mit Vor- und Nachteilen und Praxistipps.

Volksvermehrung: 5 Methoden im Detail

Umsetzen eines Ablegers in einen Ablegerkasten mit verdeckelter Brut und ansitzenden Bienen
Ein gut gebildeter Ableger ist die Grundlage für ein starkes Wirtschaftsvolk im Folgejahr.

Die gezielte Volksvermehrung gehört zu den Kernkompetenzen fortgeschrittener Imker. Ob du deinen Bestand aufbauen, Verluste ausgleichen oder den Schwarmtrieb in produktive Bahnen lenken willst -- die richtige Vermehrungsmethode entscheidet über den Erfolg.

85-95 %
Erfolgsquote bei korrekt gebildeten Brutablegern unter optimalen Bedingungen

Voraussetzungen

Das optimale Zeitfenster liegt in der Schwarmzeit von Ende April bis Mitte Juni. Entscheidende Faktoren:

  • Drohnenreife: Geschlechtsreife Drohnen ab Mitte Mai vorhanden
  • Volksstärke: Muttervölker stark genug, Bienen und Brut abzugeben
  • Trachtangebot: Genügend Nektar und Pollen für Ableger-Eigenversorgung
  • Temperatur: Warme Tage (>20°C) für den Begattungsflug
Zu früh ist riskierter als zu spät

Ableger vor ausreichender Drohnenreife bilden ist ein häufiger Fehler. Drohnenbrut wird ab Mitte April angelegt, Schlupf nach 24 Tagen, dann 12-14 Tage bis zur Geschlechtsreife. Frühestens ab Mitte Mai sind genug geschlechtsreife Drohnen vorhanden.

Das Spendervolk sollte mindestens 8-10 voll besetzte Waben belagern, 6-8 Brutwaben haben, keine Krankheitszeichen zeigen und einen niedrigen Varroa-Befall aufweisen.

Material-Checkliste

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Varroa-Aspekt bei der Vermehrung

Ein oft unterschätzter Aspekt: Jede Vermehrungsmethode hat Auswirkungen auf die Varroa-Belastung -- sowohl im Ableger als auch im Muttervolk. Methoden, die verdeckelte Brut übertragen (Brutableger, Sammelbrutableger), tragen auch Milben mit. Methoden ohne Brut (Kunstschwarm, Säugling) bieten dagegen ein ideales Behandlungsfenster.

Diese Überlegung sollte bei der Methodenwahl eine gleichrangige Rolle spielen wie Aufwand und Erfolgsquote. Gerade bei Völkern mit erhöhtem Milbenbefall kann die Kombination aus Vermehrung und Varroa-Management den Unterschied zwischen gesunden und gefährdeten Völkern ausmachen.

Methode 1: Der Brutableger

Der Brutableger ist die Standardmethode -- einfach, zuverlässig und ideal für planmäßige Bestandserweiterung. Dem Muttervolk werden verdeckelte Brutwaben mit ansitzenden Bienen entnommen.

  1. Königin finden und sichern

    Die Königin muss im Muttervolk bleiben. Wabe beiseite setzen oder mit Absperrgitter arbeiten.

  2. 2-3 Brutwaben auswählen

    Vorwiegend verdeckelte Brut plus eine Wabe mit jüngster offener Brut (Eier/Stifte unter 3 Tagen) für Nachschaffungszellen. Gut mit Bienen besetzte Waben bevorzugen.

  3. Zusätzliche Bienen abfegen

    Von 1-2 weiteren Waben Bienen in den Ableger fegen. Faustregel: Doppelt so viele Bienen einsetzen wie gewünscht, da Flugbienen zum Muttervolk zurückkehren.

  4. Futterwabe und Leerwaben ergänzen

    Eine volle Futterwabe (mind. 2 kg) außen, Brutwaben mittig, Leerwaben/Mittelwände daneben. Insgesamt 5-6 Waben.

  5. Transportieren und öffnen

    An mind. 3 km entfernten Standort bringen. Flugloch auf 2 cm öffnen (Räubereischutz). Sofort mit 1:1 Zuckerwasser füttern.

  6. Kontrolle (Tag 5-7 und Tag 28-35)

    Nach 5-7 Tagen: 3-8 Nachschaffungszellen vorhanden? Überschüssige auf 3-5 reduzieren. Nach 4-5 Wochen: Eiablage der neuen Königin prüfen.

Brutableger mit begatteter Königin

Mit zugesetzter begatteter Königin (im Käfig, 3-5 Tage Futterteig) verkürzt sich die Entwicklungszeit um 3-4 Wochen und das Begattungsrisiko entfällt komplett. Die sicherste Variante.

Methode 2: Der Kunstschwarm

Der Kunstschwarm simuliert einen natürlichen Schwarm: Bienen ohne Brut werden in eine leere Beute geschüttelt. Der entscheidende Vorteil: sofortige Varroa-Behandlung möglich.

Sanftes Abfegen von Bienen mit einem Bienenbesen
Beim Kunstschwarm werden die Bienen vorsichtig von den Waben in den Schwarmkasten gefegt.
  1. Bienen abfegen (1,5-2 kg)

    Von 4-6 Brutwaben Bienen in belüfteten Schwarmkasten fegen. Königin des Spendervolkes nicht mitnehmen. Bei mehreren Spendern: Bienen mit Zuckerwasser einsprühen.

  2. Begattete Königin im Käfig zusetzen

    Zusatzkäfig mit Futterteig. Annahmequote bei brutlosen Schwärmen: >95 %.

  3. Kellerphase (optional, 2-3 Tage)

    Schwarmkasten dunkel und kühl (12-15°C) aufstellen. Täglich durch Gaze mit Zuckerwasser besprühen. Erhöht Zusammenhalt und Königin-Akzeptanz.

  4. In Beute einschlagen und behandeln

    Bienen auf Mittelwände einschlagen. Sofort Oxalsäure-Behandlung (Sprüh-/Träufelverfahren) -- alle Milben sitzen phoretisch, Wirksamkeit >95 %. Intensive Fütterung starten (2-3 L/Woche über 4 Wochen).

Varroa-Sanierung durch Kunstschwarm

Die Kombination Kunstschwarm + sofortige Oxalsäure senkt die Milbenlast auf nahezu null. Die Brutwaben des Spendervolkes zusätzlich mit Ameisensäure behandeln oder bei starkem Befall einschmelzen.

Methode 3: Der Flugling

Der Flugling nutzt den Rückkehr-Instinkt der Flugbienen. Das Muttervolk wird versetzt, am alten Standort steht ein neuer Kasten -- alle heimkehrenden Flugbienen fliegen dort ein. Wirksamste Methode zur Schwarmverhinderung.

Reihe von Bienenbeuten in einem Bienenstand
Beim Flugling-Verfahren wird die Standort-Treue der Flugbienen gezielt ausgenutzt.
  1. Flugling-Beute am alten Standort aufstellen

    1-2 Waben mit offener Brut (Eier!) aus dem Muttervolk, eine Futterwabe, Mittelwände. Alternativ: begattete Königin zusetzen.

  2. Muttervolk versetzen

    Mind. 2-3 Meter zur Seite oder an anderen Standort. Königin bleibt im Muttervolk. Alle Flugbienen kehren zum alten Standort zurück.

  3. Kontrolle nach 7 Tagen

    Im Flugling: Nachschaffungszellen vorhanden? Im Muttervolk: Schwarmstimmung gebrochen? Das Muttervolk baut sich in 2-3 Wochen durch Jungbienen wieder auf.

Methode 4: Der Säugling (Fegling)

Das Gegenstück zum Flugling: Die Königin kommt mit Stockbienen auf Mittelwände an einen neuen Standort. Am alten Standort verbleiben Brutwaben + Flugbienen und ziehen eine neue Königin nach.

  1. Königin auf Mittelwände umsetzen

    Neue Beute mit nur Mittelwänden + Futterwabe. Königin finden, auf Mittelwand setzen, Bienen von 3-4 Waben dazu fegen.

  2. An neuen Standort bringen (mind. 3 km)

    Königin beginnt innerhalb weniger Tage mit Eiablage auf frischem Neubau. Intensive Fütterung nötig.

  3. Brutlose Phase für Varroa nutzen

    Für 9-12 Tage keine verdeckelte Brut -- ideales Fenster für Oxalsäure-Behandlung mit >95 % Wirkung.

Säugling vs. Kunstschwarm

Beide sind brutfrei und ideal für Varroa-Behandlung. Der Unterschied: Beim Säugling behältst du die alte, bewährte Königin auf rückstandsfreiem Neubau. Ideal für genetisch wertvolle Königinnen.

Methode 5: Der Sammelbrutableger

Die Profi-Methode für Königinnenzucht: Brutwaben und Bienen aus 3-5 Völkern ergeben einen besonders starken Ableger.

Imker hebt eine bienenbesetzte Brutwabe um, daneben ein offener Styropor-Ablegerkasten mit Waben
Für den Sammelbrutableger wählt man die besten Brutwaben aus verschiedenen Völkern und hängt sie in einen Ablegerkasten um.
  1. Brutwaben aus 3-5 Völkern entnehmen

    Je 1-2 Waben mit verdeckelter Brut + Bienen. Keine Königin mitnehmen! Bienen mit Zuckerwasser besprühen gegen Kämpfe.

  2. 24 Stunden weisellos lassen

    Bienen mischen sich, "Weisellosigkeits-Gefühl" entsteht. Erhöht die Königin-Annahmequote auf >90 %.

  3. Zuchtkönigin oder Weiselzelle zusetzen

    Begattete Königin im Käfig oder verdeckelte Weiselzelle. Mind. 2 volle Futterwaben ergänzen.

Krankheitsrisiko

Brut aus mehreren Völkern birgt erhöhtes Risiko. Nur Waben aus garantiert gesunden Völkern verwenden. Eine kontaminierte Wabe kann Faulbrut auf alle Spendervölker übertragen.

Methodenvergleich

Die Begattungszeit: Der kritische Engpass

Bei Nachschaffung ist die Begattung der entscheidende Flaschenhals:

  • Tag 0: Schlupf der Jungkönigin
  • Tag 3-5: Orientierungsflüge
  • Tag 5-12: Begattungsflüge an warmen Nachmittagen (>20°C), Paarung mit 12-20 Drohnen im Radius bis 7 km
  • Tag 10-14: Beginn der Eiablage
Zeitlimit für die Begattung

Eine unbegattete Königin hat nur 3-4 Wochen nach dem Schlupf. Wird sie nicht begattet (schlechtes Wetter), wird sie zur Drohnenbütigen -- das Volk ist verloren und muss aufgelöst oder vereinigt werden.

12-20 Drohnen
begatten eine Königin für optimale genetische Vielfalt

Pflege in den ersten Wochen

  • Woche 1-2: Nicht stören! Nur Fütterung nachfüllen. Zu häufiges Öffnen kann Nachschaffungszellen zerstören.
  • Tag 10-14: Erste vorsichtige Kontrolle auf Weiselzellen
  • Tag 21-28: Eiablage prüfen
  • Durchgehend: 1:1 Zuckerwasser füttern, Flugloch auf 2-3 cm verengen
  • Woche 4-8: Raum geben, sobald Brutnest wächst

Häufige Fehler bei der Ablegerbildung

Jede Vermehrungsmethode hat ihre Berechtigung -- aber keine ersetzt die Grundvoraussetzungen: ein starkes, gesundes Spendervolk, gutes Timing und konsequente Nachsorge.


Wissenscheck


In der nächsten Lektion lernst du die Königinnenzucht -- vom Umlarven über Starter-Finisher-Systeme bis zur Belegstellenbegattung.

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