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Zweivolksysteme und Beutensysteme im Vergleich

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Von Magazinimkerei ueber Dadant bis Top Bar Hive: Beutensysteme und Betriebsweisen im Detail, inklusive Doppelvolk und Bienenhaus.

Zweivolksysteme und Beutensysteme im Vergleich

Moderner Bienenstand mit verschiedenen Beutensystemen
Die Vielfalt der Beutensysteme spiegelt die unterschiedlichen Anforderungen und Philosophien der Imkerei wider

Die Wahl des Beutensystems beeinflusst Honigertrag, Schwarmmanagement, koerperliche Belastung und Investitionskosten. In dieser Lektion analysieren wir Magazinimkerei, Dadant, alternative Systeme und fortgeschrittene Konzepte wie die Zwei-Koeniginnen-Betriebsweise und die Koeniginnenaufzucht mit Anbrueter- und Pflegevolk.

95 %
aller deutschen Imker arbeiten mit Magazinbeuten -- doch die Alternativen haben spezifische Vorteile

Magazinimkerei: Der Standard

Das Grundprinzip: stapelbare Zargen mit herausnehmbaren Rahmchen. Brutraum unten, Honigraum oben, durch Absperrgitter getrennt.

Einraeumig vs. Zweiraeumig

MerkmalEinraeumig (1 Brutzarge)Zweiraeumig (2 Brutzargen)
RahmenmassZander, DadantDN, Langstroth
SchwarmkontrolleKippkontrolle moeglichJede Wabe pruefen
Gewicht pro Zarge20-35 kg15-20 kg pro Zarge
Koenigin findenMax. 10-11 WabenBis zu 22 Waben
PlatzmangelBei starken Voelkern moeglichSelten ein Problem
Vereinfachung

Dadant = einraeumig (Brutraum gross genug). DN = zweiraeumig (eine Zarge zu klein). Zander = meist einraeumig (mit Tendenz zu 1,5 in starken Trachtjahren).

Das Dadant-System im Detail

Dadant gewinnt in Deutschland rapide an Popularitaet. Aufbau: 1 grosse Brutzarge (435 x 300 mm) + 2-4 Halbzargen fuer Honig. Der Brutraum wird nie erweitert -- ein zentrales Element ist das Schied (Trennbrett), das das Brutnest auf die benoetigte Groesse begrenzt.

  1. Fruehjahr: Schied eng setzen (Maerz)

    Brutnest auf 5-7 Waben begrenzen. Das Volk sitzt kompakt und waermt effizienter -- fruehere und staerkere Entwicklung.

  2. Erweiterung: Schied oeffnen (April-Mai)

    Mit zunehmender Staerke das Schied nach aussen verschieben und leere Mittelwaende einfuegen.

  3. Honigraum aufsetzen (bei Trachtbeginn)

    Erste Halbzarge mit Absperrgitter aufsetzen. Halbzargen sind leicht (12-15 kg) -- schnelle Ernte.

Bunte Bienenbeuten im Abendlicht auf einem Bienenstand
Verschiedene Beutensysteme nebeneinander -- beim Dadant-System reicht eine grosse Brutzarge fuer die einraeumige Fuehrung

Zwei-Koeniginnen-Betriebsweise (Doppelvolk)

Die Zwei-Koeniginnen-Betriebsweise nutzt zwei Koeniginnen in einem verbundenen System fuer maximale Flugbienenstaerke zur Haupttracht. Zwei Voelker stehen uebereinander, getrennt durch ein doppeltes Absperrgitter. Beide Koeniginnen legen Eier, die Flugbienen arbeiten gemeinsam.

AspektEinzelvolkDoppelvolk
FlugbienenstaerkeNormalDoppelt
Honigertrag potentiell20-40 kg40-80 kg
SchwarmrisikoNormalErhoeht
Gewicht Gesamtturm20-35 kg/Zarge100+ kg gesamt
Erfahrung noetigAnfaenger bis Fortgeschr.Nur Profis
Profi-Technik

Die Zwei-Koeniginnen-Betriebsweise funktioniert nur mit viel Erfahrung und praezisem Timing. Lohnt sich primaer bei Wanderimkerei in starke Trachtgebiete (Raps, Linde, Tanne).

Anbrueter- und Pflegevolk

Fuer die Koeniginnenaufzucht werden spezielle Voelker eingesetzt:

Anbruetervolk (Starter)

Das Anbruetervolk nimmt frisch umgelarvte Weiselnaepfchen in den ersten 24 Stunden an. Anforderungen: weisellos, dicht besetzt mit Jungbienen, gut gefuettert. Maximal 24-48 Stunden nutzbar.

Pflegevolk (Finisher)

Das Pflegevolk uebernimmt die angebruteten Zellen und fuettert die Maden bis zur Verdeckelung. Kann weiselrichtig sein (Koenigin hinter Absperrgitter) und ueber Wochen alle 5-7 Tage neue Serien aufnehmen.

Bieneneier in Wabenzellen
Beim Umlarven werden junge Maden in Weiselnaepfchen uebertragen, wo Pflegebienen sie zu Koeniginnen aufziehen
  1. Tag 0: Umlarven

    1-2 Tage alte Maden aus dem Zuchtvolk in Weiselnaepfchen umlarven (15-30 Stueck).

  2. Tag 0-1: Anbrueten im Starter

    Naepfchen in den weisellosen Starter geben. Innerhalb von 24 Stunden werden die Maden angenommen.

  3. Tag 1: Umhaengen in den Finisher

    Angebrutete Zellen ins Pflegevolk umhaengen. Dort Weiterpflege bis zur Verdeckelung.

  4. Tag 10: Verdeckelung

    Weiselzellen sind verdeckelt und koennen in Begattungskaestchen umgehaengt werden.

  5. Tag 16: Schlupf

    Junge Koenigin schluepft. Nach 10-14 Tagen Hochzeitsflug.

Kombinierte Systeme: Brutraum-Honigraum-Trennung

Ein Grundprinzip, das alle modernen Betriebsweisen teilen, ist die strikte Trennung von Brutraum und Honigraum durch ein Absperrgitter. Die Koenigin bleibt im Brutraum, die Arbeiterinnen passieren das Gitter und lagern Nektar im Honigraum ein.

Vorteile der Trennung:

  • Reiner Honig ohne Brut (keine Verfaerbung, kein Puppen-Geschmack)
  • Brutnest bleibt kompakt und gut temperiert
  • Honigernte moeglich, ohne das Brutnest zu stoeren
  • Klare Struktur: Brutraum = Koenigins-Bereich, Honigraum = Ernte-Bereich

Ohne Absperrgitter (wie bei Warre oder Top Bar Hive) lagern die Bienen Honig und Brut im selben Raum. Das ist naturnaher, erschwert aber die saubere Honigernte und macht Schleudern unmoeglich.

Absperrgitter -- ja oder nein?

Absperrgitter polarisieren: Befuerworter schaetzen den sauberen Honig, Gegner argumentieren, dass sie den natuerlichen Bienenstrom behindern und Fluegel beschaedigen koennen. Moderne Kunststoff-Absperrgitter sind bienenfreundlicher als die alten Metallgitter und werden von den meisten Imkern routinemaessig eingesetzt.

Alternative Beutensysteme

Warre-Beute

Top Bar Hive (Obertraegerbeute)

Trogbeute (Hinterbehandlungsbeute)

AspektMagazin (Zander/DN)WarreTop Bar Hive
RahmchenJa (Mittelwaende)Nur ObertraegerNur Obertraeger
Ernte-MethodeSchleudernPressen/AbtropfenPressen/Abtropfen
Honigertrag/Volk20-50 kg5-15 kg8-20 kg
ArbeitsaufwandMittelGeringMittel
KostenHoch (Schleuder etc.)Niedrig (Selbstbau)Niedrig
Geeignet fuerAlle ImkerNaturnahe HobbyimkerNaturnahe/koerperl. eingeschr.

Bienenhaus vs. Freiaufstellung

Bienenstand am Waldrand mit frei aufgestellten Magazinbeuten
Freiaufstellung ist heute der Standard -- flexibel, erweiterbar und kompatibel mit moderner Magazinimkerei
AspektBienenhausFreiaufstellung
Investitionskosten5.000-20.000 EURNiedrig (Boecke)
WitterungsschutzSehr gutMittel
FlexibilitaetKeine (fest)Hoch (Wanderung)
SkalierbarkeitBegrenztLeicht erweiterbar
Koerperliche BelastungGeringMittel-Hoch

Wanderimkerei

Apr

Obstbluete

Heimstandort oder Obstplantage. Erste Tracht.

Mai

Raps

Anwanderung in Rapsfelder. 2-3 Wochen Volltracht.

Jun

Linde/Robinie

Anwanderung in Linden- oder Robiniengebiete.

Jul

Wald/Tanne

Honigtau: Schwarzwald, Bayerischer Wald. Premium-Tracht.

Aug

Heide

Lueneburger Heide. Hochwertiger Heidehonig.

Sep

Heimstandort

Rueckkehr. Auffuetterung und Einwinterung.

Anhaenger mit Bienenbeuten
Wanderimkerei erschliesst Trachtquellen, die ein stationaerer Stand nicht bieten kann
Wandern erfordert Genehmigung

Wer mit Bienen wandert, braucht ein Gesundheitszeugnis (amtstieraerztlich, nicht aelter als 9 Monate) und die Genehmigung des Grundeigentuemers am Wanderstand.

Anforderungen an Wanderbeuten

Fuer die Wanderung muessen Beuten bestimmte Voraussetzungen erfuellen:

  • Stapelbar und transportsicher: Standardisierte Zargengroesse, Stapelboecke, Wandergurte
  • Ventilation: Gitterboeden oder Wandergitter fuer Luftzirkulation beim Transport
  • Robust: Beuten muessen den Transport auf dem Anhaenger ueberstehen
  • Schnell bearbeitbar: Am Wanderstand zaehlt jede Minute -- effiziente Betriebsweise ist Pflicht
  • Einheitliches Mass: Alle Beuten muessen kompatibel sein (kein Mischbetrieb)
Mobile Bienenhauser

Eine Kompromissloesung sind mobile Bienenhauser -- isolierte Anhaenger oder Container, in denen Magazinbeuten stehen. Sie kombinieren Witterungsschutz mit Mobilitaet. In Skandinavien und Osteuropa verbreitet, in Deutschland noch selten.

Die richtige Wahl: Entscheidungshilfe

Wissenscheck

Was ist der Hauptvorteil des Dadant-Systems?

Was ist die Funktion des Anbruetervolkes in der Koeniginnenaufzucht?

Warum wird beim Warre-System von unten erweitert (nadiert)?


In der naechsten Lektion entdecken wir, wie datenbasierte Entscheidungen die Imkerei praeziser machen.

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