Zweivolksysteme und Beutensysteme im Vergleich
Von Magazinimkerei ueber Dadant bis Top Bar Hive: Beutensysteme und Betriebsweisen im Detail, inklusive Doppelvolk und Bienenhaus.
Zweivolksysteme und Beutensysteme im Vergleich

Die Wahl des Beutensystems beeinflusst Honigertrag, Schwarmmanagement, koerperliche Belastung und Investitionskosten. In dieser Lektion analysieren wir Magazinimkerei, Dadant, alternative Systeme und fortgeschrittene Konzepte wie die Zwei-Koeniginnen-Betriebsweise und die Koeniginnenaufzucht mit Anbrueter- und Pflegevolk.
Magazinimkerei: Der Standard
Das Grundprinzip: stapelbare Zargen mit herausnehmbaren Rahmchen. Brutraum unten, Honigraum oben, durch Absperrgitter getrennt.
Einraeumig vs. Zweiraeumig
| Merkmal | Einraeumig (1 Brutzarge) | Zweiraeumig (2 Brutzargen) |
|---|---|---|
| Rahmenmass | Zander, Dadant | DN, Langstroth |
| Schwarmkontrolle | Kippkontrolle moeglich | Jede Wabe pruefen |
| Gewicht pro Zarge | 20-35 kg | 15-20 kg pro Zarge |
| Koenigin finden | Max. 10-11 Waben | Bis zu 22 Waben |
| Platzmangel | Bei starken Voelkern moeglich | Selten ein Problem |
Dadant = einraeumig (Brutraum gross genug). DN = zweiraeumig (eine Zarge zu klein). Zander = meist einraeumig (mit Tendenz zu 1,5 in starken Trachtjahren).
Das Dadant-System im Detail
Dadant gewinnt in Deutschland rapide an Popularitaet. Aufbau: 1 grosse Brutzarge (435 x 300 mm) + 2-4 Halbzargen fuer Honig. Der Brutraum wird nie erweitert -- ein zentrales Element ist das Schied (Trennbrett), das das Brutnest auf die benoetigte Groesse begrenzt.
Fruehjahr: Schied eng setzen (Maerz)
Brutnest auf 5-7 Waben begrenzen. Das Volk sitzt kompakt und waermt effizienter -- fruehere und staerkere Entwicklung.
Erweiterung: Schied oeffnen (April-Mai)
Mit zunehmender Staerke das Schied nach aussen verschieben und leere Mittelwaende einfuegen.
Honigraum aufsetzen (bei Trachtbeginn)
Erste Halbzarge mit Absperrgitter aufsetzen. Halbzargen sind leicht (12-15 kg) -- schnelle Ernte.

Zwei-Koeniginnen-Betriebsweise (Doppelvolk)
Die Zwei-Koeniginnen-Betriebsweise nutzt zwei Koeniginnen in einem verbundenen System fuer maximale Flugbienenstaerke zur Haupttracht. Zwei Voelker stehen uebereinander, getrennt durch ein doppeltes Absperrgitter. Beide Koeniginnen legen Eier, die Flugbienen arbeiten gemeinsam.
| Aspekt | Einzelvolk | Doppelvolk |
|---|---|---|
| Flugbienenstaerke | Normal | Doppelt |
| Honigertrag potentiell | 20-40 kg | 40-80 kg |
| Schwarmrisiko | Normal | Erhoeht |
| Gewicht Gesamtturm | 20-35 kg/Zarge | 100+ kg gesamt |
| Erfahrung noetig | Anfaenger bis Fortgeschr. | Nur Profis |
Die Zwei-Koeniginnen-Betriebsweise funktioniert nur mit viel Erfahrung und praezisem Timing. Lohnt sich primaer bei Wanderimkerei in starke Trachtgebiete (Raps, Linde, Tanne).
Anbrueter- und Pflegevolk
Fuer die Koeniginnenaufzucht werden spezielle Voelker eingesetzt:
Anbruetervolk (Starter)
Das Anbruetervolk nimmt frisch umgelarvte Weiselnaepfchen in den ersten 24 Stunden an. Anforderungen: weisellos, dicht besetzt mit Jungbienen, gut gefuettert. Maximal 24-48 Stunden nutzbar.
Pflegevolk (Finisher)
Das Pflegevolk uebernimmt die angebruteten Zellen und fuettert die Maden bis zur Verdeckelung. Kann weiselrichtig sein (Koenigin hinter Absperrgitter) und ueber Wochen alle 5-7 Tage neue Serien aufnehmen.

Tag 0: Umlarven
1-2 Tage alte Maden aus dem Zuchtvolk in Weiselnaepfchen umlarven (15-30 Stueck).
Tag 0-1: Anbrueten im Starter
Naepfchen in den weisellosen Starter geben. Innerhalb von 24 Stunden werden die Maden angenommen.
Tag 1: Umhaengen in den Finisher
Angebrutete Zellen ins Pflegevolk umhaengen. Dort Weiterpflege bis zur Verdeckelung.
Tag 10: Verdeckelung
Weiselzellen sind verdeckelt und koennen in Begattungskaestchen umgehaengt werden.
Tag 16: Schlupf
Junge Koenigin schluepft. Nach 10-14 Tagen Hochzeitsflug.
Kombinierte Systeme: Brutraum-Honigraum-Trennung
Ein Grundprinzip, das alle modernen Betriebsweisen teilen, ist die strikte Trennung von Brutraum und Honigraum durch ein Absperrgitter. Die Koenigin bleibt im Brutraum, die Arbeiterinnen passieren das Gitter und lagern Nektar im Honigraum ein.
Vorteile der Trennung:
- Reiner Honig ohne Brut (keine Verfaerbung, kein Puppen-Geschmack)
- Brutnest bleibt kompakt und gut temperiert
- Honigernte moeglich, ohne das Brutnest zu stoeren
- Klare Struktur: Brutraum = Koenigins-Bereich, Honigraum = Ernte-Bereich
Ohne Absperrgitter (wie bei Warre oder Top Bar Hive) lagern die Bienen Honig und Brut im selben Raum. Das ist naturnaher, erschwert aber die saubere Honigernte und macht Schleudern unmoeglich.
Absperrgitter polarisieren: Befuerworter schaetzen den sauberen Honig, Gegner argumentieren, dass sie den natuerlichen Bienenstrom behindern und Fluegel beschaedigen koennen. Moderne Kunststoff-Absperrgitter sind bienenfreundlicher als die alten Metallgitter und werden von den meisten Imkern routinemaessig eingesetzt.
Alternative Beutensysteme
Warre-Beute
Top Bar Hive (Obertraegerbeute)
Trogbeute (Hinterbehandlungsbeute)
| Aspekt | Magazin (Zander/DN) | Warre | Top Bar Hive |
|---|---|---|---|
| Rahmchen | Ja (Mittelwaende) | Nur Obertraeger | Nur Obertraeger |
| Ernte-Methode | Schleudern | Pressen/Abtropfen | Pressen/Abtropfen |
| Honigertrag/Volk | 20-50 kg | 5-15 kg | 8-20 kg |
| Arbeitsaufwand | Mittel | Gering | Mittel |
| Kosten | Hoch (Schleuder etc.) | Niedrig (Selbstbau) | Niedrig |
| Geeignet fuer | Alle Imker | Naturnahe Hobbyimker | Naturnahe/koerperl. eingeschr. |
Bienenhaus vs. Freiaufstellung

| Aspekt | Bienenhaus | Freiaufstellung |
|---|---|---|
| Investitionskosten | 5.000-20.000 EUR | Niedrig (Boecke) |
| Witterungsschutz | Sehr gut | Mittel |
| Flexibilitaet | Keine (fest) | Hoch (Wanderung) |
| Skalierbarkeit | Begrenzt | Leicht erweiterbar |
| Koerperliche Belastung | Gering | Mittel-Hoch |
Wanderimkerei
Obstbluete
Heimstandort oder Obstplantage. Erste Tracht.
Raps
Anwanderung in Rapsfelder. 2-3 Wochen Volltracht.
Linde/Robinie
Anwanderung in Linden- oder Robiniengebiete.
Wald/Tanne
Honigtau: Schwarzwald, Bayerischer Wald. Premium-Tracht.
Heide
Lueneburger Heide. Hochwertiger Heidehonig.
Heimstandort
Rueckkehr. Auffuetterung und Einwinterung.

Wer mit Bienen wandert, braucht ein Gesundheitszeugnis (amtstieraerztlich, nicht aelter als 9 Monate) und die Genehmigung des Grundeigentuemers am Wanderstand.
Anforderungen an Wanderbeuten
Fuer die Wanderung muessen Beuten bestimmte Voraussetzungen erfuellen:
- Stapelbar und transportsicher: Standardisierte Zargengroesse, Stapelboecke, Wandergurte
- Ventilation: Gitterboeden oder Wandergitter fuer Luftzirkulation beim Transport
- Robust: Beuten muessen den Transport auf dem Anhaenger ueberstehen
- Schnell bearbeitbar: Am Wanderstand zaehlt jede Minute -- effiziente Betriebsweise ist Pflicht
- Einheitliches Mass: Alle Beuten muessen kompatibel sein (kein Mischbetrieb)
Eine Kompromissloesung sind mobile Bienenhauser -- isolierte Anhaenger oder Container, in denen Magazinbeuten stehen. Sie kombinieren Witterungsschutz mit Mobilitaet. In Skandinavien und Osteuropa verbreitet, in Deutschland noch selten.
Die richtige Wahl: Entscheidungshilfe
Wissenscheck
Was ist der Hauptvorteil des Dadant-Systems?
Was ist die Funktion des Anbruetervolkes in der Koeniginnenaufzucht?
Warum wird beim Warre-System von unten erweitert (nadiert)?
In der naechsten Lektion entdecken wir, wie datenbasierte Entscheidungen die Imkerei praeziser machen.