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Zweivolksysteme und Beutensysteme im Vergleich

25 min9 min Lesezeit

Von Magazinimkerei über Dadant bis Top Bar Hive: Beutensysteme und Betriebsweisen im Detail, inklusive Doppelvolk und Bienenhaus.

Zweivolksysteme und Beutensysteme im Vergleich

Moderner Bienenstand mit verschiedenen Beutensystemen
Die Vielfalt der Beutensysteme spiegelt die unterschiedlichen Anforderungen und Philosophien der Imkerei wider

Die Wahl des Beutensystems beeinflusst Honigertrag, Schwarmmanagement, koerperliche Belastung und Investitionskosten. In dieser Lektion analysieren wir Magazinimkerei, Dadant, alternative Systeme und fortgeschrittene Konzepte wie die Zwei-Koeniginnen-Betriebsweise und die Koeniginnenaufzucht mit Anbrueter- und Pflegevolk.

95 %
aller deutschen Imker arbeiten mit Magazinbeuten -- doch die Alternativen haben spezifische Vorteile

Magazinimkerei: Der Standard

Das Grundprinzip: stapelbare Zargen mit herausnehmbaren Rahmchen. Brutraum unten, Honigraum oben, durch Absperrgitter getrennt.

Einraeumig vs. Zweiraeumig

MerkmalEinraeumig (1 Brutzarge)Zweiraeumig (2 Brutzargen)
RahmenmassZander, DadantDN, Langstroth
SchwarmkontrolleKippkontrolle möglichJede Wabe pruefen
Gewicht pro Zarge20-35 kg15-20 kg pro Zarge
Koenigin findenMax. 10-11 WabenBis zu 22 Waben
PlatzmangelBei starken Völkern möglichSelten ein Problem
Vereinfachung

Dadant = einraeumig (Brutraum gross genug). DN = zweiraeumig (eine Zarge zu klein). Zander = meist einraeumig (mit Tendenz zu 1,5 in starken Trachtjahren).

Das Dadant-System im Detail

Dadant gewinnt in Deutschland rapide an Popularitaet. Aufbau: 1 grosse Brutzarge (435 x 300 mm) + 2-4 Halbzargen für Honig. Der Brutraum wird nie erweitert -- ein zentrales Element ist das Schied (Trennbrett), das das Brutnest auf die benoetigte Größe begrenzt.

  1. Fruehjahr: Schied eng setzen (Maerz)

    Brutnest auf 5-7 Waben begrenzen. Das Volk sitzt kompakt und waermt effizienter -- fruehere und staerkere Entwicklung.

  2. Erweiterung: Schied oeffnen (April-Mai)

    Mit zunehmender Staerke das Schied nach aussen verschieben und leere Mittelwaende einfuegen.

  3. Honigraum aufsetzen (bei Trachtbeginn)

    Erste Halbzarge mit Absperrgitter aufsetzen. Halbzargen sind leicht (12-15 kg) -- schnelle Ernte.

Geoeffnete Dadant-Beute mit Trennschied aus Sperrholz und Styrodur-Isolation
Der angepasste Brutraum mit Trennschied -- die Dadant-Beute mit ihrer markant hohen Brutzarge eignet sich ideal für das Zweivolksystem.

Zwei-Koeniginnen-Betriebsweise (Doppelvolk)

Die Zwei-Koeniginnen-Betriebsweise nutzt zwei Koeniginnen in einem verbundenen System für maximale Flugbienenstaerke zur Haupttracht. Zwei Völker stehen uebereinander, getrennt durch ein doppeltes Absperrgitter. Beide Koeniginnen legen Eier, die Flugbienen arbeiten gemeinsam.

AspektEinzelvolkDoppelvolk
FlugbienenstaerkeNormalDoppelt
Honigertrag potentiell20-40 kg40-80 kg
SchwarmrisikoNormalErhoeht
Gewicht Gesamtturm20-35 kg/Zarge100+ kg gesamt
Erfahrung noetigAnfaenger bis Fortgeschr.Nur Profis
Profi-Technik

Die Zwei-Koeniginnen-Betriebsweise funktioniert nur mit viel Erfahrung und praezisem Timing. Lohnt sich primaer bei Wanderimkerei in starke Trachtgebiete (Raps, Linde, Tanne).

Anbrueter- und Pflegevolk

Für die Koeniginnenaufzucht werden spezielle Völker eingesetzt:

Anbruetervolk (Starter)

Das Anbruetervolk nimmt frisch umgelarvte Weiselnaepfchen in den ersten 24 Stunden an. Anforderungen: weisellos, dicht besetzt mit Jungbienen, gut gefuettert. Maximal 24-48 Stunden nutzbar.

Pflegevolk (Finisher)

Das Pflegevolk uebernimmt die angebruteten Zellen und fuettert die Maden bis zur Verdeckelung. Kann weiselrichtig sein (Koenigin hinter Absperrgitter) und über Wochen alle 5-7 Tage neue Serien aufnehmen.

Makroaufnahme von Bieneneiern und Larven in Wabenzellen für das Umlarven
Beim Umlarven werden junge Maden in Weiselnaepfchen uebertragen, wo Pflegebienen sie zu Koeniginnen aufziehen
  1. Tag 0: Umlarven

    1-2 Tage alte Maden aus dem Zuchtvolk in Weiselnaepfchen umlarven (15-30 Stueck).

  2. Tag 0-1: Anbrueten im Starter

    Naepfchen in den weisellosen Starter geben. Innerhalb von 24 Stunden werden die Maden angenommen.

  3. Tag 1: Umhaengen in den Finisher

    Angebrutete Zellen ins Pflegevolk umhaengen. Dort Weiterpflege bis zur Verdeckelung.

  4. Tag 5: Verdeckelung

    Weiselzellen sind verdeckelt und koennen in Begattungskaestchen umgehaengt werden.

  5. Tag 12: Schlupf

    Junge Koenigin schluepft (Tag 16 ab Eiablage). Nach 5-10 Tagen Hochzeitsflug.

Kombinierte Systeme: Brutraum-Honigraum-Trennung

Ein Grundprinzip, das alle modernen Betriebsweisen teilen, ist die strikte Trennung von Brutraum und Honigraum durch ein Absperrgitter. Die Koenigin bleibt im Brutraum, die Arbeiterinnen passieren das Gitter und lagern Nektar im Honigraum ein.

Vorteile der Trennung:

  • Reiner Honig ohne Brut (keine Verfaerbung, kein Puppen-Geschmack)
  • Brutnest bleibt kompakt und gut temperiert
  • Honigernte möglich, ohne das Brutnest zu stoeren
  • Klare Struktur: Brutraum = Koenigins-Bereich, Honigraum = Ernte-Bereich

Ohne Absperrgitter (wie bei Warre oder Top Bar Hive) lagern die Bienen Honig und Brut im selben Raum. Das ist naturnaher, erschwert aber die saubere Honigernte und macht Schleudern unmoeglich.

Absperrgitter -- ja oder nein?

Absperrgitter polarisieren: Befuerworter schaetzen den sauberen Honig, Gegner argumentieren, dass sie den natuerlichen Bienenstrom behindern und Fluegel beschaedigen koennen. Moderne Kunststoff-Absperrgitter sind bienenfreundlicher als die alten Metallgitter und werden von den meisten Imkern routinemaessig eingesetzt.

Alternative Beutensysteme

Warre-Beute

Top Bar Hive (Obertraegerbeute)

Trogbeute (Hinterbehandlungsbeute)

AspektMagazin (Zander/DN)WarreTop Bar Hive
RahmchenJa (Mittelwaende)Nur ObertraegerNur Obertraeger
Ernte-MethodeSchleudernPressen/AbtropfenPressen/Abtropfen
Honigertrag/Volk20-50 kg5-15 kg8-20 kg
ArbeitsaufwandMittelGeringMittel
KostenHoch (Schleuder etc.)Niedrig (Selbstbau)Niedrig
Geeignet fuerAlle ImkerNaturnahe HobbyimkerNaturnahe/koerperl. eingeschr.

Bienenhaus vs. Freiaufstellung

Bienenstand am Waldrand mit frei aufgestellten Magazinbeuten
Freiaufstellung ist heute der Standard -- flexibel, erweiterbar und kompatibel mit moderner Magazinimkerei
AspektBienenhausFreiaufstellung
Investitionskosten5.000-20.000 EURNiedrig (Boecke)
WitterungsschutzSehr gutMittel
FlexibilitaetKeine (fest)Hoch (Wanderung)
SkalierbarkeitBegrenztLeicht erweiterbar
Koerperliche BelastungGeringMittel-Hoch

Wanderimkerei

  1. Apr

    Obstbluete

    Heimstandort oder Obstplantage. Erste Tracht.

  2. Mai

    Raps

    Anwanderung in Rapsfelder. 2-3 Wochen Volltracht.

  3. Jun

    Linde/Robinie

    Anwanderung in Linden- oder Robiniengebiete.

  4. Jul

    Wald/Tanne

    Honigtau: Schwarzwald, Bayerischer Wald. Premium-Tracht.

  5. Aug

    Heide

    Lueneburger Heide. Hochwertiger Heidehonig.

  6. Sep

    Heimstandort

    Rueckkehr. Auffuetterung und Einwinterung.

Anhaenger mit Bienenbeuten
Wanderimkerei erschliesst Trachtquellen, die ein stationaerer Stand nicht bieten kann
Wandern erfordert Genehmigung

Wer mit Bienen wandert, braucht ein Gesundheitszeugnis (Seuchenfreiheitsbescheinigung nach §5 BienSeuchV, max. 9 Monate ab Ausstellung) und die Genehmigung des Grundeigentuemers am Wanderstand.

Anforderungen an Wanderbeuten

Für die Wanderung muessen Beuten bestimmte Voraussetzungen erfuellen:

  • Stapelbar und transportsicher: Standardisierte Zargengroesse, Stapelboecke, Wandergurte
  • Ventilation: Gitterboeden oder Wandergitter für Luftzirkulation beim Transport
  • Robust: Beuten muessen den Transport auf dem Anhaenger ueberstehen
  • Schnell bearbeitbar: Am Wanderstand zaehlt jede Minute -- effiziente Betriebsweise ist Pflicht
  • Einheitliches Mass: Alle Beuten muessen kompatibel sein (kein Mischbetrieb)
Mobile Bienenhauser

Eine Kompromissloesung sind mobile Bienenhauser -- isolierte Anhaenger oder Container, in denen Magazinbeuten stehen. Sie kombinieren Witterungsschutz mit Mobilitaet. In Skandinavien und Osteuropa verbreitet, in Deutschland noch selten.

Die richtige Wahl: Entscheidungshilfe

Wissenscheck

Was ist der Hauptvorteil des Dadant-Systems?
Was ist die Funktion des Anbruetervolkes in der Koeniginnenaufzucht?
Warum wird beim Warre-System von unten erweitert (nadiert)?

In der naechsten Lektion entdecken wir, wie datenbasierte Entscheidungen die Imkerei praeziser machen.

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