Bio-Imkerei: Voraussetzungen und Zertifizierung
EU-Bio-Verordnung 2018/848 fuer Imker erklaert: Anforderungen an Beuten, Wachs, Fuetterung, Standort und Behandlung. Vergleich EU-Bio vs. Demeter, Bioland, Naturland.
Bio-Imkerei: Voraussetzungen und Zertifizierung

"Bio" ist nicht nur ein Trend, sondern ein streng reguliertes System mit echten Anforderungen. Fuer die Imkerei bedeutet Bio-Zertifizierung: andere Beutenmaterialien, strengere Fuetterungsregeln, eingeschraenkte Behandlungsmethoden und definierte Standortanforderungen. Dafuer darfst du deinen Honig als "Bio-Honig" vermarkten -- ein Qualitaetsmerkmal, das von immer mehr Verbrauchern gesucht und mit hoeheren Preisen honoriert wird.
In dieser Lektion erklaeren wir die Rechtsgrundlagen, die konkreten Anforderungen und den Weg zur Zertifizierung. Wir vergleichen auch die Unterschiede zwischen EU-Bio und den strengeren Verbandsstandards von Demeter, Bioland und Naturland.
Rechtsgrundlage: EU-Oeko-Verordnung 2018/848
Die Verordnung im Ueberblick
Die Verordnung (EU) 2018/848 des Europaeischen Parlaments und des Rates vom 30. Mai 2018 ueber die oekologische/biologische Produktion ist seit dem 1. Januar 2022 in Kraft und hat die alte Oeko-Verordnung (EG) Nr. 834/2007 abgeloest. Sie wird ergaenzt durch die Durchfuehrungsverordnung (EU) 2020/464 mit detaillierten Regeln fuer die Bienenhaltung.
Die EU-Oeko-Verordnung 2018/848 gilt in allen EU-Mitgliedsstaaten unmittelbar -- sie muss nicht in nationales Recht umgesetzt werden. Das bedeutet: Die Regeln fuer Bio-Imkerei sind in Deutschland, Oesterreich, Frankreich und allen anderen EU-Laendern identisch. Nationale Kontrollstellen ueberwachen die Einhaltung.
Was regelt die Verordnung fuer Imker?
Die Bio-Regeln fuer die Imkerei finden sich in Anhang II, Teil III der EU 2018/848 und umfassen:
- Herkunft der Tiere (Bienen)
- Unterbringung und Haltungsbedingungen (Beuten)
- Fuetterung
- Krankheitsvorsorge und tieraerztliche Behandlung
- Standortanforderungen
- Umstellungszeitraum
- Bienenwachs
Anforderung 1: Beutenmaterial
Die Beuten muessen aus natuerlichen Materialien bestehen. Das ist eine der sichtbarsten Aenderungen gegenueber der konventionellen Imkerei.
| Material | EU-Bio erlaubt? | Verband (Demeter/Bioland/Naturland) |
|---|---|---|
| Holz (unbehandelt oder mit zugelassenen Mitteln) | Ja (bevorzugt) | Ja (Pflicht bei Demeter/Naturland) |
| Styropor (Polystyrol/EPS) | Nein | Nein |
| Kunststoff (Beuten) | Nein (Ausnahme: Absperrgitter) | Nein |
| Aluminium (Blechdeckel aussen) | Ja (Abdeckung) | Ja (Abdeckung) |
| Holz mit Leinoelfirnis | Ja | Ja |
| Holz mit synthetischer Farbe (aussen) | Ja (nur Aussenanstrich, bleifrei) | Bedingt (nur zugelassene Anstriche) |
| Stroh (Stuelper/Korb) | Ja | Ja (besonders bei Demeter geschaetzt) |
Der haeufigste Ausschlussgrund fuer eine Bio-Zertifizierung: Styropor-Beuten (Segeberger Beute). Sie sind in der konventionellen Imkerei weit verbreitet, aber in der Bio-Imkerei nicht erlaubt. Wer auf Bio umstellen will, muss Styropor-Beuten durch Holzbeuten ersetzen. Das ist eine echte Investition -- aber auch ein klares Signal fuer Nachhaltigkeit.
Schutzanstriche
Holzbeuten duerfen von aussen mit zugelassenen Anstrichen geschuetzt werden:
- Leinoelfirnis (natuerlich, traditionell)
- Naturfarben auf Leinoel- oder Kaseinbasis
- Synthetische Farben (nur aussen, bleifrei, ohne Schwermetalle)
- Innenanstrich: grundsaetzlich verboten -- das Holz muss im Inneren unbehandelt bleiben
Anforderung 2: Bienenwachs

Die Wachsfrage ist einer der kritischsten Punkte in der Bio-Imkerei. Konventionelles Bienenwachs kann Rueckstaende von Behandlungsmitteln (Coumaphos, synthetische Akarizide) enthalten, die in der Bio-Imkerei nicht toleriert werden.
Anforderungen an Bienenwachs
- Mittelwaende muessen aus oekologischem Bienenwachs hergestellt sein
- Wenn oekologisches Wachs nicht verfuegbar ist: Wachs aus den eigenen Voelkern (Entdeckelungswachs, Bauwachs)
- In der Umstellungsphase: Eine Uebergangsfrist fuer den Wachstausch ist vorgesehen
- Rueckstandsuntersuchungen des Wachses koennen von der Kontrollstelle verlangt werden
Der sicherste Weg zu rueckstandsfreiem Wachs ist ein geschlossener Wachskreislauf: Du verwendest nur Wachs aus deinen eigenen Voelkern (Entdeckelungswachs, Naturbau) und laesst es zu Mittelwaenden umarbeiten -- idealerweise bei einem Bio-zertifizierten Wachsverarbeiter. So hast du volle Kontrolle ueber die Wachsqualitaet.
Anforderung 3: Fuetterung
Die Fuetterungsregeln in der Bio-Imkerei sind deutlich strenger als in der konventionellen Imkerei:
Grundsatz: Nur Bio-Futtermittel
| Futtermittel | EU-Bio erlaubt? | Verband (strenger) |
|---|---|---|
| Eigener Bio-Honig | Ja (bevorzugt) | Ja (bei Demeter stark bevorzugt) |
| Zugekaufter Bio-Honig | Ja | Ja |
| Bio-Zucker (Rueben- oder Rohrzucker) | Ja (fuer Winterfuetterung) | Ja (eingeschraenkt bei Demeter) |
| Bio-Zuckersirup | Ja | Ja (eingeschraenkt bei Demeter) |
| Konventioneller Zucker | Nein | Nein |
| Invertzuckersirup (konventionell) | Nein | Nein |
| Bienenfutterteig (konventionell) | Nein | Nein |
| Pollen-Ersatz | Nein | Nein |
Wann darf ueberhaupt gefuettert werden?
- Ausschliesslich zwischen der letzten Honigernte und dem Beginn der naechsten Nektartrachtzeit
- Die Fuetterung dient dem Ueberleben der Voelker, nicht der Honigproduktion
- Es muessen ausreichende Honig- und Pollenvorraete im Volk belassen werden (keine "Plundern-und-Fuettern"-Strategie)
- Die Menge muss dokumentiert werden
Demeter hat die strengsten Fuetterungsregeln aller Bio-Verbaende: Die Voelker sollen primaer mit eigenem Honig ueberwintern. Zuckerfuetterung ist nur im Notfall und in begrenztem Umfang erlaubt. Das bedeutet in der Praxis: Du musst genuegend Honig im Volk belassen, was den Ernteertrag reduziert.
Anforderung 4: Behandlung und Krankheitsvorsorge
Dies ist fuer viele Imker der entscheidende Punkt: Welche Behandlungsmittel sind in der Bio-Imkerei erlaubt?
Erlaubte Behandlungsmittel
| Behandlung | EU-Bio | Demeter | Bioland/Naturland |
|---|---|---|---|
| Ameisensaeure | Ja | Ja | Ja |
| Oxalsaeure | Ja | Ja | Ja |
| Milchsaeure | Ja | Ja | Ja |
| Thymol (aetherisches Oel) | Ja | Ja | Ja |
| Menthol (aetherisches Oel) | Ja | Nein (nicht ueblich) | Bedingt |
| Bayvarol (Flumethrin) | Nein | Nein | Nein |
| Perizin (Coumaphos) | Nein | Nein | Nein |
| Amitraz (Apivar) | Nein | Nein | Nein |
| Apilife Var (Thymol+) | Ja | Ja | Ja |
| Biotechnische Methoden | Ja (bevorzugt) | Ja (bevorzugt) | Ja (bevorzugt) |
Grundsaetze der Krankheitsvorsorge in der Bio-Imkerei
Praevention hat Vorrang
Bio-Imker muessen primaer auf Vorbeugung setzen: Standortwahl, Volkstaerke, Hygiene, biotechnische Methoden (Drohnenbrut-Entnahme, Bannwaben). Behandlungen sind das letzte Mittel.
Biotechnische Methoden bevorzugen
Drohnenbrut-Entnahme, Totale Brutentnahme, Fangwaben und andere biotechnische Methoden zur Varroabekaempfung werden in der Bio-Imkerei ausdruecklich bevorzugt. Sie sind ohne Chemie und reduzieren die Milbenbelastung natuerlich.
Nur zugelassene Mittel verwenden
Wenn Behandlung noetig ist: Ausschliesslich organische Saeuren (Ameisensaeure, Oxalsaeure, Milchsaeure) und aetherische Oele (Thymol). Synthetische Akarizide sind in der Bio-Imkerei strikt verboten.
Antibiotika: Strengste Regeln
Antibiotika-Einsatz bei Bienen (z.B. gegen Amerikanische Faulbrut) ist in der EU-Bio-Imkerei grundsaetzlich nicht erlaubt. Bei AFB-Befall muessen die Voelker nach den Vorgaben der Bienenseuchen-Verordnung saniert oder abgetoetet werden. In der konventionellen Imkerei in Deutschland sind Antibiotika bei Bienen ebenfalls nicht zugelassen.
Auch in der Bio-Imkerei gilt die Bestandsbuchpflicht nach EU 2019/6. Jede Behandlung -- auch mit organischen Saeuren -- muss dokumentiert werden. Die Kontrollstelle prueft bei ihren Inspektionen auch das Bestandsbuch.
Anforderung 5: Standort (3-km-Radius-Regel)

Die Standortanforderung ist fuer viele Imker die groesste Huerde auf dem Weg zur Bio-Zertifizierung.
Die 3-km-Regel
Innerhalb eines Radius von 3 km um den Bienenstand muessen die Nektarquellen und Pollenquellen ueberwiegend aus folgenden Quellen stammen:
- Oekologisch bewirtschaftete Flaechen (Bio-Landwirtschaft)
- Wald und natuerliche Vegetation
- Nicht landwirtschaftlich genutzte Flaechen (Naturschutzgebiete, Brachen)
- Gering bewirtschaftete Flaechen mit geringem Pestizideinsatz
Was bedeutet "ueberwiegend"?
Die EU-Verordnung definiert "ueberwiegend" nicht als exakten Prozentsatz. In der Praxis wenden die Kontrollstellen folgende Kriterien an:
- Mehr als 50 % der Flaeche im 3-km-Radius sollte den Anforderungen entsprechen
- Intensive konventionelle Landwirtschaft (Mais-Monokulturen, Intensiv-Obstbau mit Pestiziden) muss die Minderheit bilden
- Staedte und Siedlungen werden neutral bewertet (wenig Pestizide, aber auch wenig Trachtquellen)
Die besten Standorte fuer Bio-Imkerei sind: Waldraender, Naturschutzgebiete, extensiv bewirtschaftetes Gruenland, Gebiete mit hohem Anteil an oekologischem Landbau und Bergregionen mit wenig intensiver Landwirtschaft. Stadtrandlagen koennen ebenfalls funktionieren, wenn im 3-km-Radius wenig konventionelle Landwirtschaft betrieben wird.
Standortbewertung durch die Kontrollstelle
Bei der Zertifizierung erstellt die Kontrollstelle eine Standortbewertung:
Kartierung des 3-km-Radius
Die Kontrollstelle (oder du selbst) erstellt eine Karte des 3-km-Radius um jeden Bienenstand. Darin werden Flaechennutzungen eingetragen: Wald, Gruenland, Acker, Siedlung, Gewaesser.
Flaechennutzungs-Analyse
Anhand der Karte wird geprueft, ob die Trachtquellen ueberwiegend den Bio-Anforderungen entsprechen. Konventionelle Intensivkulturen werden identifiziert.
Risikobewertung
Besondere Risikoquellen werden bewertet: Gibt es im Radius eine intensiv bewirtschaftete Obstplantage mit Pestizideinsatz? Einen konventionellen Raps-Grossbetrieb? Industrieanlagen?
Entscheidung
Die Kontrollstelle entscheidet, ob der Standort fuer die Bio-Imkerei geeignet ist. In Grenzfaellen koennen Honiganalysen auf Pestizidrueckstaende verlangt werden.
Anforderung 6: Weitere Regeln
Umstellungszeit: Der Weg zum Bio-Betrieb
Umstellungszeitraum
Die Umstellung von konventioneller auf oekologische Imkerei dauert mindestens 1 Jahr (12 Monate). Waehrend dieser Zeit muessen alle Bio-Regeln bereits eingehalten werden, aber der Honig darf noch nicht als "Bio" vermarktet werden.
Entscheidung und Planung (Monat 0)
Informiere dich gruendlich ueber die Anforderungen. Pruefe, ob deine Standorte die 3-km-Regel erfuellen. Kalkuliere die Kosten fuer den Wechsel (Beuten, Wachs, Kontrolle).
Kontrollstelle waehlen (Monat 1-2)
Waehle eine zugelassene Kontrollstelle und schliesse einen Kontrollvertrag ab. Die Kontrollstelle fuehrt eine Erstinspektion durch.
Umstellung beginnen (Monat 3)
Ab dem offiziellen Umstellungsbeginn muessen alle Bio-Regeln eingehalten werden: Bio-Wachs, Bio-Futter, nur erlaubte Behandlungsmittel, Holzbeuten.
Wachs tauschen (Monat 3-12)
Ersetze konventionelle Mittelwaende durch Bio-Wachs oder Eigenwachs. Dies geschieht schrittweise ueber die Saison.
Styropor-Beuten ersetzen (Monat 3-12)
Wenn du Styropor-Beuten hast: Umstellung auf Holzbeuten. Kann schrittweise erfolgen (Volk fuer Volk).
Zertifizierung (nach 12 Monaten)
Nach erfolgreichem Abschluss der 12-monatigen Umstellungszeit und positiver Kontrolle erhaeltst du dein Bio-Zertifikat. Ab jetzt darf dein Honig als Bio-Honig vermarktet werden.
EU-Bio vs. Verband: Der grosse Vergleich

Neben dem EU-Bio-Standard gibt es in Deutschland vier bedeutende Bio-Verbaende mit eigenen, teilweise deutlich strengeren Richtlinien:
| Kriterium | EU-Bio | Bioland | Naturland | Demeter |
|---|---|---|---|---|
| Beutenmaterial | Naturmaterial (Holz, Stroh) | Holz | Holz | Holz oder Stroh |
| Styropor erlaubt? | Nein | Nein | Nein | Nein |
| Wachs | Oeko-Wachs oder Eigenwachs | Oeko-Wachs | Oeko-Wachs | Nur Naturwabenbau/Eigenwachs |
| Fuetterung | Bio-Zucker, Bio-Honig | Bio-Zucker, Bio-Honig | Bio-Zucker, Bio-Honig | Primaer eigener Honig, Zucker nur im Notfall |
| Fluegelbeschneiden | Verboten | Verboten | Verboten | Verboten |
| Kuenstliche Besamung | Erlaubt | Erlaubt | Erlaubt | Verboten |
| Standort-Radius | 3 km | 3 km | 3 km | 3 km (strenger bewertet) |
| Naturwabenbau | Nicht vorgeschrieben | Teilweise | Empfohlen | Pflicht (min. Brutraum) |
| Umstellungszeit | 12 Monate | 12 Monate | 12 Monate | 12 Monate |
| Kosten Kontrolle (ca.) | 150-400 EUR/Jahr | 200-500 EUR/Jahr | 200-500 EUR/Jahr | 250-600 EUR/Jahr |
| Verbandsgebuehr | Keine | Ca. 100-200 EUR/Jahr | Ca. 100-200 EUR/Jahr | Ca. 150-300 EUR/Jahr |
Demeter: Die strengsten Regeln
Die Demeter-Richtlinien basieren auf der anthroposophischen Landwirtschaftslehre Rudolf Steiners und gehen weit ueber den EU-Bio-Standard hinaus:
- Naturwabenbau ist im Brutraum Pflicht -- keine Mittelwaende im Brutraum (nur im Honigraum)
- Fuetterung primaer mit eigenem Honig, Zucker nur als Notfallmass
- Kuenstliche Besamung ist verboten -- nur Naturpaarung
- Koeniginnen sollen aus dem natuerlichen Schwarmtrieb hervorgehen, nicht durch Zuchtstoffumlarven
- Behandlung: Gleiche Mittel wie EU-Bio, aber staerkere Betonung auf biotechnische Methoden
Im Naturwabenbau bauen die Bienen ihre Waben ohne Mittelwaende -- also frei nach ihren eigenen Beduerfnissen. Das fuehrt zu einer natuerlicheren Wabenstruktur mit unterschiedlichen Zellgroessen. Die Bienen bauen mehr Drohnenbrut (was der Varroa-Bekaempfung zugutekommt). Fuer den Imker bedeutet es: Weniger Kontrolle ueber den Wabenaufbau, aber ein natuerlicheres Volk.
Kontrollstelle waehlen
Fuer die Bio-Zertifizierung brauchst du einen Vertrag mit einer zugelassenen Kontrollstelle. In Deutschland gibt es derzeit rund 20 zugelassene Kontrollstellen. Die wichtigsten fuer Imker:
Ablauf der Kontrolle
Erstinspektion (vor Ort)
Ein Kontrolleur besucht deinen Betrieb, besichtigt die Bienenstaende, prueft Beuten, Wachs, Arzneimittel-Bestand und Bestandsbuch. Dauer: ca. 2-4 Stunden.
Dokumentenpruefung
Kaufbelege fuer Bio-Wachs, Bio-Futter, Arzneimittel werden geprueft. Das Bestandsbuch wird durchgesehen. Standortbewertung wird erstellt oder aktualisiert.
Jaehrliche Nachkontrolle
Mindestens einmal jaehrlich findet eine Regelkontrolle statt. Diese kann angekuendigt oder unangekuendigt sein.
Probenahme (bei Bedarf)
Die Kontrollstelle kann Honig- und Wachsproben entnehmen und auf Rueckstaende analysieren lassen. Dies geschieht in der Regel stichprobenartig oder bei Verdacht.
Kosten und Aufwand: Lohnt sich Bio?

Kosten der Bio-Zertifizierung
| Kostenfaktor | Einmalig/Jaehrlich | Circa-Betrag |
|---|---|---|
| Kontrollvertrag (Grundgebuehr) | Jaehrlich | 150-400 EUR |
| Kontrolle vor Ort (pro Besuch) | Jaehrlich | 100-250 EUR |
| Probenahme + Analyse | Bei Bedarf | 50-150 EUR pro Probe |
| Verbandsgebuehr (Bioland, Naturland, Demeter) | Jaehrlich | 100-300 EUR |
| Umstellung Styropor -> Holz (10 Voelker) | Einmalig | 500-2.000 EUR |
| Bio-Wachs (Mehrkostenr) | Jaehrlich | Ca. 2-5 EUR/kg mehr als konventionell |
| Bio-Futter (Mehrkostenr) | Jaehrlich | Ca. 20-40 % mehr als konventionell |
Einnahmen-Potenzial: Was bringt Bio?
| Produkt | Konventioneller Preis (ca.) | Bio-Preis (ca.) | Differenz |
|---|---|---|---|
| Bluetenhonig 500g (Direktverkauf) | 7-9 EUR | 10-14 EUR | +3-5 EUR |
| Waldhonig 500g (Direktverkauf) | 8-11 EUR | 12-16 EUR | +4-5 EUR |
| Sortenhonig 500g (Direktverkauf) | 9-12 EUR | 13-18 EUR | +4-6 EUR |
| Honig im Grosshandel (kg) | 5-8 EUR | 10-15 EUR | +5-7 EUR |
| Wabenhonig | 15-25 EUR | 25-40 EUR | +10-15 EUR |
Break-Even-Rechnung: Ab wann lohnt es sich?
Eine vereinfachte Beispielrechnung fuer einen Imker mit 20 Voelkern und 20 kg Honigertrag pro Volk:
- Jaehrliche Bio-Kosten: ca. 400 EUR (Kontrollgebuehren + Verband + Mehrkosten Wachs/Futter)
- Mehr-Umsatz durch Bio: 400 kg Honig x ca. 4 EUR Mehrpreis/500g = ca. 3.200 EUR Mehrumsatz
- Ergebnis: Bio lohnt sich deutlich -- schon ab wenigen Voelkern, wenn du den Honig im Direktverkauf absetzt
Der Preisaufschlag fuer Bio-Honig ist im Direktverkauf (Wochenmarkt, Ab-Hof, Online-Shop) am groessten. Im Grosshandel ist die Differenz geringer. Wenn du ohnehin direkt vermarktest und die Standortbedingungen stimmen, ist Bio-Zertifizierung fast immer wirtschaftlich sinnvoll.
Haeufige Fragen zur Bio-Imkerei
Bio-Imkerei ist keine Revolution, sondern eine konsequente Weiterentwicklung guter imkerlicher Praxis. Die meisten Anforderungen -- naturnahe Materialien, eigener Wachskreislauf, organische Saeuren -- sind Dinge, die viele engagierte Imker ohnehin praktizieren. Der Schritt zur Zertifizierung ist dann kleiner als gedacht.
Dr. Werner Muehlenehem. Leiter Imkerliche Fachberatung, Landwirtschaftskammer NRW
Zusammenfassung
Die Bio-Zertifizierung fuer Imker ist anspruchsvoll, aber machbar. Die wichtigsten Erkenntnisse:
- EU 2018/848 ist die Rechtsgrundlage -- sie gilt EU-weit einheitlich seit dem 1. Januar 2022
- Beutenmaterial: Nur Holz und natuerliche Materialien, kein Styropor
- Wachs: Nur Bio-Wachs oder eigenes Wachs, rueckstandsfrei
- Fuetterung: Nur Bio-Zucker oder Bio-Honig, nur nach der letzten Ernte
- Behandlung: Nur organische Saeuren und aetherische Oele, keine synthetischen Akarizide
- Standort: 3-km-Radius muss ueberwiegend oekologisch/naturnah sein
- Umstellungszeit: 12 Monate, dann Zertifizierung
- Verbaende (Demeter, Bioland, Naturland) sind strenger als EU-Bio, besonders Demeter
- Wirtschaftlich lohnt sich Bio meist bei Direktvermarktung -- Preisaufschlag 40-60 %
Welches Beutenmaterial ist in der Bio-Imkerei NICHT erlaubt?
Wie lange dauert die Umstellungszeit von konventionell auf Bio-Imkerei?
Welche Besonderheit gilt bei Demeter gegenueber EU-Bio in Bezug auf die Fuetterung?