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Nektar und Pollen: Was Bienen wirklich brauchen

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Nektar, Pollen und Honigtau verstehen: Zusammensetzung, Nektarsekretion, Sammelverhalten und Trachtbewertung für eine erfolgreiche Imkerei.

Nektar und Pollen: Was Bienen wirklich brauchen

Honigbiene sammelt Nektar an einer Bluete in Nahaufnahme
Die Symbiose zwischen Bluete und Biene ist das Ergebnis von über 100 Millionen Jahren gemeinsamer Evolution -- und die Grundlage jeder Imkerei.

Nektar, Pollen und Honigtau sind die drei Saeulen der Bienennahrung -- jede mit voellig anderer Bedeutung für das Bienenvolk. Wer diese Grundlagen versteht, kann Trachtangebote bewerten und seine Völker optimal fuehren.

3 Saeulen
der Bienennahrung: Nektar (Energie), Pollen (Eiweiss) und Honigtau (Mineralstoffe)

Was ist Nektar?

Nektar ist eine zuckerhaltige Fluessigkeit, die von speziellen Druesen der Pflanze -- den -- ausgeschieden wird. Er ist das zentrale Lockmittel der Pflanzen für ihre Bestaeuber und gleichzeitig die wichtigste Energiequelle für Honigbienen.

Zusammensetzung von Nektar

Saccharose-dominanter vs. Hexose-dominanter Nektar

Pflanzen unterscheiden sich grundlegend im Zuckerverhaeltnis ihres Nektars. Saccharose-dominante Nektare (z.B. Robinie, Weissklee) enthalten ueberwiegend Rohrzucker und werden von Bienen besonders gerne angeflogen. Hexose-dominante Nektare (z.B. Raps, Loewenzahn) enthalten mehr Glucose und Fructose -- der daraus entstehende Honig kristallisiert schneller. Manche Pflanzen wie die Linde bieten ein ausgewogenes Verhaeltnis.

Zuckerkonzentration und Attraktivitaet

Unter 15 % Zuckergehalt lohnt sich der Sammelaufwand nicht, über 70 % ist der Nektar zu zaehfluessig. Der optimale Bereich liegt bei 30-50 % -- hier stimmt das Verhaeltnis aus Energiedichte und Aufnehmbarkeit.

30-50 %
Zuckergehalt ist der optimale Bereich für die Nektaraufnahme durch Honigbienen

Was ist Honigtau?

Lindenbaum in voller Bluete
Die Linde liefert sowohl Bluetennektar als auch Honigtau. Waldhonig basiert ausschliesslich auf Honigtau.

ist das Ausscheidungsprodukt pflanzensaugender Insekten (Blatt-, Rindenlaeusen, Schildlaeusen, Zikaden) -- eine oft unterschaetzte zweite Zuckerquelle neben dem Bluetennektar.

Entstehung von Honigtau

  1. Pflanzensaft wird aufgenommen

    Blattlaeuse und Rindenlaeusen stechen mit ihrem Saugrussel in die Siebgefaesse (Phloem) von Baeumen und Strauchern. Sie entnehmen den zuckerreichen Pflanzensaft, der unter Druck steht.

  2. Aminosaeuren werden gefiltert

    Die Laeuse benoetigen primaer die Aminosaeuren im Pflanzensaft. Da der Saft aber zu ca. 90 % aus Zucker besteht, muessen sie grosse Mengen durchschleusen, um genug Eiweiss zu erhalten.

  3. Ueberschuesszucker wird ausgeschieden

    Der ueberschuessige, enzymveraenderte Zucker wird als klebrige Troepfchen ausgeschieden -- das ist der Honigtau. Er tropft auf darunterliegende Blaetter, Nadeln und andere Oberflaechen.

  4. Bienen sammeln den Honigtau

    Honigbienen erkennen die Honigtautropfen und sammeln sie gezielt auf. In guten Honigtaujahren kann die Tracht aus dem Wald ergiebiger sein als jede Bluetentracht.

Nektar vs. Honigtau: Der Vergleich

Zementhonig -- das Risiko des Honigtaus

Manche Honigtauarten enthalten hohe Anteile an Melezitose, einem Dreifachzucker, der im Honig extrem schnell kristallisiert -- so stark, dass der Honig in den Waben fest wird und sich nicht mehr schleudern laesst. Diesen sogenannten Zementhonig oder Betonhonig findet man besonders bei Tracht von der Fichtenrindenlaus (Cinara pilicornis). Imker in Waldgebieten sollten die Konsistenz regelmäßig pruefen.

Pollen: Die Eiweissquelle der Bienen

Biene mit gut sichtbaren Pollenhoeschen an den Hinterbeinen
Die leuchtenden Pollenhoeschen verraten, dass diese Sammlerin erfolgreich war. Die Farbe des Pollens variiert je nach Pflanzenart von weiss über gelb und orange bis violett.

Waehrend Nektar die Energiequelle (Kohlenhydrate) darstellt, ist Pollen die Eiweissquelle des Bienenvolkes. Ohne ausreichend Pollen kann ein Volk keine Brut aufziehen, keine Jungbienen versorgen und keine Winterbienen mit genuegend Fettkoerper produzieren.

Zusammensetzung von Pollen

Pollen ist ein erstaunlich naehrstoffreiches Naturprodukt:

  • Eiweiss (Protein): 10-35 % (Durchschnitt ca. 20 %) -- das sind mehr als in den meisten Getreidesorten
  • Aminosaeuren: Alle 10 für Bienen essentiellen Aminosaeuren (Arginin, Histidin, Isoleucin, Leucin, Lysin, Methionin, Phenylalanin, Threonin, Tryptophan, Valin)
  • Fette (Lipide): 1-14 % -- wichtig für die Fettkoerperbildung der Winterbienen
  • Vitamine: A, B-Komplex (B1, B2, B6, Niacin, Folsaeure, Pantothensaeure), C, D, E
  • Mineralstoffe: Kalium, Calcium, Magnesium, Eisen, Zink, Kupfer, Mangan
  • Kohlenhydrate: 15-40 % (Staerke und Zucker)
  • Wasser: 7-16 % (frischer Pollen bis 30 %)
20 % Protein
enthaelt Bienenpollen im Durchschnitt -- mehr als die meisten Getreidesorten

Pollenqualitaet: Nicht jeder Pollen ist gleich

Die Qualität des Pollens variiert enorm zwischen verschiedenen Pflanzenarten. Für die Bienengesundheit ist nicht nur die Menge, sondern vor allem der Proteingehalt und das Aminosaeureprofil entscheidend:

Pollendiversitaet ist entscheidend

Bienen mit Pollen von verschiedenen Pflanzenarten sind gesuender und leben laenger als bei Monopollen-Diaet. Landschaften mit hoher Pflanzenvielfalt foerdern die Bienengesundheit.

Wie Bienen Pollen sammeln

Die Sammlerin landet auf der Bluete, wobei elektrostatische Aufladung Pollenkoerner auf ihren Pelz zieht. Mit speziellen Buersten kaemmt sie den Pollen aus, feuchtet ihn mit Nektar an und presst ihn in die Pollenkoerbchen (Corbiculae) an den Hinterbeinen. Im Stock werden die Pollenhoeschen in Zellen nahe der Brut abgestreift und von Stockbienen zu Bienenbrot (Perga) fermentiert.

15-30 mg
wiegt ein einzelnes Pollenhoeschen -- für 1 kg Pollen braucht ein Volk etwa 60.000 Sammelausfluege

Nektarsekretion: Warum nicht jeder Tag gleich ist

Die Menge und Qualität des ausgeschiedenen Nektars hängt von zahlreichen Faktoren ab. Diese zu kennen ist für Imker essentiell, um Trachtperioden richtig einzuschaetzen:

Temperaturfaktor

Die Temperatur ist der wichtigste Einflussfaktor auf die Nektarsekretion:

  • Unter 10 Grad C: Kaum Nektarsekretion bei den meisten Pflanzen
  • 15-25 Grad C: Optimaler Bereich für die meisten mitteleuropaeischen Trachtpflanzen
  • Über 30 Grad C: Nektarsekretion nimmt oft ab (Trockenstress), manche Pflanzen stellen ein
  • Nachttemperatur: Warme Naechte (über 15 Grad C) foerdern die naechstaegige Nektarsekretion besonders
Die magische Kombination

Erfahrene Imker kennen die Formel: Warme Tage (20-28 Grad C) + warme Naechte (über 14 Grad C) + ausreichend Bodenfeuchtigkeit = starke Nektarsekretion. Diese Bedingungen treten in Deutschland typischerweise im Mai/Juni und oft nochmals im Juli auf. Trockenperioden mit heissen Tagen und kuehlen Naechten bremsen die Tracht dagegen drastisch.

Luftfeuchtigkeit

  • Hohe Luftfeuchtigkeit (60-80 %): Foerdert die Nektarsekretion, da die Pflanze weniger Wasser verliert
  • Niedrige Luftfeuchtigkeit (unter 40 %): Reduziert die Nektarmenge, erhoeht aber die Zuckerkonzentration
  • Nach Regen: Oft ein kurzer Nektarschub, wenn die Bodenfeuchtigkeit steigt

Boden- und Pflanzenfaktoren

Naehrstoffreiche, tiefgruendige Boeden mit guter Wasserhaltekapazitaet foerdern die Nektarproduktion (besonders Kalium und Phosphor). Staunasse Boeden hemmen sie trotz hoher Feuchtigkeit. Bei den Pflanzen selbst gilt: Junge Blueten produzieren mehr Nektar, alte Obstsorten sind oft ergiebiger als moderne, und sonnenbeschienene Blueten liefern mehr als beschattete.

Trachtbewertung: Nektarwert und Pollenwert

Gelb bluehendes Rapsfeld in voller Bluete
Raps ist in Deutschland die wichtigste Massentracht. Ein Hektar Raps kann bis zu 150 kg Honig liefern -- aber nicht jedes Jahr gleich viel.

In der Imker-Fachliteratur werden Trachtpflanzen standardmaessig mit einem Nektarwert und einem Pollenwert bewertet. Diese Skala hilft, den Trachtnutzen verschiedener Pflanzen schnell einzuschaetzen:

Die Bewertungsskala (1-4)

Nektarwert und Pollenwert separat betrachten

Manche Pflanzen sind hervorragende Nektarlieferanten, bieten aber kaum Pollen (z.B. Buchweizen). Andere sind reine Pollenspender ohne nennenswerten Nektar (z.B. Haselnuss, Mais). Für eine gute Bienenversorgung braucht es beides -- idealerweise gleichzeitig oder in enger zeitlicher Abfolge.

Was bedeutet "Massentracht"?

Der Begriff bezeichnet eine Trachtperiode, in der ein Volk taeglich 3-10 kg Gewichtszunahme verzeichnet -- manchmal sogar mehr. Typische Massentrachten in Deutschland:

  • Raps (April-Juni): Bis 8-10 kg/Tag bei optimalen Bedingungen
  • Robinie (Mai-Juni): Bis 6-8 kg/Tag, aber oft nur 10-14 Tage lang
  • Linde (Juni-Juli): Bis 5-8 kg/Tag, regional sehr unterschiedlich
  • Heidekraut (August-September): 2-5 kg/Tag, lang anhaltend
3-10 kg/Tag
Gewichtszunahme bei Massentracht -- eine Stockwaage macht diese Dynamik sichtbar

Laeppertracht: Die unterschaetzte Versorgung

Im Gegensatz zur Massentracht steht die -- eine kontinuierliche, aber geringe Nektarversorgung aus vielen verschiedenen Quellen. Die Gewichtszunahme liegt bei 0,2-1,5 kg pro Tag. Typische Laeppertracht-Situationen:

  • Mischwald mit verschiedenen Wildpflanzen
  • Hausgaerten und Parkanlagen mit Stauden
  • Feldraine und Strassenraender mit Wildblumen
  • Stadtgebiete mit vielfaeltigem Bluehangebot
Laeppertracht: Weniger Honig, gesuendere Bienen

Für die Bienengesundheit ist Laeppertracht enorm wertvoll: kontinuierliche Versorgung, stabile Brut, hohe Pollendiversitaet. Standorte mit guter Laeppertracht haben oft die niedrigsten Voelkerverluste.

Das Sammelverhalten der Honigbiene

Sammelbiene im Landeanflug auf eine Bluete
Eine Sammelbiene kann bis zu 80 mg Nektar pro Flug transportieren -- etwa die Haelfte ihres eigenen Koerpergewichts.

Der Sammelradius: Das Trachtnetz

Der typische Sammelradius betraegt 1-3 km (maximal 5 km, in Extremfaellen 10 km). Der bevorzugte Bereich liegt bei 1,5 km. Bei 3 km Radius umfasst das Sammelgebiet ca. 2.800 Hektar.

2.800 Hektar
umfasst das Sammelgebiet eines Bienenvolkes bei 3 km Flugradius

Arbeitsteilung beim Sammeln

Bienen spezialisieren sich: Nektarsammlerinnen tragen 40-80 mg pro Flug in der Honigblase, Pollensammlerinnen 15-30 mg in den Koerbchen, Wassersammlerinnen (bis 25 % bei Hitze) kuehlen den Stock, und Propolissammlerinnen (1-5 %) dichten ihn ab.

Bluetenstetigkeit

Einzelne Sammlerinnen bleiben waehrend eines Sammelzyklus einer einzigen Pflanzenart treu (). Das sichert die effektive Kreuzbestaeubung und ermoeglicht sortenreine Honige bei dominierender Massentracht.

Tracht im Jahreslauf: Der Ueberblick

Zusammenfassung: Die wichtigsten Grundlagen

Kernwissen Nektar und Pollen

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Wissenscheck

Praxis-Tipp: Massentracht mit der Stockwaage erleben

Die Unterschiede zwischen Massentracht und Laeppertracht werden mit einer Stockwaage greifbar: 8 kg Zunahme an einem Rapstag versus 0,5 kg an einem ruhigen Sommertag erzaehlen die ganze Geschichte. Im Kurs Hivekraft effektiv nutzen (Lektion 9: IoT-Sensoren) lernst du, wie du eine Stockwaage einrichtest und die Gewichtskurven richtig interpretierst.


In der naechsten Lektion tauchen wir ein in die Fruehjahrstracht -- von der Haselnuss als erstem Pollenlieferanten über die Weidenbluete bis zur grossen Rapstracht.

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