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Sommertracht: Linde, Robinie und Phacelia

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Die Sommertracht im Detail: Robinie, Linde, Phacelia, Edelkastanie und Waldtracht. Honigertrag, Honigtaubildung und Imkerpraxis für die ertragreichste Phase.

Sommertracht: Linde, Robinie und Phacelia

Lindenblueten in voller Pracht
Die Linde ist eine der maechtigsten Trachtpflanzen Europas. Ein einziger grosser Lindenbaum kann bis zu 60 kg Nektar produzieren -- und in manchen Jahren zusaetzlich Honigtau liefern.

Nach der Fruehjahrstracht aus Weide, Obstbluete und Raps beginnt die Sommertracht -- für viele Imker die ertragreichste Phase des Jahres. Robinie, Linde, Phacelia und die Waldtracht (Honigtau) liefern die grossen Honigernten, die das Imkerjahr wirtschaftlich tragen. Gleichzeitig beginnt in vielen Regionen ab Mitte Juli die gefuerchtete Sommertrachtluecke, die Imker und Bienen vor Herausforderungen stellt.

Juni-Juli
ist der ertragreichste Zeitraum der Sommertracht -- hier entscheidet sich die Jahresernte

Robinie (Robinia pseudoacacia) -- Der "Akazienhonig"

Die Robinie -- im Volksmund oft faelschlich als "Akazie" bezeichnet -- liefert einen der beliebtesten und teuersten Honige weltweit. Der Baum stammt urspruenglich aus Nordamerika und wurde im 17. Jahrhundert nach Europa eingefuehrt.

Steckbrief Robinie

MerkmalDaten
Wissenschaftlicher NameRobinia pseudoacacia (Gewoehnliche Robinie / Scheinakazie)
BluetezeitraumMai bis Juni (ca. 10-14 Tage, regional unterschiedlich)
Nektarwert4 (sehr gut -- kurzfristige Massentracht)
Pollenwert2 (maessig)
Zuckergehalt Nektar35-55 % (hoch, fructosedominant)
Honigertrag pro Baum8-20 kg bei gutem Wetter
Honigertrag pro Volk10-30 kg bei Wanderung
VerbreitungWaermegebiete, Stadtparks, Bahndaemme, Industriebrachen, Flussufer
Honigsorte"Akazienhonig" -- wasserklar, mild, bleibt lange fluessig
Weisse Robinienblueten in Trauben
Die weissen, duftenden Bluetentrauben der Robinie haengen wie Trauben herab und locken Bienen mit ihrem intensiven Duft an.

Akazienhonig: Ein Premiumprodukt

Robinienhonig (verkauft als "Akazienhonig") ist einer der wertvollsten Sortenhonige:

  • Farbe: Wasserklar bis strohgelb -- der hellste aller Honige
  • Geschmack: Sehr mild, zart blumig, fein sueß, ohne jede Herbe
  • Kristallisation: Bleibt extrem lange fluessig (hoher Fructoseanteil, niedriger Glucoseanteil) -- kann Jahre fluessig bleiben
  • Marktpreis: 12-20 EUR/500g im Einzelhandel (Premium)
  • Besonderheit: Beliebtester Honig für Tee und zum Kochen, da er geschmacksneutral suesst
Warum 'Akazienhonig' und nicht 'Robinienhonig'?

Obwohl der Honig von der Robinie (Robinia pseudoacacia) stammt und nicht von der echten Akazie (Acacia), hat sich der Name "Akazienhonig" international durchgesetzt und ist im Handel üblich. In der EU-Honigverordnung ist diese Bezeichnung ausdruecklich erlaubt, da sie auf einer langen Tradition beruht. Botanisch korrekt waere "Robinienhonig".

Die Tuecken der Robinientracht

Die Robinienbluete ist hochertragig, aber riskant für Wanderimker:

  • Kurze Bluetedauer: Nur 10-14 Tage -- wer zu spaet wandert, verpasst die Tracht
  • Wetterabhaengig: Regen und Wind waehrend der Bluete zerstoeren die empfindlichen Blueten
  • Spaetfrost-Risiko: Ein Spaetfrost im Mai kann die gesamte Bluetenknospen vernichten
  • Regional begrenzt: Robinien stehen vor allem in waermeren Gebieten (Rheintal, Brandenburg, Thueringen, Stadtgebiete)

Die Robinie ist die Koenigin der Wandertrachten -- und die launischste. In guten Jahren kannst du in zwei Wochen 30 kg pro Volk ernten. In schlechten Jahren stehst du mit 100 Völkern vor einem Robinienwald und holst nichts. Wer in die Robinie wandert, braucht Erfahrung, Kontakte und etwas Glueck.

Linde (Tilia sp.) -- Die Koenigin der Sommertracht

Honigbiene sammelt Nektar an einer Lindenbluete -- sichtbar die charakteristischen Tragblaetter und zahlreichen Staubgefaesse
Die Lindentracht im Juni/Juli ist eine der ergiebigsten Massentrachten -- die kleinen gelb-gruenen Blueten produzieren grossen Mengen aromatischen Nektars.

Die Linde ist in vielen Regionen Mitteleuropas die ertragreichste Einzeltrachtquelle ueberhaupt. Ein grosser Lindenbaum kann mehrere Hunderttausend bis ueber eine Million Blueten tragen und produziert gewaltige Nektarmengen.

Lindenarten im Vergleich

ArtBluetezeitraumNektarwertPollenwertNektareigenschaft
Winterlinde (T. cordata)Ende Juni - Mitte Juli42Fruchtbar, nektarreich, verlaesslich
Sommerlinde (T. platyphyllos)Mitte Juni - Anfang Juli42Etwas frueher, aehnlich ertragreich
Silberlinde (T. tomentosa)Juli - August3-42Spaetbluehend, Stadtbaum, umstritten wegen Hummelsterben
Hollaendische Linde (T. x europaea)Ende Juni - Juli42Kreuzung aus Winter- und Sommerlinde, haeufiger Alleenbaum
bis 60 kg
Nektar kann ein einzelner grosser Lindenbaum in guten Jahren produzieren

Lindenhonig: Charakter und Eigenart

Lindenhonig gehoert zu den charaktervollsten deutschen Sortenhonigen:

  • Farbe: Gelblich bis gruenlichgelb (frisch), nachdunkelnd
  • Geschmack: Intensiv, typisch "Lindenblüte", leicht mentholig-frisch mit wuerziger Note
  • Kristallisation: Mittelschnell, grobkoernig
  • Aroma: Unverwechselbar -- wer einmal echten Lindenhonig probiert hat, erkennt ihn sofort
Silberlinde und Hummelsterben

Unter Silberlinden (Tilia tomentosa) findet man im Sommer häufig tote oder sterbende Hummeln. Die Ursache ist umstritten: Frueher wurde ein Giftstoff im Nektar vermutet, neuere Forschung zeigt jedoch, dass die Hummeln wahrscheinlich an Erschoepfung und Nahrungsmangel sterben. Die Silberlinde bluet zu einem Zeitpunkt, an dem kaum andere Trachtquellen verfuegbar sind -- erschoepfte Hummeln finden keine Alternative und verhungern unter dem Baum. Für Honigbienen scheint die Silberlinde ungefaehrlich.

Linde und Honigtau: Die Doppeltracht

Das Besondere an der Linde ist, dass sie oft gleichzeitig Bluetennektar und Honigtau liefern kann. Lindenblattlaeuse (besonders Eucallipterus tiliae) produzieren Honigtau auf den Blaettern, waehrend die Blueten Nektar absondern. In solchen "Doppeltracht-Jahren" sind die Ertraege spektakulaer.

Phacelia (Phacelia tanacetifolia) -- Der Bienenfreund

Violettes Phacelia-Feld in voller Bluete
Phacelia traegt nicht umsonst den Beinamen 'Bienenfreund' -- die blauvioletten Blueten bieten über Wochen kontinuierlich Nektar und Pollen.

Phacelia, auch "Bienenfreund" oder "Bueschelschoen" genannt, ist eine der besten Bienenweidepflanzen ueberhaupt und wird zunehmend als Zwischenfrucht in der Landwirtschaft angebaut.

Steckbrief Phacelia

MerkmalDaten
Wissenschaftlicher NamePhacelia tanacetifolia (Rainfarnblaettrige Bueschelschoen)
BluetezeitraumJuni bis September (abhaengig von Aussaattermin)
Bluetedauer6-8 Wochen (lang!)
Nektarwert3-4 (gut bis sehr gut)
Pollenwert3 (gut)
Zuckergehalt Nektar25-45 %
Honigertrag pro Hektar200-500 kg (abhaengig von Bestand und Witterung)
BesonderheitLange Bluetedauer, ideal als Zwischenfrucht, Gruenduengung
Phacelia als Brueckentracht

Da Phacelia je nach Aussaattermin von Juni bis September bluehen kann, eignet sie sich hervorragend als Brueckentracht, um die gefuerchtete Sommertrachtluecke (Mitte Juli bis August) zu ueberbruecken. Wer Landwirte kennt, die Phacelia als Zwischenfrucht oder Gruenduengung anbauen, hat goldene Kontakte für seine Bienen.

Edelkastanie (Castanea sativa) -- Der wuerzige Einzelgaenger

Edelkastanienblueten
Die langen, cremeweissen Bluetenkaetzchen der Edelkastanie verbreiten einen intensiven, leicht schwefligen Duft -- nicht jedermanns Sache, aber ein Fest für die Bienen.

Steckbrief Edelkastanie

MerkmalDaten
Wissenschaftlicher NameCastanea sativa (Ess- oder Edelkastanie)
BluetezeitraumJuni bis Juli
Nektarwert3 (gut)
Pollenwert3 (gut)
HonigsorteEdelkastanienhonig -- dunkel, kraeftig, herb-aromatisch
VerbreitungWeinbauklima: Pfalz, Rheingau, Bergstrasse, Schwarzwald-Vorberge, Suedtirol
BesonderheitHonig bleibt lange fluessig, hoher Mineralstoffgehalt, herber Geschmack

Edelkastanienhonig ist ein Liebhaberhonig: Dunkel, kraeftig, leicht bitter-herb mit malzigen Noten. Nicht jeder mag ihn, aber Kenner schaetzen ihn sehr -- und er erzielt Premiumpreise (12-18 EUR/500g).

Weitere Sommertrachtpflanzen

Kornblume (Centaurea cyanus)

Blaue Kornblume mit Honigbiene in einem Weizenfeld
Die Kornblume -- frueher ein haeufiges 'Unkraut' in Getreidefeldern -- ist durch intensive Landwirtschaft selten geworden. Wo sie noch waechst, ist sie eine wertvolle Bienentracht.
  • Bluetezeitraum: Juni-August
  • Nektarwert: 2-3, Pollenwert: 2
  • Besonderheit: Durch Herbizideinsatz stark zurueckgegangen, heute vor allem in Bluehstreifen und auf Öko-Aeckern

Weissklee (Trifolium repens)

  • Bluetezeitraum: Juni-September
  • Nektarwert: 3, Pollenwert: 2
  • Besonderheit: Wichtige Laeppertracht auf Wiesen und Weiden, benoetigt ausreichend Feuchtigkeit. Weisskleehonig ist mild und beliebt.

Rotklee (Trifolium pratense)

  • Bluetezeitraum: Juni-August
  • Nektarwert: 1-2 (für Honigbienen kaum nutzbar), Pollenwert: 2 (für Honigbienen eingeschraenkt zugaenglich)
  • Besonderheit: Die Bluetenroehren (9-10 mm) sind für den Ruessel der Honigbiene (6-6,5 mm) zu lang -- Rotklee ist daher primaer eine Hummeltracht, nicht fuer Honigbienen. Bei der zweiten Mahd (kuerzere Roehren) oder kurzrohrigen Sorten koennen Honigbienen teilweise profitieren.

Sonnenblume (Helianthus annuus)

  • Bluetezeitraum: Juli-August
  • Nektarwert: 2-3, Pollenwert: 3
  • Zuckergehalt Nektar: 25-40 %
  • Besonderheit: Nektarsekretion stark sortenabhaengig -- alte Sorten sind ergiebiger als moderne Hybriden. Sonnenblumenhonig kristallisiert schnell.

Waldtracht: Honigtau von Fichte, Tanne und Eiche

Waldhonig: Charakter und Besonderheiten

EigenschaftWaldhonig (Honigtau)Bluetenhonig (zum Vergleich)
FarbeDunkelbraun bis fast schwarzHell bis mittelbraun
GeschmackKraeftig, malzig, wuerzig, karamelligMild bis aromatisch, blumig
KristallisationLangsam (hoher Fructose-Anteil)Schnell bis mittel
MineralstoffgehaltHoch (bis 1 %)Gering (ca. 0,1-0,3 %)
EnzymaktivitaetHoch (Diastasezahl oft über 20)Niedrig bis mittel
Elektrische LeitfaehigkeitÜber 0,8 mS/cm (Analysemerkmal!)Unter 0,8 mS/cm
Preis (500g, Imker-Direktvermarktung)10-15 EUR8-12 EUR
0,8 mS/cm
elektrische Leitfaehigkeit ist der Grenzwert -- darüber gilt Honig als Honigtauhonig oder Waldhonig
Zementhonig erkennen und handeln

Zementhonig (auch Betonhonig oder Melezitosehonig) entsteht, wenn der Honigtau einen hohen Anteil an Melezitose enthaelt (besonders bei der Grossen Fichtenrindenlaus). Dieser Dreifachzucker kristallisiert so schnell und fest, dass der Honig in den Waben steinhart wird.

Erkennungsmerkmale: Waben fühlen sich schwer an, der Honig laesst sich beim Entdeckeln nicht schleudern, weisslich-harte Masse in den Zellen.

Massnahmen: Sofort handeln! Waben einschmelzen und als Bienenfutter (aufgeloest) oder Wachs verwerten. Vorbeugen: Bei Fichtenwald-Standorten regelmäßig kleine Honigproben auf der Zunge testen -- sandige Konsistenz deutet auf Melezitose hin.

Wichtige Waldtracht-Regionen Deutschlands

RegionHauptbaumartHonigtau-ErzeugerHonigqualitaet
SchwarzwaldWeisstanne, FichteGrüne TannenhoniglausHervorragend (Schwarzwaelder Tannenhonig, begehrte Spezialitaet)
Schwäbische AlbFichte, BucheVerschiedene RindenläuseGut, manchmal Melezitose-Problematik
Bayerischer WaldFichte, TanneFichtenrindenläuseGut bis sehr gut
SpessartEiche, BucheEichennapfschildlausWuerzig, dunkel, mild
Thueringer WaldFichteFichtenrindenläuseRegional, Melezitose möglich

Die Sommertrachtluecke: Problem und Loesungen

Ab Mitte Juli tritt in vielen deutschen Regionen eine Trachtluecke auf: Die Fruehjahrs- und Frühsommertracht ist vorbei, die Spaetsommertracht hat noch nicht begonnen. Für Bienenvoelker und Imker ist diese Phase kritisch.

Ursachen der Trachtluecke

  • Intensivlandwirtschaft: Grosse Monokulturen (Getreide) bieten nach der Ernte keinerlei Nahrung
  • Mahd von Wiesen: Bluehende Wiesen werden vor der Samenreife gemaet
  • Trockenheit: In heissen Sommern vertrocknen viele Blueten und stellen die Nektarproduktion ein
  • Geringes Bluehangebot: Zwischen Linde (Ende) und Heide/Spaetbluehern klafft oft eine Luecke von 3-6 Wochen

Folgen für die Bienen

Auswirkungen der Sommertrachtluecke auf Bienenvoelker

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Strategien gegen die Trachtluecke

Für Imker: Rechtzeitig nach der letzten Ernte mit der Einfuetterung beginnen (nicht bis September warten!), Honigraum abnehmen, um Raeubereirisiko zu reduzieren.

Für die Landschaft: Spaetbluehende Pflanzen foerdern (Phacelia, Buchweizen, Balsamine), Bluehstreifen mit gestaffelter Bluetezeit anlegen, Kontakt zu Landwirten suchen.

Zusammenfassung

Kernwissen Sommertracht

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Wissenscheck

Warum bleibt Robinienhonig ('Akazienhonig') so lange fluessig?
Was ist Zementhonig und wodurch entsteht er?
Welches Analysemerkmal unterscheidet Waldhonig (Honigtauhonig) von Bluetenhonig?
Praxis-Tipp: Ernte und Etiketten digital verwalten

Wenn die Sommertracht eingefahren ist, geht es ans Schleudern, Abfuellen und Etikettieren. Im Kurs Hivekraft effektiv nutzen (Lektion 5: Ernte und Etiketten) lernst du, wie du Ernten digital dokumentierst, Chargen verwaltest und QR-Code-Etiketten erstellst, über die deine Kunden die Herkunft ihres Honigs zurueckverfolgen koennen.


In der naechsten Lektion geht es um die Spaetsommertracht: Heidehonig, Buchweizen und die letzte Pollenquelle des Jahres -- den Efeu.

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