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Spaetsommer und Herbst: Heide, Sonnenblume und Buchweizen

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Spaetsommertracht für Bienen: Besenheide und Presshonig, Sonnenblume, Buchweizen, Springkraut und Efeu als letzte Pollenquelle vor dem Winter.

Spaetsommer und Herbst: Heide, Sonnenblume und Buchweizen

Bienenstand in bluehender Heide auf einer Moorlandschaft
Die Heidelandschaft der Lueneburger Heide im August -- eines der letzten grossen Trachtgebiete Deutschlands und Heimat des legendaeren Heidehonigs.

Die Spaetsommertracht (Juli bis Oktober) ist für Bienenvoelker von doppelter Bedeutung: Sie liefert die letzten grossen Honigernten des Jahres und -- noch wichtiger -- sie versorgt die Völker waehrend der Aufzucht der Winterbienen. Die Qualität der Spaettracht entscheidet direkt über die Ueberwinterungsfaehigkeit eines Volkes.

In dieser Lektion lernst du die wichtigsten Spaetsommer-Trachtpflanzen kennen, darunter die legendaere Heide mit ihrem einzigartigen Presshonig.

August-September
ist die kritische Phase: Jetzt werden die Winterbienen aufgezogen, die das Volk bis zum naechsten Fruehjahr tragen muessen

Besenheide (Calluna vulgaris) -- Der Honig, den man pressen muss

Die Besenheide ist eine der faszinierendsten Trachtpflanzen der deutschen Imkerei. Ihr Honig hat Eigenschaften, die ihn von allen anderen Honigen grundlegend unterscheiden -- und die eine voellig andere Erntemethode erfordern.

Steckbrief Besenheide

MerkmalDaten
Wissenschaftlicher NameCalluna vulgaris (Besenheide / Heidekraut)
BluetezeitraumAugust bis September (4-6 Wochen)
Nektarwert3-4 (gut bis sehr gut)
Pollenwert2 (maessig)
Zuckergehalt Nektar25-45 %
Honigertrag pro Volk5-20 kg (stark witterungsabhaengig)
HauptregionenLueneburger Heide, Holsteinische Geest, Emsland, Teutoburger Wald
BesonderheitThixotroper Honig -- geliert im Ruhezustand, wird beim Ruehren fluessig
Magazinbeuten zwischen bluehendem Heidekraut in der Lueneburger Heide
Wanderimkerei zur Heidetracht: Die Calluna-Heide blueht von August bis September und liefert den charakteristisch wuerzigen, geleeartigen Heidehonig.

Die Besonderheit: Thixotroper Honig

Heidehonig hat eine einzigartige physikalische Eigenschaft: Er ist . Das bedeutet:

  • Im Ruhezustand: Der Honig ist gelartig fest -- wie ein Pudding
  • Beim Ruehren/Schuetteln: Er wird voruebergehend fluessig
  • Nach dem Ruehren: Er kehrt langsam in den Gel-Zustand zurueck

Diese Eigenschaft macht normales Schleudern unmoeglich. Der gelartige Honig wird durch die Zentrifugalkraft nicht aus den Zellen geschleudert. Daher muss Heidehonig auf eine der folgenden Arten gewonnen werden:

  1. Methode 1: Presshonig (traditionell)

    Die honigvollen Waben werden zerkleinert und in einer Honigpresse (Spindelpresse oder Korbpresse) ausgepresst. Der Presshonig enthaelt etwas mehr Wachs und Pollenbestandteile als geschleuderter Honig. Deklaration: Muss als "Presshonig" gekennzeichnet werden (Honigverordnung).

  2. Methode 2: Stippling + Schleudern

    Die verdeckelten Waben werden mit einem speziellen Geraet (Heidehonig-Stippler / Locheisen) perforiert -- hunderte kleine Loecher durchbrechen die Gel-Struktur. Danach kann der Honig in der Schleuder gewonnen werden, allerdings nur bei hoher Drehzahl.

  3. Methode 3: Aufloesen und Schleudern

    Die Waben werden kurz bei ca. 35-40 Grad C erwaermt, um die Thixotropie voruebergehend aufzuloesen. Dann schnell schleudern. Diese Methode ist umstritten, da die Erwaermung Enzyme schaedigen kann.

Warum ist Heidehonig thixotrop?

Die Gelstruktur des Heidehonigs wird durch einen ungewoehnlich hohen Gehalt an Eiweisssubstanzen (ca. 1-2 % Protein) verursacht. Diese Proteine bilden ein dreidimensionales Netzwerk, das den Honig im Ruhezustand geliert. Andere Honige enthalten nur ca. 0,1-0,4 % Protein. Ausserdem enthaelt Heidehonig viele Luftblaeschen, die zur cremig-gelatinoesen Konsistenz beitragen.

Heidehonig: Charakter und Wert

  • Farbe: Bernsteinfarben bis rotbraun, oft trueb durch Lufteinschluesse
  • Geschmack: Kraeftig-aromatisch, wuerzig, leicht herbe Note, intensiver Nachgeschmack
  • Konsistenz: Geliert (thixotrop), im Glas streichfest
  • Preis: 15-25 EUR/500g (einer der teuersten deutschen Sortenhonige)
  • Tradition: Heidehonig aus der Lueneburger Heide ist ein traditionsreiches Premiumprodukt
15-25 EUR
kostet 500g echter Heidehonig im Direktverkauf -- ein Spitzenpreis unter den deutschen Sortenhonigen

Die Wanderung in die Heide ist kein garantierter Erfolg. Es braucht warme Tage über 20 Grad, kuehle Naechte und keine Trockenheit. In guten Jahren holen wir 20 kg pro Volk, in schlechten Jahren fahren wir leer nach Hause. Aber der Geschmack eines echten Heidehonigs -- das ist es wert.

Heidewanderung: Praktische Hinweise

Checkliste für die Heidewanderung

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Sonnenblume (Helianthus annuus)

Bienen auf Sonnenblumen
Sonnenblumenfelder sind ein spektakulaerer Anblick -- für Bienen ist die Tracht aber sortenabhaengig und nicht immer so ergiebig wie sie aussieht.

Steckbrief Sonnenblume

MerkmalDaten
Wissenschaftlicher NameHelianthus annuus (Gewoehnliche Sonnenblume)
BluetezeitraumJuli bis August
Nektarwert2-3 (stark sortenabhaengig!)
Pollenwert3 (gut)
Zuckergehalt Nektar30-50 %
Honigertrag pro Hektar30-80 kg (bei nektarreichen Sorten)
Anbauflaeche DEca. 50.000-65.000 Hektar (seit 2022 stark gestiegen)
BesonderheitModerne Hybridsorten oft nektararm -- alte Sorten besser für Bienen
Sortenunterschiede beachten

Nicht jede Sonnenblume ist eine gute Bienentracht. Moderne Hybridsorten, die auf maximalen Oelertrag gezuechtet wurden, produzieren oft deutlich weniger Nektar als aeltere, bienenfreundliche Sorten. Pollenlose Sorten (für Schnittblumen) sind für Bienen voellig wertlos. Bei der Zusammenarbeit mit Landwirten lohnt es sich, auf bienenfreundliche Sorten hinzuweisen.

Sonnenblumenhonig

  • Farbe: Leuchtend gelb bis goldgelb
  • Geschmack: Mild, fruchtig, leicht saeuerlich
  • Kristallisation: Schnell und grobkoernig (hoher Glucoseanteil)
  • Besonderheit: Typischer Spaetsommerhonig, in Deutschland eher selten sortenrein

Buchweizen (Fagopyrum esculentum) -- Der dunkle Exot

Bluehendes Buchweizenfeld mit rosa-weissen Blueten und Honigbienen
Buchweizen ist eine Wiederentdeckung -- sowohl als Trachtpflanze für Bienen als auch als glutenfreies Lebensmittel. Die rosa-weissen Blueten oeffnen sich jeweils nur für einen Tag.

Buchweizen gehoert botanisch nicht zu den Getreidearten (sondern zu den Knoeterichgewaechsen), wird aber aehnlich genutzt. Für die Imkerei ist er eine wertvolle Spaetsommertracht.

Steckbrief Buchweizen

MerkmalDaten
Wissenschaftlicher NameFagopyrum esculentum (Echter Buchweizen)
BluetezeitraumJuli bis September (6-8 Wochen)
Nektarwert3-4 (gut bis sehr gut)
Pollenwert1-2 (gering)
Zuckergehalt Nektar30-50 %
Honigertrag pro Hektar50-150 kg
Anbauflaeche DEca. 5.000-8.000 Hektar (zunehmend)
BesonderheitNektarsekretion nur morgens (6-12 Uhr!), dunkler, kraeftiger Honig

Buchweizenhonig: Der Geheimtipp

Buchweizenhonig ist in Deutschland noch relativ unbekannt, aber in Osteuropa (Polen, Russland) und Nordamerika ein geschaetzter Sortenhonig:

  • Farbe: Dunkelbraun bis fast schwarz -- einer der dunkelsten Honige ueberhaupt
  • Geschmack: Sehr kraeftig, malzig, leicht herb, an Karamell und Melasse erinnernd
  • Kristallisation: Mittelschnell
  • Gesundheit: Wissenschaftliche Studien (z.B. University of Illinois, 2004) zeigen, dass dunkle Honige wie Buchweizenhonig einen besonders hohen Antioxidantiengehalt haben
Buchweizen für die Bienenweide

Buchweizen ist eine hervorragende Pflanze für Bienenweide-Projekte: Er keimt schnell (5-7 Tage), bluet nach 4-6 Wochen und ist als Zwischenfrucht landwirtschaftlich nuetzlich (Bodenverbesserung, Unkrautunterdrueckung). Aussaat im Juni liefert Bluete von Juli bis September -- genau in der Trachtluecke!

Springkraut (Impatiens glandulifera) -- Die umstrittene Spaettracht

Das Druesige Springkraut (auch Himalaya-Balsamine oder "Indianerbalsam") ist eine der kontroversesten Trachtpflanzen Deutschlands.

Steckbrief Springkraut

MerkmalDaten
Wissenschaftlicher NameImpatiens glandulifera (Druesiges Springkraut)
BluetezeitraumJuli bis Oktober (sehr lang!)
Nektarwert3-4 (sehr gut!)
Pollenwert2 (maessig)
Zuckergehalt Nektar40-60 % (hoch!)
Nektarmenge pro BlueteBis 5 mg (sehr viel für eine Krautpflanze)
HerkunftHimalaya -- 1839 aus Kaschmir nach England eingefuehrt, seitdem invasiver Neophyt in Europa
StandortFlussufer, feuchte Standorte, Waldraender, Brachflaechen

Die Kontroverse: Invasiver Neophyt vs. wertvolle Bienentracht

Pro (Trachtpflanze)Contra (Naturschutz)
Hervorragender Nektarlieferant in der TrachtlueckeVerdraengt heimische Uferpflanzen durch massenhaftes Auftreten
Sehr lange Bluetedauer (Juli-Oktober)Bildet dichte Monokulturbestaende an Gewaessern
Wird von Honigbienen UND Wildbienen intensiv besuchtAbsterben im Herbst hinterlaesst nackte Uferboeschungen (Erosionsgefahr)
Keine Pflege oder Aussaat noetig (waechst von allein)Gilt als invasiver Neophyt, EU-Verordnung fordert Bekämpfung
Milde aromatischer Honig, gut vermarktbarKonkurriert mit heimischen Pflanzen um Bestaeuber
Pragmatische Position

In der Praxis ist das Springkraut in vielen Gebieten nicht mehr auszurotten. Wo es steht, liefert es wertvolle Spaettracht. Aktiv aussaeen oder foerdern sollte man es aber nicht -- stattdessen heimische Alternativen pflanzen. Die meisten Naturschutzbehoerden sehen das aehnlich: Bekaempfen wo sinnvoll, aber nicht um jeden Preis.

Efeu (Hedera helix) -- Die letzte Pollenquelle

Bluehender Efeu mit gruengelben Bluetendolden im Herbst
Die unscheinbaren, gruengelben Blueten des Efeus oeffnen sich erst im September/Oktober -- und sind dann die letzte grosse Pollenquelle vor dem Winter.

Efeu ist eine der wichtigsten Herbsttrachtpflanzen und wird von vielen Imkern in seiner Bedeutung unterschaetzt. Als letzte grosse Nektar- und Pollenquelle des Jahres hat er eine Schluesselfunktion für die Einwinterung.

Steckbrief Efeu

MerkmalDaten
Wissenschaftlicher NameHedera helix (Gewoehnlicher Efeu)
BluetezeitraumSeptember bis Oktober (manchmal bis November)
Nektarwert2-3 (maessig bis gut)
Pollenwert3 (gut -- wichtig als letzte grosse Pollenquelle!)
PollenfarbeGraugruen bis graugelb
BesonderheitNur alte, bluehfaehige Pflanzen (Altersform ab ca. 8-10 Jahren) bilden Blueten
VerbreitungUeberall in Deutschland, Mauern, Baeume, Hecken, Waldraender
Efeu-Honig: Vorsicht beim Schleudern!

Efeu-Nektar hat einen sehr hohen Glucoseanteil und kristallisiert extrem schnell -- aehnlich wie Rapshonig, aber noch schneller. Wenn Bienen Efeu-Honig als Wintervorrat einlagern, kann er in den Waben fest werden und ist für die Bienen im Winter schwer zu loesen. In efeustarken Gebieten sollte man die Völker nach der Efeu-Tracht deshalb frueh einfuettern und darauf achten, dass ausreichend Zuckerwasser als leicht verfuegbarer Wintervorrat vorhanden ist.

Bedeutung des Efeus für die Ueberwinterung

Die Efeu-Tracht hat eine besondere strategische Bedeutung:

  • Letzter Pollen: Efeu liefert oft den letzten hochwertigen Pollen vor dem Winter. Dieser Pollen ist wichtig für die Fertigstellung der Winterbienenaufzucht.
  • Fettkoerper: Der Efeupollen traegt zur letzten Aufladung des Fettkoerpers der Winterbienen bei (Vitellogenin-Produktion).
  • Brutimpuls: Die spaete Tracht kann einen letzten Brutimpuls ausloesen -- das kann positiv (mehr Winterbienen) oder negativ (zu spaete Brut, Varroa-Problem) sein.

Weitere Spaetsommer-Trachtpflanzen

Herbstaster (Aster sp.)

  • Bluetezeitraum: September-Oktober
  • Nektarwert: 2, Pollenwert: 2
  • Besonderheit: In Gaerten und Parks eine der letzten Nektarquellen, besonders Glattblatt-Aster (A. novi-belgii) und Raublatt-Aster (A. novae-angliae)

Goldrute (Solidago sp.)

  • Bluetezeitraum: August-Oktober
  • Nektarwert: 2-3, Pollenwert: 2
  • Besonderheit: Invasiver Neophyt (wie Springkraut), aber wertvolle Spaettracht in Brachflaechen

Fetthenne (Sedum sp.)

  • Bluetezeitraum: August-Oktober
  • Nektarwert: 2-3, Pollenwert: 1
  • Besonderheit: Besonders in Gaerten und auf Gruendaechern eine zuverlaessige Spaetnektarquelle

Bienenbaum / Samthaarige Stinkesche (Tetradium daniellii)

  • Bluetezeitraum: Juli-August
  • Nektarwert: 4 (ausgezeichnet!), Pollenwert: 3
  • Besonderheit: Aus Ostasien stammender Zierbaum, der als "perfekte Bienenweide" gilt. Intensive Nektarproduktion, lange Bluetedauer, winterhart bis ca. -20 Grad C. Wird zunehmend von Imkern und in oeffentlichen Pflanzungen eingesetzt.
Juli-August
blueht der Bienenbaum (Tetradium daniellii) -- genau in der Trachtluecke, mit Nektarwert 4

Der Spaetsommer aus Imkersicht

  1. Juli

    Trachtluecke beginnt

    Nach dem Ende der Lindenbluete entsteht in vielen Regionen eine Trachtluecke. Sonnenblumen und Buchweizen koennen ueberbruecken. Sommerbehandlung gegen Varroa beginnt!

  2. August

    Heide und letzte Ernte

    Heidewanderung für Spezialisten. Letzte Honigernte des Jahres. Einfuetterung beginnen! Winterbienenaufzucht im vollen Gang.

  3. September

    Efeu und Einwinterung

    Efeu als letzte grosse Tracht. Einfuetterung abschliessen (Ziel: 15-20 kg Wintervorrat). Weiselkontrolle -- weisellose Völker jetzt vereinigen.

  4. Oktober

    Saison endet

    Letzte Efeu-Tracht bei mildem Wetter. Maeuseschutz anbringen. Völker in Ruhe lassen. Vorbereitung auf die Winterbehandlung (brutfreie Phase abwarten).

Einfuetterung nicht verzoegern!

Nach der letzten Ernte muss die Einfuetterung sofort beginnen -- idealerweise bis Ende August abgeschlossen sein. Grund: Die Bienen muessen den Zucker noch bei warmem Wetter umarbeiten (invertieren, trocknen, einlagern). Zu spaete Fuetterung bedeutet: Winterbienen muessen Futterverarbeitung leisten und werden dabei verbraucht. Das verkuerzt ihre Lebensdauer und gefaehrdet die Ueberwinterung.

Zusammenfassung

Kernwissen Spaetsommertracht

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Wissenscheck

Warum kann Heidehonig nicht normal geschleudert werden?
Warum ist der Efeu als Herbsttrachtpflanze so bedeutend?
Bis wann sollte die Einfuetterung nach der letzten Ernte idealerweise abgeschlossen sein?
Praxis-Tipp: Varroa-Behandlung lueckenlos dokumentieren

Der Spaetsommer ist die Zeit der Varroa-Behandlung. Im Kurs Hivekraft effektiv nutzen (Lektion 4: Varroa-Dashboard und Lektion 6: Bestandsbuch) lernst du, wie du Befallswerte trackst, Schwellenwerte interpretierst und die EU-konforme Dokumentation automatisch erledigen laesst.


In der naechsten Lektion lernst du, wie du selbst eine Bienenweide anlegen kannst -- mit den richtigen Saatgutmischungen, Pflanzplaenen und praktischen Tipps für jedes Budget.

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