Imkerei im Norden: Heide, Raps und Küstenklima
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Imkerei im Norden: Heide, Raps und Küstenklima

9 minVon Hivekraft Redaktion
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Imkern in Norddeutschland: Von der Lüneburger Heide über die Rapsfelder bis zur Küste. Trachten, Wind und die Besonderheiten der norddeutschen Imkerei.

Norddeutschland — das ist die weite Landschaft zwischen Nordsee und Ostsee, die endlosen Rapsfelder Schleswig-Holsteins, die mystische Lüneburger Heide und die windgepeitschten Deiche Ostfrieslands. Für Imker bietet diese Region einzigartige Chancen und ebenso spezielle Herausforderungen. Wer hier erfolgreich imkern will, braucht Wissen über das Küstenklima, die norddeutschen Trachten und die richtige Strategie für Wind und Wetter.

Bienenstöcke am Rand eines gelben Rapsfelds
Rapsfelder soweit das Auge reicht — Norddeutschland ist das Rapsimkerland Nummer eins

Die norddeutsche Imkerei-Landschaft

Norddeutschland umfasst die Bundesländer Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Bremen sowie Teile Brandenburgs. Die Landschaft ist überwiegend flach, von Landwirtschaft geprägt und bietet ein maritimes bis gemäßigt-kontinentales Klima.

~630.000 ha
Rapsanbaufläche in Deutschland — der Großteil davon im Norden

Was den Norden für Imker besonders macht

  • Raps: Die mit Abstand wichtigste Einzeltracht in Deutschland — und der Norden ist das Zentrum
  • Heide: Die Lüneburger Heide bietet eine der exklusivsten Honigsorten überhaupt
  • Küstenklima: Mild, aber windig — Bienen und Imker brauchen spezielle Strategien
  • Wanderimkerei-Tradition: Norddeutsche Imker wandern seit Jahrhunderten mit ihren Völkern
  • Große Betriebe: Im Norden gibt es überproportional viele Erwerbsimker mit 100+ Völkern

Die großen Trachten des Nordens

Raps: Das gelbe Gold

Raps (Brassica napus) ist die Leittracht Norddeutschlands. Besonders in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und dem nördlichen Niedersachsen blühen im April und Mai die Felder in leuchtendem Gelb. Für Imker bedeutet das:

Vorteile der Rapstracht:

  • Extrem ergiebig: 20–40 kg Honig pro Volk in guter Saison
  • Zuverlässig: Raps blüht fast jedes Jahr reichlich
  • Frühe Ernte: Bereits Ende Mai kann geschleudert werden

Herausforderungen:

  • Schnelle Kristallisation: Rapshonig hat einen hohen Glucoseanteil und kristallisiert innerhalb von Tagen bis Wochen. Wer nicht rechtzeitig schleudert, riskiert festen Honig in den Waben.
  • Pflanzenschutzmittel: Raps wird intensiv behandelt — Abstimmung mit Landwirten ist essenziell
  • Monotracht: Reiner Rapshonig kann geschmacklich recht eintönig sein
Zeitkritisch: Rapshonig schleudern

Rapshonig muss spätestens 3–4 Tage nach dem Ende der Rapstracht geschleudert werden. Danach beginnt er in den Waben zu kristallisieren und lässt sich nicht mehr vollständig schleudern. Kontrolliere regelmäßig den Wassergehalt mit einem Refraktometer — unter 18 % ist ideal.

Lüneburger Heide: Heidehonig — die Krone der norddeutschen Imkerei

Die Besenheide (Calluna vulgaris) blüht im August und September in der Lüneburger Heide und verwandelt die Landschaft in ein violettes Meer. Heidehonig ist eine der exklusivsten und teuersten Honigsorten Deutschlands.

Violette Heidelandschaft bis zum Horizont
Die Lüneburger Heide in voller Blüte — ein Paradies für Wanderimker

Was Heidehonig so besonders macht:

  • Konsistenz: Gelée-artig, thixotrop — wird beim Rühren flüssig, setzt sich wieder
  • Geschmack: Kräftig-würzig, leicht bitter, malzig
  • Farbe: Bernstein bis dunkelbraun
  • Preis: 15–25 EUR pro 500g-Glas — deutlich über dem Durchschnitt
  • Ernte: Kann nicht geschleudert werden, sondern wird mit dem Heidehonig-Presser (Stipper) gewonnen oder gestippt
  1. Wanderung vorbereiten (Juli)

    Kontaktiere rechtzeitig die Heideflächenbesitzer oder den lokalen Imkerverein. Wanderplätze in der Heide sind begehrt und müssen oft Monate im Voraus reserviert werden. Die Lüneburger Heide ist als Naturpark geschützt — informiere dich über Genehmigungen.

  2. Völker vorbereiten

    Nur starke Völker mit mindestens 30.000 Bienen eignen sich für die Heidetracht. Schwache Völker verhungern, weil die Heide zwar Nektar, aber kaum Pollen bietet. Füttere vorher eiweißreich (Pollenwaben) und stelle sicher, dass die Völker brutfreudig sind.

  3. Anwanderung (Mitte August)

    Transportiere die Völker abends, wenn alle Bienen im Stock sind. Die Heide blüht typischerweise von Mitte August bis Mitte September — die genaue Blütezeit hängt von Temperatur und Niederschlag ab.

  4. Ernte (September)

    Heidehonig ist thixotrop und kann nicht klassisch geschleudert werden. Verwende einen Heidehonig-Presser oder die traditionelle „Stipp"-Methode: Mit einem Nagelbrett werden die Wabenzellen aufgestochen, dann wird der Honig durch Pressen gewonnen.

Weitere wichtige Trachten

Obstblüte (April–Mai): Das Alte Land bei Hamburg ist Europas größtes zusammenhängendes Obstanbaugebiet. Kirschen, Äpfel und Birnen bieten eine zuverlässige Frühtracht.

Linde (Juni–Juli): In den Städten Hamburg, Lübeck, Hannover und Rostock stehen große Lindenbestände. Lindenhonig aus dem Norden ist hell, frisch-minzig und sehr begehrt.

Phacelia und Senf (Sommer): Als Zwischenfrüchte in der Landwirtschaft bieten diese Pflanzen eine willkommene Sommertracht, besonders in Mecklenburg-Vorpommern.

Buchweizen (Juli–August): In einigen Regionen Niedersachsens wird Buchweizen angebaut. Der daraus gewonnene Honig ist dunkel, kräftig und hat ein charakteristisches, leicht herbes Aroma.

Das Küstenklima: Fluch und Segen

Wind — der ständige Begleiter

An der Nord- und Ostseeküste ist Wind der dominierende klimatische Faktor. Für Bienen und Imker bedeutet das:

FaktorAuswirkung auf BienenLösung

Standortwahl an der Küste

Die Standortwahl ist in Norddeutschland besonders wichtig. Ein guter Standort an der Küste bietet:

  • Windschutz: Hecken, Knicks (typisch schleswig-holsteinische Wallhecken), Gebäude
  • Südausrichtung: Fluglöcher nach Süden oder Südosten
  • Drainage: Norddeutsche Böden können staunass sein — erhöhte Aufstellung schützt
  • Vielfältige Tracht: Mischung aus Obstbäumen, Wildblumen und landwirtschaftlichen Kulturen
Knicks als Bienenparadies

Die typisch schleswig-holsteinischen Knicks (Wallhecken) sind wahre Schatzkammern für Bienen. Auf wenigen Metern finden sich Weißdorn, Schlehe, Holunder, Haselnuss und Brombeere — ein Blüten-Buffet von Februar bis September. Platziere deine Beuten möglichst in der Nähe solcher Knicks.

Die Wanderimkerei-Tradition des Nordens

Norddeutschland hat eine lange Wanderimkerei-Tradition, die eng mit dem Heideimkern verbunden ist. Seit Jahrhunderten transportieren Imker ihre Bienen im Spätsommer in die Heide — früher auf Karren, heute auf Anhängern.

Typischer Wanderplan eines norddeutschen Imkers

  1. März–April: Heimatstand — Obstblüte und Frühblüher
  2. Mai–Juni: Wanderung zum Raps (Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern)
  3. Juni–Juli: Zurück zum Heimatstand oder Lindentracht
  4. August–September: Wanderung in die Lüneburger Heide
  5. Oktober: Auffütterung und Wintervorbereitung am Heimatstand
3–4
Standortwechsel pro Saison bei aktiven norddeutschen Wanderimkern

Wanderimkerei: Rechtliches

In Niedersachsen und Schleswig-Holstein gelten besondere Regeln für die Wanderimkerei:

  • Wandergebühr: Einige Gemeinden erheben eine geringe Gebühr
  • Gesundheitszeugnis: Pflicht beim Verbringen von Völkern über Kreisgrenze
  • Seuchenfreiheitsbescheinigung: Vom zuständigen Veterinäramt auszustellen
  • Naturschutzgebiete: Genehmigung des Naturparks erforderlich (besonders in der Heide)

Norddeutsche Imkervereine und Organisationen

Die norddeutsche Imkerei ist gut organisiert. Wichtige Anlaufstellen:

  • Landesverband Schleswig-Holsteinischer und Hamburger Imker e.V.: Einer der traditionsreichsten Verbände
  • Landesverband Hannoverscher Imker e.V.: Betreut Niedersachsen
  • Landesverband der Imker Mecklenburg-Vorpommern e.V.: Stark gewachsen seit der Wiedervereinigung
  • LAVES Institut für Bienenkunde Celle: Eines der wichtigsten Bieneninstitute Deutschlands
  • Norddeutsche Imkertage: Jährliche Fachtagung mit Vorträgen und Workshops
Bienenstöcke an der Küste mit Heide im Hintergrund
Küstenimkerei — Wind und Weite prägen die norddeutsche Bienenlandschaft

Das Bieneninstitut Celle

Das LAVES Institut für Bienenkunde Celle in Niedersachsen ist eine zentrale Einrichtung für die norddeutsche Imkerei. Es bietet:

  • Bienengesundheitsuntersuchungen (Faulbrut, Nosema, Varroa)
  • Honiganalysen und Qualitätsprüfungen
  • Forschung zu Bienengesundheit und Pflanzenschutz
  • Aus- und Fortbildung für Imker
  • Beratung bei Bienenkrankheiten

Herausforderungen im Norden

Trachtlücken im Sommer

Nach der Rapstracht (Ende Mai) und vor der Heidetracht (Mitte August) klafft im Norden oft eine Trachtlücke von 8–10 Wochen. In dieser Zeit finden Bienen kaum Nahrung in der intensiv genutzten Agrarlandschaft. Gegenmaßnahmen:

  • Standorte mit Blühstreifen und extensivem Grünland wählen
  • Kontakt zu Landwirten suchen, die Zwischenfrüchte anbauen
  • Notfütterung bei extremer Trachtarmut

Varroa im milden Küstenklima

Das milde Küstenklima hat einen Nachteil: Bienenvölker brüten oft bis in den November oder Dezember hinein. Das verlängert die Varroa-Vermehrungsphase und erschwert die brutfreie Winterbehandlung.

Varroa-Strategie für den Norden

Im milden Küstenklima empfiehlt sich eine kombinierte Varroa-Strategie: Drohnenbrutentnahme im Mai, Ameisensäure-Behandlung nach der Ernte (August) und Oxalsäure-Träufelbehandlung erst, wenn sicher Brutfreiheit erreicht ist — im Norden oft erst Ende Dezember oder Anfang Januar.

Intensive Landwirtschaft

Die norddeutsche Tiefebene ist eine der produktivsten Agrarregionen Europas. Der intensive Ackerbau bringt zwar Rapstracht, aber auch:

  • Monotone Fruchtfolgen mit wenig Blütenvielfalt
  • Einsatz von Pflanzenschutzmitteln
  • Große Flächen ohne Saumstrukturen
  • Verdichtete Böden mit weniger Wildblumen

Tipps für angehende Nordimker

  1. Windschutz priorisieren

    Suche dir einen Standort hinter einer Hecke, einem Gebäude oder einem Knick. In der norddeutschen Tiefebene kann selbst ein leichter Windschutz die Sammelleistung deiner Bienen um 20–30 % steigern.

  2. Rapstracht nutzen, aber planen

    Lerne die Rapsfelder in deiner Umgebung kennen. Sprich mit Landwirten über Spritztermine und plane die Ernte frühzeitig. Ein Refraktometer ist Pflicht — Rapshonig muss schnell geschleudert werden.

  3. Heidewanderung ausprobieren

    Auch Hobbyimker können die Heidewanderung ausprobieren. Beginne mit wenigen Völkern und schließe dich einem erfahrenen Wanderimker an. Der Heidehonig-Ertrag kann die gesamte Saison aufwerten.

  4. Winterbehandlung anpassen

    Im milden Küstenklima brüten Völker oft lange. Passe deine Varroa-Strategie an und sei geduldig mit der Winterbehandlung. Eine brutfreie Phase Mitte Januar ist realistischer als im Binnenland.

Fazit: Der Norden — Raps, Heide und viel Wind

Norddeutschland bietet Imkern ein kontrastreiches Erlebnis: Die ergiebige Rapstracht im Frühjahr, die exklusive Heidetracht im Spätsommer und die Herausforderungen des Küstenklimas formen einen einzigartigen Imkercharakter. Wer die Besonderheiten des Nordens versteht und seine Betriebsweise anpasst, kann hier hervorragende Honige produzieren — vom cremig-milden Rapshonig bis zum würzig-thixotropen Heidehonig.

Warum muss Rapshonig besonders schnell geschleudert werden?

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