
Wachsmotten erkennen und bekämpfen: Prävention und Behandlung
Wachsmotten können Waben und ganze Lagerbestände vernichten. Lerne, wie du Wachsmotten erkennst, befallene Waben behandelst und dein Wabenlager zuverlässig schützt.
Wachsmotten bekämpfen gehört zu den unangenehmeren Aufgaben in der Imkerei. Wer einmal ein Wabenlager mit dem charakteristischen Gespinst und den zerfressenen Rähmchen gesehen hat, vergisst es nicht. Doch wer die Biologie der Motte versteht, kann sich effektiv schützen – ohne chemische Keulen.

Die zwei Arten der Wachsmotte
In Europa gibt es zwei relevante Wachsmottenarten:
Große Wachsmotte (Galleria mellonella)
Die Große Wachsmotte ist der Hauptschädling. Das Weibchen erreicht eine Körperlänge von 15 bis 20 mm und ist graubraun gefärbt. Die Raupen werden bis zu 28 mm lang und fressen bevorzugt in älteren, dunklen Brutwaben, weil diese mehr Protein (Kokon-Häutungsrückstände, Pollen) enthalten als helle Waben.
Verbreitung: Weltweit in gemäßigten und tropischen Klimazonen, in Deutschland weit verbreitet.
Kleine Wachsmotte (Achroia grisella)
Deutlich kleiner (Körperlänge 7 bis 11 mm), perlgrau mit gelblichem Kopf. Die Kleine Wachsmotte ist weniger aggressiv als ihre große Verwandte, befällt aber ebenfalls gelagerte Waben und kann in geschwächten Völkern Schäden anrichten.
Beide Arten befallen primär geschwächte Völker und gelagertes Wabenmaterial. Ein starkes, gesundes Bienenvolk hält Wachsmotten selbst in Schach.
Lebenskreislauf: Wie Wachsmotten sich vermehren
Das Verständnis des Lebenszyklus ist Grundlage jeder Bekämpfungsstrategie:
| Phase | Dauer | Merkmale |
|---|---|---|
| Ei | 5–8 Tage | Sehr klein, cremeweiß, in Ritzen und Fugen |
| Raupe (Larve) | 6–8 Wochen | Frisst Wachs, hinterlässt Gespinste und Gänge |
| Puppe | 8–30 Tage (temperaturabhängig) | In weißen Kokons am Holz |
| Falter (Imago) | 7–12 Tage | Falter selbst fressen nicht, legen nur Eier |
| Gesamtzyklus | 6–12 Wochen | Bei Wärme deutlich schneller |
Wichtig: Die Wachsmotte entwickelt sich bei Temperaturen über 15 Grad aktiv. Unter 10 Grad verlangsamt sich die Entwicklung drastisch, unter 0 Grad sterben alle Entwicklungsstadien (außer Eiern in Schutzlagen).
Ein Weibchen kann 300 bis 600 Eier in seinem kurzen Leben legen. Die Eier werden in Ritzen, unter Rähmchenleisten und in Wachsresten versteckt, wo sie für Bienen schwer erreichbar sind.
Wachsmotten erkennen: Zeichen des Befalls
Früherkennung ist entscheidend. Achte auf diese Warnsignale:
Im Bienenvolk
- Tunnels im Wachs: Raupen graben sich durch Brutwaben und hinterlassen helle Gänge
- Gespinste: Charakteristische, weiße, seidenartige Fäden quer über die Waben und zwischen Rähmchen
- Verdeckelte Brut zerstört: Raupen ziehen Gespinste über verdeckelte Brutzellen – die Bienen können nicht schlüpfen und sterben ab
- Abfälle unterm Flugloch: Wachsbrocken und körniger Kot der Raupen
- Unruhe im Volk: Bienen versuchen aktiv, Raupen zu bekämpfen und hinauszubefördern
Im Wabenlager
- Gespinste zwischen Waben und an Rähmchenleisten
- Raupenhäutungen und Kot (dunkel, körnig)
- Waben mit Löchern und freigelegtem Mittelwand-Draht
- Weiße Puppenkokons am Holz der Kisten oder Schränke
Ein einzelner Raupengang in einer Wabe ist noch kein Notfall. Ein vollständig mit Gespinst überzogenes Wabenlager hingegen ist kaum noch zu retten.
Warum befallen Wachsmotten bestimmte Völker?
Wachsmotten sind opportunistisch. Sie befallen vorrangig:
- Schwache Völker mit wenig Bienenmasse, die nicht alle Wabenflächen besetzen können
- Waisenvölker ohne Königin, die an Stärke verlieren
- Hochsommerliche Ableger, die noch nicht aufgebaut sind
- Gelagerte Waben ohne Bienenschutz
- Alte, dunkle Brutwaben mit hohem Protein-Wachsanteil
Ein gesundes Volk mit voller Bienenbesetzung kann Wachsmottenbefall selbst unter Kontrolle halten. Die Wächterbienen greifen Falter ab und die Putzbienen entfernen Eier. Erst wenn das Volk geschwächt ist, gewinnen die Motten die Oberhand.
Die Wachsmotte ist kein Feind des Bienenvolks im eigentlichen Sinn, sondern ein Recycler. In der Natur erfüllt sie die wichtige Funktion, verlassene Waben abzubauen. Zum Problem wird sie erst, wenn der Imker die Waben ungeschützt lagert oder Völker zu schwach sind.
Prävention: So schützt du deine Völker
Starke Völker fördern
Die wirksamste Prävention ist ein gesundes, starkes Volk. Halte die Wabenzahl dem Bienenvolk angepasst: Lieber eine Zarge weniger als viele leere Waben, auf denen die Bienen ihre Übersicht verlieren.
Praxis-Tipp: Im Herbst die Beute auf das Wintermaß einengen. Unbesetzte Waben rausnehmen und einlagern – aber richtig lagern!
Waben richtig lagern
Das Wabenlager ist der häufigste Befallsort. Grundregeln:
- Waben nie luftdicht einschließen – Restfeuchte fördert Schimmel
- Waben kühl und dunkel lagern (unter 15 Grad verlangsamt Mottenentwicklung)
- Regelmäßige Sichtkontrollen alle 4 bis 6 Wochen
- Alte, schwarze Brutwaben regelmäßig ausschmelzen – sie sind bevorzugte Befallsorte
Fluglochgröße anpassen
Ein zu großes Flugloch gibt Wachsmottenweibchen nachts ungehinderten Zugang. Reduziere das Flugloch im Herbst und Winter auf 1 bis 2 cm Breite – das reicht für die Bienen, ist aber für die nachtaktive Wachsmotte eine deutliche Hürde.
Bekämpfung ohne Chemie: Die besten Methoden
Methode 1: Kältebehandlung (Einfrieren)
Die zuverlässigste chemiefreie Methode. Alle Entwicklungsstadien der Wachsmotte werden durch Kälte abgetötet:
| Temperatur | Einwirkzeit | Wirkung |
|---|---|---|
| -7 Grad | 4,5 Stunden | Eier, Raupen und Falter (Puppen unsicher) |
| -12 Grad | 3 Stunden | Alle Stadien inkl. Eier |
| -15 Grad | 2 Stunden | Alle Stadien inkl. Eier |
| -18 Grad | 2 Stunden | Zuverlässige Abtötung aller Stadien (Standardempfehlung) |
Vorgehen: Befallene Waben in dichte Plastikbeutel stecken (Kondensation vermeiden) und für die nötige Zeit ins Gefrierfach legen. Danach an der Luft auftauen lassen, bevor du sie in die Beute hängst.
Nachteil: Haushaltsgefriergeräte fassen selten mehr als 2 bis 3 Waben gleichzeitig. Für große Wabenlager braucht man einen Gefrierschrank oder eine Gefriertruhe.
Methode 2: Bacillus thuringiensis (Bt)
Bacillus thuringiensis var. aizawai (Bta) ist ein natürlich vorkommendes Bodenbakterium, das spezifisch Schmetterlingsraupen tötet. Das enthaltene Toxin schädigt den Darm der Raupen, ohne Bienen, Menschen oder andere Organismen zu gefährden.
Wichtig: Die bekannten Produkte B401 und Certan (Vita Bee Health) sind in der EU derzeit nicht mehr zugelassen und nicht erhältlich. Ein Nachfolgeprodukt (B402) ist bislang nur in Nordamerika verfügbar. In Deutschland gibt es Stand 2026 kein zugelassenes Bt-Präparat speziell für Wachsmotten. Allgemeine Bt-Präparate aus dem Gartenbau (z. B. XenTari) werden von manchen Imkern eingesetzt, sind aber nicht für diesen Zweck zugelassen.
Anwendung (falls Produkt verfügbar):
- Produkt mit Wasser verdünnen (laut Anleitung)
- Waben dünn einsprühen oder abpinseln
- Trocknen lassen, dann einlagern
Wirkung: Bt tötet Raupen, wenn sie frisch behandeltes Wachs fressen. Eier und Puppen werden nicht direkt getötet. Daher: Behandlung wiederholen oder kombinieren.
Vorteil: Bienensicher, rückstandsfrei, biologisch abbaubar.
Methode 3: Essigsäure (60–80 %)
Die Essigsäurebehandlung ist eine verbreitete Methode in der Praxis, die zusätzlich auch Nosema-Sporen abtötet.
Anwendung:
- Waben in einem möglichst dichten Zargenstapel aufeinanderstellen
- Einen mit Essigsäure (60–80 %) getränkten Schwamm oder Filzlappen oben auf den Stapel legen (Essigsäuredämpfe sind schwerer als Luft und sinken nach unten)
- Dosierung: ca. 200 ml pro 100 Liter Stapelvolumen
- Stapel gut abdichten (Folie, Deckel)
- Einwirkzeit: mindestens 1–2 Wochen, Behandlung alle 7 Tage wiederholen
Wirkung: Essigsäuredämpfe töten Eier und Falter zuverlässig. Raupen und besonders Puppen in Kokons sind widerstandsfähiger und brauchen längere Einwirkzeiten oder Wiederholungen.
Vorteil: Wirkt auch gegen Nosema-Sporen auf Waben, günstig und verfügbar.
Nachteil: Greift Metall an (verzinkte Rähmchenösen, Werkzeug). Nur in gut belüfteten Räumen arbeiten – Essigsäuredämpfe reizen Atemwege und Augen.
Methode 4: Schwefeldioxid (Schwefelstreifen)
Traditionelle Methode: Schwefelstreifen werden in einem geschlossenen Behälter verbrannt. Das entstehende Schwefeldioxid tötet Raupen und Falter, aber keine Eier. Daher muss die Behandlung nach 8 bis 10 Tagen wiederholt werden, um nachschlüpfende Raupen zu erfassen.
Wichtig: Schwefeldioxid ist giftig – nur im Freien oder in gut belüfteten Räumen anwenden. Behandelte Waben gut lüften, bevor sie in die Beute kommen.
Rückstände: Schwefeldioxid ist wasserlöslich und leicht flüchtig. Bei trockenen Waben reichert es sich nicht im Wachs an und ist nach wenigen Wochen Lüftung vollständig verschwunden. Achtung: Feuchte Waben können Schwefelsäure bilden, die nicht verdampft – daher nur trockene Waben abschwefeln.
Methode 5: Hitzebehandlung
Wachsmotten und alle Entwicklungsstadien sterben bei Temperaturen von 46 bis 49 Grad innerhalb von 40 bis 80 Minuten. Im Umluftverfahren (Wärmekasten mit Lüfter) sind mindestens 3 Stunden bei 45–48 Grad nötig.
Praktisch aber schwierig zu kontrollieren: Bienenwachs wird ab etwa 25–40 Grad zunehmend weich, sodass schwere Waben sich verformen können. Der tatsächliche Schmelzpunkt liegt erst bei 62–65 Grad, aber bereits weiche Waben können auf den Drähten abrutschen. Deshalb sollte die Temperatur präzise kontrolliert und 50 Grad nicht überschritten werden.
Vergleich der Bekämpfungsmethoden
| Methode | Wirkung gegen Eier | Wirkung gegen Raupen | Wirkung gegen Puppen | Aufwand | Kosten |
|---|---|---|---|---|---|
| Einfrieren (-18°C) | ja | ja | ja | mittel | gering |
| Bt (falls verfügbar) | nein | ja | nein | gering | mittel |
| Essigsäure (60–80 %) | ja | eingeschränkt | eingeschränkt | mittel | gering |
| Schwefelstreifen | nein | ja | nein | mittel | gering |
| Hitze (46–49°C) | ja | ja | ja | hoch | gering |
Für die Praxis empfehlenswert: Einfrieren für befallene Einzelwaben, Essigsäure als Lagerungsschutz mit Zusatzwirkung gegen Nosema.
Wann müssen Waben vernichtet werden?
Nicht jede befallene Wabe muss eingeschmolzen werden. Die Entscheidung hängt vom Ausmaß des Schadens ab:
Waben einschmelzen, wenn:
- Mehr als ein Drittel der Wabe von Gespinsten und Gängen durchzogen ist
- Die Mittelwand vollständig freigelegt oder beschädigt ist
- Die Wabe alt und dunkel ist (ohnehin regelmäßig austauschen!)
- Lebende Raupen auch nach Behandlung erneut auftreten
Waben desinfizieren und behalten, wenn:
- Nur einzelne Gänge oder ein kleiner Befallsherd vorliegt
- Die Wabe jung und hell ist
- Nach Kältebehandlung kein aktiver Befall mehr sichtbar
Grundsatz: Alte Brutwaben (mehr als 3 Jahre) solltest du ohnehin regelmäßig austauschen. Das senkt nicht nur das Wachsmottenrisiko, sondern reduziert auch den Krankheitsdruck im Volk.
Wachsmotten im Bienenvolk behandeln
Findest du aktiven Befall im Volk, gehe so vor:
- Betroffene Waben sofort entnehmen – Raupen können innerhalb weniger Stunden eine weitere Wabe befallen
- Stark befallene Waben einschmelzen
- Leicht befallene Waben einfrieren (mind. 2 Stunden bei -18 Grad)
- Beute ausbürsten: Gespinste und Kokons an Holzteilen entfernen (Flamme oder scharfer Pinsel)
- Volk stärken: Warum ist das Volk geschwächt? Weisellosigkeit? Varroabefall? Ursache beheben!
- Flugloch verkleinern
Denke daran: Wachsmotten sind ein Symptom, kein Grundproblem. Ein schwaches Volk braucht Hilfe, nicht nur die Bekämpfung der Motten.
Fazit
Wachsmotten bekämpfen lohnt sich – aber noch mehr lohnt es sich, ihnen gar keine Chance zu geben. Starke Völker, angepasste Wabenzahl, richtiges Wabenlager und regelmäßige Kontrolle sind die besten Waffen. Wenn der Befall doch auftritt, sind Einfrieren und Essigsäurebehandlung sichere, bienenschonende Methoden.
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