So kontrollierst du die Bienengesundheit im Frühling. 7 Checks von Varroa bis Futterkranz für einen gesunden Saisonstart.
Die Bienengesundheit im Frühling entscheidet über den gesamten Verlauf der Saison. Nach den langen Wintermonaten ist die erste gründliche Kontrolle der wichtigste Termin für jeden Imker. Wer jetzt sorgfältig arbeitet, legt den Grundstein für starke Völker, eine erfolgreiche Honigernte und gesunde Bienen bis in den Herbst.
In diesem Artikel zeigen wir dir die sieben wichtigsten Kontrollen für die Bienengesundheit im Frühling und erklären, worauf du bei jeder einzelnen achten musst.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Frühjahrskontrolle?
Bevor du den Deckel öffnest, müssen die Bedingungen stimmen. Eine zu frühe Durchsicht bei kaltem Wetter schadet mehr als sie nützt.
| Bedingung | Mindestwert | Ideal |
|---|---|---|
| Aussentemperatur | 12 Grad Celsius | 15-18 Grad Celsius |
| Wetter | kein Regen, windstill | sonnig, warm |
| Tageszeit | ab 10 Uhr | 11-14 Uhr |
| Pollenflug | erste Pollenhöschen sichtbar | reger Pollenflug |
Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, kannst du mit den sieben Kontrollen starten. In den meisten Regionen Deutschlands ist das zwischen Ende Februar und Mitte März der Fall. In Höhenlagen oder Norddeutschland kann es bis Anfang April dauern.
Kontrolle 1: Volkstärke beurteilen
Die Volkstärke zeigt dir, wie gut das Volk durch den Winter gekommen ist. Öffne die Beute und prüfe, wie viele Wabengassen mit Bienen besetzt sind.
Bewertung der Volkstärke im Frühjahr:
| Besetzte Wabengassen | Bewertung | Maßnahme |
|---|---|---|
| 6 oder mehr | Stark | Normal weiterentwickeln |
| 4-5 | Mittel | Beobachten, eventuell einengen |
| 2-3 | Schwach | Einengen, Futtervorrat prüfen |
| Weniger als 2 | Kritisch | Vereinigen oder Auflösen erwägen |
Schwache Völker sind anfälliger für Krankheiten und Räuberei. Überlege gut, ob du sie einzeln weiterentwickelst oder mit einem anderen Volk vereinigst. Zwei schwache Völker ergeben zusammen oft ein starkes.
Kontrolle 2: Weiselrichtigkeit prüfen
Ohne Königin hat das Volk keine Zukunft. Du musst die Königin nicht unbedingt sehen - frische Stifte (Eier) sind der sicherste Beweis für ihre Anwesenheit.
Worauf du achtest:
- Stifte am Zellengrund: Die Königin ist da und legt. Alles in Ordnung.
- Junge Larven, aber keine Stifte: Die Königin war vor Kurzem noch da. Genauer hinsehen.
- Nur verdeckelte Brut: Königin seit mindestens 9 Tagen nicht mehr in Eilage. Alarmsignal.
- Buckelbrut: Drohnenbrütige Arbeiterinnen. Das Volk ist weisellos und muss aufgelöst werden.
Falls du keine Königin und keine Stifte findest, hänge eine Wabe mit jüngster Brut aus einem anderen Volk ein. Bauen die Bienen Weiselzellen, ist das Volk tatsächlich weisellos.
Kontrolle 3: Futtervorräte einschätzen
Der Frühling ist die gefährlichste Zeit für Futtermangel. Das Brutnest wächst rasant, der Futterverbrauch steigt, aber die Natur liefert noch nicht genug Nektar. Viele Völker verhungern im März - nicht im Winter.
Faustregel: Mindestens 5 kg Futtervorrat sollten im Frühjahr noch vorhanden sein. Eine vollständig verdeckelte Futterwabe im Deutsch-Normal-Maß enthält etwa 2 kg Futter. Sind weniger als drei verdeckelte Futterwaben vorhanden, musst du notfüttern.
Notfütterung im Frühjahr:
- Futterteig (Fondant) direkt auf die Rähmchenoberträger legen
- Kein flüssiges Futter geben - das regt zum Sammeln an und lockt Räuber
- Alle 7 Tage kontrollieren, ob nachgefüttert werden muss
Kontrolle 4: Brutnest begutachten
Das Brutnest ist das Herz des Volkes. Im Frühjahr sollte es geschlossen und kompakt sein.
Anzeichen für ein gesundes Brutnest:
- Geschlossene Brutfläche mit wenigen Lücken
- Konzentrische Anordnung: Stifte innen, Larven darum, verdeckelte Brut aussen
- Verdeckelungen sind gleichmäßig gewölbt und hellbraun
- Kein unangenehmer Geruch
Warnsignale:
- Lückige Brut: Kann auf Inzucht, Krankheiten oder Varroa-Schäden hindeuten
- Eingesunkene Zelldeckel: Verdacht auf Faulbrut - sofort Probe nehmen
- Mosaikartiges Brutbild: Mögliche Kalkbrut oder andere Infektionen
- Löchrige Zelldeckel: Die Bienen versuchen, kranke Larven auszuräumen
Bei Verdacht auf Faulbrut (fadenziehende Masse in der Zelle) sofort den zuständigen Bienensachverständigen kontaktieren. Faulbrut ist anzeigepflichtig.
Kontrolle 5: Varroa-Situation einschätzen
Auch im Frühling spielt die Varroa eine Rolle. Wenn die Varroabehandlung im Herbst erfolgreich war, sollte der Milbenbefall jetzt niedrig sein. Trotzdem lohnt sich eine frühe Einschätzung.
Natürlichen Milbenfall messen:
Lege eine Windel (Bodeneinlage mit Gitterboden) ein und zähle nach 3 Tagen die gefallenen Milben. Teile durch 3 für den Tageswert.
| Milbenfall pro Tag (Frühjahr) | Bewertung | Maßnahme |
|---|---|---|
| Weniger als 0,5 | Unauffällig | Regulär weiterführen |
| 0,5 bis 2 | Erhöhte Aufmerksamkeit | In 4 Wochen erneut kontrollieren |
| Mehr als 2 | Problematisch | Drohnenrahmen einsetzen, enge Kontrolle |
Im Frühling ist eine medikamentöse Behandlung in der Regel nicht möglich, da Brut vorhanden ist und die Trachtsaison bevorsteht. Setze stattdessen auf biotechnische Maßnahmen wie den Drohnenrahmen, der ab April eingehängt und nach Verdeckelung ausgeschnitten wird.
Mehr zur Varroa-Dokumentation findest du in unserem separaten Artikel.
Kontrolle 6: Totenfall und Gemüll analysieren
Der Blick auf die Bodeneinlage gibt Aufschluss über den Winterverlauf und mögliche Probleme.
Normaler Totenfall:
- Bienenreste und Wachskrümel sind normal
- Helle Wachsplättchen deuten auf Bautätigkeit hin (positiv)
- Pollenkrümel zeigen frühe Sammeltätigkeit
Auffälliger Totenfall:
- Viele tote Bienen mit herausgestrecktem Rüssel: Verdacht auf Vergiftung
- Weiße, mumifizierte Larven: Kalkbrut (Ascosphaera apis)
- Ungewöhnlich viele Varroamilben: Behandlung war nicht ausreichend
- Feuchter, übelriechender Gemüll: Feuchtigkeit im Stock oder Faulbrutverdacht
Räume den Totenfall vom Boden der Beute. Ein sauberer Boden erleichtert spätere Kontrollen und verbessert die Hygiene.
Kontrolle 7: Wasserversorgung und Standort prüfen
Oft übersehen, aber wichtig: Die Wasserversorgung. Bienen brauchen im Frühjahr große Mengen Wasser für die Brutpflege. Prüfe, ob eine zuverlässige Wasserquelle in der Nähe ist.
Gute Wasserquellen:
- Bienentränke mit Moos oder Steinen als Landehilfe
- Flache Schalen mit Schwimmkork
- Natürliche Quellen wie Bachlauf oder Teichrand
Kontrolliere auch den Standort: Steht die Beute trocken? Ist genügend Sonne vorhanden, besonders am Morgen? Feuchtigkeit begünstigt Krankheiten und verlangsamt die Frühjahrsentwicklung.
Checkliste: Bienengesundheit im Frühling
Nutze diese Checkliste bei deiner nächsten Frühjahrsdurchsicht für jedes Volk:
| Kontrollpunkt | Ergebnis OK | Handlungsbedarf |
|---|---|---|
| Volkstärke (mindestens 4 Gassen) | Ja / Nein | Einengen oder vereinigen |
| Königin vorhanden (Stifte sichtbar) | Ja / Nein | Brutwabe einhängen |
| Futtervorrat (mindestens 5 kg) | Ja / Nein | Futterteig auflegen |
| Brutnest geschlossen | Ja / Nein | Ursache abklären |
| Varroa-Milbenfall unter Schwelle | Ja / Nein | Drohnenrahmen, enge Kontrolle |
| Totenfall unauffällig | Ja / Nein | Gemüll analysieren |
| Wasserversorgung gesichert | Ja / Nein | Bienentränke aufstellen |
Ergebnisse digital dokumentieren
Jede Frühjahrskontrolle sollte lückenlos dokumentiert werden. So erkennst du Trends über die Jahre und kannst später nachvollziehen, welche Völker Probleme hatten.
Mit Hivekraft erfasst du alle sieben Kontrollpunkte direkt am Bienenstand - per Quick-Check oder Spracherfassung. Das Bestandsbuch wird automatisch geführt, und die Varroa-Dokumentation läuft nebenbei mit.
Starte jetzt gut vorbereitet in die Saison. Kostenlos registrieren und alle Frühjahrskontrollen digital festhalten - oder sieh dir erst die Funktionen im Detail an.
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