Königinnenprobleme: Weisellosigkeit und Drohnenbrütigkeit
Weisellosigkeit erkennen, Drohnenbrütigkeit verstehen und Rettungsmaßnahmen einleiten. So sichern Sie den Fortbestand Ihrer Bienenvölker.
Königinnenprobleme: Weisellosigkeit und Drohnenbrütigkeit

Die Königin ist die einzige vollständig fruchtbare weibliche Biene im Volk. Sie ist nicht die Herrscherin, sondern die Mutter aller Bienen -- und gleichzeitig das sensibelste Glied in der Kette. Fällt die Königin aus, beginnt ein Countdown: Das Volk hat nur wenige Tage, um eine Nachfolgerin heranzuziehen. Gelingt das nicht, droht eine Spirale, die über Weisellosigkeit zur Drohnenbrütigkeit und schließlich zum Untergang des Volkes führt.
In dieser Lektion lernst du, die Warnsignale einer fehlenden Königin frühzeitig zu erkennen, die Ursachen zu verstehen und die richtigen Rettungsmaßnahmen einzuleiten -- bevor es zu spät ist.
Was die Königin für das Volk leistet
Um die Tragweite eines Königinnenverlusts zu verstehen, müssen wir zuerst ihre Rolle im Volk begreifen. Die Königin hat zwei zentrale Funktionen:
1. Fortpflanzung
Die Königin ist die einzige Biene, die befruchtete Eier legen kann. Aus befruchteten Eiern entwickeln sich Arbeiterinnen, aus unbefruchteten Eiern Drohnen. Eine gute Königin legt in der Hauptsaison bis zu 2.000 Eier pro Tag -- das entspricht mehr als ihrem eigenen Körpergewicht. Diese enorme Legeleistung sichert den kontinuierlichen Nachschub an Arbeiterinnen, die das Volk für Brutpflege, Sammeltätigkeit und Verteidigung benötigt.
2. Volkszusammenhalt durch Pheromone
Die Königin produziert die sogenannte Königinnensubstanz (Queen Mandibular Pheromone, QMP), ein komplexes Pheromongemisch, das über den Hofstaat im gesamten Volk verteilt wird. Diese Pheromone bewirken:
- Hemmung der Eierstockentwicklung bei Arbeiterinnen
- Unterdrückung des Schwarmtriebs (in ausreichender Konzentration)
- Orientierung für die Bienen: "Die Königin ist da, alles ist in Ordnung"
- Zusammenhalt des Volkes als soziale Einheit
Die Königin wird ständig von 8-12 Arbeiterinnen umringt, ihrem Hofstaat. Diese Bienen füttern die Königin mit Gelée royale, lecken ihre Pheromone ab und verteilen sie durch Futteraustausch (Trophallaxis) im gesamten Volk. Innerhalb von 30-60 Minuten weiß jede Biene im Stock, ob die Königin noch anwesend ist.
Weisellosigkeit erkennen: Die Warnsignale

Wenn die Königin ausfällt -- sei es durch Tod, Verlust beim Begattungsflug oder Beschädigung bei der Durchsicht -- verändert sich das Verhalten des gesamten Volkes innerhalb weniger Stunden. Als Imker musst du diese Signale lesen können.
Sichere Anzeichen für Weisellosigkeit
Keine Stifte und junge Larven (Tag 1-3)
Das zuverlässigste Zeichen: Bei der Durchsicht findest du keine frisch gelegten Eier (Stifte) mehr auf den Brutwaben. Stifte sind nach 3 Tagen nicht mehr als solche erkennbar -- wenn du also keine Stifte siehst, ist die Königin seit mindestens 3 Tagen nicht mehr am Legen. Achtung: Auch bei einer Legepause (z.B. nach Schwarmabgang oder im Spätherbst) fehlen Stifte -- aber das Volk verhält sich dann nicht unruhig.
Unruhiges Verhalten und Sterzeln
Weisellose Völker verhalten sich auffällig anders als weiselrichtige. Die Bienen laufen suchend über die Waben, wirken nervös und unkoordiniert. Am Flugloch und auf den Oberträgern sterzeln sie verstärkt (Hinterleib hoch, Fächeln mit den Flügeln) -- sie verbreiten die Nasanov-Drüse, um die Königin "zurückzurufen". Dieses Verhalten ist besonders am Abend auffällig.
Heulen (Weiselgeheul)
Das Weiselgeheul ist ein unverwechselbares akustisches Signal. Ein weiselloses Volk erzeugt einen durchdringenden, klagenden Ton, der sich deutlich vom normalen Summen unterscheidet. Erfahrene Imker können Weisellosigkeit oft schon am Klang erkennen, bevor sie die Beute öffnen. Das Geheul entsteht, weil die Bienen ohne Königinnensubstanz in einen Stresszustand geraten.
Nachschaffungszellen (Tag 1-3)
Wenn das Volk noch junge Brut (Eier oder Larven bis 3 Tage alt) hat, beginnen die Bienen sofort mit dem Bau von Nachschaffungszellen (Weiselzellen). Diese sind typischerweise mitten auf der Wabenfläche platziert, aus normalen Arbeiterinnenzellen heraus gebaut und nach unten gerichtet. Finden sich Nachschaffungszellen, ist das gleichzeitig ein gutes Zeichen: Das Volk versucht aktiv, sich selbst zu helfen.
Lückenhaftes Brutnest (nach Wochen)
Ohne Nachschaffung wird das Brutnest nach 21 Tagen (eine Arbeiterinnen-Generation) vollständig leer sein. Vorher zeigt sich ein zunehmend lückenhaftes Brutbild: Die letzten verdeckelten Zellen schlüpfen, aber es kommt nichts nach. Das Volk schrumpft sichtbar.
Nicht jede Königinnenlosigkeit ist ein Notfall. Bei der stillen Umweiselung zieht das Volk aus eigener Initiative eine neue Königin heran, während die alte noch legt. Die alte Königin wird nach dem Schlupf der Nachfolgerin abgesetzt. Während der Übergangsphase kann eine kurze Legepause auftreten. Erkennbar ist die stille Umweiselung an 1-2 Weiselzellen am Wabenrand bei gleichzeitig noch vorhandener, aber oft schwacher Eilage. Nicht eingreifen -- das Volk weiß, was es tut!
Weisellosprobe mit offener Brut
Wenn du unsicher bist, ob ein Volk weisellos ist, gibt es eine einfache und zuverlässige Methode:
- Eine Brutwabe mit frischen Stiften und jüngsten Larven aus einem gesunden Volk
- Stockmeißel
- Bienenbesen
- Entnimm aus einem starken, gesunden Volk eine Wabe mit frisch gelegten Eiern (Stiften) und jüngsten Larven (maximal 1-2 Tage alt).
- Fege die ansitzenden Bienen vor dem Spendervolk ab -- setze keine fremden Bienen in das Testvolk ein.
- Hänge die Brutwabe in die Mitte des verdächtigen Volkes ein.
- Kontrolliere nach 3-5 Tagen: Haben die Bienen auf der eingehängten Wabe Weiselzellen (Nachschaffungszellen) gebaut?
- Weiselzellen vorhanden: Das Volk ist weisellos. Die Bienen versuchen, aus den eingehängten Larven eine neue Königin zu ziehen. Du kannst die Zellen stehen lassen oder eine bessere Lösung wählen (siehe Rettungsmaßnahmen).
- Keine Weiselzellen: Das Volk hat wahrscheinlich noch eine Königin -- sie legt nur gerade nicht (Legepause, frisch begattete Jungkönigin, oder Königin noch in Eilage-Entwicklung). Geduld!
Ursachen für den Königinnenverlust

Ein Königinnenverlust kommt selten aus heiterem Himmel. Die häufigsten Ursachen lassen sich in vermeidbare und unvermeidbare Faktoren unterteilen.
Vermeidbare Ursachen
| Ursache | Häufigkeit | Prävention |
|---|---|---|
| Erdrückt bei der Durchsicht | Sehr häufig | Waben vorsichtig ziehen, nicht aneinander stoßen, Königin suchen bevor Waben bewegt werden |
| Verflogen/abgestürzt bei Durchsicht | Häufig | Waben nicht über dem Gras halten, Absperrgitter verwenden, bei Wind nicht durchsehen |
| Beim Zusetzen abgestochen | Gelegentlich | Zusetzkäfig verwenden, Volk nicht stören, 3-5 Tage Käfighaft |
| Durch Räuberei getötet | Gelegentlich | Flugloch eng halten, schwache Völker schützen, nicht füttern bei Trachtlücke |
| Pestizidschäden | Selten | Standort prüfen, mit Landwirten kommunizieren, Spritzzeiten beachten |
Unvermeidbare Ursachen
- Gescheiterter Begattungsflug: Junge Königinnen fliegen zur Begattung aus. Dabei können sie von Vögeln gefangen werden, sich verfliegen oder bei schlechtem Wetter nicht zurückkehren. Die Verlustrate beim Begattungsflug liegt bei 10-30 %.
- Altersbedingte Erschöpfung: Eine Königin erschöpft nach 2-4 Jahren ihren Spermienvorrat. Ihre Legeleistung sinkt, das Brutnest wird lückenhaft, und das Volk wird sie still umweiseln oder das Volk wird schwach.
- Krankheiten und Parasiten: Nosema, Viren (insbesondere durch Varroa übertragenes DWV) und der Kleine Beutenkäfer können die Königin direkt schädigen.
- Genetische Probleme: Inzuchtdepression bei kleinen Zuchtpopulationen führt zu reduzierter Lebensfähigkeit.
Die häufigste Ursache für Königinnenverlust ist die unbeabsichtigte Beschädigung bei der Durchsicht. Gewöhne dir an: Erste Wabe vorsichtig am Rand entnehmen (dort sitzt die Königin selten), Waben niemals auf den Boden stellen, und bei Zander/Dadant immer zuerst den leeren Rand nutzen. Ein Absperrgitter zwischen Brut- und Honigraum stellt sicher, dass die Königin beim Abheben der Honigzarge nicht verloren geht.
Drohnenbrütigkeit: Der Anfang vom Ende
Wenn ein weiselloses Volk es nicht schafft, eine neue Königin nachzuziehen -- sei es, weil keine junge Brut vorhanden war oder weil alle Nachschaffungsköniginnen beim Begattungsflug verloren gingen -- entwickelt sich eine besonders problematische Situation: die Drohnenbrütigkeit.
Wie Drohnenbrütigkeit entsteht
Ohne die hemmende Wirkung der Königinnensubstanz beginnen nach 2-4 Wochen Weisellosigkeit die Eierstöcke einiger Arbeiterinnen zu reifen. Diese sogenannten Afterweisel oder drohnenbrütigen Arbeiterinnen beginnen, Eier zu legen. Da Arbeiterinnen nicht begattet sind, können sie nur unbefruchtete Eier legen -- aus denen ausschließlich Drohnen schlüpfen.
Merkmale der Drohnenbrütigkeit erkennen

Buckelbrut (eindeutigstes Zeichen)
Drohnenbrütiges Eierlegen erkennt man an der Buckelbrut: Drohneneier werden in normale Arbeiterinnenzellen gelegt (die Afterweisel kennt den Unterschied nicht). Die Drohnenlarven sind aber größer als Arbeiterinnenlarven. Die Verdeckelung wölbt sich deshalb stark nach oben -- die typische "buckelige" Oberfläche entsteht. Im Vergleich dazu ist normale Drohnenbrut in den größeren Drohnenzellen am Wabenrand zu finden.
Mehrere Eier pro Zelle
Im Gegensatz zur Königin, die präzise ein einzelnes Ei senkrecht auf den Zellboden stellt, legen Afterweisel oft 2-5 Eier pro Zelle, die zudem schief an den Zellwänden kleben statt senkrecht auf dem Boden zu stehen. Dieses Muster ist ein eindeutiges Zeichen für legende Arbeiterinnen und nicht etwa für eine junge, unerfahrene Königin.
Ungeordnetes, lückenhaftes Brutnest
Das Brutnest ist völlig unstrukturiert: Einzelne Zellen mit Brut verteilen sich wahllos über mehrere Waben, ohne das typische konzentrische Muster einer Königinnen-Eilage. Leere Zellen, Pollenzellen und Brutzellen wechseln sich willkürlich ab.
Aggressives Verhalten
Drohnenbrütige Völker sind oft auffallend aggressiv und stechwütig. Die Bienen sind durch den Stress der Königinnenlosigkeit und das Fehlen der beruhigenden Pheromone in einem dauerhaft erregten Zustand.
Schrumpfendes Volk
Da keine neuen Arbeiterinnen nachkommen, schrumpft die Volksstärke stetig. Die alten Arbeiterinnen sterben ab, und die schlüpfenden Drohnen tragen nichts zur Volkspflege bei. Ohne Eingreifen stirbt das Volk innerhalb von 6-10 Wochen ab.
Warum Rettung so schwierig ist
Ein drohnenbrütiges Volk ist eines der schwierigsten Probleme in der Imkerei. Die legenden Arbeiterinnen verbreiten ihre eigenen Pheromone und verhalten sich wie "Pseudo-Königinnen". Das Volk akzeptiert daher oft weder offene Brut noch eine zugesetzte Königin -- die Bienen stechen die neue Königin ab, weil sie die Afterweisel als ihre "Königin" betrachten. Die Rettung erfordert spezielle Methoden (siehe unten).
Rettungsmaßnahmen: Was tun bei Weisellosigkeit?
Die richtige Maßnahme hängt davon ab, wie weit die Weisellosigkeit fortgeschritten ist und welche Ressourcen dir zur Verfügung stehen.
Stufe 1: Offene Brut zusetzen (Weisellosigkeit frisch erkannt)
Dies ist die einfachste und natürlichste Methode. Wenn das Volk noch nicht drohnenbrütig ist (Weisellosigkeit maximal 2-3 Wochen alt), kann es aus junger Brut selbst Königinnen nachziehen.
- Brutwabe mit frischen Stiften aus gesundem Volk
- Stockmeißel
- Bienenbesen
- Wähle aus einem starken Volk eine Wabe mit möglichst frischen Stiften (Eier am 1.-2. Tag) und jüngsten Larven.
- Fege alle Bienen von der Wabe ab -- keine fremden Bienen zusetzen.
- Hänge die Wabe zentral im Brutnest des weisellosen Volkes ein.
- Das Volk wird innerhalb von 24-48 Stunden Nachschaffungszellen anlegen.
- Kontrolliere nach 5 Tagen: Es sollten 3-8 Weiselzellen sichtbar sein.
- Lasse die Zellen in Ruhe -- nicht öffnen, nicht stören.
- Die erste Königin schlüpft nach ca. 16 Tagen (ab Eilage). Sie wird die übrigen Weiselzellen ausbeißen.
- Begattungsflug der Jungkönigin nach weiteren 5-10 Tagen (wetterabhängig).
- Erste Eilage der neuen Königin ca. 2-3 Wochen nach dem Schlupf.
- Kontrolliere frühestens 4 Wochen nach Einsetzen der Brutwabe auf frische Stifte.
Das Volk baut oft mehr Weiselzellen als nötig. Das ist kein Problem -- im Gegenteil: Es erhöht die Chance, dass mindestens eine Königin erfolgreich schlüpft und begattet wird. Die erste geschlüpfte Königin beseitigt die Rivalinnen selbst. Breche die Zellen nicht aus!
Stufe 2: Begattete Königin zusetzen
Wenn keine Brut zum Nachschaffen vorhanden ist, die Saison fortgeschritten ist, oder du keine 4-6 Wochen Wartezeit riskieren willst, ist das Zusetzen einer begatteten Königin die zuverlässigste Lösung.
Königin beschaffen
Begattete Königinnen erhältst du von Königinnenzüchtern, über den Imkerverein oder aus eigener Zucht. In der Saison (Mai-August) sind sie in der Regel innerhalb weniger Tage lieferbar. Kosten: 20-50 Euro je nach Rasse und Zuchtlinie.
Volk vorbereiten
Entferne vor dem Zusetzen alle vorhandenen Nachschaffungszellen -- sonst wird die zugesetzte Königin nicht akzeptiert. Kontrolliere jede Wabe sorgfältig, besonders die Wabenränder und -unterkanten.
Zusetzkäfig einsetzen (Tag 0)
Setze die Königin im Zusetzkäfig (Nicot, Weiselschlupfkäfig oder Ähnliches) ein. Der Käfig wird zwischen zwei Brutwaben in die Wabengasse gehängt. Die Bienen können die Königin durch das Gitter beriechen und sich an ihre Pheromone gewöhnen, ohne sie angreifen zu können.
Futterteig-Methode (Tag 0-3)
Der Zusetzkäfig hat eine Öffnung, die mit Futterteig (Zuckerteig) verschlossen ist. Die Bienen nagen den Futterteig innerhalb von 2-4 Tagen frei. In dieser Zeit gewöhnt sich das Volk an die neue Königin. Wenn der Futterteig aufgefressen ist, kann die Königin die Zelle verlassen und wird normalerweise friedlich angenommen.
Kontrolle (Tag 5-7)
Kontrolliere nach 5-7 Tagen vorsichtig, ob die Königin den Käfig verlassen hat und ob du frische Stifte auf den Waben findest. Öffne das Volk dabei sehr behutsam und ohne Rauch -- die Situation ist noch empfindlich.
Die häufigsten Gründe für die Ablehnung einer zugesetzten Königin: (1) Es sind noch Weiselzellen im Volk vorhanden -- immer alle entfernen! (2) Das Volk ist bereits drohnenbrütig -- die Afterweisel stören die Annahme. (3) Die Königin wurde zu schnell freigelassen (Futterteig zu weich/dünn). (4) Das Volk wurde zu stark gestört (zu viel Rauch, zu grobe Durchsicht). Geduld und sanftes Arbeiten sind entscheidend.
Stufe 3: Rettung bei Drohnenbrütigkeit
Ein drohnenbrütiges Volk zu retten ist deutlich schwieriger, aber nicht unmöglich. Die Afterweisel müssen zuerst neutralisiert werden.
- Leere Beute am gleichen Standort
- Begattete Königin im Zusetzkäfig
- 2-3 Futterwaben
- Stockmeißel
- Bienenbesen
- Stelle eine leere Beute mit 2-3 Futterwaben und der neuen Königin (im Zusetzkäfig!) am Originalstandort auf.
- Trage die drohnenbrütige Beute mindestens 50 Meter vom Stand weg.
- Kehre alle Bienen vor der alten Beute auf den Boden ab. Die Bienen müssen zurückfliegen.
- Die Flugbienen kehren zum Originalstandort zurück und finden dort die neue Beute mit der Königin. Flugbienen sind fast nie Afterweisel (drohnenbrütige Arbeiterinnen sind in der Regel Stockbienen).
- Die Afterweisel (nicht flugfähige Stockbienen) bleiben orientierungslos liegen und gehen ein.
- Kontrolliere nach 5-7 Tagen, ob die Königin angenommen wurde und legt.
Stufe 4: Vereinigung mit weiselrichtigem Volk
Wenn ein drohnenbrütiges Volk zu schwach ist, um als eigenständiges Volk zu überleben (weniger als ca. 3 Wabengassen Bienen), ist die Vereinigung mit einem weiselrichtigen Volk oft die beste Lösung.
Lege eine einzelne Lage Zeitungspapier (mit ein paar kleinen Nadelstichen) zwischen das weiselrichtige Untervolk und das aufzusetzende weisellose Volk. Die Bienen nagen die Zeitung in 1-2 Tagen durch und vereinigen sich dabei langsam und friedlich. Die Pheromone der Königin durchdringen das Papier und gewöhnen die weisellosen Bienen an die neue Herrscherin. Wichtig: Vorher alle Drohnenbrut und Afterweisel-Waben aus dem weisellosen Volk entfernen!
Zelltypen unterscheiden: Nachschaffung, Schwarm und stille Umweiselung
Nicht jede Weiselzelle bedeutet dasselbe. Die Fähigkeit, die verschiedenen Zelltypen zu unterscheiden, ist eine der wichtigsten Fertigkeiten des fortgeschrittenen Imkers.
| Merkmal | Nachschaffungszelle | Schwarmzelle | Stille-Umweiselungszelle |
|---|---|---|---|
| Position auf der Wabe | Mitten auf der Wabenfläche, aus normaler Arbeiterinnenzelle umgebaut | Am Wabenrand, besonders an der Unterkante, als Zapfen angebaut | Am Wabenrand oder auf der Fläche, einzeln |
| Anzahl | 3-20+ (oft viele) | 5-30+ (oft sehr viele, an mehreren Waben) | 1-3 (immer sehr wenige) |
| Auslöser | Plötzlicher Verlust der Königin | Platzmangel, starkes Volk, hoher Schwarmtrieb | Nachlassende Leistung der alten Königin |
| Zeitpunkt | Jederzeit (Notfall) | Schwarmzeit (Mai-Juli) | Jederzeit, oft Spätsommer |
| Alte Königin | Fehlt (verloren/tot) | Noch anwesend, zieht mit dem Schwarm aus | Noch anwesend, legt noch (reduziert) |
| Qualität der Königin | Variabel (Notlösung aus älterer Larve möglich) | Sehr gut (natürlicher Trieb, beste Versorgung) | Gut (gezielter Austausch) |
| Imker-Maßnahme | Stehen lassen oder bessere Königin zusetzen | Je nach Methode: Brechen oder gezielt nutzen | Nicht eingreifen -- Volk regelt es selbst |

Qualität der Nachschaffungsköniginnen
Ein kritischer Punkt: Nachschaffungsköniginnen sind nicht immer von optimaler Qualität. Der Grund liegt in der Biologie:
- Für eine ideale Königin sollte die Larve ab dem 1. Larvenstadium (bis 24 Stunden alt) ausschließlich mit Gelée royale gefüttert werden.
- Bei der Nachschaffung nutzen die Bienen aber oft Larven, die bereits 2-3 Tage alt sind und vorher als Arbeiterinnenlarven gefüttert wurden.
- Solche Königinnen können weniger Eierröhren (Ovariolen) ausbilden und sind oft weniger leistungsfähig.
Wenn du eine Brutwabe für die Nachschaffung einhängst, achte darauf, dass möglichst frische Stifte (Eier am 1. Tag) vorhanden sind. So haben die Bienen die Möglichkeit, die jüngstmöglichen Larven auszuwählen, und die resultierende Königin wird von besserer Qualität sein als aus einer älteren Larve.
Prävention: Königinnenverluste vermeiden
Checkliste: Königin schützen
Eine gute Königin ist die halbe Miete. Wer seine Königinnen konsequent markiert und dokumentiert, erkennt Probleme frühzeitig und kann rechtzeitig handeln. Weisellosigkeit ist keine Katastrophe -- aber nur, wenn man sie früh bemerkt.
Dr. Gerhard LiebigBienenexperte, Landesanstalt für Bienenkunde Hohenheim
Erfahrene Imker halten ab 10+ Völkern immer 1-2 Reserveköniginnen in kleinen Ablegern (Mini-Plus oder 3-Waben-Ableger). So kannst du bei einem Königinnenverlust sofort reagieren, statt 4-6 Wochen auf eine Nachschaffung zu warten. Die Kosten für die Ableger (Futter, Material) sind gering im Vergleich zum Verlust eines Wirtschaftsvolkes in der Haupttracht. Auch für Anfänger ab dem zweiten Jahr empfehlenswert!
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
Digitale Dokumentation mit Hivekraft
Die Dokumentation des Königinnenstatus ist eine der wichtigsten Funktionen einer digitalen Stockkarte. Mit Hivekraft kannst du:
- Königinnen-Alter und -Herkunft für jedes Volk erfassen
- Markierungsfarbe und Zeichnung dokumentieren
- Umweiselungstermine planen und Erinnerungen setzen
- Weisellosigkeit als Durchsichtsbefund protokollieren
- Maßnahmen (Brutwabe zugesetzt, Königin eingesetzt, Vereinigung) mit Datum erfassen
Eine lückenlose Dokumentation hilft dir, Muster zu erkennen: Welche Völker verlieren häufig die Königin? Welche Zuchtlinie zeigt die beste Langlebigkeit? Solche Erkenntnisse werden erst durch konsequente Aufzeichnung möglich.
Wissenscheck
Was ist das zuverlässigste Anzeichen für Weisellosigkeit bei der Durchsicht?
Was ist 'Buckelbrut' und was zeigt sie an?
Wo befinden sich Nachschaffungszellen typischerweise auf der Wabe?
Warum ist die Rettung eines drohnenbrütigen Volkes besonders schwierig?
In der nächsten Lektion beschäftigen wir uns mit einem Thema, das jeden Imker betrifft: Winterverluste -- wie du sie analysierst, ihre Ursachen verstehst und sie in Zukunft vermeidest.