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Honigqualität verstehen: Wassergehalt, Enzyme und HMF

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Lerne die entscheidenden Qualitätsparameter von Honig: Wassergehalt, Enzymaktivität und HMF-Wert. Mit Messmethoden, gesetzlichen Grenzwerten und Praxistipps.

Honigqualität verstehen: Wassergehalt, Enzyme und HMF

Goldener Honig mit perfekter Konsistenz fließt in warmem Licht
Spitzenhonig erkennt man nicht nur am Geschmack -- messbare Parameter wie Wassergehalt, Enzymaktivität und HMF-Wert entscheiden über die Qualität.

Honig enthält über 200 verschiedene Inhaltsstoffe -- Zucker, Enzyme, Aminosäuren, Vitamine und Aromastoffe. Doch nicht jeder Honig ist gleich gut. Die Qualität hängt von Faktoren ab, die du als Imker aktiv beeinflussen kannst.

In dieser Lektion lernst du die drei wichtigsten Qualitätsparameter kennen: Wassergehalt, Enzymaktivität und HMF-Wert. Du erfährst, wie du sie misst, welche gesetzlichen Grenzen gelten und wie du Spitzenqualität produzierst.

< 18 %
Wassergehalt ist das Qualitätsziel für herausragenden Honig -- der gesetzliche Grenzwert liegt bei 20 %

Warum Qualität so wichtig ist

Honigqualität hat direkte wirtschaftliche Konsequenzen:

  • Verkaufspreis: DIB-Honig erzielt 8-12 EUR pro 500g-Glas, Discounter-Honig liegt bei 3-5 EUR
  • Haltbarkeit: Honig mit niedrigem Wassergehalt hält sich praktisch unbegrenzt; zu feuchter Honig kann gären
  • Kundenbindung: Schlechter Honig bedeutet verlorene Kunden
  • Rechtssicherheit: Die Honigverordnung (HonigV) setzt verbindliche Mindeststandards

Honigqualität beginnt am Bienenvolk und endet beim Verbraucher. Der Imker hat es in der Hand, ob sein Honig ein hochwertiges Naturprodukt bleibt oder durch Fehler an Wert verliert.

Prof. Dr. Werner von der Ohe
ehem. Leiter LAVES Institut für Bienenkunde Celle

Der Wassergehalt: Qualitätskriterium Nr. 1

Der Wassergehalt entscheidet über Haltbarkeit, Konsistenz und Verkehrsfähigkeit. Honig ist eine übersättigte Zuckerlösung -- die Bienen reduzieren den Wassergehalt des Nektars (40-80 %) durch Fächeln und enzymatische Aufspaltung auf 15-20 %.

Bei zu hohem Wassergehalt droht Gärung: Osmophile Hefen werden ab ca. 18-20 % aktiv und vergären Zucker zu Alkohol und CO2. Der Honig schmeckt säuerlich und ist nicht mehr verkaufbar.

Gärung ist irreversibel

Einmal gärender Honig kann nicht mehr als Speisehonig verkauft werden. Deshalb: Wassergehalt immer VOR dem Schleudern messen!

Gesetzliche Grenzwerte

StandardMax. WassergehaltBemerkung
Deutsche Honigverordnung20 %Gesetzliches Maximum
EU-Richtlinie 2001/110/EG20 %Heidehonig bis 23 %
DIB-Qualitätsstandard18 %Strenger als gesetzlich
Empfehlung Qualitätsimker16-17 %Optimale Haltbarkeit

Wassergehalt messen: Das Refraktometer

  1. Kalibrieren

    Vor der Messung das Refraktometer mit destilliertem Wasser oder Kalibrierlösung kalibrieren. 2-3 Tropfen auf das Prisma, Klappe schließen, Kalibrierschraube justieren.

  2. Probe vorbereiten

    Repräsentative Probe entnehmen und kurz umrühren. Die Probe sollte Raumtemperatur (20 Grad C) haben.

  3. Auftragen und ablesen

    1-2 Tropfen Honig auf das Prisma geben, Klappe schließen (keine Luftblasen!). Gegen Lichtquelle halten und die Grenzlinie auf der Skala ablesen.

  4. Bewerten

    Unter 18 % -- hervorragend, sofort schleudern. 18-20 % -- akzeptabel nach HonigV. Über 20 % -- NICHT schleudern, Waben zurückhängen!

Honig-Refraktometer
Honig-Refraktometer
Pflichtausstattung
25-80 EUR

Analoges Refraktometer mit ATC (automatische Temperaturkompensation), Messbereich 12-27 % Wasser. Achte auf ein Modell mit Honig-Skala, nicht nur Brix-Skala.

Spritzprobe als Schnelltest

Verdeckelte Honigwabe waagerecht halten und kräftig nach unten schlagen. Kein Honig spritzt: Unter 18 %. Tropfen: Nachmessen. Honig fliegt: Zu feucht.

Wassergehalt senken

Am Volk: Waben erst schleudern wenn min. 2/3 verdeckelt sind. Kleinere Honigräume verwenden. Belüftung verbessern.

Im Schleuderraum: Raum mit Luftentfeuchter (unter 50 % Luftfeuchtigkeit), Waben 24-48 Stunden lagern. Max. 30 Grad, keine direkte Sonne.

Enzymaktivität: Das Zeichen für Natürlichkeit

Enzyme stammen aus den Drüsen der Honigbiene und sind ein direktes Maß für schonende Verarbeitung.

EnzymFunktionMessparameter
Invertase (Saccharase)Spaltet Saccharose in Glucose + FructoseInvertasezahl (IZ) in Units/kg
Diastase (Amylase)Spaltet StärkeDiastasezahl (DZ) nach Schade
Glucose-OxidaseProduziert H2O2 (antibakteriell)Nicht routinemäßig gemessen

Invertasezahl

Die Invertase ist das wärmeempfindlichste Enzym im Honig. Bereits über 40 Grad Celsius beginnt der Abbau.

> 64 Units/kg
Invertasezahl für DIB-Qualität -- frischer Blütenhonig erreicht oft über 150 Units/kg
  • Über 150: Hervorragend -- frischer Qualitätshonig
  • 64-150: Sehr gut -- DIB-Spitzenqualität
  • Unter 15: Mangelhaft -- wahrscheinlich erhitzt oder sehr alt

Diastasezahl

Die Diastase ist der gesetzlich vorgeschriebene Parameter: Mindestens 8 DZ nach Schade. Ausnahme: Bei natürlich enzymarmem Honig (z.B. Akazie) reicht DZ 3, wenn HMF unter 15 mg/kg.

Natürlich niedrige Enzymwerte

Akazienhonig hat sortenbedingt niedrigere Enzymwerte -- das ist kein Qualitätsmangel. Die HonigV berücksichtigt dies mit einer Ausnahmeregelung.

Enzyme schützen

Enzymschutz in der Praxis

Fortschritt0/0
Sammlung verschiedener Honiggläser in unterschiedlichen Goldtönen
Die Enzymaktivität verrät, ob ein Honig schonend verarbeitet wurde.

Der HMF-Wert: Alterungs- und Erhitzungsindikator

HMF (Hydroxymethylfurfural) entsteht beim Abbau von Fructose unter Einwirkung von Säure und Wärme. Frischer Honig hat nur 1-10 mg/kg, aber durch Erhitzung oder lange Lagerung steigt der Wert rapide.

Einflussfaktoren: Temperatur (wichtigster Faktor), Säuregehalt, Fructosegehalt, Lagerzeit, Lichteinwirkung.

< 40 mg/kg
maximaler HMF-Gehalt nach HonigV -- frischer Honig hat typisch 1-10 mg/kg
StandardMax. HMFBemerkung
HonigV / EU40 mg/kgGesetzliches Maximum
DIB-Standard15 mg/kgWeniger als die Hälfte des Gesetzes
Empfehlung< 10 mg/kgFrisch und schonend verarbeitet
DIB: 15 mg/kg HMF

Ein Honig, der ein Jahr bei Zimmertemperatur lagert, kann den DIB-Grenzwert bereits überschreiten. Kühle Lagerung (10-15 Grad) ist entscheidend.

Den HMF-Wert kannst du nicht selbst messen -- die Bestimmung erfolgt im Labor (HPLC oder photometrisch nach Winkler).

Wo messen lassen?

  • Bieneninstitute: Landesanstalten für Bienenkunde (Hohenheim, Celle, Mayen, Veitshöchheim) bieten Analysen teilweise kostenlos oder stark vergünstigt für Vereinsmitglieder an
  • Akkreditierte Labore: QSI Bremen, Intertek, Eurofins -- Kosten ca. 30-80 EUR pro Probe
  • DIB-Qualitätskontrolle: Bei Beanstandungen werden Proben automatisch analysiert
Refraktometer zur Honigqualitaetspruefung
Ein Refraktometer misst den Wassergehalt -- entscheidend fuer die Honigqualitaet

Die Honigverordnung (HonigV): Überblick

Die Deutsche Honigverordnung vom 16. Januar 2004 (zuletzt geändert 2024) setzt die EU-Honigrichtlinie in deutsches Recht um. Sie definiert, was als "Honig" verkauft werden darf.

DIB vs. HonigV: Der Qualitätsvergleich

ParameterHonigV (gesetzlich)DIB-Standard
Wassergehaltmax. 20 %max. 18 %
HMF-Gehaltmax. 40 mg/kgmax. 15 mg/kg
Diastasezahlmin. 8 (Schade)min. 8 (Schade)
Invertasezahlnicht vorgeschriebenmin. 64 Units/kg
HerkunftHerkunftsland angeben100 % deutscher Honig
Verarbeitungkeine Erhitzungmax. 40 Grad
~30 %
der deutschen Imker nutzen das DIB-Imker-Honigglas -- ein starkes Qualitätssignal für Verbraucher

Sortenhonig vs. Mischblütenhonig

Ein Honig darf eine Sortenbezeichnung tragen, wenn er überwiegend von dieser Trachtquelle stammt. Der Nachweis erfolgt über Pollenanalyse, sensorische Prüfung und physikalisch-chemische Parameter (Leitfähigkeit, Zuckerspektrum).

SorteTypischer WassergehaltKristallisationBesonderheit
Rapshonig15-17 %Sehr schnellMuss sofort gerührt werden
Akazienhonig16-18 %Sehr langsamNatürlich niedrige Enzymwerte
Waldhonig15-17 %LangsamHohe Leitfähigkeit > 0,8 mS/cm
Heidehonig17-21 %GelartigBis 23 % Wasser erlaubt
Mischblütenhonig ist kein Mangel

Mischblütenhonig spiegelt die Trachtvielfalt einer Region wider und hat oft ein besonders komplexes Aromaprofil. Die Bezeichnung "Blütenhonig" oder "Sommerblüte" ist bei Verbrauchern beliebt.

Lagerung: Qualität erhalten

Honigglas mit Wabenstück im warmen Licht
Richtige Lagerung bewahrt die Qualität über Jahre -- kühl, dunkel und trocken ist die Devise.

Honig richtig lagern

Fortschritt0/0
Temperatur und HMF-Bildung
  • 10 Grad: HMF +1 mg/kg pro Jahr -- optimal
  • 20 Grad: HMF +2-3 mg/kg pro Jahr -- akzeptabel
  • 30 Grad: HMF +10-15 mg/kg pro Jahr -- kritisch, DIB-Grenzwert in ca. 1 Jahr überschritten

Qualitäts-Workflow

  1. Vor der Ernte

    Verdeckelungsgrad prüfen (min. 2/3), Spritzprobe, Refraktometer-Messung. Nur schleudern wenn unter 18 % (DIB).

  2. Bei der Ernte

    Sauberer, trockener Raum, 20-25 Grad. Keine Sonneneinstrahlung. Edelstahl- oder lebensmittelechte Behälter.

  3. Nach dem Schleudern

    Doppelsieb, Wassergehalt dokumentieren, Chargenprotokoll anlegen.

  4. Reifung und Abfüllung

    48-72 Stunden ruhen lassen, abschäumen. Bei schnell kristallisierenden Sorten sofort rühren (Lektion 4). Sauber abfüllen, Etikett anbringen (Lektion 5).

  5. Lagerung

    Kühl, dunkel, trocken. Regelmäßig sensorisch prüfen. MHD beachten (typisch 2 Jahre).

Verschiedene Honigsorten zum Verkosten
Sensorische Prüfung ist ein wichtiger Teil der Qualitätskontrolle.

Wissenscheck

Welcher maximale Wassergehalt gilt für Honig im DIB-Imker-Honigglas?

Was ist HMF und warum ist es ein wichtiger Qualitätsparameter?

Welches Instrument ist für die Messung des Wassergehalts unverzichtbar?

Welcher Enzymparameter wird NUR vom DIB gefordert, nicht von der Honigverordnung?


In der nächsten Lektion begleiten wir den Honig vom Stock ins Glas: Der perfekte Ernte-Workflow mit allen Schritten und Werkzeugen.

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