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Nebenprodukte: Wachs, Propolis, Pollen vermarkten

22 min17 min Lesezeit
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Erschließe das volle Potenzial deiner Imkerei: Bienenwachs, Propolis, Blütenpollen und weitere Bienenprodukte professionell verarbeiten und vermarkten.

Nebenprodukte: Wachs, Propolis, Pollen vermarkten

Verschiedene Bienenprodukte ansprechend präsentiert: Honig, Wachs, Propolis, Pollen
Die Produktvielfalt aus dem Bienenstock geht weit über Honig hinaus -- jedes Produkt hat seinen eigenen Markt

Honig ist das Hauptprodukt der Imkerei -- aber bei Weitem nicht das einzige. Bienen produzieren eine erstaunliche Vielfalt wertvoller Substanzen: Bienenwachs, Propolis, Blütenpollen, Gelée Royale und sogar Bienengift. Jedes dieser Produkte hat einen eigenen Markt und kann deine Einnahmen erheblich steigern, ohne dass du mehr Völker brauchst.

In dieser Lektion lernst du, wie du diese Nebenprodukte professionell gewinnst, verarbeitest und vermarktest. Du erfährst, welche rechtlichen Rahmenbedingungen gelten -- und welche Produkte du besser den Profis überlässt.

30-50 %
Zusatzumsatz können Nebenprodukte zum Honigverkauf beitragen -- bei manchen Imkereien sogar mehr

Bienenwachs: Das vielseitigste Nebenprodukt

Rohes Bienenwachs wird im Sonnenwachsschmelzer eingeschmolzen
Reines Bienenwachs ist ein hochwertiger Rohstoff mit Dutzenden Anwendungsmöglichkeiten -- hier beim Einschmelzen im Sonnenwachsschmelzer

Bienenwachs fällt in jeder Imkerei an -- beim Entdeckeln der Honigwaben, beim Einschmelzen alter Waben und bei der Wachserneuerung. Viele Imker geben ihr Wachs zum Umarbeiten und erhalten Mittelwände zurück. Aber Wachs hat als Rohstoff und Fertigprodukt einen erheblichen Wert.

Bienenwachs ist ein von den Wachsdrüsen der Honigbiene (Apis mellifera) produziertes Naturwachs. Es besteht aus über 300 verschiedenen Substanzen, hauptsächlich Ester, Kohlenwasserstoffe und freie Fettsäuren. Schmelzpunkt: 62-65 °C.

Wachsgewinnung und -reinigung

  1. Entdeckelungswachs sammeln

    Das wertvollste Wachs fällt beim Entdeckeln der Honigwaben an. Es ist hell, sauber und aromatisch. Sammle es in einem sauberen Behälter und lass den Resthonig abtropfen. Entdeckelungswachs ist Premium-Wachs -- halte es getrennt von altem Wabenwachs.

  2. Altwaben einschmelzen

    Alte, dunkle Waben (nach 3-5 Jahren Nutzung wechseln!) werden eingeschmolzen. Hier gibt es verschiedene Methoden: Sonnenwachsschmelzer (kostenlos, aber langsam), Dampfwachsschmelzer (schnell, energieintensiv) oder Heißwasserverfahren.

  3. Wachs klären

    Geschmolzenes Wachs langsam abkühlen lassen. Verunreinigungen setzen sich am Boden ab (Trub). Den sauberen Wachsblock von oben abheben und den Trub abkratzen. Für beste Qualität: Vorgang 2-3x wiederholen oder durch ein feines Tuch filtern.

  4. Qualität prüfen

    Reines Bienenwachs hat eine goldgelbe Farbe, einen typischen honigsüßen Duft und bricht sauber (nicht krümelig). Misstrauisch sein bei: grauer Farbe (Verunreinigung), fehlendem Geruch (Paraffin-Beimischung) oder schmierigem Bruch.

Eigener Wachskreislauf -- warum er so wichtig ist

In der konventionellen Imkerei werden Mittelwände oft aus gesammeltem Wachs vieler Imker hergestellt. Das Problem: Es besteht das Risiko von Rückständen (Pestizide, Varroamittel) und Verfälschungen (Paraffin, Stearin). Ein eigener Wachskreislauf -- du verwendest nur dein eigenes, sauberes Wachs für neue Mittelwände -- garantiert Qualität und ist Voraussetzung für Bio-Imkerei.

Produkt 1: Bienenwachskerzen

Bienenwachskerzen in verschiedenen Formen beim Herstellen
Handgezogene Bienenwachskerzen sind ein beliebtes Produkt -- besonders zur Weihnachtszeit

Kerzen aus reinem Bienenwachs sind ein Premium-Produkt: Sie brennen ruhig, tropfen kaum, duften angenehm und reinigen sogar die Raumluft (negative Ionen). Der Markt für natürliche Kerzen wächst seit Jahren.

Bienenwachskerzen herstellen (Tauchverfahren)
2-3 Stunden
Material
  • Reines Bienenwachs (min. 500g)
  • Hoher Topf oder Eimer (Wasserbad)
  • Baumwolldocht (geflochten, Stärke passend zur Kerzenstärke)
  • Dochthölzchen oder Stab zum Aufhängen
  • Thermometer
  • Zeitungspapier als Unterlage

Schritt 1: Bienenwachs im Wasserbad langsam auf 70-75 °C erwärmen. Nie über 80 °C erhitzen (Brandgefahr, Qualitätsverlust)!

Schritt 2: Docht auf die gewünschte Kerzenlänge + 5 cm zuschneiden. Am oberen Ende an einem Hölzchen befestigen.

Schritt 3: Docht in das flüssige Wachs tauchen (3-5 Sekunden), herausziehen und 30 Sekunden abtropfen lassen.

Schritt 4: Vorgang wiederholen -- jeder Tauchgang fügt ca. 1 mm Wachsschicht hinzu. Für eine Stabkerze (ca. 22 mm Durchmesser) brauchst du ca. 25-30 Tauchgänge.

Schritt 5: Zwischen den Tauchgängen die Kerze immer leicht antrocknen lassen. Bei Raumtemperatur dauert das 20-30 Sekunden, im Kühlraum geht es schneller.

Schritt 6: Fertige Kerzen hängend trocknen lassen (mindestens 24 Stunden). Dann unten gerade schneiden und den Docht oben auf ca. 1 cm kürzen.

Alternative: Gießkerzen und gerollte Kerzen

Neben getauchten Kerzen gibt es zwei einfachere Methoden: Gießkerzen (Wachs in Silikonformen gießen -- schnell, vielfältige Formen möglich) und gerollte Kerzen (Mittelwandplatten warm rollen -- perfekt für Anfänger und Workshops mit Kindern). Gerollte Kerzen eignen sich hervorragend als Workshop-Produkt.

Preise für Bienenwachskerzen:

KerzentypMaterialeinsatzVerkaufspreisMarge
Stabkerze (22 mm, 25 cm)ca. 0,80 EUR4,00-6,00 EURSehr gut
Stumpenkerze (60 mm, 10 cm)ca. 2,00 EUR8,00-12,00 EURSehr gut
Gerollte Kerze (Mittelwand)ca. 0,60 EUR3,00-5,00 EURHervorragend
Teelicht (Bienenwachs)ca. 0,30 EUR1,50-2,50 EURSehr gut
Figurenkerze (Biene, Bär)ca. 1,50 EUR6,00-10,00 EURHervorragend

Produkt 2: Bienenwachstücher

Bunte Bienenwachstücher als nachhaltige Frischhaltefolie in der Küche
Bienenwachstücher sind der nachhaltige Ersatz für Frischhaltefolie -- ein Trendprodukt mit wachsender Nachfrage

Bienenwachstücher sind eine nachhaltige Alternative zu Frischhaltefolie und erleben seit Jahren einen Boom. Die Herstellung ist einfach und die Margen sind hervorragend.

Bienenwachstücher herstellen
1 Stunde (für ca. 10 Tücher)
Material
  • Reines Bienenwachs (geraspelt, ca. 30g pro Tuch)
  • Bio-Baumwollstoff (gemustert oder einfarbig)
  • Bügeleisen
  • Backpapier
  • Optional: Jojobaöl (5 %) und Baumharz/Kolophonium (15 %) für bessere Haftung

Schritt 1: Baumwollstoff auf gewünschte Größe zuschneiden (gängig: 20x20, 25x25, 30x30 cm). Kanten mit Zickzackschere schneiden oder säumen.

Schritt 2: Stoff auf Backpapier legen, gleichmäßig mit Wachsraspeln bestreuen (ca. 3 g pro 100 cm²).

Schritt 3: Zweites Backpapier auflegen und mit dem Bügeleisen auf mittlerer Stufe überstreichen, bis sich das Wachs gleichmäßig verteilt hat.

Schritt 4: Oberes Backpapier vorsichtig abziehen und das Tuch zum Trocknen aufhängen (erstarrt in Sekunden).

Schritt 5: Qualitätskontrolle: Das Tuch sollte sich geschmeidig anfühlen, leicht klebrig sein und beim Zusammendrücken an sich selbst haften.

Empfohlene Preise:

  • 3er-Set (S/M/L): 12-18 EUR
  • Einzeltuch (25x25 cm): 5-8 EUR
  • Brotbeutel (40x50 cm): 10-14 EUR

Produkt 3: Wachs als Rohstoff

Reines Bienenwachs in Blockform oder Pastillen hat einen stabilen Markt bei:

  • Kosmetikherstellern (Lippenpflege, Cremes, Salben)
  • Holzpflege (Möbelwachs, Bodenwachs)
  • Bastler und Kunsthandwerker (Batik, Enkaustik)
  • Bogensport (Sehnenwachs)

Marktpreise für reines Bienenwachs:

  • Bio-Bienenwachs: 25-40 EUR/kg
  • Konventionelles Bienenwachs: 15-25 EUR/kg
  • Entdeckelungswachs (Premium): 30-45 EUR/kg
25-40 EUR/kg
Preis für reines Bio-Bienenwachs -- mehr als das Doppelte des Honigpreises pro Kilogramm

Propolis: Das Kittharz der Bienen

Propolis-Tinktur in einer dunklen Glasflasche neben rohem Propolis
Propolis-Tinktur ist eines der margenstärksten Imkereiprodukte -- wenig Rohstoff, hoher Verkaufspreis
Propolis ist ein von Honigbienen produziertes Kittharz, mit dem sie Ritzen und Spalten im Bienenstock abdichten und desinfizieren. Es besteht aus Baumharzen (50-55 %), Wachs (25-35 %), ätherischen Ölen (5-10 %) und Pollen (5 %). Propolis enthält über 300 identifizierte Substanzen, darunter Flavonoide und Phenolsäuren.

Propolis-Gewinnung

Ein Bienenvolk produziert pro Jahr etwa 50-200 g Propolis (stark abhängig von Rasse, Klima und Beutentyp). Es gibt zwei Hauptmethoden der Gewinnung:

Methode 1: Propolisgitter

  • Spezielles Kunststoffgitter mit 2-3 mm breiten Schlitzen auf die Oberträger legen
  • Die Bienen verkitten die Schlitze mit Propolis
  • Nach 4-8 Wochen einfrieren und das spröde Propolis abbrechen
  • Ertrag: 50-100 g pro Gitter und Saison

Methode 2: Abkratzen

  • Propolis wird beim regulären Arbeiten an den Beuten von Rähmchenrändern, Beutenfalzen und Deckeln abgekratzt
  • Weniger reines Produkt (mehr Wachs- und Holzanteile)
  • Muss sorgfältiger gereinigt werden
Propolis im Gefrierfach sammeln

Frisches Propolis ist klebrig und schwer zu verarbeiten. Im Gefrierfach wird es spröde und lässt sich leicht zerkleinern, abkratzen und mahlen. Sammle Propolis über die Saison in einem sauberen Behälter im Gefrierfach, bis du genug für eine Charge hast.

Propolis-Tinktur herstellen

Propolis-Tinktur (Alkoholextrakt)
10 Minuten Vorbereitung + 4 Wochen Reifezeit
Material
  • Rohpropolis (gereinigt, 50-100 g)
  • Alkohol 70 % (Weingeist/Ethanol aus der Apotheke)
  • Dunkle Glasflasche (500 ml) mit Schraubverschluss
  • Feinsieb oder Kaffeefilter
  • Dunkle Tropfflaschen (30 ml) zum Abfüllen
  • Waage (Grammgenau)
  • Etiketten

Schritt 1: Propolis reinigen: Im Gefrierfach einfrieren, dann im Mörser oder mit einer Reibe fein zerkleinern. Grobe Wachs- und Holzstücke entfernen.

Schritt 2: Propolis in die dunkle Glasflasche geben. Für eine 20%ige Tinktur: 100 g Propolis auf 400 ml Alkohol (70 %).

Schritt 3: Flasche verschließen und an einem dunklen, kühlen Ort lagern. Täglich 1-2x kräftig schütteln -- das verbessert die Extraktion erheblich.

Schritt 4: Nach 4 Wochen durch ein feines Sieb oder Kaffeefilter abseihen. Die klare, dunkelbraune Flüssigkeit ist die fertige Tinktur.

Schritt 5: In dunkle 30-ml-Tropfflaschen abfüllen und etikettieren. Konzentration, Alkoholgehalt und Herstellungsdatum angeben.

Schritt 6: Kühl und dunkel lagern. Haltbarkeit: mindestens 3 Jahre.

Preise für Propolis-Produkte

ProduktRohstoffeinsatzVerkaufspreisMarge pro Stück
Propolis-Tinktur 20 % (30 ml)ca. 1,50 EUR8,00-15,00 EURHervorragend
Propolis-Tinktur 20 % (50 ml)ca. 2,50 EUR12,00-20,00 EURHervorragend
Propolis roh (10 g)ca. 0,50 EUR3,00-5,00 EURSehr gut
Propolis-Salbe (30 ml)ca. 2,00 EUR8,00-14,00 EURSehr gut
Propolis-Bonbons (100 g)ca. 1,50 EUR5,00-8,00 EURGut
Rechtliche Einordnung von Propolis -- WICHTIG!

Propolis ist kein zugelassenes Arzneimittel in Deutschland. Du darfst deshalb keine gesundheitsbezogenen Aussagen ("wirkt antibakteriell", "stärkt das Immunsystem", "hilft bei Erkältung") auf dem Etikett oder in der Werbung machen. Propolis-Tinktur wird als Nahrungsergänzungsmittel oder Kosmetikprodukt verkauft -- je nach Deklaration gelten unterschiedliche Vorschriften. Bei Propolis-Kapseln gilt zusätzlich die Novel-Food-Verordnung (EU) 2015/2283. Lass dich vor der Vermarktung rechtlich beraten!

Blütenpollen: Das Superfood aus dem Bienenstock

Bunte Blütenpollen-Körnchen auf einem Holzlöffel
Blütenpollen sind ein farbenfrohes Naturprodukt mit wachsender Nachfrage im Gesundheitsbereich
Blütenpollen (auch Bienenpollen genannt) sind von Honigbienen gesammelte und mit Nektar und Enzymen angereicherte Pollenkörner. Sie enthalten durchschnittlich 20-25 % Protein, 5-10 % Fett, 25-45 % Kohlenhydrate sowie Vitamine, Mineralstoffe und Antioxidantien. Zusammensetzung variiert je nach Pflanzenart.

Pollengewinnung

Pollen werden mit einer Pollenfalle am Flugloch der Beute gesammelt. Die Bienen müssen durch ein Gitter mit ca. 5 mm breiten Öffnungen hindurch, wobei die Pollenhöschen an den Hinterbeinen abgestreift werden und in eine Auffangschublade fallen.

Pollenfalle
Pollenfalle
Pflichtausstattung
15-40 EUR

Pollenfallen gibt es als Anflugbrett-Modelle (zum Anhängen) oder als Bodenschieber-Modelle (integriert). Achte auf ausreichend große Auffangschubladen und gute Belüftung, damit die Pollen nicht schimmeln. Die Falle sollte nicht permanent aktiv sein -- maximal 2-3 Tage pro Woche, damit das Volk genug Pollen für die eigene Versorgung behält.

Pollentrocknung und Lagerung

Frisch gesammelte Pollen haben einen Wassergehalt von ca. 20-30 % und sind nur 1-2 Tage haltbar. Die schonende Trocknung ist entscheidend für die Qualität:

  1. Täglich ernten

    Pollenfalle täglich leeren, spätestens alle 2 Tage. Bei feuchtem Wetter oder Wärme beginnen die Pollen sonst zu schimmeln oder zu gären.

  2. Vorreinigung

    Groben Schmutz (Bienenteile, Wachskrümel) entfernen. Am einfachsten durch leichtes Schwenken auf einem feinmaschigen Sieb.

  3. Trocknung

    Pollen dünn (max. 1 cm) auf Trocknungsgittern ausbreiten und bei maximal 40 °C trocknen. Ideal: Dörrgerät mit Temperaturregelung. Bei Raumtemperatur dauert es 2-3 Tage (gut belüfteter, trockener Raum). Ziel-Wassergehalt: unter 8 %.

  4. Qualitätsprüfung

    Getrocknete Pollen sollten hart sein und beim Zusammendrücken nicht kleben. Einzelne Körner zerfallen nicht zwischen den Fingern. Farbe: vielfältig (gelb, orange, braun, violett -- je nach Pflanzenart).

  5. Lagerung

    In luftdichte, dunkle Gläser oder Beutel abfüllen. Kühl und trocken lagern (am besten im Kühlschrank). Haltbarkeit: 1-2 Jahre. Einfrieren verlängert die Haltbarkeit auf 3+ Jahre.

Vermarktung von Blütenpollen

Typische Preise:

  • 250 g Glas: 8-14 EUR
  • 500 g Glas: 14-22 EUR
  • 1 kg: 22-35 EUR

Zielgruppen:

  • Gesundheitsbewusste Verbraucher (Smoothies, Müsli-Topping)
  • Sportler (natürliche Proteinquelle)
  • Naturkost-Enthusiasten
  • Allergiker (unter ärztlicher Aufsicht zur Desensibilisierung)
Allergenwarnung auf dem Etikett

Blütenpollen können bei Pollenallergikern schwere allergische Reaktionen auslösen. Ein entsprechender Warnhinweis auf dem Etikett ist dringend empfohlen und aus Haftungsgründen praktisch Pflicht: "Kann bei Pollenallergie allergische Reaktionen auslösen. Nicht geeignet für Kinder unter 1 Jahr."

Gelée Royale: Für Spezialisten

Gelée Royale (Weiselfuttersaft) ist das Sekret der Futtersaftdrüsen junger Arbeitsbienen. Es dient als Nahrung für alle Bienenlarven in den ersten 3 Tagen und danach ausschließlich für die Königin -- ihr ganzes Leben lang. Die besondere Ernährung bewirkt, dass die Königin größer wird, 5 Jahre lebt (statt 6 Wochen) und bis zu 2.000 Eier pro Tag legen kann.

Gelée Royale ist das teuerste Bienenprodukt, aber auch das aufwendigste in der Gewinnung:

  • Ertrag: Ca. 300-500 g pro Volk und Saison (sehr arbeitsintensiv)
  • Methode: Spezielle Zuchtlatten mit Weiselzellen, aus denen nach 72 Stunden der Futtersaft abgesaugt wird
  • Lagerung: Sofort einfrieren (-18 °C), sonst Qualitätsverlust innerhalb von Stunden
  • Preis: 100-250 EUR pro kg (frisch), 150-400 EUR pro kg (gefriergetrocknet)
Gelée Royale -- lohnt es sich?

Die Gewinnung von Gelée Royale ist extrem arbeitsintensiv und erfordert spezielle Ausrüstung und Erfahrung. Für die meisten Hobby- und Nebenerwerbsimker ist das Verhältnis von Aufwand zu Ertrag nicht wirtschaftlich. Gelée Royale ist ein Produkt für spezialisierte Berufsimker mit entsprechendem Know-how und Absatzkanal. In Deutschland wird der größte Teil des gehandelten Gelée Royale aus China importiert.

Bienengift: Nische für Profis

Bienengift (Apitoxin) wird in der Apitherapie und Kosmetikindustrie verwendet. Die Gewinnung erfolgt über spezielle Sammelrahmen mit schwachem Stromimpuls, der die Bienen zum Stechen (auf eine Glasplatte) anregt, ohne sie zu töten. Das getrocknete Gift wird von der Platte abgekratzt.

Preise: 30-80 EUR pro Gramm (!) -- aber die Gewinnung erfordert Spezialausrüstung, Genehmigungen und birgt Risiken. Für Hobbyimker nicht empfehlenswert.

Wertschöpfung durch Weiterverarbeitung

Die höchsten Margen erzielst du nicht mit Rohstoffen, sondern mit verarbeiteten Produkten. Hier sind die wichtigsten Möglichkeiten:

Honig-Kosmetik

ProduktHauptzutatenHerstellungsaufwandVerkaufspreisRechtliche Anforderungen
Honig-LippenbalsamBienenwachs, Honig, PflanzenölGering3-6 EUR (5 ml)EU-Kosmetikverordnung, CPNP-Meldung
Propolis-SalbePropolis-Tinktur, Bienenwachs, OlivenölGering-Mittel8-14 EUR (30 ml)EU-Kosmetikverordnung, CPNP-Meldung
Honig-SeifeSeifenbasis, Honig, BienenwachsMittel4-8 EUR (100 g)EU-Kosmetikverordnung, CPNP-Meldung
Bienenwachs-HandcremeBienenwachs, Mandelöl, HonigMittel8-15 EUR (50 ml)EU-Kosmetikverordnung, CPNP-Meldung
Kosmetikprodukte: EU-Kosmetikverordnung beachten!

Wer kosmetische Produkte verkauft (auch in kleinen Mengen!), muss die EU-Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009 einhalten. Das bedeutet:

  • Sicherheitsbewertung durch einen zertifizierten Sachverständigen (Kosten: 200-500 EUR pro Produkt)
  • Meldung im CPNP (Cosmetic Products Notification Portal) der EU
  • INCI-Deklaration (Inhaltsstoffe in der internationalen Nomenklatur) auf dem Etikett
  • Gute Herstellungspraxis (GMP) in der Produktion
  • Verantwortliche Person mit Sitz in der EU

Diese Anforderungen gelten auch für selbstgemachte Honigseife oder Lippenbalsam, sobald du sie verkaufst. Die Kosten für die Sicherheitsbewertung lohnen sich erst ab einer gewissen Stückzahl.

Honig-Lebensmittel

ProduktBesonderheitenVerkaufspreisRechtliche Anforderungen
HonigbonbonsEinfache Herstellung, gutes Geschenk5-8 EUR (100 g)Lebensmittelrecht, ggf. Gewerbe
Honig mit Nüssen/FrüchtenOptisch ansprechend, Geschenk8-14 EUR (250 g)Lebensmittelrecht, Allergen-Deklaration
Honiglikör / BärenfangTraditionsprodukt, Geschenk10-18 EUR (200 ml)Branntweinsteuer, Verschlussbrennerei-Meldung
Met / HonigweinWachsendes Interesse, Nische8-15 EUR (500 ml)Weinrecht, Gewerbe, ggf. Weinbaubetrieb
Honig-SenfKooperation mit Senfmühle möglich4-7 EUR (200 ml)Lebensmittelrecht, Gewerbe
Alkoholische Getränke: Besondere Vorschriften

Die Herstellung von Met (Honigwein) und Bärenfang (Honiglikör) unterliegt besonderen Vorschriften. Met fällt unter das Weinrecht und erfordert eine Anmeldung als Weinbaubetrieb. Für Honiglikör brauchst du eine Erlaubnis nach dem Branntweinmonopolgesetz. Lass dich vor Beginn beim zuständigen Hauptzollamt beraten -- die Bußgelder bei Verstößen sind empfindlich.

Die Produktpalette aufbauen: Schritt für Schritt

Nicht alles auf einmal! Baue dein Sortiment strategisch auf:

  1. Stufe 1: Wachskerzen (Jahr 1)

    Der einfachste Einstieg: Du hast das Wachs sowieso, die Herstellung ist unkompliziert, und es gibt keine besonderen rechtlichen Hürden. Investition: minimal (Formen, Dochte). Ideal als Weihnachtsprodukt. Starte mit gerollten und gegossenen Kerzen.

  2. Stufe 2: Propolis-Tinktur (Jahr 1-2)

    Propolis sammeln, Tinktur ansetzen -- fertig. Als Nahrungsergänzungsmittel deklariert, gelten die Vorschriften des Lebensmittelrechts. Keine gesundheitsbezogenen Werbeaussagen! Hohe Marge, geringer Aufwand.

  3. Stufe 3: Bienenwachstücher (Jahr 2)

    Trendprodukt mit guten Margen. Etwas mehr Materialaufwand (Stoff, Harz), aber die Herstellung ist schnell erlernt. Ideal für Märkte und Online-Verkauf.

  4. Stufe 4: Blütenpollen (Jahr 2-3)

    Investition in Pollenfalle und Dörrgerät nötig. Regelmäßiger Arbeitsaufwand während der Saison (tägliche Ernte). Guter Markt bei gesundheitsbewussten Kunden.

  5. Stufe 5: Kosmetik und Spezialprodukte (Jahr 3+)

    Erst wenn die Grundlagen stehen, lohnt sich der Einstieg in die Kosmetik. Die regulatorischen Anforderungen (EU-Kosmetikverordnung) erfordern Investitionen in Sicherheitsbewertung und Dokumentation. Alternativ: Kooperation mit einer lokalen Manufaktur, die dein Wachs und deine Rohstoffe verarbeitet.

Qualitätssicherung für alle Nebenprodukte

Unabhängig vom Produkt gelten gemeinsame Qualitätsgrundsätze:

Qualitätssicherung Nebenprodukte

Fortschritt0/0

Wirtschaftlicher Überblick: Was bringen Nebenprodukte?

Eine Beispielrechnung für eine Imkerei mit 15 Völkern:

ProduktgruppeJahresertragUmsatz (ca.)Anteil am Gesamtumsatz
Honig (375 kg)750 Gläser à 500g6.375 EUR65 %
Wachskerzen100 Paar Stabkerzen, 50 Stumpfen1.000 EUR10 %
Bienenwachstücher60 Sets à 3 Stück900 EUR9 %
Propolis-Tinktur80 Fläschchen à 30 ml800 EUR8 %
Blütenpollen15 Gläser à 250g150 EUR2 %
Geschenksets20 Sets600 EUR6 %
GESAMT9.825 EUR100 %
+ 54 %
Umsatzsteigerung durch Nebenprodukte gegenüber reinem Honigverkauf in diesem Beispiel

Wissenscheck

Teste dein Wissen über Bienennebenprodukte:

Warum ist ein eigener Wachskreislauf für Imker so wichtig?

Welche Aussage darf man bei der Vermarktung von Propolis-Tinktur NICHT machen?

Welche EU-Verordnung muss beachtet werden, wenn man Honig-Lippenbalsam verkauft?


In der nächsten Lektion geht es um Markenaufbau: Wie du ein einprägsames Logo entwickelst, deine Geschichte erzählst und eine Marke schaffst, die Kunden wiedererkennen und weiterempfehlen.

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