Preise kalkulieren: Faire Preise für Qualitätshonig
Lerne die Vollkostenrechnung für Imkereiprodukte: Material, Arbeit, Abschreibung und Verpackung. Mit Break-Even-Analyse und Preisstrategien für maximalen Ertrag.
Preise kalkulieren: Faire Preise für Qualitätshonig

Eine der häufigsten Fragen, die Imker beschäftigt: Was darf mein Honig kosten? Viele Hobbyimker verschenken ihren Honig oder verkaufen ihn weit unter Wert -- oft aus Unsicherheit, weil sie ihre tatsächlichen Kosten nicht kennen. Gleichzeitig stehen Imker, die professioneller arbeiten möchten, vor der Herausforderung, Preise zu finden, die fair gegenüber Kunden sind und trotzdem die eigenen Kosten decken.
In dieser Lektion lernst du, wie du eine solide Vollkostenrechnung aufstellst, welche Marktpreise in Deutschland üblich sind und wie du mit psychologisch kluger Preisgestaltung deinen Honig erfolgreich vermarktest. Am Ende wirst du in der Lage sein, für jedes deiner Produkte einen fundierten Preis zu berechnen.
Warum die richtige Preiskalkulation so wichtig ist
Bevor wir in die Zahlen einsteigen, lass uns klären, warum eine professionelle Preiskalkulation für jeden Imker relevant ist -- auch wenn du nur 5 Völker hast:
- Wertschätzung deiner Arbeit: Ein realistischer Preis spiegelt die Hunderte Stunden wider, die du jährlich investierst
- Nachhaltigkeit: Nur wer seine Kosten deckt, kann langfristig hochwertige Imkerei betreiben
- Qualitätssignal: Ein zu niedriger Preis lässt Kunden an der Qualität zweifeln
- Fairness: Wenn du deinen Honig zu billig verkaufst, untergräbst du auch die Preise deiner Imker-Kolleginnen und -Kollegen
- Betriebswirtschaftliche Grundlage: Wer skalieren möchte, braucht verlässliche Kalkulationen
Viele Imker kalkulieren nur die offensichtlichen Kosten wie Gläser und Etiketten. Dabei machen diese Verpackungskosten nur 10-15 % der tatsächlichen Gesamtkosten aus. Die wahren Kostentreiber sind Arbeitszeit, Geräteabschreibung und laufende Betriebskosten -- und die werden systematisch unterschätzt.
Grundlagen der Vollkostenrechnung
Die Vollkostenrechnung erfasst alle Kosten, die bei der Honigproduktion anfallen -- direkte und indirekte. Nur so erhältst du ein realistisches Bild deiner tatsächlichen Produktionskosten.
Die vier Kostenblöcke
Block 1: Materialkosten (variable Kosten)
Das sind Kosten, die direkt mit der produzierten Menge zusammenhängen. Je mehr Honig du produzierst, desto mehr Gläser, Etiketten und Deckel brauchst du.
Typische Positionen:
- Honiggläser (DIB 500g: ca. 0,55-0,70 EUR/Stück, Neutralglas: 0,35-0,55 EUR)
- Deckel (0,10-0,25 EUR/Stück, je nach Qualität)
- Etiketten (DIB-Gewährverschluss: ca. 0,12 EUR, Eigenetikett: 0,08-0,25 EUR)
- Mittelwände (ca. 1,20-1,80 EUR/Stück)
- Futtermittel (Zucker/Futtersirup: ca. 15-20 EUR pro Volk und Jahr)
- Varroabehandlungsmittel (ca. 5-10 EUR pro Volk und Jahr)
- Verpackungsmaterial (Kartons, Klebeband, Polsterung bei Versand)
Block 2: Arbeitskosten (Kalkulation)
Auch wenn du dir selbst keinen Lohn zahlst, hat deine Arbeitszeit einen Wert. Für die Kalkulation solltest du einen kalkulatorischen Stundenlohn ansetzen.
Richtwerte:
- Hobbyimker: 15-20 EUR/Stunde (Mindestlohn-Orientierung)
- Nebenerwerbsimker: 20-30 EUR/Stunde (qualifizierte Arbeit)
- Berufsimker: 25-40 EUR/Stunde (Facharbeiterniveau)
Zeitaufwand pro Volk und Jahr:
- Durchsichten und Pflege: ca. 15-20 Stunden
- Honigernte und Verarbeitung: ca. 5-8 Stunden
- Varroabehandlung: ca. 3-5 Stunden
- Einfütterung: ca. 2-3 Stunden
- Vermarktung und Verkauf: ca. 3-5 Stunden
- Verwaltung und Dokumentation: ca. 2-4 Stunden
- Gesamt: ca. 30-45 Stunden pro Volk und Jahr
Block 3: Abschreibungen (Geräte und Beuten)
Geräte und Beuten haben eine begrenzte Nutzungsdauer. Die Anschaffungskosten werden über diese Nutzungsdauer verteilt.
Typische Abschreibungszeiträume:
- Honigschleuder: 15-20 Jahre (Kosten: 300-2.000 EUR)
- Beuten (Holz): 10-15 Jahre (Kosten: 80-150 EUR/Stück)
- Smoker: 5-8 Jahre (Kosten: 25-50 EUR)
- Entdeckelungsgeschirr: 10-15 Jahre (Kosten: 50-200 EUR)
- Schutzkleidung: 3-5 Jahre (Kosten: 60-120 EUR)
- Abfülleinrichtung: 10-15 Jahre (Kosten: 50-300 EUR)
Block 4: Laufende Betriebskosten (Fixkosten)
Diese Kosten fallen unabhängig von der Produktionsmenge an.
Positionen:
- Vereinsbeitrag + Versicherung: 40-80 EUR/Jahr
- Tierseuchenkasse: 0-15 EUR/Jahr (je nach Bundesland)
- Fahrtkosten zu den Ständen: stark variabel (0,30 EUR/km Pauschale)
- Strom (Schleuderraum, Heizplatte): ca. 50-100 EUR/Jahr
- Wasserversorgung und Reinigung: ca. 20-40 EUR/Jahr
- Fortbildungen und Fachliteratur: ca. 50-150 EUR/Jahr
- Weiterverarbeitungsraum (Miete/anteilig): 0-600 EUR/Jahr
Beispielkalkulation: 500g-Glas Blütenhonig
Schauen wir uns eine konkrete Kalkulation an. Wir gehen von einer kleinen Hobbyimkerei mit 10 Völkern aus, die im Durchschnitt 25 kg Honig pro Volk und Jahr erntet -- also 250 kg Gesamternte.

| Kostenposition | Kosten/Jahr | Kosten pro 500g-Glas |
|---|---|---|
| Glas + Deckel | 350 EUR (500 Gläser) | 0,70 EUR |
| Etiketten + Gewährverschluss | 100 EUR | 0,20 EUR |
| Mittelwände | 120 EUR | 0,24 EUR |
| Futter + Behandlung | 250 EUR | 0,50 EUR |
| Geräteabschreibung | 200 EUR | 0,40 EUR |
| Laufende Betriebskosten | 300 EUR | 0,60 EUR |
| Arbeitszeit (350 Std. x 20 EUR) | 7.000 EUR | 14,00 EUR |
| SUMME (mit Arbeit) | 8.320 EUR | 16,64 EUR |
| SUMME (ohne Arbeit) | 1.320 EUR | 2,64 EUR |
Die Zahlen zeigen deutlich: Die Arbeitszeit macht über 80 % der Gesamtkosten aus. Bei einem Verkaufspreis von 8 EUR pro 500g-Glas liegt der rechnerische Stundenlohn bei nur ca. 3-4 EUR. Das ist kein Vorwurf -- es zeigt, dass Imkerei als reines Geschäftsmodell für kleine Betriebe schwierig ist. Umso wichtiger ist es, den Honig nicht auch noch unter den reinen Materialkosten zu verkaufen.
Realistische Preisfindung
Die ehrliche Antwort ist: Als Hobbyimker mit 10 Völkern wirst du die vollen Arbeitskosten kaum über den Honigpreis refinanzieren können. Das ist auch in Ordnung -- Imkerei ist für die meisten ein Hobby mit Nebenertrag, kein Vollzeitgeschäft. Trotzdem sollte dein Preis mindestens die Materialkosten, Abschreibungen und Betriebskosten decken und einen angemessenen Beitrag zu deiner Arbeitszeit leisten.
Formel für den Mindestpreis
Der absolute Mindestpreis, unter dem du niemals verkaufen solltest:
Mindestpreis = Materialkosten + Abschreibung + Betriebskosten + Gewinnmarge
Für unser Beispiel:
2,64 EUR + 20 % Marge = 3,17 EUR pro 500g-Glas
Das ist der nackte Boden. Ein fairer Preis, der auch einen Teil deiner Arbeitszeit honoriert, liegt deutlich darüber -- im Bereich von 7-12 EUR pro 500g.
Marktpreise in Deutschland: Der große Vergleich
Um deinen Preis realistisch einzuordnen, musst du wissen, was Honig in verschiedenen Vertriebskanälen kostet.
| Vertriebskanal | Preis pro 500g | Qualität | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Discounter (Aldi, Lidl) | 2,49-3,99 EUR | Mischung, oft Import | EU-/Nicht-EU-Mischungen, industriell |
| Supermarkt (Rewe, Edeka) | 3,99-6,99 EUR | Gemischt | Breites Spektrum, auch Markenhonig |
| DIB-Imkerhonig (Vereinsglas) | 6,50-9,00 EUR | Kontrolliert, regional | Deutscher Honig, DIB-Qualitätsstandards |
| Direktvermarktung (Hofladen) | 7,00-12,00 EUR | Hoch, regional | Persönlicher Kontakt, Vertrauen |
| Wochenmarkt | 8,00-14,00 EUR | Hoch, sortenrein | Premium-Segment, Beratung inklusive |
| Bio-Honig (zertifiziert) | 9,00-16,00 EUR | Bio-zertifiziert | Aufpreis 20-40 % gegenüber konventionell |
| Spezialitäten (Heide, Wald) | 10,00-20,00 EUR | Premium, sortenrein | Seltene Sorten, begrenzte Verfügbarkeit |
| Online-Handel (eigener Shop) | 8,00-15,00 EUR | Hoch | Plus Versandkosten, größerer Radius |
Der Deutsche Imkerbund (DIB) veröffentlicht jährlich Preisempfehlungen. Für 2025/2026 liegt die Empfehlung bei 6,50-8,50 EUR für 500g (je nach Region und Sorte). Diese Empfehlung gilt als Orientierung und Mindestpreis für DIB-Glas-Vermarkter. Direktvermarkter mit guter Story und Qualität können und sollten deutlich darüber liegen.
Preisunterschiede nach Region
Die Zahlungsbereitschaft der Kunden variiert erheblich nach Region:
- Großstädte (München, Hamburg, Berlin): 10-15 EUR/500g sind durchsetzbar, besonders in urbanen Bioläden
- Wohlhabende Vororte: 8-12 EUR/500g, hohe Wertschätzung für Regionalität
- Ländliche Regionen: 6-9 EUR/500g, hier kennen die Leute Imker oft persönlich
- Tourismusregionen: 10-14 EUR/500g, Honig als Souvenir und Mitbringsel

Preisdifferenzierung: Verschiedene Preise für verschiedene Produkte
Ein einheitlicher Preis für alle Honigsorten verschenkt Potenzial. Kluge Preisdifferenzierung erlaubt dir, den Wert jeder Sorte angemessen abzubilden.
Differenzierung nach Sorte
Nicht alle Honigsorten sind gleich aufwendig zu produzieren oder gleich selten:
| Honigsorte | Empfohlener Preis (500g) | Begründung |
|---|---|---|
| Frühtracht/Blütenhonig | 7,00-9,00 EUR | Standardsorte, relativ hoher Ertrag |
| Sommertracht | 7,50-9,50 EUR | Vielfältiges Aroma, mittlerer Ertrag |
| Rapshonig | 7,00-8,50 EUR | Hoher Ertrag, aber viel Nachfrage |
| Lindenhonig | 8,50-11,00 EUR | Beliebte Sorte, standortabhängig |
| Waldhonig/Tannenhonig | 9,00-14,00 EUR | Honigtauhonig, geringerer Ertrag, gefragt |
| Akazienhonig | 9,00-13,00 EUR | Bleibt lange flüssig, beliebt |
| Heidehonig | 12,00-20,00 EUR | Sehr aufwendige Ernte (Pressen), selten |
| Wabenhonig/Scheibenhonig | 14,00-25,00 EUR | Unverarbeitetes Premiumprodukt |
Differenzierung nach Verpackung und Gebindegröße
| Gebindegröße | Preis/kg effektiv | Strategie |
|---|---|---|
| 50g Probierglas | 30-40 EUR/kg | Geschenk, Probiersets, Hochzeitsfavors |
| 250g Glas | 20-28 EUR/kg | Einstiegsprodukt, Geschenk |
| 500g Glas | 14-24 EUR/kg | Standardgröße, meistverkauft |
| 1000g Glas | 12-18 EUR/kg | Stammkunden, Mengenrabatt |
| 2,5-5 kg Eimer | 8-12 EUR/kg | Großabnehmer, Gastronomie |
Das 250g-Glas wird oft unterschätzt, ist aber ein hervorragendes Geschenk- und Probierformat. Der effektive Kilopreis ist deutlich höher als beim 500g-Glas, und die Kunden empfinden den absoluten Preis (4-6 EUR) als niedrigschwellig. Besonders für Sortimentsboxen (3 x 250g verschiedene Sorten) eignet sich dieses Format hervorragend.
Preispsychologie: Wie Menschen Preise wahrnehmen
Preise sind nicht nur Zahlen -- sie senden Botschaften. Hier sind die wichtigsten psychologischen Prinzipien, die du bei der Preisgestaltung nutzen kannst:
1. Schwellenpreise (Preisanker)
Menschen nehmen Preise nicht linear wahr. Der Sprung von 7,90 EUR auf 8,10 EUR fühlt sich größer an als von 8,10 EUR auf 8,30 EUR, weil die 8-Euro-Schwelle überschritten wird. Nutze das:
- 7,90 EUR statt 8,00 EUR (unter der psychologischen Schwelle bleiben)
- 9,80 EUR statt 10,00 EUR (die 10-EUR-Grenze vermeiden)
- Alternativ: Bewusst runde Preise (8,00 EUR, 10,00 EUR) für ein Premium-Signal
2. Ankering-Effekt
Zeige den teuersten Honig zuerst. Wenn Kunden zuerst den Heidehonig für 18 EUR sehen, erscheint der Blütenhonig für 8,50 EUR danach als Schnäppchen. Das funktioniert auf dem Marktstand genauso wie im Online-Shop.
3. Decoy-Effekt (Köder-Preis)
Drei Größen anbieten, wobei die mittlere das beste Preis-Leistungs-Verhältnis hat:
- 250g für 5,50 EUR (22 EUR/kg)
- 500g für 8,50 EUR (17 EUR/kg) -- bestes Angebot
- 1000g für 15,00 EUR (15 EUR/kg)
Die meisten Kunden greifen zum 500g-Glas, weil es im Vergleich zum kleinen Glas deutlich günstiger pro Kilo ist, aber nicht so viel Commitment erfordert wie das Kiloglas.
4. Qualitätssignal durch Preis
Ein zu niedriger Preis bei Lebensmitteln kann das Gegenteil des gewünschten Effekts haben: Statt mehr zu verkaufen, sinkt das Vertrauen in die Qualität. Bei handwerklichen Produkten wie Imkerhonig signalisiert der Preis Sorgfalt und Wertigkeit.
Prof. Dr. Werner Kroeber-RielKonsumforschung, Universität des Saarlandes
Ein Honig für 5 EUR wirkt billiger als ein Honig für 9 EUR -- und nicht nur im Preis. Kunden, die Qualität suchen, werden den teureren Honig bevorzugen, weil sie den Preis als Qualitätsindikator lesen. Natürlich muss die Qualität dann auch stimmen.
Deckungsbeitragsrechnung: Was bleibt übrig?
Die Deckungsbeitragsrechnung zeigt dir, wie viel jedes verkaufte Glas zur Deckung deiner Fixkosten beiträgt. Das ist besonders nützlich, um verschiedene Produkte und Vertriebskanäle zu vergleichen.
Der Deckungsbeitrag ist die Differenz zwischen dem Verkaufspreis und den variablen Kosten (Materialkosten) pro Stück. Er zeigt, wie viel Geld nach Abzug der direkt zurechenbaren Kosten übrig bleibt, um Fixkosten zu decken und Gewinn zu erzielen.Formel
Deckungsbeitrag (DB) = Verkaufspreis - Variable Kosten pro Stück
Beispielrechnung für verschiedene Produkte
| Produkt | Verkaufspreis | Variable Kosten | Deckungsbeitrag | DB in % |
|---|---|---|---|---|
| 500g Blütenhonig (DIB-Glas) | 8,50 EUR | 1,20 EUR | 7,30 EUR | 85,9 % |
| 250g Blütenhonig | 5,50 EUR | 0,85 EUR | 4,65 EUR | 84,5 % |
| 500g Waldhonig | 11,00 EUR | 1,20 EUR | 9,80 EUR | 89,1 % |
| Wabenhonig (250g) | 12,00 EUR | 1,50 EUR | 10,50 EUR | 87,5 % |
| 3er-Probierset (3x250g) | 18,00 EUR | 3,50 EUR | 14,50 EUR | 80,6 % |
| Kerzen (2er-Set) | 8,00 EUR | 2,50 EUR | 5,50 EUR | 68,8 % |
| Propolis-Tinktur (30ml) | 9,50 EUR | 1,80 EUR | 7,70 EUR | 81,1 % |
Waldhonig und Wabenhonig haben den höchsten Deckungsbeitrag pro Stück. Das bedeutet: Jedes verkaufte Glas trägt am meisten zur Deckung deiner Fixkosten bei. Wenn du die Wahl hast, welches Produkt du stärker bewirbst, sind Premiumprodukte aus betriebswirtschaftlicher Sicht attraktiver -- vorausgesetzt, die Nachfrage ist da.
Break-Even-Analyse: Ab wann lohnt es sich?
Die Break-Even-Analyse beantwortet die Frage: Wie viele Gläser muss ich verkaufen, um meine Fixkosten zu decken?
Der Break-Even-Point (Gewinnschwelle) ist der Punkt, an dem die Erlöse genau die Gesamtkosten decken. Ab diesem Punkt macht der Betrieb Gewinn.Formel
Break-Even-Menge = Fixkosten / Deckungsbeitrag pro Stück
Beispiel: 10 Völker, 250 kg Ernte
Angenommen, deine jährlichen Fixkosten (Abschreibung + Betriebskosten, ohne Arbeitszeit) betragen 500 EUR und dein durchschnittlicher Deckungsbeitrag liegt bei 7,30 EUR pro 500g-Glas:
500 EUR / 7,30 EUR = 69 Gläser
Du musst also mindestens 69 Gläser à 500g (= 34,5 kg Honig) verkaufen, um deine Fixkosten zu decken. Bei einer Gesamternte von 250 kg (= 500 Gläser) ist das leicht erreichbar.
Erweiterte Break-Even-Analyse mit Arbeitszeit
Wenn du auch einen Teil deiner Arbeitszeit (z.B. 10 EUR/Stunde statt der vollen 20 EUR) einrechnest:
Fixkosten: 500 EUR + (350 Stunden x 10 EUR) = 4.000 EUR 4.000 EUR / 7,30 EUR = 548 Gläser (= 274 kg)
Das übersteigt die Ernte von 250 kg! Mit 10 Völkern und moderater Arbeitszeitbewertung erreichst du also keinen Break-Even. Erst ab ca. 15-20 Völkern oder bei höheren Verkaufspreisen wird die Rechnung positiv.
Drei Stellschrauben, um den Break-Even schneller zu erreichen:
- Höhere Preise (Premiumsorten, Direktvermarktung, Storytelling)
- Mehr Ertrag (bessere Standorte, optimierte Betriebsweise)
- Nebenprodukte (Wachs, Propolis, Kurse -- zusätzliche Erlöse ohne zusätzliche Völker)
Preisgestaltung für Nebenprodukte
Neben Honig bieten Imkereiprodukte interessante Zusatzerlöse. Hier ein Überblick über marktübliche Preise:
| Produkt | Üblicher Preis | Aufwand | Ertragspotenzial |
|---|---|---|---|
| Bienenwachskerzen (Paar) | 6-12 EUR | Mittel | Gut (Weihnachtsgeschäft) |
| Bienenwachstücher (3er-Set) | 12-18 EUR | Mittel | Gut (Nachhaltigkeitstrend) |
| Propolis-Tinktur (30ml) | 8-15 EUR | Gering | Sehr gut |
| Blütenpollen (250g) | 8-14 EUR | Mittel | Gut |
| Lippenbalsam (5ml) | 3-6 EUR | Gering | Gut (Geschenkartikel) |
| Honig-Geschenkset | 20-45 EUR | Gering | Sehr gut (Weihnachten, Ostern) |
| Met/Honigwein (0,5l) | 8-15 EUR | Hoch | Mittel |
Kalkulationstool: Deine persönliche Berechnung
Hier ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, um deinen individuellen Honigpreis zu berechnen:
- Taschenrechner oder Tabellenkalkulation
- Letzte Jahresabrechnung/Belege
- Übersicht über Erntemengen
- Liste aller Geräte mit Anschaffungsjahr
Schritt 1: Notiere alle variablen Kosten pro Glas (Glas, Deckel, Etikett, anteilige Mittelwände, Futter, Behandlung)
Schritt 2: Summiere alle Fixkosten des letzten Jahres (Verein, Versicherung, Fahrtkosten, Strom, Miete)
Schritt 3: Berechne die jährliche Abschreibung aller Geräte (Anschaffungspreis / Nutzungsjahre)
Schritt 4: Schätze deine jährliche Arbeitszeit und multipliziere mit deinem kalkulatorischen Stundenlohn
Schritt 5: Addiere alles und teile durch die Anzahl der produzierten Gläser
Schritt 6: Schlage eine Gewinnmarge von 15-25 % auf
Schritt 7: Vergleiche mit den Marktpreisen und passe ggf. an

Häufige Fehler bei der Preiskalkulation
Preisstrategien für verschiedene Situationen
Strategie 1: Der Einsteiger (1-5 Völker)
Du hast wenig Honig und verkaufst hauptsächlich an Freunde und Bekannte.
- Preis: DIB-Empfehlung als Minimum (ca. 7-8 EUR/500g)
- Fokus: Faire Preise lernen, nicht verschenken
- Tipp: Lieber weniger verkaufen und den Rest selbst nutzen als zu billig abgeben
Strategie 2: Der ambitionierte Hobbyimker (5-15 Völker)
Du vermarktest aktiv und möchtest deine Kosten decken.
- Preis: 8-12 EUR/500g je nach Sorte und Region
- Fokus: Preisdifferenzierung nach Sorten, 2-3 Gebindegrößen anbieten
- Tipp: Geschenksets und Nebenprodukte für höhere Deckungsbeiträge
Strategie 3: Der Nebenerwerbsimker (15-50 Völker)
Du willst einen relevanten Beitrag zum Einkommen erwirtschaften.
- Preis: 9-15 EUR/500g für Premiumsorten, differenzierte Preisliste
- Fokus: Professionale Verpackung, Markenaufbau, diverse Vertriebskanäle
- Tipp: Break-Even-Analyse monatlich aktualisieren, Deckungsbeiträge vergleichen

Checkliste: Deine Preiskalkulation
Preiskalkulation Checkliste
Wissenscheck
Teste dein Wissen zur Preiskalkulation:
Welcher Kostenblock macht bei einer Hobbyimkerei den größten Anteil der Gesamtkosten aus?
Was ist der Deckungsbeitrag?
Warum sollte ein Imker seinen Honig NICHT zu billig verkaufen?
In der nächsten Lektion beschäftigen wir uns mit Vermarktungsstrategien -- vom Hofladen über den Wochenmarkt bis zum eigenen Online-Shop. Du erfährst, welcher Vertriebskanal zu dir passt und wie du Kunden gewinnst und bindest.