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Deine Grundausstattung: Was du wirklich brauchst

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Beute, Smoker, Schleier -- die Imker-Grundausstattung im Detail. Was du wirklich brauchst, was es kostet und wo du beim Einkauf sparen kannst.

Deine Grundausstattung: Was du wirklich brauchst

Imkerei-Werkzeuge sauber angeordnet: Stockmeißel, Smoker, Handschuhe, Besen und Schleier
Die Grundausstattung eines Imkers -- übersichtlich und langlebig

Der Einstieg in die Imkerei erfordert eine gewisse Grundinvestition. Die gute Nachricht: Die meisten Geräte halten viele Jahre, und du brauchst nicht alles vom ersten Tag an. In dieser Lektion erfährst du, was wirklich Pflicht ist, was optional ist und wo du gezielt Geld sparen kannst.

Goldene Regel für Anfänger

Kaufe zuerst das Nötigste in guter Qualität statt alles auf einmal in billiger Ausführung. Eine solide Beute hält 20+ Jahre, ein guter Stockmeißel ein Leben lang. Billigware frustriert nur und muss bald ersetzt werden.

500–800 €
kostet die Grundausstattung (ohne Bienen) -- eine Investition, die viele Jahre hält

Pflicht vs. Optional: Der Überblick

Bevor wir ins Detail gehen, hier die klare Trennung: Was brauchst du unbedingt für den Start, und was kann warten?

Pflicht (für den Start)Optional (kann warten)
Beute (Zargen + Boden + Deckel)Honigschleuder (Verein!)
Rähmchen + MittelwändeEntdeckelungsgeschirr
Schleier / ImkerhutRefraktometer
HandschuheAblegerkästen
StockmeißelKöniginnen-Absperrgitter
SmokerWachsschmelzer
Bienenbesen / -fegerBienenflucht
Futterzarge oder FuttertascheBienenwaage (digital)

Schauen wir uns jetzt jedes Pflicht-Element im Detail an.


1. Die Beute: Das Zuhause deiner Bienen

Die Behausung (der "Bienenkasten"), in der ein Bienenvolk lebt. Moderne Beuten bestehen aus stapelbaren Zargen mit herausnehmbaren Rähmchen.

Die Beute ist die größte Einzelinvestition und die wichtigste Entscheidung, die du am Anfang triffst. In Deutschland werden hauptsächlich drei Systeme verwendet:

Die gängigen Beutensysteme

SystemRähmchenmaßVorteileNachteile
Deutsch Normal (DN)370 × 223 mmWeit verbreitet, viel Zubehör, leichte ZargenKleines Brutraummaß, oft 2 Brutzargen nötig
Zander420 × 220 mmBeliebt in Süddeutschland, guter KompromissNicht kompatibel mit DN
Dadant (modifiziert)435 × 300 mm (Brut)Großer Brutraum (1 Zarge reicht), Profi-StandardSchwere Brutzargen (ca. 30 kg voll), teurer
Der wichtigste Tipp zur Beutenwahl

Nimm dasselbe System wie dein Imkerpate und dein Verein! Dann kannst du Rähmchen, Mittelwände und Ableger problemlos tauschen. Das Beutenmaß wechseln ist später extrem aufwendig. Frag im Verein, bevor du kaufst.

Aufbau einer Magazinbeute

Eine moderne Magazinbeute besteht von unten nach oben aus:

  1. Beutenbock / Ständer

    Stellt die Beute ca. 30-40 cm über den Boden. Schützt vor Feuchtigkeit und Mäusen und schont deinen Rücken bei der Arbeit. Einfache Lösungen: zwei Europaletten, Ziegelsteine oder ein Metallgestell.

  2. Bodenbrett (Gitterboden)

    Der Boden der Beute. Ein Gitterboden (Netz statt geschlossenes Brett) ist heute Standard: Er verbessert die Belüftung, lässt Varroamilben durchfallen und ermöglicht die Gemülldiagnose mit einer Einschub-Windel.

  3. Brutraum (1-2 Zargen)

    Hier lebt das Volk: Die Königin legt Eier, Brut wird aufgezogen, Pollen und Honig als Vorrat eingelagert. Je nach Beutenmaß brauchst du eine Zarge (Dadant) oder zwei (DN/Zander).

  4. Absperrgitter (optional)

    Ein Gitter mit exakt 4,2 mm Maschenweite: Arbeiterinnen passen durch, die größere Königin nicht. So bleibt der Honigraum brutfrei -- wichtig für sauberen Honig. Nicht alle Imker nutzen es.

  5. Honigraum (1-2 Zargen)

    Hier lagern die Bienen den überschüssigen Honig ein, den du erntest. Honigzargen sind oft flacher (halb- oder Dreiviertelzargen), damit sie nicht zu schwer werden -- eine volle Honigzarge wiegt 20-25 kg!

  6. Innendeckel + Außendeckel

    Der Innendeckel (Folie oder Holz) schließt den Bienenraum nach oben ab. Der Außendeckel (Blechhaube) schützt vor Regen und Sonne. Manche Imker legen noch eine Isolierung dazwischen.

Mittelwände aus Bienenwachs mit vorgepresstem Zellmuster
Mittelwände geben den Bienen eine Vorlage -- sie bauen die Zellen darauf schneller aus, als wenn sie komplett frei bauen müssten

Rähmchen und Mittelwände

In jede Zarge hängen Rähmchen (Holzrahmen), in die du Mittelwände (dünne Wachsplatten mit vorgepresstem Zellmuster) einlötest. Die Bienen bauen diese dann zu fertigen Waben aus.

Rähmchen selbst bauen?

Viele Imker bauen ihre Rähmchen selbst aus vorgefertigten Leisten -- das spart Geld und macht Spaß. Fertig gedrahtet und mit Mittelwand kostet ein Rähmchen im Handel ca. 2-3 €, Selbstbau kommt auf ca. 1-1,50 €. Bei 100+ Rähmchen lohnt sich das.

Kosten Beute (1 Volk, komplett):

  • Beute (2 Zargen + Boden + Deckel): 80-150 €
  • 20 Rähmchen + Mittelwände: 40-60 €
  • Honigraum-Zarge + Rähmchen: 50-80 €
  • Gesamt pro Volk: ca. 170-290 €

2. Schutzkleidung: Sicherheit geht vor

Imker mit Schleier bei der Arbeit an einer Beute
Ein guter Schleier ist Pflicht -- er schützt Gesicht und Hals zuverlässig vor Stichen

Bienen stechen, wenn sie sich bedroht fühlen. Besonders als Anfänger, wenn du noch unsicher bist und die Bienen das spüren, ist gute Schutzkleidung kein Luxus, sondern Pflicht.

Schleier / Imkerhut

Der Schleier ist das wichtigste Teil deiner Schutzausrüstung. Stiche ins Gesicht sind nicht nur schmerzhaft, sondern können bei Schwellungen am Hals auch gefährlich werden.

Es gibt verschiedene Typen:

TypPreisVorteileNachteile
Rundschleier (Hutschleier)15–30 €Günstig, leicht, gute SichtKann sich am Gesicht anlegen (Stich durchs Netz)
Klappschleier mit Hut25–50 €Steifer Abstand zum Gesicht, gute BelüftungSperriger
Imkerjacke mit integriertem Schleier50–100 €Komplettschutz Oberkörper + Gesicht, kein VerrutschenWarm im Hochsommer
Ganzkörper-Anzug80–150 €Maximaler Schutz, ideal für AnfängerHeiß, etwas umständlich an-/auszuziehen
Empfehlung für Anfänger

Starte mit einer Imkerjacke mit integriertem Schleier. Sie bietet guten Schutz, verrutscht nicht und ist schnell angezogen. Einen Ganzkörperanzug brauchst du in der Regel nicht -- lange, helle Hosen und feste Schuhe reichen untenrum.

Handschuhe

Imker-Handschuhe haben lange Stulpen, die über die Unterarme reichen. Es gibt zwei Philosophien:

  • Lederhandschuhe (dick): Guter Stichschutz, aber wenig Feingefühl. Ideal für Anfänger und bei stechfreudigen Völkern.
  • Nitril-/Latex-Handschuhe (dünn, Einweg): Viel besseres Feingefühl beim Arbeiten an Rähmchen, aber geringerer Stichschutz. Viele erfahrene Imker bevorzugen diese.

Tipp: Starte mit Lederhandschuhen. Wenn du nach ein paar Monaten mehr Routine und Vertrauen hast, probiere dünne Einweghandschuhe -- du wirst den Unterschied beim Arbeiten sofort merken.


3. Werkzeuge: Die essenziellen Drei

Drei Werkzeuge wirst du bei jeder einzelnen Durchsicht brauchen. Sie sind dein tägliches Handwerkszeug.

Der Stockmeißel

Stockmeißel wird zum Lösen eines Rähmchens aus der Beute eingesetzt
Der Stockmeißel -- das meistbenutzte Werkzeug eines Imkers. Zum Lösen von Rähmchen, Abkratzen von Wachs und Propolis, und vielem mehr

Der Stockmeißel (auch Wabenheber) ist ein flaches Metallwerkzeug mit verschiedenen Enden:

  • Flaches Ende: Zum Lösen von Zargen und Rähmchen, die mit Propolis verkittet sind
  • Gebogenes Ende: Zum Heraushebeln einzelner Rähmchen
  • Abkratzen: Zum Entfernen von Wildbau, überschüssigem Wachs und Propolis
Propolis -- der Universalkleber

Bienen verkitten alles mit Propolis (Kittharz), das sie von Baumknospen sammeln. Zargen, Rähmchen, Spalten -- alles wird zugeklebt. Ohne Stockmeißel bekommst du buchstäblich keine einzige Beute auf.

Kosten: 8-20 € (Edelstahl empfohlen -- rostet nicht)

Der Smoker

Kupferfarbener Smoker mit Lederbalg
Der Smoker erzeugt kühlen Rauch, der die Bienen beruhigt -- ein unverzichtbarer Begleiter bei der Arbeit am Volk

Der Smoker ist eine kleine Blechdose mit Blasebalg, in der du Rauch erzeugst. Er ist dein wichtigstes Werkzeug zur Beruhigung der Bienen.

Warum funktioniert Rauch? Wenn Bienen Rauch riechen, denken sie instinktiv an Waldbrand und beginnen, sich mit Honig vollzusaugen -- für eine mögliche Flucht. Vollgesogene Bienen sind deutlich friedlicher, weil sie sich physisch schwer zum Stechen krümmen können. Gleichzeitig überdeckt der Rauch Alarmpheromone.

Rauch-Material: Verwende natürliche, langsam glimmende Materialien:

  • Gut: Jute-Sackleinen, Eierkarton, trockenes Heu, Holzspäne, Kräuter
  • Schlecht: Zeitungspapier (zu heiß, chemische Druckerschwärze), Pappe (stinkt)
Weniger ist mehr

Setze den Smoker sparsam ein: 2-3 sanfte Rauchstöße ans Flugloch und unter den Deckel reichen meist völlig. Zu viel Rauch stresst die Bienen unnötig und kann den Honiggeschmack beeinträchtigen. Erfahrene Imker kommen oft mit ein paar Stößen pro Durchsicht aus.

Kosten: 25-50 € (Edelstahl, mittlere Größe empfohlen)

Der Bienenbesen / Abkehrbesen

Ein weicher Besen (Natur- oder Kunststoffborsten), mit dem du Bienen sanft von Rähmchen und Zargen fegst -- zum Beispiel bei der Honigernte, wenn du bienenfreie Waben brauchst.

Kosten: 5-12 €


4. Fütterung: Für den Notfall gerüstet

Nach der Honigernte im Sommer musst du deinen Bienen den entnommenen Honig durch Zuckerwasser oder Sirup ersetzen, damit sie genug Wintervorrat haben. Dafür brauchst du:

Futterzarge oder Futtertasche

  • Futterzarge: Eine spezielle Zarge, die oben auf die Beute gesetzt wird und einen Trog enthält, in den du Sirup füllst. Fasst 3-5 Liter. Kosten: 15-30 €
  • Futtertasche: Hängt wie ein Rähmchen im Stock. Platzsparender, aber geringeres Volumen (1-2 Liter). Kosten: 8-15 €
Was füttern?

Standard-Futter ist eine Mischung aus Zucker und Wasser (3:2 Verhältnis) oder fertiger Bienen-Sirup aus dem Fachhandel. Niemals Honig aus fremder Quelle füttern -- er könnte Faulbrut-Sporen enthalten, die dein Volk vernichten können!


Die komplette Einkaufsliste

Hier findest du alles auf einen Blick -- mit realistischen Preisen für den Start mit 2-3 Völkern:

KategorieGegenstandPreis (ca.)
Beute2-3 komplette Magazinbeuten (Zargen + Boden + Deckel)250–450 €
BeuteRähmchen + Mittelwände (60-80 Stück)80–160 €
BeuteHonigraum-Zargen + Rähmchen80–150 €
SchutzImkerjacke mit Schleier50–100 €
SchutzLederhandschuhe mit Stulpen15–30 €
WerkzeugeStockmeißel (Edelstahl)10–20 €
WerkzeugeSmoker (mittelgroß, Edelstahl)25–50 €
WerkzeugeAbkehrbesen5–12 €
Fütterung2-3 Futterzargen oder Futtertaschen30–60 €
SonstigesZucker für Winterfutter (ca. 40-60 kg)30–50 €
SonstigesVarroabehandlungsmittel15–30 €
590–1.100 €
Gesamtkosten für den Einstieg mit 2-3 Völkern (Ausrüstung + Verbrauchsmaterial)

Wo kaufen? Deine Optionen

Nicht alles muss aus dem Fachhandel sein -- es gibt clevere Alternativen.

Imkerfachhandel (online & lokal)

Die zuverlässigste Quelle. Große deutsche Fachhändler:

  • Bienen Voigt & Co. -- einer der ältesten und größten
  • Holtermann Imker-Technik -- breites Sortiment, gute Preise
  • Bienenweber -- v.a. Dadant-Zubehör
  • Bergwinkel -- günstige Eigenmarken
Sammelbestellung über den Verein

Viele Vereine organisieren einmal jährlich (meist im Herbst/Winter) eine Sammelbestellung bei einem Fachhändler. Dadurch sparst du Versandkosten und bekommst oft Mengenrabatt. Frag deinen Vereinsvorstand!

Imkerverein

  • Gebrauchte Beuten und Geräte (oft günstig oder kostenlos)
  • Honigschleuder zum Ausleihen (spart 300-800 €!)
  • Erfahrungsberichte, welche Produkte sich bewähren
  • Gemeinsame Rähmchen-Bau-Abende

Gebraucht kaufen

Vorsicht bei gebrauchten Beuten

Gebrauchte Beuten nur von vertrauenswürdigen Quellen kaufen (Imkerpate, Verein). Beuten aus unbekannter Herkunft können mit Faulbrut-Sporen kontaminiert sein -- ein hochansteckender Erreger, der ein Volk vernichtet und meldepflichtig ist. Im Zweifel: Flamme die Innenseiten mit einem Bunsenbrenner ab oder verwende nur neue Beuten.

Was du NICHT am Anfang kaufen solltest

Vermeide diese häufigen Anfänger-Fehler:


Spar-Tipps für den Einstieg

Rähmchen werden in einer Werkstatt zusammengebaut
Rähmchen selbst bauen spart Geld und macht Spaß -- viele Vereine bieten gemeinsame Bastelabende an

Du willst starten, aber das Budget ist knapp? Hier die besten Strategien:

Spar-Checkliste für Anfänger

Fortschritt0/0

Das Wichtigste am Anfang ist nicht die beste Ausrüstung, sondern ein guter Lehrer. Ein erfahrener Imkerpate ist mehr wert als die teuerste Beute.

Günter Friedmann
Demeter-Imker und Buchautor

Was du sonst noch brauchst (aber nicht kaufen musst)

Ein Stockbuch / Stockkarte

Ab dem ersten Volk solltest du deine Beobachtungen dokumentieren: Wann hast du durchgesehen? Wie war die Brut? Hast du Weiselzellen gefunden? Wann behandelt, gefüttert, geerntet?

Das ist nicht nur für dich als Lernhilfe extrem wertvoll -- seit 2022 ist das Bestandsbuch für alle EU-Imker Pflicht (Dokumentation von Behandlungen).

Du kannst das klassisch auf Papier machen -- oder digital mit einer App wie Hivekraft, die dir Erinnerungen schickt, Muster erkennt und das Bestandsbuch automatisch führt.

Geduld und Demut

Kein Werkzeug, das du kaufen kannst, aber die wichtigste "Ausrüstung": Bienen sind Wildtiere mit eigenem Kopf. Im ersten Jahr wirst du Fehler machen -- und das ist völlig in Ordnung. Jeder erfahrene Imker hat einmal angefangen und Lehrgeld bezahlt.

Dein erster Schritt

Wenn du noch keinen Imkerkurs besucht hast: Das ist der allerwichtigste erste Schritt. Dort lernst du unter Anleitung den praktischen Umgang mit Bienen, kannst alle Werkzeuge ausprobieren und bekommst oft direkt eine Empfehlung, welches Beutensystem und welche Ausstattung im lokalen Verein gängig ist. Die meisten Kurse laufen von Februar bis September und kosten 50-150 Euro.


Wissenscheck

Was ist der wichtigste Rat bei der Wahl des Beutensystems?

Warum funktioniert Rauch zur Beruhigung von Bienen?

Warum sollte man gebrauchte Beuten nur aus vertrauenswürdigen Quellen kaufen?


Herzlichen Glückwunsch -- du kennst jetzt die Grundlagen der Imkerei, die Biologie deiner Bienen und die Ausrüstung, die du brauchst. In den nächsten Lektionen wird es richtig praktisch: Wir schauen uns an, wie du den perfekten Standort für deine Bienen findest und wie dein erstes Bienenjahr Schritt für Schritt abläuft.

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