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Herbst: Varroabehandlung und Einfütterung

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Varroabehandlung mit Ameisensäure und richtige Einfütterung im Herbst sichern das Überleben deiner Bienen im Winter.

Herbst: Varroabehandlung und Einfütterung

Der Herbst ist die wichtigste Jahreszeit für deine Bienen -- und für dich als Imker. Was du jetzt richtig oder falsch machst, entscheidet darüber, ob dein Volk den Winter überlebt. Zwei Aufgaben stehen im Mittelpunkt: die Varroamilbe bekämpfen und ausreichend Winterfutter geben.

Imker bereitet Bienenvölker auf den Herbst vor
Die Herbstarbeit am Bienenstand entscheidet über das Überleben deiner Völker.

Warum die Herbstarbeit so entscheidend ist

Ab August schlüpfen die sogenannten Winterbienen. Im Gegensatz zu den kurzlebigen Sommerbienen (ca. 6 Wochen) leben diese Bienen 5-6 Monate und tragen das Volk durch den Winter bis ins Frühjahr. Damit gesunde Winterbienen aufgezogen werden können, muss das Volk zwei Voraussetzungen erfüllen:

  1. Niedrige Varroabelastung -- Milben schwächen die Brut und übertragen Viren
  2. Ausreichend Futtervorräte -- das Volk braucht Energie für die Wintertraube
5-6 Monate
Lebensdauer einer Winterbiene

Versäumst du die Behandlung, kann die Milbenlast im Oktober so hoch sein, dass die Winterbienen bereits geschädigt schlüpfen. Das Volk bricht dann im Dezember oder Januar zusammen -- oft, wenn du es am wenigsten erwartest.

Die Varroa destructor -- kurz erklärt

Die Varroamilbe ist ein etwa 1,5 mm großer Parasit, der sich in der verdeckelten Brut vermehrt und von der Körperflüssigkeit der Bienen lebt. Ursprünglich stammt sie von der Asiatischen Honigbiene (Apis cerana), die natürliche Abwehrmechanismen entwickelt hat. Unsere Westliche Honigbiene (Apis mellifera) ist dagegen weitgehend wehrlos.

Warum Varroa so gefährlich ist

Die Milbe selbst schwächt die Biene, aber das eigentliche Problem sind die Viren, die sie überträgt. Das Flügeldeformationsvirus (DWV) führt zu verkrüppelten Flügeln bei frisch geschlüpften Bienen. Stark befallene Völker verlieren ihre Überlebensfähigkeit.

Befallskontrolle vor der Behandlung

Bevor du behandelst, solltest du den Befallsgrad kennen. Dafür gibt es zwei bewährte Methoden:

Varroakontrolle mit Bodeneinlage
Der natürliche Milbenfall auf der Bodeneinlage gibt einen ersten Anhaltspunkt über den Befall.
  • Bodeneinlage (Windel): Schiebe eine weiße Einlage unter das Gitterboden-Gitter und zähle nach 3 Tagen die gefallenen Milben. Mehr als 5 Milben pro Tag im Juli bedeuten: sofort behandeln.
  • Puderzuckermethode: Nimm ca. 300 Bienen (eine halbe Tasse) von einer Brutwabe, schüttele sie mit Puderzucker in einem Glas und zähle die abgefallenen Milben. Mehr als 3 Milben pro 100 Bienen erfordern eine Behandlung.
Puderzuckermethode zur Varroakontrolle
Die Puderzuckermethode ist bienenfreundlich und liefert zuverlässige Ergebnisse.

Varroabehandlung mit Ameisensäure

Die Behandlung mit Ameisensäure ist in Deutschland die Standardmethode nach der letzten Honigernte. Der Vorteil: Sie wirkt auch in die verdeckelte Brut hinein und erreicht so Milben, die sich dort vermehren.

Sicherheit geht vor!

Ameisensäure ist ätzend und gesundheitsschädlich. Trage IMMER säurefeste Handschuhe und eine Schutzbrille. Arbeite im Freien oder bei guter Belüftung. Halte Wasser zum Abspülen bereit. Im Notfall sofort mit viel Wasser spülen!

Zeitfenster und Temperaturen

  • Behandlungszeitraum: Ende Juli bis Mitte September (nach der letzten Honigernte)
  • Optimale Temperatur: 15-25 °C Tagestemperatur
  • Nicht über 30 °C behandeln! Die Säure verdunstet zu schnell und kann Brut und Königin schädigen
  • Nicht unter 12 °C: Die Verdunstung ist zu gering für eine wirksame Konzentration

Behandlungsmethoden

Langzeitbehandlung (empfohlen für Anfänger):

  • Verdunster (z. B. Nassenheider Professional) mit 200 ml Ameisensäure 60 %
  • Dauer: 10-14 Tage
  • Gleichmäßige, schonende Verdunstung

Kurzzeitbehandlung:

  • Schwammtuch oder Liebig-Dispenser mit Ameisensäure 60 %
  • Dauer: 3-5 Tage, ggf. zweimal wiederholen
  • Höhere Dosierung, dafür kürzere Einwirkzeit
60 %
Konzentration der Ameisensäure
Ameisensäure-Behandlung gegen Varroa
Bei der Langzeitbehandlung verdunstet die Ameisensäure über 10-14 Tage kontrolliert im Volk.

Einfütterung: Wintervorrat auffüllen

Nachdem du den Honig geerntet hast, fehlt dem Volk sein Wintervorrat. Diesen musst du durch Zuckerfutter ersetzen. Die Einfütterung beginnt direkt nach der letzten Ernte und sollte bis spätestens Mitte September abgeschlossen sein -- in kühlen Regionen sogar früher.

Was und wieviel?

FutterMischungVorteil
Zuckerlösung3 Teile Zucker : 2 Teile WasserGünstig, wird gut angenommen
Fertigfutter (Apiinvert, Ambrosia)GebrauchsfertigKein Mischen nötig, hygienisch
FutterteigFertigproduktFür Notfütterung, langsame Abnahme
15-20 kg
Winterfutter pro Volk (Zander/DN)

Die Menge hängt von der Beutenart ab:

  • Zander/Deutsch Normal: 15-20 kg Gesamtfutter
  • Dadant: 18-22 kg (größerer Brutraum)
  • Abzüglich vorhandener Futterwaben im Brutraum
Faustregel zur Gewichtskontrolle

Ein voll eingefüttertes Volk auf Zander wiegt im Oktober ca. 30-35 kg inklusive Beute, Bienen und Futter. Hebe die Beute hinten leicht an -- mit etwas Übung spürst du, ob genug Futter vorhanden ist.

Einfütterung Schritt für Schritt

  1. Futter anrühren oder bereitstellen

    Löse 3 kg Zucker in 2 Litern warmem Wasser auf (3:2-Lösung). Rühre, bis sich der Zucker vollständig aufgelöst hat. Alternativ verwende gebrauchsfertiges Flüssigfutter.

  2. Futtergeschirr einsetzen

    Setze eine Futtertasche oder einen Futtereimer auf den Brutraum. Achte darauf, dass die Bienen sicher ans Futter gelangen und nicht ertrinken können. Lege ggf. Schwimmhilfen (Strohhalme, Korken) ein.

  3. Futter geben

    Gib 3-5 Liter pro Fütterungsrunde. Das Volk nimmt bei warmem Wetter (über 15 °C) in 2-3 Tagen mehrere Liter auf. Füttere in größeren Portionen statt vielen kleinen -- das reduziert Störung und Räubereigefahr.

  4. Nachfüttern

    Wiederhole die Fütterung alle 3-5 Tage, bis die Ziel-Futtermenge erreicht ist. Ein Volk braucht typischerweise 3-5 Fütterungsrunden.

  5. Gewicht kontrollieren

    Hebe die Beute am Ende hinten an (Kofferprobe). Sie sollte sich deutlich schwer anfühlen. Ideal: 30-35 kg Gesamtgewicht bei Zanderbeuten. Notiere das Gewicht in deiner Stockkarte.

Einfütterung im Herbst mit Zuckerlösung
Die Einfütterung sollte bis Mitte September abgeschlossen sein, damit die Bienen das Futter noch umarbeiten können.

Weitere Herbstarbeiten

Neben Varroa und Futter gibt es noch einige Punkte auf deiner Herbst-Checkliste:

Herbst-Checkliste für Anfänger

Fortschritt0/0
Mäusegitter am Flugloch einer Bienenbeute im Herbst
Das Mäusegitter verhindert, dass Mäuse im Winter in die warme Beute einziehen und Waben zerstören.

Was nach der Herbstarbeit kommt

Wenn du alles richtig gemacht hast, darfst du dich jetzt zurücklehnen. Dein Volk hat genug Futter, die Varroa-Last ist niedrig und die Winterbienen werden gesund aufgezogen. Im Dezember steht dann noch die Winterbehandlung mit Oxalsäure an -- dazu mehr in der nächsten Lektion.

Häufiger Anfängerfehler

Viele Anfänger behandeln zu spät oder füttern zu wenig. Merke dir: Lieber eine Woche zu früh als einen Tag zu spät! Bereits Anfang August sollte die erste Behandlung laufen, nicht erst im September.


Wissen überprüfen

Warum ist die Varroabehandlung im Spätsommer so wichtig?

Wie viel Winterfutter braucht ein Volk auf Zandermaß ungefähr?

In der nächsten Lektion erfährst du, was im Winter am Bienenstand passiert -- und warum du deine Völker jetzt am besten in Ruhe lässt.

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