Dein erstes Jahr: Rückblick und Planung
Ein kompletter Rückblick auf dein erstes Imkerjahr: Was du gelernt hast, typische Fehler und wie du dein zweites Jahr planst.
Dein erstes Jahr: Rückblick und Planung
Gratulation -- du hast dein erstes Imkerjahr geschafft! Egal ob alles reibungslos lief oder du den einen oder anderen Rückschlag erlebt hast: Du bist jetzt Imkerin oder Imker. In dieser letzten Lektion blicken wir auf die zwölf Monate zurück, die hinter dir liegen, lernen aus den häufigsten Anfängerfehlern und planen dein zweites Jahr.

Das Bienenjahr im Überblick
Jeder Monat bringt andere Aufgaben und Herausforderungen. Hier ist der komplette Jahreskreislauf, wie du ihn erlebt hast:
Winterruhe
Völker in Ruhe lassen. Gewicht prüfen (Kofferprobe). Material vorbereiten, Rähmchen bauen.
Vorfreude
Erste milde Tage: Reinigungsflug beobachten. Futtervorrat kontrollieren. Beuten-Material bestellen.
Erwachen
Bienen fliegen regelmäßig. Erste vorsichtige Kontrolle bei über 15 °C. Bodenbrett reinigen, Totenfall beurteilen.
Frühjahrsdurchsicht
Gründliche Durchsicht: Weiselrichtigkeit, Brutbild, Futterkranz prüfen. Erweitern mit Mittelwänden.
Schwarmzeit
Höhepunkt der Schwarmzeit! Wöchentliche Schwarmkontrolle. Honigraum aufsetzen. Ableger bilden.
Haupttracht
Volle Tracht: Linde, Robinie, Wildblumen. Honigräume kontrollieren und ggf. aufsetzen. Schwarmkontrolle fortsetzen.
Ernte
Erste Honigernte! Schleudern, Abfüllen, Etikettieren. Nach der Ernte: sofort mit Varroabehandlung beginnen.
Varroabehandlung
Ameisensäure-Behandlung. Beginn der Einfütterung. Winterbienen werden aufgezogen -- jetzt zählt jeder Tag!
Einfütterung
Einfütterung abschließen (15-20 kg). Varroa-Wirksamkeit kontrollieren. Mäusegitter anbringen.
Einwintern
Letzte Gewichtskontrolle. Flugloch einengen. Beuten sturmsicher machen. Saison reflektieren.
Ruhe
Bienen bilden Wintertraube. Keine Störung! Werkstatt-Zeit: Rähmchen bauen, Beuten reparieren.
Winterbehandlung
Oxalsäure-Behandlung in brutfreier Phase (Träufelmethode). Einmal pro Winter, dann Ruhe bis Frühling.
Die häufigsten Fehler im ersten Jahr
Kein Anfänger macht alles richtig -- und das ist völlig in Ordnung. Wichtig ist, dass du aus den Erfahrungen lernst. Hier sind die Fehler, die fast jeder Neuimker macht:
1. Zu selten oder zu oft kontrollieren
Manche Anfänger schauen wochenlang nicht nach ihren Bienen, andere öffnen den Stock jeden zweiten Tag. Beides ist schlecht. Während der Schwarmzeit (Mai-Juni) kontrollierst du wöchentlich, sonst alle 10-14 Tage. Im Winter: gar nicht öffnen.
2. Varroabehandlung verschleppt
"Ich mache das nächste Woche" -- und plötzlich ist es September. Die Varroamilbe wartet nicht. Direkt nach der letzten Ernte behandeln, idealerweise schon Ende Juli oder Anfang August.
3. Zu wenig eingefüttert
"Es war doch noch Futter in der Beute" -- ja, aber nicht genug für 5 Monate Winter. Immer wiegen oder die Kofferprobe machen. 15-20 kg ist das Ziel, nicht "sieht eigentlich ganz gut aus".
4. Schwarmzellen übersehen
Eine einzelne Schwarmzelle am Wabenrand genügt. Wer bei der Kontrolle nicht jede Wabe einzeln zieht und auch die Unterseiten prüft, riskiert einen Schwarm -- und verliert die Hälfte seines Volkes.
5. Zu viel Rauch
Rauch ist ein Werkzeug, kein Löschgerät. Ein paar sanfte Stöße genügen. Zu viel Rauch stresst die Bienen unnötig und verschlechtert den Honig.
Fehler gehören zum Lernprozess. Schreibe nach jeder Saison auf, was schiefgelaufen ist und was du nächstes Mal anders machen willst. Deine Stockkarte (analog oder digital mit Hivekraft) ist dabei dein bester Helfer -- denn Erinnerung allein ist unzuverlässig.
Erfolgskriterien: Wann war dein Jahr gut?
Nicht jedes Jahr bringt eine Rekordernte. Gerade im ersten Jahr sind andere Dinge wichtiger als Honigberge. Dein erstes Jahr war erfolgreich, wenn:
-
Dein Volk lebt und ist gesund. Das klingt simpel, aber die Überwinterungsrate bei Anfängern liegt oft nur bei 70-80 %. Wenn dein Volk im Frühling stark aus dem Winter kommt, hast du alles richtig gemacht.
-
Du hast etwas Honig geerntet. Im ersten Jahr sind 10-15 kg pro Volk ein realistisches Ziel. Manche Völker liefern mehr, manche weniger. Sei nicht enttäuscht, wenn es im ersten Jahr nur wenige Gläser sind.
-
Du hattest Freude dabei. Imkern ist ein Hobby (oder Beruf), das Geduld und Hingabe verlangt. Wenn du nach einem Jahr immer noch gern zu deinen Bienen gehst, ist das der größte Erfolg.
Das erste Jahr ist ein Lehrjahr. Wer nach der ersten Saison sagt "Das will ich weitermachen!", hat gewonnen -- ganz unabhängig davon, wie viel Honig im Glas gelandet ist. Die Bienen verzeihen Anfängern erstaunlich viel, wenn man bereit ist, aus Fehlern zu lernen.
Thomas SchwarzImkermeister und Kursleiter
Dein zweites Jahr planen

Mit der Erfahrung aus dem ersten Jahr bist du bereit für den nächsten Schritt. Hier sind die wichtigsten Ziele für dein zweites Imkerjahr:
Von 1 auf 2-3 Völker wachsen
Ein einzelnes Volk ist riskant: Geht es ein, stehst du ohne Bienen da. Mit 2-3 Völkern hast du eine Reserve und kannst Waben, Brut oder eine Königin von einem Volk zum anderen umhängen, wenn Probleme auftreten.
Wie kommst du an mehr Völker?
- Ableger bilden: Im Mai/Juni nimmst du 2-3 Brutwaben mit ansitzenden Bienen und einer Weiselzelle aus deinem Volk und setzt sie in eine eigene Beute. Dieser Ableger wächst über den Sommer zu einem eigenen Volk heran.
- Schwarm fangen: Falls ein Schwarm abgeht (deiner oder ein fremder), kannst du ihn einlogieren.
- Zukauf: Einen Kunstschwarm oder Ableger vom Imkerverein oder Züchter kaufen.
Die Ablegerbildung ist ein eigenes Thema, das wir in einem fortgeschrittenen Kurs ausführlich behandeln. Für den Anfang genügt es zu wissen: Im Mai/Juni ist der richtige Zeitpunkt, und dein Imkerpate oder Verein hilft dir dabei.
Dein Varroakonzept verbessern
Im ersten Jahr hast du die Grundlagen gelernt: Ameisensäure im Sommer, Oxalsäure im Winter. Für das zweite Jahr kannst du dein Konzept verfeinern:
- Drohnenbrut schneiden im Mai/Juni als biotechnische Maßnahme (reduziert den Milbendruck ohne Chemie)
- Befallskontrolle systematisch durchführen und dokumentieren
- Behandlungszeitpunkt optimieren -- du kennst jetzt die Temperaturen und den Rhythmus deiner Region besser
Honig gezielt vermarkten
Wenn du im zweiten Jahr eine ordentliche Ernte einfährst, kannst du anfangen, Honig an Freunde, Familie oder auf dem Wochenmarkt zu verkaufen. Beachte dabei die Honigverordnung (HonigV) und die Kennzeichnungspflichten.
Der Imkerverein: Dein wichtigstes Netzwerk
Falls du noch nicht Mitglied in einem Imkerverein bist, ist jetzt der perfekte Zeitpunkt dafür. Die Vorteile sind enorm:

- Versicherung: Als Vereinsmitglied bist du über die Imker-Haftpflichtversicherung abgesichert (wichtig bei Schwärmen oder Stichvorfällen)
- Wissen: Erfahrene Imker teilen ihr Wissen in Kursen, Vorträgen und beim Stammtisch
- Gemeinschaft: Gemeinsame Schleudertermine, Wanderungen zu Trachten, Feste
- Ausrüstung: Viele Vereine verleihen Schleudern, Dampfwachsschmelzer und andere teure Geräte
- Bienensachverständige: Bei Krankheitsverdacht hast du sofort einen Ansprechpartner
Weiterbildung: Nie aufhören zu lernen
Imkern ist ein Handwerk, bei dem man nie auslernt. Hier sind Empfehlungen für deine Weiterbildung:
Bücher
- "Einfach Imkern" von Dr. Gerhard Liebig -- der Klassiker für alle Betriebsweisen
- "1x1 des Imkerns" von Friedrich Pohl -- kompakt und praxisorientiert
- "Der Bien" von Jürgen Tautz -- faszinierende Biologie für alle, die die Biene wirklich verstehen wollen
Online-Ressourcen
- Die Honigmacher (honigmacher.de) -- kostenloses Online-Lernportal
- Bieneninstitute der Bundesländer -- regionale Informationen und Behandlungsempfehlungen
- YouTube: Kanäle wie "Imkern für Anfänger" oder "BeeTV" zeigen praktische Anleitungen
Digitale Werkzeuge
Eine gute Dokumentation ist das Fundament erfolgreicher Imkerei. Was du in deiner Stockkarte festhältst -- Durchsichten, Behandlungen, Fütterungen, Ernten -- hilft dir, Muster zu erkennen und bessere Entscheidungen zu treffen.

Mit Hivekraft kannst du alle Daten digital erfassen, auswerten und sogar gesetzliche Pflichten wie das Bestandsbuch automatisch erfüllen. Probiere es aus und erlebe, wie viel einfacher Imkern wird, wenn du alle Informationen jederzeit griffbereit hast.
Was du am Ende des ersten Jahres können solltest
Kompetenzen nach dem ersten Imkerjahr
Wenn du die meisten dieser Punkte abhaken kannst, bist du bereit fürs zweite Jahr. Und für alles, was du noch nicht sicher beherrschst, gibt es erfahrene Imker, Bücher und natürlich weitere Kurse hier bei Hivekraft.
Ein Ausblick

Das erste Jahr liegt hinter dir, aber die Reise geht weiter. In den kommenden Jahren wirst du:
- Deine Betriebsweise verfeinern und an deine Bedürfnisse anpassen
- Ableger bilden und deinen eigenen Nachwuchs aufziehen
- Vielleicht sogar Königinnen zeichnen und selektieren
- Verschiedene Honigsorten ernten und vermarkten
- Teil einer wunderbaren Gemeinschaft sein, die sich für Bienen und Natur einsetzt
Die Bienen werden dich jedes Jahr aufs Neue überraschen, herausfordern und begeistern. Willkommen in der Imkerei!
Wissen überprüfen
Was ist eine realistische Honig-Erwartung im ersten Imkerjahr?
Warum solltest du im zweiten Jahr auf 2-3 Völker erweitern?
Wann ist der beste Zeitpunkt, um einen Ableger zu bilden?
Herzlichen Glückwunsch! Du hast den Kurs "Imkern für Anfänger" abgeschlossen. Wir freuen uns, dich auf deinem weiteren Weg als Imkerin oder Imker zu begleiten.